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Darum

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Penelo Vaan
05.01.2012
05.01.2012
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Darum


„Warum kannst du dich nicht einmal benehmen? Musst du immer den Clown spielen?“
Penelo achtete nicht auf die neugierig rüber schauenden Hume und Humanoiden, die vorbeigingen, als sie Vaan mal wieder eine Standpauke hielt. Dieser schaute schon ein wenig betroffen aus, fuhr sich verlegen durch seine blonden Haare. Er wagte es nicht, sich zu verteidigen. Nein, mittlerweile wusste er, dass sie für seine Ausflüchte kein Verständnis hatte.
„Es tut mir leid.“ Der Blick aus blauen Augen war ehrlich, was Penelo etwas besänftigte. Noch immer hatte sie die Hände in die Hüften gestemmt, doch der Anflug eines Lächelns stahl sich auf ihre Lippen.
„Na gut. Aber denk daran: Auch Luftpiraten brauchen Manieren!“ Nun endlich grinsend wandte sie sich von ihm ab und ging zur Ladentür von „Migellos Allerlei“, um ihre Arbeit wieder aufzunehmen.
Im Laden erwartete sie Migello bereits, ihm war die Szene nicht entgangen.
„Die werden so schnell nicht wiederkommen“, erklärte er mit seiner schleppenden Stimme. „Kein großer Verlust würde ich meinen.“
Der ältere Bangaa  meinte das vornehme Paar, welches der Grund für Penelo war, Vaan zusammenzustauchen. Sie stammten offensichtlich aus Archadis, was an ihrer Kleidung und an ihrem Verhalten zu erkennen gewesen war. Mit unverblümter Abneigung betrachteten sie die Waren in dem kleinen Laden, hatten an allem etwas auszusetzen und machten es der 17-jährigen nicht leicht, den Einkauf so angenehm wie möglich zu gestalten. Vaan, der sich zu der Zeit ebenfalls dort befand, versuchte, seine Freundin etwas aufzuheitern und äffte das hochnäsige Getue der Archadier hinter deren Rücken nach. Er entlockte Penelo mit seiner sehr überzeugenden Darstellung sogar ein Kichern, doch zog er damit auch die Aufmerksamkeit des Paares auf sich. Während sich die Frau übertrieben entsetzt ihre Hände vor den Mund schlug und mit hoher Stimme über die „frevelhafte Beleidigung“ zeterte, kam ihr Gatte Vaan bedrohlich näher. Mit erhobenen Kopf und herablassender Stimme beschwerte er sich erst bei dem Jungen, dann beim Ladenbesitzer. Dieses überzogene Verhalten endete damit, dass die beiden wutentbrannt das Geschäft verließen, nicht, ohne sich lautstark bei den Entgegenkommenden zu beschweren. Somit hatte Vaan zwei potentielle Kunden vertrieben und die Gerüchteküche Rabanastres zweifelsohne zum Köcheln gebracht.
Aber eigentlich hatte er sie nur zum Lachen bringen wollen.
Darum.
Unterdessen streifte Vaan ruhelos durch Rabanastre. Natürlich rückte sie ihm immer wieder den Kopf zurecht, damit er nicht abhob und sich in Schwierigkeiten brachte, aus denen er sich nicht so einfach retten konnte. Aber Penelo verzieh ihm alles. Sie verzieh ihm, als er sie als Alibi benutzte, nachdem er einigen imperialen Soldaten die Geldbörsen gestohlen hatte. Sie verzieh ihm, als er ihren Geburtstag vergessen und sie versetzt hatte, um dabei zu sein, wie der neuste Entwurf eines Luftschiffes seinen ersten Testflug machte. Sie verzieh ihm, als er ihr unsinnige Vorwürfe gemacht und angeschrien hatte, weil sich Reks‘ Zustand verschlechterte. Er stellte zuweilen allerhand Unsinn an, doch auf Penelo war Verlass. Und er war so undankbar.
Vaan lenkte seine Schritte zum Muzzur-Bazar, um etwas für sie zu kaufen. Etwas, worüber sie sich freuen würde. Das hatte sie verdient.
So kam es, dass er kurze Zeit später mit einer Sternfrucht in Migellos Laden erschien. Das Obst war teuer und er hatte es nur bezahlen können, weil der Verkäufer es ihm billiger verkauft hatte. Dabei hatte er Vaan das Versprechen abgerungen, sich um eine Streunertomate zu kümmern, die in der Ostwüste Dalmascas ihr Unwesen trieb und die Händler behinderte. Zwar nahm sich der 17-jährige fest vor, dieses Versprechen so bald wie möglich zu erfüllen, war es doch ein gutes Training, vergaß es jedoch, kaum dass er den Bazar verlassen hatte.
Zu seinem Pech war seine beste Freundin gerade im Auftrag ihres Chefs unterwegs, sodass er beschloss, zu warten.
Während sie also mit einem leeren Korb zum Laden zurückkehrte, saß Vaan auf der Theke und wartete ungeduldig. Um sich die Zeit zu vertreiben, warf er die Sternfrucht hoch und fing sie wieder auf. Von Mal zu Mal gestaltete er die Würfe schwieriger, indem er Gegenstände verstellte, während sein Spielzeug gerade in der Luft war, sich selber merkwürdig verrenkte oder mit dem Wurfwinkel experimentierte. Mehr als einmal war er kurz davor, auf den Boden zu stürzen und gerade, als Penelo durch die Tür trat, verlor er das Gleichgewicht und fiel hinter den Verkaufstisch.
„Vaan!“
Sie eilte zu ihm und lehnte sich über die Theke, eine Augenbraue erhoben, während Vaan sich mühsam aufrappelte. Bei seinem Sturz hatte er einige Objekte mit hinuntergerissen, die nun um und auf ihm verteilt lagen. Farig tastete er nach dem Geschenk, entdeckte es schließlich unter einer Schüssel, in der vormals Bonbons für Kinder gewesen waren, die nun überall verstreut auf dem Boden lagen. Den Schmerz im Steiß ignorierend, hielt der Blonde seiner Freundin die Sternfrucht hin.
„‘tschuldigung.“
Verblüfft starrte sie das Obst an – und lächelte.
Darum.
Penelo half ihrem Freund beim Aufräumen und schickte ihn nach draußen, als sie den Laden fegte und ein paar letzte Sachen zurechtrückte. Danach nahm sie die Sternfrucht und verabschiedete sich von ihrem Chef, bevor sie nach draußen trat. Das Licht der untergehenden Sonne blendete sie, sodass sie ihre Hand zum Abschirmen benutzen musste, damit sie Vaan sehen konnte, der brav auf den Treppen wartete.
Ohne viel zu reden gingen sie zum Platz an den Toren, in dessen Mitte ein großer Brunnen stand. Einige Bewohner Rabanastres saßen noch dort, als sie sich ein freies Plätzchen suchten, viele kamen auf dem Nachhauseweg vorbei. Das Wasser plätscherte munter vor sich hin, vergleichbar mit einem geschwätzigen Mädchen, das sich nichts daraus machte, ob ihm jemand zuhörte, und hatte eine beruhigende Wirkung auf Penelo. Sie schaute Vaan an, welcher seinen Blick gen Himmel gerichtet hatte, an dem gerade wieder ein Luftschiff erschienen war. Langsam erhob es sich aus dem Luftschiffterminal, schien kurz in der Luft zu verharren und setzte sich dann in Bewegung; erst träge, dann etwas schneller werdend. Die Leute, die sich darauf befanden, hatten wohl ein Ticket für einen gemütlichen Standartflug gekauft und konnten nun den verlockenden Abendhimmel aus nächster Nähe genießen.
„Wenn ich mein Luftschiff habe, fliegen wir nicht so lahm. Wir fliegen schneller als der Wind!“ Ein Ausdruck der Freude machte sich auf Vaans Gesicht breit, während er dem Flieger mit den Augen folgte. Penelo musste lächeln. Er hielt an seinem Traum fest, Luftpirat zu werden, kämpfte dafür. Eine Zeit lange hatte sie befürchtet, dass er sich auf eins der Transportschiffe stehlen würde, um an einer anderen Andokstation auf ein Piratenschiff umzusteigen und sie alleine zurückzulassen. Diese Sorgen hatte sie schon lange nicht mehr.
„Du willst also, dass ich mitkomme, hm?“ Obgleich sie die Antwort kannte, da sie sie schon einige Male bekommen hatte, fragte sie. Seine blauen Augen sahen sie verwirrt an, dann grinste er.
„Irgendwer muss doch auf mich aufpassen! Und außerdem…“, sagte er, nun wieder den wolkenlosen Himmel betrachtend. „Jeder gute Luftpirat braucht eine anständige Navigatorin, aye?“
Penelo lächelte.
Darum.
Darum bist du mein bester Freund. Oder mehr noch, ein Pirat, der mein Herz gestohlen hat. Mein Captain Vaan.




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Mein erstes "Werk" Zu FFXII. Ich  liebe dieses Spiel einfach und obgleich Vaan und Penelo nicht zu meinen Lieblingscharas gehören, habe ich sie doch gern und ihre Freundschaft war ein schönes Thema für einen OS.
Weiterhin hoffe ich, dass dieses kleine Stückchen "Alltag" der beiden jemandem gefällt.
Liebe Grüße,
Miharu
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