Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Loves run dry-- Oder: Ein Promi kommt selten allein

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
05.01.2012
05.08.2022
95
243.988
8
Alle Kapitel
132 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
05.08.2022 3.294
 
Huhu.

An diesem wechselhaften Sommerabend geht es nun endlich auch hier weiter.
Ein riesen grosses Dankeschön an

ZwergivomFluss
Mary Mortensen

Fuer eure tollen und ganz lieben Reviews.

Ebenso möchte ich mich fuer gleich drei neue Favos bedanken und 2 Empfehlungssternchen.

Habt Spass mit dem neuen Kapitel.

Ich wuensche euch viel Spass und geniesst euer Wochenende.

********************************************************************************************

Meine Eltern sagten spontan zu. Spontanität war sonst nie ihre Sache gewesen. Im Gegenteil. Meine Mutter musste immer alles wochenlang im Voraus zu Tode planen. Nun kamen sie spontan nach Amerika. Sie hatten sich gestritten, das hörte ich am Tonfall meiner Mutter. Doch war mir noch nicht so klar, ob es an meiner Mutter lag die kommen wollte, oder eher mein Vater, oder umgekehrt mein Vater wollte kommen aber meine Mutter nicht. Vermutlich wuerde ich es nie erfahren. Ich jedenfalls hatte weder Lust noch den Nerv mich ueber Silvester und Neujahr mit meinen Eltern auseinanderzusetzen und hatte dies nur Viggo zuliebe getan beziehungsweise seiner Intervention folgend.

Sie kamen und ich war aufgeregt, und versuchte irgendwie mir meine Motivationslosigkeit nicht anmerken zu lassen. Offenbar waren sie immer noch mit ihrem Streit beschäftigt, denn sie merkten nichts und liessen auch sich selber nichts anmerken. Die Stimmung war ungewohnt locker und gelöst als ich sie am Flughafen abholte.
Viggo war Zuhause geblieben und bereitete alles vor.
Als ich uns schliesslich durch die Schneemassen manövriert hatte, kamen wir Zuhause an.
Es war schön warm und meine Eltern konnten sich aufwärmen.
Und als ich da so stand, fuehlte ich mich plötzlich so, als wuerde ich die Szene von aussen betrachten, wie in einem Film. Mein Mann in hellen Jeans, einem locker sitzenden, weiten Wollpullover und Barfuss. Im Kamin prasselte das Feuer und huellte nicht nur alles in ein angenehm warmes Licht sondern sorgte auch fuer wohlige Wärme. Meine Eltern liessen sich von ihm die genauen Zutaten des Eierpunsches erklären, auf Deutsch. Ich stand im Tuerrahmen und lächelte als ich die Szene sah.
Es wirkte so surreal und gleichzeitig so verstörend vertraut.

Viggo hatte tatsächlich sein Eremiten- Dasein fuer die Festtage an den Nagel gehängt, unterhielt sich und scherzte mit meinen Eltern, vollkommen offen. Meine Eltern zeigten ihm gegenueber dieselbe Offenheit, waren ehrlich erfreut und schienen die Zeit zu geniessen.
Es war, wie in diesen typisch amerikanischen Weihnachts Kitschfilmen. Fluffig-rosa und zuckersuess.
Draussen lag Meterhoch der Schnee, und es schneite weiter und weiter. Im Kamin das lodernde Feuer, das ganze Haus duftete nach Gluehwein, Eierpunsch und Tannenbaum. Wuerzig-suess. Es war wie ein wundervoller Traum, aus dem ich nie wieder aufwachen wollte.
Und doch rumorte es tief in mir.
Diese diffuse Angst, diesen Traum in Kuerze verlieren zu können, so als könne er zerplatzen wie eine Seifenblase. Mehrmals unternahm ich den Versuch es ihnen zu sagen. Mehrfach verliess mich in letzter Sekunde der Mut.
Doch ich musste es ihnen sagen. Es nuetzte nichts es ihnen vorenthalten zu wollen. Nicht mehr lange und alles wäre voller Promotion im TV und den Zeitungen. Ausserdem wollte ich zu Viggo ziehen. Dieser Entschluss stand felsenfest. Viel zu lange hatten wir damit zugebracht uns abwechselnd zu lieben und zu hassen.

Abends sassen wir zusammen, Viggo hatte sich an einem original Sauerbraten versucht, dazu Kartoffeln und Spätzle.
Den ersten Bissen im Mund, und gerade draufbeissend konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen.
Er schmeckte nicht wie er schmecken sollte. Zugegeben, fuer den ersten Versuch war es so schlecht nicht. Aber er war viel zu lasch. Die Sosse war mehr eine Bratensosse als alles andere. Es fehlte Essig, literweise Essig. Und meine Mutter die auch gerade in den Sauerbraten biss, versuchend sich nichts anmerken zu lassen, schien das genauso wie ich zu sehen. Gerade als Viggo fragen wollte, stand ich wortlos auf, ging in die Kueche und kam mit Essig zurueck. Und dann liess ich die Säure erstmal ordentlich in den Teller fliessen und fliessen und fliessen! Viggo und mein Vater starrten mich mit offenem Mund an.
„Ok, also so uebertrieben wie du hätte ich es jetzt nicht,“ merkte meine Mutter lächelnd an.
„Sie ist eindeutig deine Tochter, das kann nicht mehr gesund sein,“ sagte mein Vater kopfschuettelnd, während ich in Seelenruhe den Essig unter die Sosse mischte. Meine Mutter und ich teilten uns die Vorliebe fuer die saure Fluessigkeit. Während mein Vater damit gar nichts anfangen konnte. Beim alljährlichen Sauerbratenessen bekam mein Vater immer eine eigene Bratensosse weil ihm die sonstige Sosse zu sauer war.
Und der Wurstsalat musste auch immer ihm angepasst werden, während meine Mama und ich immer nachkippen mussten.  

Viggo wirkte durchaus einigermassen verwirrt, ich nahm es ihm nicht uebel. Es schmeckte dennoch alles sehr lecker. Als wir schliesslich wieder gemuetlich das Sofa in Beschlag genommen hatten, blickte mich meine Mutter unverwandt an.
„Laura, was ist los?“
Beinahe erschrocken blickte ich sie an.
„Was soll los sein, wie kommst du darauf?“
„Diese Einladung, so spontan, das hat einen Grund.“
„Es ist Weihnachten, mehr nicht.“
„Laura, bitte! Ich kenne dich, dein Leben lang, was ist passiert?“
Die Henkersfrist war also vorueber.
Viggo blickte mich aufmunternd an.
Ich atmete tief durch, ehe ich drucksend begann.
„Naja, das Weihnachten ist und ich es schön fand, euch zu sehen, wo wir uns eh so wenig gesehen haben stimmt durchaus. Aber naja ich wollte noch etwas mit euch besprechen.“
Schon zeigte meine Mutter einen beinahe befriedigten Gesichtsausdruck. Vermutlich weil sie weiss dass sie recht hatte.

„Zunächst mal wisst ihr ja, dass Viggo bei Herr der Ringe mitspielt. Und euch ist sicher auch bewusst, dass der Film in den nächsten Wochen und Monaten beworben wird. Und bevor ihr es aus der Presse erfahrt, Viggo ist nicht nur einer der Schauspieler, er spielt eine der Hauptrollen. Und wenn wir schon beim Thema sind, ich werde nicht mehr nach Deutschland ziehen. Sondern bleibe hier, bei Viggo, in Amerika. Ich ziehe zu ihm.“

Als ich mit meinem Monolog geendet hatte, bemerkte ich erst, wie still es war. So, als könne man eine Stecknadel fallen hören.
Meiner Mutter entgleisten alle Gesichtszuege, mein Vater behielt seine stoische Maske.
„Wie stellst du dir das vor, …?“ war alles was meine Mutter letzten Endes hervorbrachte.
„Wie soll ich es mir vorstellen, ich melde mich hier an, beantrage ein Visum und der Rest ergibt sich.“
„Ergibt sich, …“ echote meine Mutter.
„Du setzt alles aufs Spiel, deine Ausbildung, einfach alles.“
„Nein, das tue ich eben nicht Ich kann hier ohne Weiteres an ein Kuenstlervisum kommen. Oder ein Arbeitsvisum und als Erzieherin arbeiten. Ich will nicht in Deutschland leben und erst recht nicht, wenn Viggo in Amerika lebt. Es wäre totaler Unsinn, dass uns tausende Kilometer trennen und wir leben hier zusammen auf der Farm.“
In meine Stimme hatte sich Trotz gemischt. Ich war fest entschlossen und nichts und niemand könnte oder wuerde mich umstimmen können. Unter keinen Umständen.
Meine Eltern nicht und auch sonst niemand.
Ich wollte schon immer nach Amerika, sonst wäre ich nicht als Au-pair hier gewesen.

„Als wenn das alles so einfach wäre, …“
„Ja, es ist einfach und ich sehe in keinster Weise einen Sinn darin, Dinge kompliziert zu machen ohne, dass es das wäre. Es IST einfach. Ich habe eine feste Ausbildung absolviert, ich habe in der Filmbranche gearbeitet. Ich habe einen sehr guten Leumund, wenn nicht gar den besten den man haben kann. Viggo, Peter, Orlando, Sean, you name it. Es passt alles. Und ich werde nicht nach Deutschland zurueckkehren, nicht um da zu leben jedenfalls.“
Erneut brach die Stille ueber uns herein.
Meine Mutter hatte mir noch einiges zu sagen, ich wusste es. Und ich konnte es ihr ansehen. Aber sie rang mit sich. Sollte sie all den angestauten Frust und Ärger nun im Kollektiv an mich abgeben oder zurueckhalten, ….
Sie versuchte offenbar einen Mittelweg. Gab die Enttäuschte, die Mutter die im Dunkeln gelassen wurde. Gab sich schockiert darueber, dass ich sie nicht direkt zu Beginn darueber informiert hatte.
Sie gab die Gekränkte.
Doch was konnte ich ihr dazu sagen. Ja, in einigen Punkten hatte sie recht, zumindest nicht ganz unrecht.
Doch auf der anderen Seite konnte ich auch dagegenhalten. Ich war alt genug, ich war Volljährig. So jung ich auch sein mochte, doch an Lebenserfahrung war ich nicht arm. Genug erlebt hatte ich bereits. Und alt genug um selber entscheiden zu können und zu duerfen.
Mein Vater hielt sich bewusst bedeckt, offenbar hatte er keine Lust auf Streit.
Ich wusste, dass die Standpredigt noch folgen wuerde. Vermutlich in irgendeinem der folgenden Telefonate. Sie hatte mir ihrer Meinung noch nie hinterm Berg gehalten. Dass sie jetzt so friedlich war, lag wohl in der Tat nur an dem Fakt, dass es Weinachten war, und sie keinen grossen Streit vom Zaun brechen wollte.

Das meine Mutter meine Pläne in keinster Weise billigte oder guthiess liess sie mich die kommenden Tage deutlich spueren. Sie redete zwar, doch war sie recht kurz angebunden und auch sonst distanziert.
Innerlich seufzte ich auf. Sie wuerde sich wohl nie ändern. Das wuerde sich wohl nie ändern.
Meine Eltern reisten schliesslich ab, nicht ohne vorher nochmals ordentlich diskutiert zu haben.
Vermutlich waren meine Eltern auch verletzt. Weil mein Auszug so plötzlich kam.
Böse war ich ueber ihre Abreise nicht, auch wenn der kleine Stachel der Enttäuschung in mir sass. Immerhin wollte ich keinen Streit mit ihnen. Sondern ein gutes, offenes Verhältnis.
Viggo und ich hatten nun aber wieder Zeit fuer uns.

Wir genossen die folgenden Wochen in vollen Zuegen. Wir hatten alle Zeit der Welt, konnten ausschlafen, oder frueh aufstehen. Ausreiten, oder die Tage auf dem Sofa verbringen. Filme gucken bis spät in die Nacht hinein. Die Videothek durfte uns als Dauergast begruessen. Besonders Serien hatten es uns angetan. Akte X mochten wir beide sehr. Charmed eher meins, Emergency Room wieder fuer uns beide, und bei Sex and the City hatten wir beide sehr viel Spass. Es war toll zu tun und zu lassen was man wollte, wann man wollte und so oft man wollte. Ohne Dreharbeiten, ohne Interviews, ohne Verpflichtungen ausser die Eigenen.
Es war so eine wundervolle Zeit voller Freiheit.
Und so sehr ich es auch genoss, so machte sich doch noch ein weiteres Gefuehl in mir breit und ueberschattete diese wundervolle Zeit.
Das bemerkte irgendwann auch Viggo.
„Schatz, was ist los?,“ wollte er eines Abends wissen, während wir gemeinsam kochten.
„Ach nichts,“ versuchte ich ihn abzuwimmeln. Er sollte sich keine Gedanken machen, nicht um mich. Nicht um meinetwillen.
Er fragte fuer den Moment nicht weiter nach, bedachte mich aber mit einem nachdenklichen Blick.

Viggo spuerte, dass Laura etwas bedrueckte. Irgendwas beschäftigte sie. Zugeben wollte sie es offenbar nicht. Also musste es durchaus etwas ernsteres sein. Ob es wohl der Streit mit ihren Eltern war? Nein, es war nicht der Erste seiner Art und mit Sicherheit wuerde es nicht der Letzte sein. So ein Streit schmiss sie nicht so aus der Bahn.
Es dauerte drei Tage, drei Tage an denen Laura ununterbrochen gruebelte und offenbar mit sich rang.
Viggo hatte es sich nicht nehmen lassen an diesem Abend zu kochen. Als Laura aus dem Badezimmer kam, stand das Essen bereits fertig auf dem Tisch. Der Rotwein funkelte dunkel in den Gläsern und ein leckerer Duft schwebte durch den Raum.
"Hm, das riecht sehr gut." Laura schloss fuer einen Moment die Augen und atmete tief ein.
"Wenn es so schmeckt wie es riecht bin ich zufrieden.“
"Ich bin mir absolut sicher."
Und tatsächlich, das Essen schmeckte sehr lecker. Viggo hatte sich selber uebertroffen.
Satt und zufrieden sassen sie eine Stunden später auf dem Sofa.
Sie hatte ihren Kopf auf seine Brust gelegt und sein Kopf ruhte auf ihrem.
Mehrfach seufzte sie tief auf.

"An was denkst du gerade?"
"Daran, dass ich will, dass diese Momente fuer immer bleiben. Es soll nie enden."
Er stutzte.
"Wieso sollten sie irgendwann enden?"
"Weil es unrealistisch ist anzunehmen es wuerde sich nichts ändern. Wie könnte sich nichts ändern? Du weisst es und ich weiss es. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Sobald der erste Trailer veröffentlicht wird, geht es rund. Interviews, Termine, Cons, Einladungen. Let alone wenn der Film im Winter in die Kinos kommt. Promotion Termine, ihr werdet auf der ganzen Welt unterwegs sein, den Film bewerben, Interviews, TV Termine, Fotoshootings, wochenlang-monatelang. Und das ist in Ordnung, es ist dein Beruf. Wir wussten es vorher. Ich wusste es vorher. So oft es geht werde ich dich begleiten. Aber allein schon deswegen wird es sich ändern, einfach alles. Du wirst weltberuehmt. Und wir werden uns dem nicht entziehen können. Und weil es dein Beruf ist, werden danach viele Projekte ins Haus flattern. Du liebst deinen Beruf, was auch vollkommen in Ordnung ist. Und weil das so ist, wirst du Projekte annehmen. Weil welche dabei sind die du machen willst. Und weil du welche annehmen wirst muessen. Weil es dein Beruf ist, deine Berufung. Du wirst keine 24/7 Zuhause sitzen. Und das wäre Unsinn. Nie wuerde ich das von dir verlangen. Aber genau das meine ich. Alles wird sich ändern. Ob wir wollen oder nicht. Wer weiss wann wir das nächste Mal solche Abende miteinander verbringen können."

Viggo unterbrach Laura kein einziges Mal. Er liess sie reden. Bis sie keine Worte mehr hatte, fuer all das was sie im Moment so sehr bedrueckte. Zunächst hielt er sie fest im Arm, ehe er sie ein kleines Stueck von sich schob, so dass er sie ansehen konnte.
"Hör mal Laura, ja du hast recht. Es ist mein Beruf, vielleicht auch ein Stueck Berufung, da hast du recht. Aber du solltest mich lange und gut genug kennen um zu wissen, dass ich meinen Beruf niemals ueber mein Privatleben stellen wuerde. Du solltest am besten wissen, wie wichtig mir mein Privatleben ist. Ich wuerde dieses Glueck mit dir nie gefährden. Sicher werden viele Termine folgen. Und ich werde einige Termine wahrnehmen. Aber ich werde nicht bei allen Terminen anwesend sein muessen. Das ist einfach nicht meins. Ja, sich hin und wieder blicken lassen, wenn es nicht anders geht. Und bei den Premieren wirst du mich natuerlich begleiten. Ich gehe da doch nicht alleine hin. Aber ich werde nicht ständig in der Weltgeschichte unterwegs sein. Das liegt mir nicht sonderlich."

Ich blickte ihn an. Suchte in seinen Augen die Bestätigung seiner Worte und fand sie auch. Er meinte alles genau so wie er es sagte.
"Ich habe Angst," gestand ich schliesslich leise.
"Vor was?"
"Das wir uns verlieren, in all dem Trubel der kommen Monate."
Er nahm meine Hände in seine und blickte mir intensiv in die Augen.
"Das werden wir nicht, auf keinen Fall. Nicht, wenn wir es nicht zulassen. Verstanden?"
Ich nickte stumm.
"Hon, ich meine er ernst. Es wird nicht passieren, wenn wir es nicht zulassen. Und ich werde es auf keinen Fall zulassen. Du bist mir viel zu wichtig, wichtiger als jeder Film, als jede Karriere es je sein könnte. Ich bin so froh, dass wir endlich zusammen sind. Noch einmal lasse ich dich nicht gehen," dabei lächelte er, so dass ich automatisch mitlächeln musste.
"Und ich werde dir etwas versprechen: Egal welche Projekte auch immer anklopfen werden, ich werde die nächsten drei Jahre keines annehmen."

Fuer einen Moment klappte meine Kinnlade nach unten.
"Aber, ... aber, ... ich mein, ... das kannst du nicht machen...."
"Doch natuerlich kann ich das machen, wenn nicht ich, wer dann."
"Aber nicht wegen mir."
"Doch Laura. Wegen dir, wegen mir, wegen uns. Ich mache das nicht nur deinetwillen, oder unseretwillen, sondern auch meinetwillen. Ich will meine Ruhe haben und nicht von einem Projekt, von einem Set zum Nächsten. Ich will die kommenden Monate mit dir geniessen, nur mit dir. Nur wir beide. Und dann die Termine nehmen wie sie kommen. Und danach wieder nur mit dir hier leben. Uns etwas gemeinsam einrichten und aufbauen. Und das Leben geniessen. Und dann, irgendwann später wenn etwas interessantes reinkommt, werden wir das angehen. Das letzte das ich will, ist dich hier ständig alleine zu lassen."
"Aber dein Job, es ist dein Job, ...." warf ich ungläubig ein.
"Sicher ist er das. Aber du weisst, das ich die Schauspielerei immer nur als Zubrot gesehen habe um meine Kunst ausleben zu können. Ich habe nie alles angenommen was da so an Angeboten kam. Nur die Rollen, die ich auch wirklich wollte. Die mich interessiert haben. Und ich habe keine Probleme damit, es weiterhin zu handhaben. Ausserdem, wir reden hier nur von mir. Was ist mit dir? Du hast ebenso sicherlich einige Projekte die auf dich warten," lenkte er das Gespräch in eine andere Richtung.
Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre in schallendes Gelächter ausgebrochen.
"Was? Ich? Wie kommst du bitte darauf?"
"Du hast am Set von einem der Aufsehen erregendsten Filme der letzten Jahrzehnte gearbeitet. So etwas spricht sich herum. Vitamin B und Co. Mit Peter hast du das beste Sprungbrett was man so haben kann. Was, wenn bei dir einige spannende Projekte ins Haus flattern?"

Diese Idee war mir noch nie gekommen um ganz ehrlich zu sein. Und so absurd das auch klingen mochte, so ganz unrecht hatte er wohl wirklich nicht. Statt dagegen zu halten, hielt ich kurz Inne. Ja, was wäre eigentlich wenn, ...?
Was wuerde ich dann tun?
"Ich werde keine Projekte annehmen. Wenn du keine annimmst, werde auch ich keine annehmen."
"Das ist Unsinn. Du hast mehr zu verlieren als ich."
"Blödsinn. Und nein, ich tue es nicht nur dir Zuliebe. Sondern weil ich es will. Wirklich will. Die gemeinsame Zeit mit dir ist mir wichtiger."
"Ok, dann vereinbaren wir beide, dass wir die nächste Zeit, keine Projekte annehmen werden, einverstanden?"
Ich blickte ihn breit lächelnd an.
"Einverstanden, aber sowas von."

Mit diesem Versprechen verschwanden schliesslich auch meine anhaltenden Gruebeleien ueber die nahe Zukunft.
Ich wusste, wir beide schwammen in dieselbe Richtung. Und solange das so war, wuerde sich nichts wirklich ändern. Solange wären wir gluecklich und alles gut.

Zwei Tage später platzte Viggo mit einer Neuigkeit heraus.
"Was hältst du davon, wenn wir in den Urlaub fahren?"
Ich blickte ihn gespannt an.
"Hört sich nach einem Plan an. Wann und wohin?"
"Ich wäre fuer ´so schnell als möglich´ und wohin? Gute Frage, keine Ahnung. Entweder wir bleiben in Amerika und machen dort einen Roadtrip, oder wir fliegen irgendwo in die Karibik und lassen uns drei Wochen rundum verwöhnen, oder machen einen Kultur-Trip irgendwo hin wo man viel entdecken kann, oder, ... ?"
Dabei blickte er mich fragend an.
Es waren so viele Optionen, so viele Möglichkeiten. Eigentlich stand uns alles offen. Das erste Mal in unserem gemeinsamen Leben gab es weder Termindruck, noch wuerde ich beizeiten wieder zurueck nach Deutschland muessen.  So schön es war so eine unendliche Auswahl zu haben, so war ich gleichzeitig doch auch leicht ueberfahren davon. Es gab so viele Länder die ich bereisen und erkunden wollte. Einige Wochen so gar nichts tun, sich rundum verwöhnen lassen klang aber ebenso reizvoll wie einen spannenden Urlaub gespickt mit Erkundigungen und Entdeckungen.
"In welche Länder wuerdest du denn gerne mal reisen, oder anders gefragt, welches Land kommt dir als erstes in den Sinn?" drehte ich den Spiess um.
Viggo stand auf und holte aus dem Regal einen grosse Atlas.
"Wir machen das anders." Er lächelte, als er eine Seite aufschlug und einfach mit dem Finger inrgendwo hin fuhr.
Als sein Finger irgendwann liegen blieb schauten wir auf das Land auf dem sein Finger ruhte.
"Afrika. Oder wolltest du woanders hin? Das wäre kein Problem."
Ich dachte fuer einen Moment nach.
"Nein, Afrika klingt gut. Ja, wieso nicht?"

Die Idee war geboren, und wir machten uns eifrig an die Planung.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast