Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Söldnerdasein

von ashtrails
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P16 / Gen
03.01.2012
10.04.2012
6
24.564
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
03.01.2012 8.213
 
Vier

So Weit


Lucan nahm seine Hände nun von Ulfs Brust, als dieser langsam wieder zu sich kam und flatternd die Lider öffnete.
"Was? Wo?" stotterte Ulf und blinzelte ihn noch einmal an. "Ach du bist es wirklich."
"Leibhaftig." Lucan stand auf und versuchte sich seine eigene Müdigkeit nicht anmerken zu lassen, während Ulf sich in dem Bett aufsetzte, in das er ihn gelegt hatte, nachdem er wie ein Sack auf den hölzernen Boden der Hütte gefallen war. In gewisser Weise hatte es nicht sonderlich überrascht, den kleinen, bärtigen Mann in einer solchen Lage vorzufinden. Zum einen, weil Lucans Quelle dies bereits angedeutet hatte und zum anderen weil es einfach typisch für Ulf war.
"Hier. Das wird dich wieder in Schwung bringen." Er drückte Ulf einen Becher in die Hand und dieser nahm zögerlich einen Schluck, woraufhin er leicht den Mund verzog.
"Schmeckt nicht gut, aber hilft. Bier gibt es später - Ich habe auch noch etwas zu Essen warm gemacht…"
"Gerne." Erwiderte Ulf und nahm überrascht zur Kenntnis, dass der Lohnmagier es ihm sogar ans Lager brachte.
"Wieso bist du überhaupt hier?" fragte Ulf zwischen zwei Bissen.
"Doch der Al'Anfaner erwiderte mit einem unlesbaren Gesichtsausdruck. "In meiner Position habe ich natürlich meine Quellen." Ulf wusste, dass man sich in dieser Beziehung die Zähne an Lucan ausbeißen konnte also widmete er sich bevor das passieren konnte lieber seinem Essen.
"Macht jedenfalls satt." sagte dieser schließlich und stellte die geleerte Schale auf den Tisch und grinste.
"Ich denke auch, das wahre Wunder hier waren meine Kochkünste, nicht etwa mein Bestreben dich von der schwelle des Todes zurück zu zerren.." kommentierte Lucan aus seiner Ecke. Im flackernden Licht es Feuers, dass durch die Gitter in der Klappe des Ofens fiel, wirkte sein südländisches Gesicht noch exotischer als sonst. "Ich hoffe, du bist dir bewusst, wie teuer so eine Behandlung ist. Das würde dich ganz schön was kosten, wenn ich dir das in Rechnung stellen würde."
"Ich hatte ja gar keine Möglichkeit, dem Zuzustimmen. Dafür kann man doch kein Geld nehmen! War wahrscheinlich gar nicht so schlimm…" Doch der Blick des Zauberers ließ ihn doch noch ein "…oder doch?" anfügen, woraufhin er, wie so oft, seinem Schwert einen von diesen gereizten Blicken zuwarf, die Lucan den Verdacht nahe legten, dass er mit der Klinge auf magische Weise kommunizierte, auch wenn er mit Hellsichtmagie nichts entsprechendes hatte feststellen können. Aber es gab schließlich einige Mittel und Wege, analysierende Zauber zu täuschen. Bei Gelegenheit, würde er sich dem Problem erneut stellen. Interessant wäre es vor allem, wenn der Zauber nicht gildenmagischer Herkunft sein sollte, was angesichts des Alters des Schwertes durchaus möglich war… Der Al'Anfaner war kurz davor, sich in dieses Gedankenspiel zu vertiefen, als ihn im Hier und Jetzt ein Thema größere Wichtigkeit genoss:
"Was genau ist überhaupt passiert?"
"Wenn du schon mal hier bist kann ich es auch gleich erzählen." sagte Ulf und begann damit in kurzer Form von den Ereignissen zu berichten, die sich in den vergangenen Tagen zugetragen hatten…

"Heshthot…" Lucan grübelte einen Augenblick, "niemand, auf den die Al'Anfaner Oberschicht zugreift. So, wie du ihn geschildert hast, scheint er mir auch etwas zu plump vorzugehen, um in Erwägung gezogen zu werden. Wir bevorzugen normalerweise Meuchler, die darauf spezialisiert sind, Dinge wie einen Unfall aussehen zu lassen oder Gifte anwenden, die sich auch durch leichte Verletzungen in tödlicher Dosis übertragen lassen."
"Aber ich habe schon mal von ihm gehört. Soweit ich weiß, ist er in fast allen größeren Städten über die Gilde zu erreichen und nicht ganz billig. Wer auch immer dahinter steckt und was auch immer er wollte; er verfügt offenbar über einiges an finanziellen Kapazitäten."
"Ich wusste gar nicht, dass ich jemandem so viel bedeute."
"Ging wohl kaum um dich." bemerkte Lucan trocken.
"Vielen Dank auch." Ulf verzog seinen Mund in übertriebener Gekränktheit.
"Hast du dir in letzter Zeit irgendwelche Feinde gemacht?"
"Keine, die noch leben würden." erwiderte er.
"Ich würde vermuten, dass jemand von deiner Waffe erfahren hat und hinter ihr Geheimnis kommen will." merkte Lucan an.
"Du redest von meinem unwiderstehlichen Lächeln?" erneut grinste der dunkelhaarige Söldner, erntete aber nur böse Blicke. "Schon gut. Ja, ich hab mir das auch schon gedacht… irgendwelche Vorschläge?"
"Ich kenne vielleicht ein paar Verbindungsleute, aber das wird weder billig, noch angenehm."
"In Ordnung." Ulf stand in einer elanvollen Bewegung auf. "Da kümmern wir uns bald drum. Aber der Geburtstag meines Töchterchens geht vor."
"Ich bin gespannt, ob sie als Zauberlehrling Fortschritte gemacht hat. Sie ist erstaunlich talentiert. Hat sie wohl von der Mutter." steuerte Lucan bei.
"Irgendwie hab ich mir meine Rückkehr nach Hause anders vorgestellt.", gestand Ulf mit einem seufzen und schälte sich in frische Kleidung.


Auch wenn der neue Tag gerade erst begonnen hatte, war Ulf unruhig. Er würde sich niederhöllisch beeilen müssen, wenn er es noch bis zum vierten Travia in die Salamandersteine zu seiner Tochter schaffen wollte. Und so wie er seinen Tagedieb von Vater kannte, war der sicher nicht daheim, und so musste er auf die Hilfe des alten Fragodin hoffen. Er hatte eigentlich stets ein Herz für seine halbblütige Verwandschaft.
Einige Sekunden in diesen Gedanken verloren sah der Söldner gen Berge, wo der Nebel sich verzog und klaren Blick auf die schroffen Spitzen zuließ, bis Lucan sich räusperte.
"Ich nehme an, du wirst mir gleich sagen wie es weiter geht?"
"Erstmal zieh ich mich an." Der kleine Mann hob drohend den Zeigefinger. "Spar dir den Kommentar. Danach statten wir meinem Großvater einen Besuch ab, sein Haus ist etwas außerhalb, im Norden."
"Und dann?" Der Magier erahnte die Antwort bereits.
Ulf seufzte. Und beide Söldner zeigten die selbe mit Abneigung gemischte Resignation in den Augen.
"Reiten wir wie der Difar, damit meine Tochter mir nicht die Haut abzieht." Gab Ulf niedergeschlagen zu. Er hasste das Reiten und er mochte Pferde nicht besonders. Auch der Magier verzog bereits jetzt das Gesicht in erwartung des erneuten Schmerzes, der sein Gesäß heimsuchen würde.
"So sei es denn. Die Nemesis meines Sitzfleisches wartet bereits darauf gesattelt zu werden. Beeile dich nicht zu sehr. Ich bin kein Hellsichtadept, aber ich glaube das wird länger dauern" Mit hängenden Schultern verließ die schwarze Robe die Hütte. Der Schwertkämpfer zog sich zu Ende um, und raffte noch ein paar Dinge zusammen, unter anderem einen Teil seines Ersparten, und ergänzte damit das Geld für die Lehre seiner Tochter mit dem für ein Pferd. Schnorren wollte er bei seinem Großvater dann doch nicht. Um gegen weitere Überraschungen gefeit zu sein, verstaute er ebenfalls das Kettenhemd, welches der praktischere Teil seiner Rüstung war, in seinem Gepäck, um es später zu reinigen und, falls nötig, auszubessern. Ein etwas über einen Schritt langes, leicht gebogenes Bündel befestigte er ebenfalls vorsichtig an seinem Rucksack. Beinahe zärtlich strich er noch einmal über das Wachspapier, schulterte dann das Gepäck und konnte sich, nachdem er seine bleibe abgeschlossen hatte ein Grinsen nicht verkneifen, als er Lucan beim vergeblichen Versuch beobachtete, sein Pferd sachgemäß aufzuzäumen.
"Grins nicht so, wenigstens hab ich eine Chance ohne Leiter herauf zu kommen!"
"Und bis du da fertig bist, könnte ich auch das Geld für einen fliegenden Teppich verdienen..."
Nach einer Weile hatte das Tier seinen Spaß gehabt und Lucan und Ulf folgten dem schmalen Pfad Richtung Norden, der sich weiter in die Sichel schlängeln würde, aber soweit wollten die Beiden gar nicht. Das Haus, welches sie nach etwa einer halben Stunde erreichten, war erstmal genug.
Der solide Steinbau war von einer kleinen Mauer umgeben, im hinteren Bereich des Grundstücks schloss sich eine Koppel mit einer Hand voll Pferde an. Durch die Koppel verlief ein schmaler Bach, der aus den nahen Ausläufern der Sichel floss und sich im leicht bewaldeten Gebiet irgendwann verlor. Einige der Tiere tranken, andere taten einfach Dinge, die Pferde so den ganzen Tag tun und die Ulf nicht besonders interessierten.
Schön und idyllisch. So wie der Söldner es auch einmal haben wollte.
Nachdem Lucan sein Pferd an den dafür vorgesehenen Balken kurz vor der Türschwelle gebunden hatte, klopfte Ulf an die Eingangstür aus Eichenholz, deren Beschläge mit zwergischer Sprache verziert waren. Während sie warteten, dass sich im Haus etwas rührte, ließ der Zauberer seinen Blick über die Tür schweifen. Er vertand viele Sprachen, von denen Ulf nicht mal gehört hatte, doch Zwergisch gehörte nicht dazu. Darüber war Ulf ganz froh, es machte seinen zaubermächtigen Freund etwas weltlicher. "Nur ein paar Weisheiten..mein Großvater hat viel lange Weile, seit er nicht mehr unterwegs ist. Und er ist ein gräßlicher Lyriker..."
Die Tür wurde plötzlich aufgerissen, und von einem Lidschlag auf den anderen blieb Ulf die Luft weg, als sich Muskulöse Arme wie ein Schraubstock um ihn schlossen und lautes raues Lachen erklang.
"Wir sind eben eher Künstler mit der Waffe, Kleiner!" Fragodin Schmetterklinges Arme gaben ihn frei, Lucan sah so aus, als wäre er kurz davor gewesen etwas zu machen, das mit Feuer und Blitz zu tun hatte.
Ulf lachte ebenfalls den kleineren Mann, der eindeutig ein Zwerg war, an. "Kor zum Gruße, Großvater, das Feuer deiner Esse lodert wie zu deinen besten Zeiten!" Versuchte er irgendwie die zwergische Grußfloskel zusammen zu bekommen.
Das ergraute, bärtige Antlitz des alten Zwerges wandte sich an Lucan. Fragodins Augen waren auf unnatürliche Weise trüb, nicht wie von einer Krankheit. Und doch war es offensichtlich, dass er kaum noch etwas sehen konnte. Der Forscher im inneren des Magiers hätte gerne gewusst, warum, aber er zog es vor sich einstweilen nur Vorzustellen und er und Ulf traten ein.
"Es ist schön, dass du dich mal wieder sehen lässt. Oder besser...dass du hier auftauchst, mein Augenlicht verlischt nämlich immer mehr." Meinte der alte Zwerg, als sie den unbeleuchteten Flur, welcher sie in ein angenehm warmes Kaminzimmer führte folgten im Plauderton. Seufzend ließ er sich auf einen auf seine Größe angepassten Sessel sinken. Über dem Kamin hingen ein langstieliger Kriegshammer und ein ebenso länglich gebautes Beil. Beide waren mit vielen Kerben im Schaft versehen, die Zeuge der erschlagenen Feinde und gesammelten Erfolge ihres Besitzers waren.
Alles was sie jetzt noch sammelten, war Staub.
"Also, Junge, was führt dich und deinen Freund zu mir? Ich nehme nicht an, dass ihr einem alten Zwerg einen Höflichkeitsbesuch abstattet? Obwohl das auch mal nett wäre! Verflucht, ich werde nicht jünger, und seit dem Tod deiner Großmutter ist es hier einsam und kalt!" Ulf wollte ansetzen ihn zu beruhigen, aber Fragodin räusperte sich bereits und strich seinen grauen Bart glatt, der ihm bis auf den Bauch viel und zu zwei dicken Zöpfen geflochten war.
"Tut mir leid...wie du bereits sagtest, brennt es noch immer ab und an in mir."
Ulf zuckte mit den Schultern. "Es wäre schlimmer, wär's anders." Sein Großvater nickte und bedeutete ihm fortzufahren. "Mara hat bald Geburtstag, genauer gesagt schon übermorgen. Ich bräuchte eines deiner Pferde, sonst komme ich nicht rechtzeitig an, und werde meines Lebens nicht mehr froh."
Fragodin sah ihn lange Zeit durch den Grauschleier seiner Augen heraus an. "Diese Pferdezucht ist der ganze Stolz deiner Großmutter. Mögen Rahja und Angrosch gnädig mit dir sein, wenn dem Tier etwas passiert!"
"Wieviel?" Einen Augenblick später wurde Ulf seine Dummheit klar, als sein Großvater ihn aufbrausend in der Sprache der Zwerge beschimpfte, was Ulf amüsierte Blicke von Lucan einbrachte, der Rogolan zwar nicht lesen konnte, aber immerhin verstand.
"Ist ja gut!" Die Tradition sah es eigentlich vor, dass Ulf in den Streit einstieg, in dem es hauptsächlich darum gehen würde, dass er mit seinem schnöden Geldangebot das Andenken seiner Großmuter entehrte, aber er hatte für sowas jetzt nicht die Zeit, vor allem, da Lann, das bis hierhin verdächtig still war, in seinem Geist aus dem Lachen nicht mehr heraus kam. "Was willst du also?"
Fragodin entspannte sich. "Du bist ja wirklich in Eile, Junge. Nun gut, bring sie mir ja heil zurück, und wünsch Mara alles liebe und beste Grüße von ihrem Urgroßvater. Das reicht völlig" Er wartete ab bis Ulf nickte. "Zaubert sie immer noch rum?"
"Nenn es nicht so. Sie vollzieht ein Studium der Magica Contraria, sowie der Ars Magica Protectionis." Statt Zur-Kenntnisnahme erntete Ulf ein dreifaches:
"Toll auswendig gelernt..." von Lucan, seinem Großvater und seinem Schwert. "Wie auch immer, sie wird damit einen Haufen Geld verdienen und es leichter haben als ihr oder ich!" ergänzte er etwas beleidigt.
Das raue Lachen des Zwerges flutete den Raum. "Nagut, dann lasst uns keine Zeit mehr verlieren, gib mir ein Handumdrehen.

Und binnen dieses Handumdrehens stand eine etwas klein geratene braune Stute, voll gesattelt und gezäumt, bereit. Das Tier trotette auf Ulf zu, schnaubte, stieß mit der Nase gegen seine Schulter, und sah ihn erwartungsvoll an.
Hoho, Sir Ulf, der tapfere Ritter auf seinem übergroßen Reithund! Zu Tod und Ruhm! "Schön, dass du dich amüsierst, mal sehn wieviel Spaß dir die nächste Felsspalte bringt, in die ich dich schleuder..." Knurrte der Söldner leise, nachdem sie die Mauern von Fragodins Anwesen verließen.
Der alte Zwerg hatte sich noch herzlich von ihnen verabschiedet und ihnen eine Avesgesegnete Reise gewünscht.
Ulf hatte nicht bemerkt, dass Lucan ihn während seines vermeintlichen Selbsgespräches beobachtet hatte. Er machte sich seine Gedanken. Sein geschärfter Verstand versuchte die wenigen Bruchstücke, die all die Scherben dieses Gesamtbildes lieferten wieder vernünftig zusammenzufügen, ohne auf ein gescheites Ergebnis zu kommen.
Aber es lenkte ihn wunderbar von dem unangenehmen Ritt ab.
Sie Ritten, bis es schon dunkel und so kalt war, dass es ihnen vorkam, als wolle der Wind sie in Streifen schneiden. Der Weg war im Allgemeinen schon weder gut ausgebaut, noch besonders breit, aber der Pfad der sich ihnen jetzt anbot, war kaum mehr als etwas weniger Geröll und zähe Vegetation, als im restlichen Gebiet der Salamandersteine, das sie mittlerweile betreten hatten. Die Nacht war sternenklar. Heute wollte Phex wohl alle an seinen Schätzen teilhaben lassen, während Madas Gefängnis lediglich als schmale Sichel zu sehen war.
Die zwei Söldner zündeten ein Feuer an, wärmten sich etwas zu Essen auf und versorgten die Pferde, während der Mischwald um sie herum seine letzten Blätter verlor, die der Herbstwind ihm entriss.
"War dein Großvater auch Söldner?" Lucan saß im Schneidersitz da und hatte die Augen geschlossen, während er die Frage stellte. Die Frage war natürlich nur eine Einleitung zu etwas anderem. Niemals zu offensichtlich das verlangen, was man will, es aber dafür um so sicherer zu bekommen, wird einem in Al'Anfa früh beigebracht. Ein Umstand, mit dem Ulf mittlerweile Leben konnte, also stieg er drauf ein. "Nein, eher sowas wie ein Abenteurer. Er und ein paar Freunde sind mehr aus Vergnügen herumgezogen und sind Verrückten Dingen, Träumen und Seifenblasen hinterher gejagt." Ulf musste bei dem Gedanken an die vielen Geschichten seines Großvaters leise lachen. "Ihm hat es Freude bereitet, auch wenn er nicht eben reich dabei geworden ist."
"Eine...seltsame Einstellung. Nicht nur für einen Zwerg. Und jetzt?"
Aha, das war der Punkt.
"Jetzt ist er im Ruhestand. Magie hat ihm sein Augenlicht genommen. Zumindest so gut wie." Er stocherte im Feuer herum und grinste dann Lucan an, sein Gesicht in den roten Schein des Feuers gehüllt. "Auch wenn er es selber behauptet, sag es ihm nicht direkt, sonst reißt der alte Sturkopf die Waffen vom Kamin und prügelt dich Windelweich."
"Schlechte Erfahrungen gemacht, wie?"
"Worauf du wetten kannst..."
Die Stunden vergingen, und während das Feuer knisternd seinen eigenen Untergang vorantrieb kam die Mitternachtsstunde, und mit ihr der vierte Tag im Monat Travia, der Tag der Helden. Ein Tag, an dem überall die Waffen ruhen sollen, und man der Gefallenen gedenkt, seien es nun bekannte Helden, verlorene Söhne, Töchter, Freunde, Kameraden.
Oder die eigene Frau.
An den Sternen konnte Ulf sehen, dass es soweit war.
Er nickte Lucan kurz zu, der Bescheid wusste und ließ alles am Lager zurück, bis auf das längliche Bündel, das er schulterte, als er das Lager in Richtung Nördlicher Wald verließ. Dieses mal hatte selbst die vorlaute intelligente Klinge ein Einsehen dafür, dass der Schwertkämpfer alleine sein wollte.
Begleitet von kleinen Wolken aus Dampf, die aus seinem Atem in der kalten Nachtluft entstanden, suchte er sich eine Lichtung abseits des Lagers und holte Vorsichtig einen Bogen aus dem Wachstuch, in dem auch ein Köcher mit einigen Pfeilen war. Die Waffe war Kunstvoll gearbeitet und bestand, anders als gewöhnliche Lang oder Kurzbögen aus mehreren Segmenten, was ihr größere Durchschlagskraft und Flexibilität verlieh. Er spannte die Sehne ein, prüfte Spannung und Halt. Er nahm einen Pfeil aus dem Köcher, legte ihn auf, spannte den Bogen bis er an die Grenze seiner Belastbarkeit stieß und entließ den Pfeil in den dunkelblauen Nachthimmel.
So Weit...
Ein Pfeil. In jedem Jahr, damit ich auf dem letzten Schlachtfeld weiß, dass du mich nicht vergessen hast. Und jedes Jahr hielt er sich an das Versprechen, dass er seiner Freya gegeben hatte. Immer am Tag der Helden, an dem sein Glück im Svelttal von Orks tödlich verletzt wurde, erfüllte er ihr den Wunsch sie wissen zu lassen, dass er sie nie vergessen würde, bis sie sich auf dem letzten Feld wiedersehen würden.
Seit nunmehr sechzehn Jahren - oder war es schon länger? - verschoss er mit ihrem Bogen ihre letzten Pfeile in die kalte Nachtluft.
Der Söldner ließ sich seufzend auf einen Stein sinken und schaute in den Himmel. Er trauerte nicht. Zumindest nicht mehr. Er und Freya wussten, dass dieser Tag immer kommen konnte. Dass einer von ihnen, oder sogar beide Fallen würden. Es war ihnen klar, als der Geweihte Koriban ihnen seinen Segen gab.

"So segne eure Verbindung der Schwarze, auf dass ihr gemeinsam euren von glorreichen Schlachten gesäumten...VERDAMMT! Jeto, ich versuche hier zu Segnen, wenn du und Mehmet nicht gleich die Schnauze halten, reiss ich euch den Wanst auf und mache Festgirlanden aus euern' Eingeweiden, bei Kor!!!...gesäumten Weg geht, bis Kor oder Mythrael euch rufen, um auf dem letzten Schlachtfeld zu fechten."
Unnötig zu erwähnen, dass auf Schlachtfeldern und in Söldnerhaufen nicht gerade viele Traviageweihte zur Stelle sind um eine Ehe zu Segnen. Dafür war das Gelage wesentlich besser als auf jeder anderen Hochzeit, zumindest, nachdem der recht große Söldnerhaufen eine Destille nahe Lowangen überrannt hatte.
Auch als ihre Tochter Mara zur Welt kam dachte das Paar nicht daran, ihr gemeinsames Leben aufzugeben, sie waren nicht die einzigen mit Kindern im Regiment. Die Jüngsten vielleicht, aber nicht die Einzigen. Ulf war zu dieser Zeit um die zwanzig. Sein Vater hatte ihm zwar immer erzählt, ein Halblut solle nie die Jahre zählen, wenn doch würde man auch nur halb so alt werden. Ulf glaubte den Unsinn nicht. Derlei abergläubisches Gedankengut lenkte einen nur von wesentlicheren Dingen ab.
Freya war etwa in seinem Alter und kam aus Thorwal. Sie hatte ihre Familie bei einem Sturm verloren und schloss sich deswegen einer Gruppe von Söldnern an, um in erster Linie zu überleben.
Die Ironie dieser Sache war auch eines der ersten Dinge, über die er mit Freya stets Herzlich lachen konnte.
Sie und der Halbzwerg kamen zusammen, als der Söldnerhaufen, in dem Ulf sich nun seit fast zwei Jahren befunden hatte, mit ihrem vermischt wurde. Der Sveltsche Städtebund heuerte viele Söldner an, da die eigenen Truppen mit den zahlreichen Orkübergriffen, die nur ein laues Lüftchen im Vergleich zum bald folgenden Orkensturm waren, der den ganzen Bund niederwerfen sollte, nicht fertig wurden.
Auf jeden Fall stimmte die Bezahlung. Über das wen? und was? machte Ulf sich keine Gedanken, so wie man es ihm eingebläut hatte.
Ulf verstand sich auf Anhieb mit der lebhaften blonden Frau, die eine ebenso gute Schützin wie Schwertkämpferin war. Sie, der Tulamidische Schwertkämpfer Mehmet und Ulf bildeten eine Einheit, die an Effizienz im Haufen ihres Gleichen suchte. Sie waren Beinahe unschlagbar.
Beinahe. Der Dicke Bodennebel über den Weiden um Lowangen hatte die Orks perfekt verborgen, und die kleine in den Hinterhalt gelaufenen Söldnergruppe verteidigte sich so gut es ging, konnte die Angreifer jedoch erst in die Flucht schlagen, nachdem ein gewisser kleinwüchsiger Schwertkämpfer mit Tränen in den Augen und kalter Wut einen Ork nach dem anderen Niedermähte, nachdem Freya das Gras rot mir ihrem Blut färbte.
Ulf machte sich keine Vorwürfe. Es waren zu viele, und er wusste, dass dieser Tag kommen würde.
Aber musste es ausgerechnet dieser Tag sein?
Mara war zu dieser Zeit gerade ein Jahr alt. Ulf wollte nicht zu sehr trauern, gestand sich aber ein, dass er seit Freyas Tod lange Zeit viel in sich gekehrter war. Als seine Tochter etwa sechs war, entdeckte man ihre magische Begabung, deren Förderung er sich nie im Leben würde leisten können, bis Fragodin -allerdings unter heftigem Gezeter, und dem Einwand, dass ein Caliowyn sich gefälligst dem Stahl und nicht der Zauberei zu verschreiben habe- ihn auf einen alten Mann in den Steinen aufmerksam machte, der Zauberschüler annähme, und für ein Geld, das Ulf sich leisten konnte ausbildete. Er sah Mara so kaum noch, da er das Gold verdienen musste, und deshalb viel reiste, aber es war nur zu ihrem besten.
Sagte er sich, während die Sterne aufmunternd zu ihm herunter blickten.

Lucan sah seinem Freund hinterher. In Anbetracht ihrer Situation, war es unvorsichtig, Waffen und Rüstung am Lager zu lassen, aber er hätte Ulf wohl kaum umstimmen können. Das hier war zu wichtig für den kleineren Mann. Verständlicher Weise kannte Lucan Ulf's Frau, Freya, nicht. Als sie starb war sie nicht einmal so alt wie der Zauberer es jetzt war. Ab und zu erzählte der Schwertkämpfer von ihr, meistens amüsante Geschichten, mit etwas blutigem Hintergrund, trotzdem genug, als das Lucan sich ein Bild von dem machen konnte, was Ulf verloren hatte.
Auf der anderen Seite war Lucan erfreut, dass die Ausrüstung hier lag. Während des Ritts hatte er für sich eine Entscheidung getroffen. Ulf würde sicher einige Zeit wegbleiben, und sehr kraftintesiv war ein Analüs auch nicht.
Lucan würde schon bald hinter das Geheimnis des Schwertes kommen, und dann hätte dieser Spuk ein Ende, oder zumindest einen Ansatz.
Hat man erst das Wissen des Feindes, ist es ein Leichtes ihn zu besiegen.
Die schlichte Klinge lag dort, in der Nähe des Feuers, halb von diesem beschienen, halb vom kühlen Mondlicht. Lucan sammelte seine Kraft und ließ den gewünschten Effekt in Form des Hellsichtszaubers eintreten.
Die Welt um ihn herum wurde zu Schatten, nur das Schwert strahlte hell wie ein Licht in dimensionsloser Ferne. Der erste Täuschungsversuch vieler Artefaktmacher konnte den Zauberer nicht aufhalten, er folgte den Bahnen, die zu der Waffe führten, und studierte die der Waffe inne wohnenden Kräfte genau.
Zu seiner Enttäuschung sah er nicht das Erwartete. Die Waffe war auf magische Weise ausbalanciert und geschärft worden. Feine Kraftlinien durchzogen den Stahl und schützten ihn so vor dem Zahn der Zeit und vor Abnutzungen jeder Art.
Und das war's. Kurz um, nichts was er nicht schon wusste.
Aber das konnte nicht sein! Die Tatsache, dass die Zauberei nicht verfliegen würde, machte das Schwert gewiss wertvoll. Aber so offensichtlich über Leichen dafür gehen? Und kaum war Ulf wieder auf dem Festland stürzten sich bereits mindestens zwei Fraktionen darauf? Zugegeben, einer war ein etwas dümmlicher, aber nicht gerade unfähiger Beschwörer, der andere konnte sich einen teuren Meuchler leisten. Und wenn jetzt der Beschwörer den Meuchler...Nein, zu abwegig. Lucan musste bei der Sache bleiben, um die Formel nicht zu verlieren. Er suchte Weiter, folgte jeder Kraftbahn in die dazugehörige Sackgasse über die er fluchte. Dann sah er etwas. Kaum zu erkennen, gut versteckt und immer in Bewegung, als wäre es lebendig...Jeder andere Zauberer dieser Welt würde ihn jetzt beneiden!

Lann spürte, wie etwas über seine Aura strich. Erst oberflächlich, dann tiefer gehend. Das war kaum ein Grund zur Sorge, schon ganz andere haben das getan, und das Schwert hatte kaum etwas zu verbergen. Eigentlich mochte es das sogar. Es war schön, das erstaunte OH! und AH! zu hören, wenn man sah, wie viel Kraft in ihm steckte. Manchmal vernahm es aber auch Enttäuschung, als hätten die Leute sich mehr erhofft.
Ein Seufzen durchzog den Stahl. Naja...Am Ende war es egal, denn eine Sache teilten sich alle bisherigen Träger und Schlauköpfe die immer emsig dabei waren Geheimnisse zu lüften. Sie starben, und zerfielen irgendwann zu Staub, Ulf würde es nicht anders gehen, und das machte das Schwert fast ein wenig betrübt. Die Klinge mochte den mürrischen kleinen Mann, sie wusste selber nicht warum.
Der Zauberer schien wirklich seinen Spaß zu haben, die Analyse dauerte jetzt schon länger als bei den meisten Anderen.
Sind wir dann bald fertig?
Lann wusste nicht, ob der Zauberer den ruf hören würde. Plötzlich spürte die Klinge,wie etwas geschah, und es gefiel ihr nicht sonderlich gut, als ein astrales Kribbeln den Stahl entlangwanderte und irgendeine Kraft freigesetzt wurde, die Lann nicht zuordnen konnte.
Das nächste, was das Schwert spürte, war wie, sein Bewusstsein schwand, langsam, wie ein Echo, das durch eine große Höhle getragen wird.

Lucans Augen weiteten sich. In Anbetracht seines veränderten Sichtfelds eine irrationale Geste, die Zeit hätte er im Nachhinein lieber für einen Schutzzauber benutzt, als er sah, dass sich um das Schwert astrale Kräfte ballten, und einzelne Fäden auf ihn zuschossen. Er begann die Geste, doch konnte sie nicht zu Ende führen, als die Welt um ihn herum sich zuerst drehte, und dann wie in rasender Geschwindigkeit verwischte.
Als sich die Welt wieder beruhigte stand Lucan in völliger Leere, die erleuchtet wurde, obwohl es keine Lichtquelle gab. Gläserner, oder zumindest durchsichtiger Boden gab die Illusion von Halt.
"Das war...Interessant." Fasste Lucan seine Situation zusammen und sah sich seiner hallenden Stimme zuhörend um. Er hatte über Illusionen, Traum und Zwischenwelten gelesen, so dass sein Verstand sich nicht von der Dimensionslosigkeit und dem allgemeinen Fehlen von Orientierung verwirren ließ. Was hier Zählte war sein Wille.
Erfreut über die Stimmigkeit seiner Erkenntnis ließ er den Raumlosen Raum -eine schöne Wortkreation, er würde das später schriftlich ausführen müssen - rotieren, so dass er hinter sich blickte. Ein Weg, der Länge vermittelte mit vielen säulenartigen Gebilden, in denen Schatten zu sehen waren. Etwas erregte die Aufmerksamkeit des Zauberers, und er bog wieder die Welt um ihn herum, indem er sich Vorstellte, zu sehen, was ihn interessieren sollte.
Endlich lohnte es sich, abstrakt denken zu können!
In der Ferne sah er eine leuchtende orange Plattform, mit zwei Gestalten darauf. Er lächelte schloss die Augen und hatte nun ein näheres, klares Bild. Einen der Menschen kannte er irgendwo her. Ein großer Mann in einer Prunkrüstung...
Natürlich! Das Schwert, das Grab auf Maraskan! Das da musste der frühere Träger sein. Aber wer war das Mädchen mit den zwei Maraskanischen Schwertern?
Es war vielleicht nicht so gedacht, aber Lucan war im Stande, hier in ziemlichem Umfang nach seinen Regeln zu spielen Er würde diese Gestalten, die sicher nur Medien sein würden, Brücken, eine Art der Kommunikation zwischen sich und dem Artefakt, einfach fragen, oder seinetwegen auch die Antworten erzwingen.
Gerade als er sich zu konzentrieren begann, spürte er einen Zug. Etwas zerrte an seinem Astralkörper, wollte ihn von hier fort schicken. Lucan stemmte sich mit aller Kraft dagegen. Er Würde seine Antworten bekommen!
Der Sog schien ihn entzwei reißen zu wollen, und er gab seine Gegenwehr erst auf, als die Schmerzen ihm das Bewusstsein raubten und er Keuchend neben dem Lagerfeuer erwachte.

Als Ulf zurück zum Feuer kam, sah er Lucan noch immer im Lotossitz. Der Zauberer starrte Finster auf einen Punkt hinter dem Feuer, dort wo die Ausrüstung des bärtigen Kämpfers lag.
"War was?"
"Wir haben Probleme..."
Ulf verzog spöttisch das Gesicht. "Oh, danke Adeptus superior, darauf wäre ich im Leben nicht gekommen." Er legte etwas Holz nach und das Feuer loderte auf.
"Es ist ernst." Sagte Lucan ruhig.
"Bei Kor...was ist es denn?"
"Mit diesem verdammten Schwert hast du dir mehr Ärger eingehandelt als du vielleicht glaubst. Ich denke es hat ein Bewusstsein, und kann sich Mitteilen, wenn auch auf eine subtile Weise."
Der ältere Söldner verzog leidvoll das Gesicht. "Was du nicht sagst...subtil, hm?"
Du kennst ihn Ulf, er weiß es ohnehin schon, also pack aus. Ich selber würde auch gerne wissen, warum mich jeder haben will...jeder außer dir. Hörte Ulf die bekannte metallische Stimme in seinem Kopf.
Ulf ließ die Schultern hängen und erklärte Lucan kurz von Lanns reizender Eigenschaft.
"Soso...das erklärt zumindest deine ständige Gereiztheit."
"Hey...hab du mal Tag und Nacht eine verdammte Stimme im Kopf..."
"Jetzt wo du es sagst...das hätte ich gerne."
"Hä?!" Ulf verstand nicht recht, worauf Lucan hinaus wollte.
"Gib mir das Schwert." Der Söldner zuckte mit den Schultern und reichte seinem Kameraden das Schwert.
"Redet es mit mir?"
fragte Lucan. "Woher soll ich das wissen?"
Nein tue ich nicht...
"Nein, tut es nicht."
"Kann es nicht oder will es nicht?"
Hört er mich, oder nicht?! Zauberer...bah!
"Kannst du es hören?"
"Nein"
"Nein, kann er nicht."
Ich weiß, ich bin ja nicht taub...
"Was kann ich nicht?" fragte Lucan verwirrt.
"Na, das Schwert hören."
"Ja, das sag ich doch!"
Was denn jetzt, hört er mich oder nicht!?"
"Ich glaube, nicht..."
"Doch, natürlich!"
"Was?!"
Wie, was?!
"Haltet BEIDE Die Klappe, verdammt noch mal!"
Das Lagerfeuer fühlte sich nicht angesprochen und knisterte weiter hungrig vor sich hin, während Lucan den Schwertkämpfer, der wieder das vertraute Zucken in seinem Augenwinkel spürte, erwartungsvoll ansah.
Der Zauberer räusperte sich und legte nachdenklich den Kopf zur Seite. "Na schön ich schätze mal nicht, dass ihr heute noch ein Gespräch führen wollt, aus dem wir sicherlich erfahren würden, was bei Hesinde hier eigentlich los ist." Ulf's entnervter Blick bestätigte seinen Verdacht.
"Das Schwert weiß nichts. Ähm, Wir haben schon in der Behausung des Beschwörers darüber gerätselt...Verflucht, ich Idiot!"
"Ich habs geahnt..." Seufzte Lucan.
Ja, toll, ihn schreist du nicht zusammen...
Aber der Söldner hörte den Beiden gar nicht zu, sondern wühlte in seinem Rucksack, bis er das Bündel fand, das er suchte und gab Lucan die Gegenstände und Bücher, die er im Labor des toten Beschwörers gefunden hatte. "Sieh lieber zu, ob uns das weiterhelfen könnte, Spektabilität."
Lucan warf einen flüchtigen Blick auf die Bücher und in den Beutel mit den Gegenständen, von denen er einige bereits als unwichtig einstufte. "Morgen. während du feierst." Sein Tonfall barg keinen Vorwurf, eher einen Befehl. Dann legte Lucan sich zur Ruhe, während Ulf Wache hielt und zum Sternenbild hinauf sah, das man Das letzte Schlachtfeld nannte.

Gegen Mittag des nächsten Tages erreichten sie das Haus Tenser Ballards. Ein Bau im Stil der Landhäuser besser gestellter mittelreichischer Leute, umgeben von einer trotz des Herbstes im satten grün stehenden Hecke. Die kunstvoll gearbeitete schmiedeeiserne, aus zwei Flügeln bestehende Pforte war halb geöffnet. Vor dem Tor standen zwei Gagoylestatuen, die Ulf jedesmal an große Wachhunde erinnerten, wenn er hier war. Zielsicher ging er auf die Pforte zu, und durchquerte sie, nachdem er den anderen Flügel öffnete, damit die Pferde ebenfalls passieren konnten. "Ich habe immer das Gefühl, die Dinger bewegen sich, wenn ich sie im Augenwinkel beobachte." Sagte Ulf sich zu Lucan umdrehend.
"Und jedes Mal, Meister Caliowyn, versichere ich Euch, dass sie sich nur für die falsche Sorte Leute bewegen." Sagte eine raue Stimme, die einem weißhaarigen Mann in einem schlichten braunen Ornat gehörte. Ulf Verzog das Gesicht, er mochte diese pseudodramatischen auftritte nicht, aber Zauberer schienen sowas wohl zu brauchen. Der Alte Mann stellte seine Laubharke bei Seite und deutete eine Verbeugung an. "Freut mich zu sehen, das ihr wohl auf seid, alle Beide." Sagte Tenser freundlich und deutete ihnen mit einer Geste an, zu folgen. "Ihr wollt sicher zu Mara. Ich muss euch sagen, wie jedes mal, sie ist sehr begabt, und macht große Fortschritte. Noch ein weiteres Jahr, und ihre Ausbildung ist beendet. Ihr müsst vielleicht etwas warten, im Moment ist sie gerade...Klettern. Ihr könnt gerne im Haus warten, möchtet ihr einen Tee?"
Während Lucan das Angebot und darüber hinaus sich in der Bibliothek umzusehen dankbar annahm, verneinte Ulf. Er wisse mit ziemlicher Sicherheit, wo seine Tochter sich herumtreibt, und würde sie schon finden. Die zwei Reisenden stellten noch die Pferde ab, der Schwertkämpfer gab Lucan seine Sachen, bis auf sein Schwert und ein weiteres Bündel aus seinem Rucksack.
Was Ulf nicht bedacht hatte, war, dass sich zwischen ihm und seiner Tochter ein gutes Stück sadistischer Vegetation befand, das ihm einige Flüche und Schweiß abverlangte, bis er sich endlich zu einer größeren Felserhebung vorgearbeitet hatte, vor dem auch tatsächlich seine Tochter saß, die erst aufsah, und in deren Gesicht sich dann ein breites Grinsen, ein Ausdruck ehrlicher Freude, stahl. Er war vor vier Jahren das letzte mal hier gewesen, und musste mit Schrecken feststellen, dass seine kleine Tochter ganz schön gewachsen war, und wie jeder Vater wohl mit besonderem Entsetzen entdeckt, nicht nur in Sachen Höhe. Die Freude beschloss allerdings trotzdem auch vom Söldner Besitz zu ergreifen, der nun auf seine Tochter zulief und sie glücklich umarmte. Der harte Kerl in Ulf musste ganz schön Kämpfen, um nicht vor Freude zu heulen. "Ich dachte schon, du schaffst es nicht!" sagte das blonde Mädchen vorwurfsvoll. Sie sah ihrer Mutter sehr ähnlich, Mara hatte einen weniger kämpferisch gebauten Körper als Ulf oder ihre Mutter und war vor allem kleiner als Freya, aber auch sie hatte das gleichsam schalkhafte wie unbeugsame Biest in ihren Augen.
"Alle Dämonen Maraskans konnten mich nicht aufhalten...wie du siehst." Sagte er lachend.
"Ihr habt also gewonnen?" Seine Tochter verzog den Mund zu einem spöttischen lächeln. Es war ihr recht egal, wer da gegen wen Krieg führte, Haupsache ihrem Vater ging es gut, und er bekam genug Sold, als dass er nicht zu entbehrungsreich leben musste. Manchmal hasste sie ihn dafür, dass er Monate oder Jahre einfach weg war, und sie alleine ließ, aber letzten Endes versuchte sie sich ins Gedächtnis zu rufen, dass er es für sie tat.
Klappte nicht immer.
"Ein Sieg für die Vernunft war es wahrlich nicht, aber die Kasse stimmte." Erst jetzt bemerkte er die Schrammen an ihren Armen und in ihrem Gesicht. "Der Berg war nicht gut zu dir, wie ich sehe."
"Nur ein paar Kratzer...Schätze du hast schlimmeres gesehn."
Der kleine Mann seufzte. "Allerdings, aber davon lass uns nicht reden. Es ist immerhin dein Tsatag." Er holte das Bündel hervor. "Hier, kleine Fee, das haben Mehmet, Lucan und ich zusammen ausgesucht, ich hoffe es gefällt dir!"
Mara nahm das Bündel entgegen und entfernte das etwas abgewetzte Wachstuch, das den Inhalt vor Witterung schützen sollte. Selbiger bestand aus einem ledernen Beutel, der mit einigen Edelsteinen gefüllt war, die alle arkane Zeichen aufwiesen, einem kleidsamen schwarzen Gewand aus schwerem Stoff, wohl zum Reisen geeignet, und schließlich einer feingliedrigen Silberkette an der ein echter Diamant hing, in den ebenfalls, wie auch immer Ulf das angestellt haben mag, Zeichen graviert waren. Mara war sprachlos. "Das muss ein Vermögen gekostet haben!"
"Aaaach...für mein Töchterchen macht mir nichts zu viel Mühe. Und um dich zu beruhigen, der Antimagier, dem der Diamant gehörte hat ihn ganz friedlich abgegeben." Ulf grinste Böse."Nachdem Mehmet dessen Kopf überredete einige Schritt durch die Luft zu fliegen." Ergänzte er leise.
Sitzt dein Kopftuch zu eng, oder was!? Der Spinner hätte uns mit seinem Limbusriss beinahe alle umgebracht! Naja, euch alle zumindest..."
Der Söldner ignorierte das Schwert. "Die Steine waren Lucans Idee, er meinte, du könntest sie sicher brauchen. Einen hat er dir sogar schon verzaubert, glaube ich jedenfalls, du solltest nochmal mit ihm reden...Wie auch immer, das Gewand ist von mir, es wurde auf Maraskan gewoben und der Stoff übersteht sogar Reisen durch die Hölle von Wald dort. Außerdem sollst du doch in was ordentlichem reisen, sobald du eine erfolgreiche Bannmagierin bist!"
Seine Tochter umarmte ihn erneut. "Danke, Ulf!" Sie hatte sich daran gewöhnt, ihren Vater einfach beim Vornamen zu nennen, als sie noch mit ihm und dem Söldnerhaufen umherzog. Der Schwertkämpfer hatte des Öfteren versucht, das zu unterbinden, jedoch ohne Erfolg.
"Wollen wir zurückgehen? Sonst essen uns die beiden Meisterzauberer noch den Kuchen weg...dein Lehrer hat doch einen gebacken,oder?" Ulf war der Meinung, Tenser Ballard solle den Magierunsinn lieber lassen, und ein Gasthaus eröffnen. Was das Kochen anging, hatte dieser Mann wirklich Talent. Das war wahre Magie!
Mara kicherte. "Ja, hat er, sogar einen ziemlich großen dieses Jahr, damit Onkel Mehmet nicht wieder leer ausgeht."
"Darum mach dir mal keine Sorgen, der ist nicht bei uns." Erklärte Ulf fröhlich.
"Es geht ihm doch gut, oder?" Fragte die Zauberschülerin besorgt.
"Wenn er nicht wieder irgendeine Frau beglückt hat, die bereits einen Traviabund geschlossen hat und sein Leben vor einem wütenden Ehemann schützen muss...dann ja. Er hat sich in Kunchom von uns getrennt. Ich glaube er will Richtung Tobrien." Ulf schauderet ein wenig. Er hatte erstmal genug von den Schwarzen Landen, Geld hin oder her. Das, was er Söldnersegen nannte, hatte ihn lange genug durchhalten lassen, aber irgendwann stößt selbst seine Abgebrühtheit an ihre Grenzen.
Mara's helles Lachen erfreute den Söldner, und er schwor sich, dass wenn das hier vorbei war, viel mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Er wollte nicht noch mehr wichtige Dinge im Leben seiner Tochter verpassen.

Die kleine Feier fand ihr Ende in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Ulf und Lucan berichteten von den neuesten Entwicklungen auf Maraskan und erzählten von ihren etwas abenteuerlicheren Aufträgen und Kämpfen. Man aß, trank und unterhielt sich. Die beiden Söldner vermieden es allerdings von den neuesten Ereignissen zu erzählen, weil Ulf Lucan bei Strafe gedroht hatte, bloß seine Tochter nicht in diese Sache mit rein zu ziehen. Der Schwertkämpfer rang mit sich selber. Er wollte gerne noch bei Mara bleiben, aber diese Sache hier musste ein Ende finden, und dafür musste er zunächst nach Gareth.
Jedenfalls wenn er Informationen über das verdammte Schwert haben wollte.
Die Klinge lag Trügerisch ruhig beim Rest seiner Ausrüstung. Ulf Schüttelte den Kopf und freute sich weiter bei seiner Tochter zu sein, bis die Feier ihr Ende Fand.

"Warum müsst ihr schon gehen?" Nachdem Lucan und Ulf bis zum Mittag geschlafen hatten, sattelten sie die Pferde und machten sich zum Aufbruch bereit. "Ihr seid gerade erst angekommen! Ich verstehe das nicht!"
Der Söldner versuchte sein Tochter zu beschwichtigen, aber ihr Temperament ging mit ihr durch und machte es schwer, vernünftig mit ihr zu Reden. Lucan schaffte es schließlich, indem er ihr versicherte, dass Ulf bald wieder da wäre, und dann auch sicher eine ganze Zeit bleiben könne. Sie passierten das Tor, und waren nach kurzer Zeit nicht mehr zu sehen, da die dichten Wälder der Salamandersteine sie verschlagen.
"Ich versteh's nicht, Meister. Auf der einen Seite sagt er ständig wie wichtig ich für ihn bin und wie stolz er auf mich ist, und dann verschwindet er einfach wieder. Ich will gar nicht wissen wie lang's dieses mal dauert." Trotzig verschränkte sie die Arme vor der Brust.
"Glaub mir eines, Kind: Manchmal enttäuschen uns die, die wir lieben, und wir können unser Hirn zermartern, verstehen es aber trotzdem nicht. Alles was uns dann bleibt, ist Geduld." Der alte Magier seufzte und fuhr sich durch die langen weißen Haare. "Der Herbst hingegen liebt uns mit Sicherheit nicht, also auf! Wir haben eine Menge Laub zu harken. Und heute Abend nehmen wir nochmal den Invercano durch, ich glaube den musst du noch üben."
Mara hörte ihn gar nicht, sie sah in den Wald und versuchte sich vorzustellen, wie ihr Vater fluchend zurück gestapft kam, und mit jedem Schritt bereute, sie je allein gelassen zu haben.

Sie ritten so zügig sie konnten nach Gareth.
Stadt des Lichtes.
Haupstadt des Mittelreiches.
Jenes Reich, das so viel Blut lassen musste, um letztendlich kaum mehr als ein Patt gegen den Dämonenmeister zu erzielen.
Aber das war nicht die Hauptsorge der beiden Söldner.
Wie geheime Verschörungen und finstere Pläne nunmal sind, warfen die Informationen mehr Fragen auf, als sie klärten. Derjenige, welcher den Heshthot auf Ulf angesetzt hatte war in Unterweltkreisen, oder soweit diese in Lucans Fall eben reichten nur als 'Der Sammler' bekannt . Zunächst beschwerte sich Ulf über den lächerlichen Namen, und wie so einer es wagen konnte ihn aus dem Weg räumen zu wollen. Lucan beruhigte den zwergenblütigen Kämpfer und ließ seinen Informanten fortfahren.
" Er ist reich, mächtig und er hat 'ne Menge Leute und Kontakte in so ziemlich jeder zivilisierten Stadt. Außerdem, und das ist für euch unter Umständen interessant, hasst er aus irgendeinem Grund Zwerge und interessiert sich vor allem für südliche alte Kulturen. Schnappt sich alles davon, was er in die Finger kriegt. Es ist verteufelt schwer an ihn heranzukommen, wechselt ständig seinen Standort, hat aber überall Häuser und Kontore.." Der Schnüffler zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht, was der Kerl gegen euch haben könnte, aber ich sag euch eines: Ihr habt einen mächtigen Mann gegen euch, wenner denn echt ein Mann ist! Er zahlt übrigens immer an die Gilde, ich riskier hier also meine Hand für Euch!"
"Und wir sorgen dafür, dass deine Hand vorher mit blinkender Münze gefüllt ist, also keine Beschwerden mehr." erwiderte Lucan kühl und bezahlte den Mann, als er keine Antworten mehr geben konnte.
Sie verließen Gareth im Schutz der Nacht. Lucan hatte genügend Beziehungen um sie von der Bildfläche verschwinden zu lassen, und genügend Leute geschmiert, die Stein und Bein schworen, die beiden wären Richtung Wehrheim aufgebrochen.
Als sie ihr Lager ohne Feuer aufschlugen, war der Himmel wolkenverhangen, und nach seiner Wache viel Ulf in einen unruhigen Schlaf, und erinnerte sich am nächsten Morgen nicht an seine Träume.

Das musste er auch nicht.
Sein Traum kam ganz gut ohne ihn zurecht.
Er wäre ohnehin nur noch verwirrter als Lia'ran, deren Bersteinfarbene Augen sich gehetzt umsahen.
Sie atmete schwer und versuchte zu verarbeiten, was gerade eigentlich passiert war.
Pen war verschwunden, Rellon war tot. Er war tot, weil er sie gerettet hatte. Und sie war tot, weil der Gruftwächter sie täuschen konnte. Zumindest sollte es so sein. Doch statt in Vergessen und Wiedergeburt, stand sie nun auf einer Plattform, ihr gegenüber das lebendige Abbild von Zalaren, dem Mann, dessen steinernes Simulacrum den Sarg zierte, der sie und die anderen Schatzjäger ins Verderben geführt hatte.
Die Schwertkämpferin fühlte sich seltsam. Alles schien - bedachte man ihre Lage- normal. Und doch...Es fühlte sich an, als wäre ihr kalt, und Rauch, statt Blut würde durch sie fließen. Ihre Schwerter, seltsamerweise alle beide, waren bei ihr, ihre Rüstung nicht. Sie tat das nächstliegendste.
"Was, bei den Zwillingen, geht hier vor?"
Das Timbre ihrer Stimme hallte durch die undefinierbare Weite um sie herum. Lann's einstiger Träger sah in der Tat Jahrhunderte alt aus. Sein Gesicht wie das eines Mannes, der sich mit etwas Glück noch an den Namen des Monats erinnern konnte, an dem er zuletzt etwas Schlaf gefunden hat. Die Haare des Kriegers mochten einst Braun oder einen anderen dunklen Ton gehabt haben, waren jetzt jedoch dünn, vorwiegend grau und strähnig. Seine Stimme jedoch strahlte Autorität und eine unzerbrechliche Willenskraft, aber auch Trauer und Resignation aus. "Glaub mir, du wärst glücklicher, wüsstest du es nicht."
Alles hier hallte seltsam, und im unsteten Raum, der keiner war meinte Lia ein oder zweimal Bewegungen außerhalb dieses Plateaus wahrzunehmen. Sie konnte sehen, wie sich die Hände des Festlandkriegers fester um sein Bastardschwert schlossen. "Aber wenn du es unbedingt wissen willst, Kind Maraskans, du bist mit der Klinge in deinen Händen gefallen, und nun Opfer eines Fluchs, wie er schlimmer nicht sein könnte." Seine eisernen Schultern, zu denen die kleine Schwertkämpferin bereits aufsehen musste hängen lassend sprach Zalaren äußert betrübt weiter. "Ich kann für dich selbst leider nichts mehr tun, aber ich kann die Lebewesen außerhalb unseres Gefängnisses schützen." Bereits bevor er seine letzten Worte beendet hatte schlugen Lia's instinkte Alarm und sie riss ihre Schwerter vor sich und konnte den Streich des Kriegers gerade noch mit gekreuzten Klingen abfangen. Ihr Gegner bewegte sich trotz seiner Rüstung dämonisch schnell und deckte sie mit heftigen Schlägen ein, während sein Gesicht völlig emotionslos blieb. Sie rollte sich vor einem wuchtigen Halbmondschlag in Deckung, und musste bereits wieder mit beiden Schwertern seinen nächsten Schlag blocken, kaum dass sie auf die Füße kam. Zalaren ließ ihr nicht einen Herzschlag Zeit, um selber in die Offensive zu gehen, wobei ihm seine längere Waffe und Körpergröße gute Dienste leisteten.
Die Maraskanerin beschloss zu handeln und vertraute bei ihrer Riposte allein ihrem Glück, das sie, wie sie sich mit etwas Zynismus erinnerte bereits in einer entscheidenden Situation im Stich gelassen hatte. Diesmal jedoch war ihr eine Mischung von Glück und können ein Vorteil, denn ihr sofort auf die Abwehr folgender Angriff zwang den Ritter seine Waffe hoch zu reißen, was ihn allen Schwung seines letzten Schlages kostete. Mehr Zeit brauchte die schnelle Kämpferin nicht um ihn in ihren Stil zu zwingen, der unmöglich auf lange Zeit mit einer Zweihandwaffe gekontert werden konnte. Sie war sehr stolz auf ihren Stil, den sie Ikanaria getauft hatte, da er ähnlich wie der gleichnamige Schmetterling erst große Verwirrung stiftete und schließlich dem Opfer ein tödliches Ende bescherte. Was Lia'ran mit dem Ritter anstellte ähnelte dem Schwadronieren der Südmeerpiraten. Während dies in erster Linie eine täuschende Technik war, hatte Lia der Täuschung noch eine etwas größere Note Tödlichkeit hinzugefügt, da Schwadronieren gegen echte Gegner wenig Nutzen hatte.
Sie selber hatte schon einige Schwadroneure getötet, die sich darüber nicht im Klaren waren.
Selbst ein zweifelsohne erfahrener und fähiger Mann wie Zalaren hatte Mühe im Schlaghagel den die wirbelnden Klingen der kleinen Frau erzeugten zu Bestimmten, was ein Tödlicher Hieb, und was nur Blendwerk war. Der Nachteil dieser Technik war eindeutig, dass beide Kämpfer schnell ermüdeten, und wer zuerst am Ende war, hatte schon so gut wie verloren. Lia's rechte Hand, also die, die das längere der beiden geschwungenen Schwerter führte begann bereits an Kraft zu verlieren, und der gerüstete Kämpfer musste das merken. Obwohl sie mittlerweile auch einige empfindliche Stellen der Rüstung getroffen hatte, und der Krieger vom Festland aus vielen Wunden blutete spürte sie, dass all ihr können so nicht reichen würde, um ihn zu besiegen. Eine weitere Serie von Hieben, die er alle Abwehrte bestätigten die junge Kämpferin und schließlich zwang der Hüne sie wieder in die Defensive. Seine Klinge fand eine Lücke in ihrer Deckung und sie schrie auf, als der Stahl eine Tiefe Wunde in ihrem Bein hinterließ. Der Hieb kam von oben, ein senkrechter Spalthieb, der sie jedoch den Zwillingen sei Dank nur gestriffen hatte. Als Lia ihren Oberkörper wie einen Winselgrashalm nach hinten bog, um der folgenden Aufwärtsbewegung zu entgehen schmerzte ihr Bein niederhöllisch und sie hatte mühe aufrecht zu bleiben. Mit letzter verzweifelter Kraft führte sie einen Schlag, den man auf Maraskan den schnellen Tod nennt, einen barigen Diagonalhieb, der Zalarens Waffe größeren Schwung verlieh, und den Zweihänder weiter nach oben riss, als der Kämpfer es geplant hatte. Die Waffen der beiden Kontrahenten verkeilten sich, als Lia sich wie eine Tänzerin an dem Großen Kämpfer vorbei drehte und ihr kleineres Linkhandschwert in die entblößte und ungepanzerte Stelle unter seiner Achsel rammte. Als sie den Schwung mit dem verletzten Bein auffangen wollte, stürzte sie, dich am Rande des Plateaus.
In der Hitze der Schlacht war Beiden entgangen, wie dicht sie sich am Abgrund befunden hatten. Zalaren blickte ungläubig auf die Klinge in seinem Körper und dann zu der kleinen Frau, die die erste seit Jahrhunderten war, die ihn besiegt hatte.
"Du..." Er stockte und spuckte Blut aus. "Was hast du angerichtet?"
Der zu Tode erschöpften Schwertkämpferin war das im Moment völlig egal. Durch die extreme Anstrengung war ihr übel, sie Schmeckte Blut und spürte, wie die Wunde an ihrem Oberschenkel im Rhythmus eines Schmiedehammers pochte. Sie warf noch einmal einen Blick in den grotesken Sternenhimmel und dann wurde ihre Welt Schwarz.
Mal wieder.
Sie bekam auch nicht mehr mit, wie der Ritter Zalaren, mit einem vor unbeschreiblicher Trauer verzerrten Gesicht scheppernd zu Boden stürzte und seine hünenhafte Gestalt sich langsam auflöste.
Auch wie sich der Allee mit den Kristallsäulen eine weitere anschloss, entging ihr.
Jemand anders allerdings nicht.
Und gierige Hände konnten es kaum erwarten, das Schwert endlich zu halten.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast