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Söldnerdasein

von ashtrails
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P16 / Gen
03.01.2012
10.04.2012
6
24.564
 
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03.01.2012 3.904
 
Drei

Was wir sind


...Musst du mir ständig sagen, dass ich die Klappe halten soll?
Ulf hatte mittlerweile auf den normalen Weg zurück gewechselt, den die Fallensteller, Jäger, der echte Bierfahrer und andere Leute, wie zum Beispiel Isparla benutzten, wenn sie nach Thaun wollten. Der Weg war länger, als der durch die felsigen Gebirgsausläufer, aber zugleich auch weit bequemer. Und Ulfs Priorität war im Moment Bequemlichkeit. Und eventuell der innige Wunsch taub zu sein.
"Ich weiß nicht, du hältst sie ja nicht mal dann. Irgendwann steckt man mich nochmal ins Kloster, weil ich mit mir selbst rede. Ich meine, warum kannst du dich nicht einfach wie ein Schwert benehmen?" Ulf machte einen Augenblick Pause, und schöpfte beinahe die Hoffnung, dass Lann Ruhe gab.
Fakt ist, ich bin nicht einfach nur ein Schwert, gewöhn dich da dran. Sei lieber froh, dass du mich hast. Ein Teil Selbstzufriedenheit schwappte aus dem Bewusstsein des intelligenten Schwertes zu Ulf herüber.
"Verdammt, lass das!" Hätte ich bloß das krumme Schwert genommen..." Der Söldner verdrehte die Augen. Es fiel ihm nicht leicht, sich ein zu gestehen, dass er in diesem Fall tatsächlich keine Probleme mit einem sprechenden Schwert gehabt hätte.
Wahrscheinlich wäre Ulf Caliowyn nämlich gestorben, hätte er nicht aus Gründen persönlicher Vorliebe das Schwert, gefertigt im Stil seiner Heimat genommen. Warum ihm das gerade jetzt einfiel, war ihm hingegen nicht ganz klar.
Es hatte genug Situationen in seinem Leben gegeben , in denen der pure Zufall über sein Leben entschieden hatte, und er hatte sich nie Gedanken gemacht.
Schließlich war das nicht seine Aufgabe.
Seine Aufgabe war es zu überleben und Geld zu bekommen.
So sind Söldner, oder?
Auf der andern Seite war er sich stets im klaren darüber, was er tat. In seiner Zeit auf Maraskan wusste er, dass jeder so genannte moralische Mensch sein tun verdammen würde.
Bedachte man aber, dass viele Krieger aus dem Mittelreich für nichts weiter, als Ruhm und eine gerechte Sache kämpften, das hässliche Antlitz von Krieg und Verderben sich aber keines Falls veränderte, dann, fand Ulf, konnte man seinen Standpunkt verstehen.
Das Mittelreich würde einem weiteren gefallenen Söldner keine Träne nachweinen. Das tat Haffax erst recht nicht, aber der Herr von Maraskan bezahlte immerhin besser. Und von einer Rede auf die gefallenen konnte Ulf sich kein Haus kaufen, oder die Lehre seiner Tochter bezahlen.
Selbst wenn es ihn jedoch ruinieren würde, Ulf wollte, dass sie es etwas leichter hat, als er es hatte. Und nach der Aussage des alten Tenser, konnte man mit Bannmagie dieser Tage leicht und viel Geld verdienen.
Der Tag war sonnig, und obwohl es noch nicht einmal Mittag war, brannte die Praiosscheibe bereits heiß auf den Söldner herunter. Daher war er dankbar, dass der Wind etwas auffrischte und ihn so gut es eben ging kühlte. Hätte er gewusst, dass sein Ausflug sich noch leichter gestalten würde als angenommen, dann hätte er auf das Kettenhemd verzichtet, dass ihn jetzt langsam aber sicher trotz der kühlen Brise mächtig ins Schwitzen brachte.
Der Wind fegte durch den Pass und machte kleinere Ansammlungen Kiesel und den allgegenwärtigen Staub zu wirbelnden Säulen, die nach ihrer kurzen Lebensdauer wieder in sich zusammenfielen. Zu seiner rechten ragte noch immer die Felswand auf, die sich über einige hundert Schritt weit hob, und in der auch das Jagdgebiet der Goblins war, sowie noch etwas höher, die Höhle des alten Zauberers, oder besser gesagt, seiner robenlosen Leiche. Zur Linken des Söldners fiel das Gelände in einer langen Schrägen ab, und der schroffe Fels mündete zunächst in dichtes Dornengestrüpp, an das sich ein weitläufiger Nadelwald anschloss. Noch ein oder zwei Stunden Marsch, und er würde an einem klaren Tag wie diesem, bereits Harbo's Gasthaus sehen können.
Dann schnell nach Hause, seine Rüstung los werden und das Geschenk für Mara einpacken. Mit etwas Glück, oder einem Pferd, dass er sich von seinem Großvater borgen könnte, würde Ulf es sogar noch rechtzeitig schaffen und seine temperamentvolle Tochter würde ihm nicht die zwölf Höllen heiß machen.
Angesichts dessen, dass er endlich mal etwas Zeit mit ihr verbringen konnte, seine Taschen gut gefüllt waren, er keine ernsten Blessuren von seiner Exkursion davongetragen hatte und überhaupt mal alles ohne Probleme lief, gönnte sich der kleinwüchsige Mann ein zufriedenes Lächeln, und begann eine Melodie zu summen, die er einmal von einem Barden gehört hatte, der ein erstaunlich guter Lautenspieler war.
Ich dachte du magst diese Wandern-und-Singen-Sache nicht? Klang es metallisch durch seinen Kopf.
Achja, ein Problem war ja immer präsent.
Ulf seufzte.
Ach, komm schon...ich unterhalte mich eben gern mit dir.
"Tja, ich würde meinen Kopf lieber für mich allein haben. Warum bist du kein sprechendes Buch? Lucan wäre begeistert."
Diesmal seufzte das Schwert. Der Zauberer? Du würdest mich an den Zauberer abschieben?!"
Der kleine Mann grinste böse. "Wenn du nicht anfängst dich wie ein richtiges Schwert zu benehmen, und der einzige Klang, den ich von dir höre Waffenklirren, oder das Geräusch von Stahl, der durch Fleisch schneidet ist, kannst du dich drauf verlassen. Auch wenn du kein Buch bist, Lucan hätte trotzdem seinen Spass mit dir."
Ich nehme zurück, was ich sagte, du bist echt herzlos.
"Danke, ich dachte schon mein Ruf wäre dir gegenüber dahin." Er blickte Zwinkernd zu dem unscheinbaren Schwert, dass an seiner Seite hing und im Takt seiner Schritte gegen sein Bein stieß.
Einige Minuten herrschte angenehme Stille im Geist des Söldners. Was meinst du eigentlich mit "wie ein Schwert benehmen"?! Die Ruhe vor dem Sturm. Ich bin schärfer, als alles, was dir irgendein Schmied herstellen kann, ich bin leicht, gut ausbalanciert...Könige wären als Gesellschaft gerade gut genug für mich!
"Im Moment find ich eher, dass du gut in einen Kreis Waschweiber gehörst, so wie du vor dich hinbrabbelst."
Das Schwert fuhr einfach fort, als hätte es Ulf nicht gehört.Man kann mich nicht zerbrechen, im Gegensatz zu diesen spröden Dingern, die man auf jedem Markt findet...Zwergenstahl geht grad noch,aber sonst...ich sehe vielleicht nach nichts aus, aber du hast jawohl gesehen was ich anrichten kann!
"Aber der Preis ist hoch..." Murmelte der Söldner kopfschüttelnd.
Ach, Ulf, und noch etwas...
"Was denn?" Fragte Ulf resigniert.
Duck dich...
"Wa...?!"
Ulf war zunächst verwirrt, schaltete aber schnell, doch nicht schnell genug. Er spürte einen dumpfen Schmerz in der Schulter, als etwas mit Wucht sein Kettenhemd streifte, allerdings keine offenen Wunde zu verursachen schien.
Nach seinem Hechtsprung rollte Ulf sich ab und kam mit gezogenem Schwert wieder auf die kurzen Beine. Vor ihm stand ein mittelgroßer Mann mit kurzgeschorenen schwarzen Haaren, gekleidet in einen Umhang, der die Farbe der Felsen um ihn herum hatte, sogar mit entsprechender Maserung, wie der Söldner erstaunt bemerkte. Sein Gegenüber fasste das zunächst als Unsicherheit auf, und lächelte abwertend, wobei seine grauen Augen jedoch weiterhin kalt auf Ulf blickten. In seiner rechten Hand hielt er ein Langschwert, seine Linke zog gerade eine Peitsche von seinem Gürtel, an dem noch einige gefährlich scharf aussehende Wurfscheiben hingen. Ulf folgerte, dass so eine ihn gerade gestriffen und sprichwörtlich um Haaresbreite seinen Kopf verfehlt haben musste.
Verwirrt musterte der Zwergenblütige den größeren Menschen, und schüttelte dann mit einem entnervten Gesichtsausdruck den Kopf.
"Wer zum Geier seid ihr?!"

Eine gute frage.
Der Fremde würde sie ihm nicht vollständig beantworten, aber einen Teil würde Ulf sich denken können, hätte er gewusst, dass der Mann ihm bereits seit einiger Zeit durch den sich beständig schlängelnden Pass verfolgte. Der Staub, den der Wind dabei aufwirbelte kam ihm dabei sehr gelegen, da sein Umhang zwar sehr bemüht war, sich den Felsen anzupassen, aber dieses Unterfangen sich als nahezu sinnlos erwies, da der kleine Mann sich die ganze Zeit bewegte und sein Jäger mithalten musste. Zunächst hatte er überlegt, den bärtigen Söldner einfach einen seiner Dolche in den Rücken zu stoßen, nachdem er schon das außerordentliche Glück hatte ihn hier anzutreffen, statt ihm in seiner Hütte aufzulauern, von der er nicht mal genau wusste, wo sie stand. Seine Geldgeber hatten sich da sehr bedeckt gehalten.
Oder sie wussten es einfach nicht, das war naheliegender.
Sein Glück hielt an.
Er hörte ständig, wie der kleine Mann wie im Streit mit sich selber sprach. Scheinbar war er auf Maraskan verrückt geworden. Ein brabbelnder Verrückter war seinen Dolch nicht wert, also entschloss sich Ulf's Verfolger eine seiner Wurfscheiben die unschöne Arbeit erledigen zu lassen. Dann nur noch das Schwert einsammeln, und den Rest des Geldes kassieren. Es war gerade zu lächerlich einfach. Wenn er das Schwert genauer betrachtete, konnte er nicht feststellen was eigentlich Besonderes dran sein solle. Sogar seines war wesentlich besserer Qualität als dieses einfache Langschwert. Einen Moment hatte er sogar überlegt, ob er nicht eines auf einem Markt kauft und so die Aufgabe mit minimalem Aufwand durchführte. Schließlich war er sich bis dahin nicht im klaren darüber, dass er nur einen dementen kleinwüchsigen Idioten verfolgte und keinen gefährlichen Schwertkämpfer, der sich auf Maraskan bewährte.
Wie dem auch sei.
Es war Zeit, dies zu beenden.
Er zog seine Scheibe, nahm maß und Warf sie mit Kraft und Geschick direkt in den Nacken des Schwertkämpfers.
Zumindest so sah es der Plan vor, stattdessen warf sich der kleine Bastard in letzter Sekunde zur Seite und die Wurfscheibe schrammte harmlos an der gepanzerten Schulter des Söldners entlang.
Der Jäger fluchte innerlich und näherte sich mit nahezu übermenschlicher Geschwindigkeit dem kleineren Mann, der bereits mit seinem Schwert in der Hand wieder auf den Beinen war. Sein Verfolger hatte seinerseits blank gezogen. Für diesen Kampf sah er die Peitsche und sein Langschwert vor. Möglicher Weise war er doch nicht verrückt, aber sein Umhang schien den abergläubischen Schwertkämpfer zu beeindrucken, was Verachtung ihm gegenüber in dem Jäger hervorrief.
Er merkte jedoch kurz darauf, dass er die Gestik des Söldners scheinbar mißgedeutet hatte, den jetzt betrachtete er seinen Gegenüber als wäre er ein Ungebetener Gast oder ein lästiger Hausierer.
"Wer zum Geier seid ihr?!" sagte er gereizt.

"Da es der letzte Name ist, den man dir nennen wird, kann es nicht schaden, wenn du weißt, wer dich zur Hölle schickt! Ich bin der Heshtot, und deine letzte Stunde hat geschlagen!"
Normaler Weise schlug diese Ansprache immer an, unterstützt von geistigen Faktoren wie der Peitshe und dem Schwert sogar garantiert.
Ulf jedoch zog eine Braue hoch und nickte langsam. "Aha...verstehe...Für die Kutte war's euch heut wohl zu warm, was?"
Das warf Heshtot etwas aus der Bahn. "Was?! Wie kannst du es wagen?!" Wie eine gespannte Feder schnellte der Meuchler vor und attackierte Ulf mit einem horizontalen Hieb seines Schwertes, den Ulf ohne Mühe parierte. Die Peitsche zog sofort nach, und hätte sich um die Beine des Söldners gewickelt, wenn er nicht mit seiner Parade zur Seite gewichen wäre.
Man musste schon früher aufstehen um Ulf Caliowyn mit so einem plumpen Manöver zu überrumpeln.
Ulf brachte seiner Seits einen gefährlichen Konter an, den er auf Maraskan gelernt hatte, und bei dem es darum ging, in einer fließenden Bewegung von unten nach oben, vorzugsweise, wenn die Waffe noch nicht gezogen ist, diese hochschnellen zu lassen, und den überraschten Gegner aufzuschlitzen. Besonders im maraskanischen Zwei-Schwerter-Stil eine effektive Taktik, aber auch mit nur einem Schwert und nach einem Abwehrmanöver eindrucksvoll, da eher Geschwindigkeit als rohe Kraft eine Rolle spielt.
Eindrucksvoll, wenn es funktioniert.
Heshtot brachte seine Klinge rechtzeitig in Position, und ließ es sich zumindest nicht anmerken, dass er wusste, dem Tod gerade sehr knapp entkommen zu sein, als die Schwerter sich funkenschlagend trafen.
"Der Schnelle Tod...beeindruckend, dass ein Mann vom Festland diese Technik gemeistert hat." Der Meuchler nickte anerkennend.
"Ich geb' euch gern eine Signatur, wenn ihr ein Stück Pergament habt..." Ulf hasste es eigentlich während des Kämpfes zu reden, das lenkte nur ab.
"Tut mir leid, ich muss euch schnellstmöglich töten, Zeit ist Geld, ihr wisst..."
Der hier schien zu meinen sich die Ablenkung leisten zu können.
Eine aggressive Folge von Schwerthieben brachte den Meuchler vorerst zum Schweigen, und Ulf sogar in eine Position , in der er meinte, das Blatt endgültig zu seinen Gunsten zu wenden. Heshtot musste seine Angriffe, die ständig zwischen kräftigen und schnellen Schlägen wechselten mit beiden Händen abwehren, wodurch die Peitsche nutzlos an seinem linken Handgelenk hing. Zuerst hatte Ulf versucht seinen Gegner in Richtung Abgrund zu drängen, aber geschickt konnte der Meuchler trotz seiner defensiven Lage die Richtung immer wieder so ändern, dass er wieder genügend Freiraum auf dem steinigen Boden hatte.
Allerdings nur bis es dem überlegenen Schwertkämpfer gelang ihn in eine Falle zu locken. Ulf ließ den größeren Mann einen leichten Schlag abwehren, und ihn die Offensive übernehmen. Heshtot musste annehmen, der Söldner habe einen Fehler gemacht, und hatte kaum eine Wahl, als diese Lücke zu nutzen, und einen Hieb zu führen, der nicht mit voller Kraft geführt werden konnte. Damit hatte sein Gegner gerechnet, fing die Wucht der Klinge ab, ließ sie an seiner herunter gleiten, bis sie klirrend auf die Armpanzer seiner nun gekreutzten Handgelenke prallte. Mit aller Kraft stieß der kleinere Ulf nun seinen Feind nach hinten und bediente sich wiederum des Schnellen Todes.
Allerdings nicht um Heshtot zu töten, dafür hatte ihn der Stoß bereits zu weit weg befördert, sondern richtete seinen Angriff gegen die Waffe des Meuchlers, die mit einem Singen aus dessen Händen geschlagen wurde und den Hang hinunter fiel.
Ulf grinste böse und näherte sich Heshtot, um ihm entweder den Rest zu geben, sollte er sich wehren, oder ihn einfach bewusstlos zu schlagen und ihn dann aus zu quetschen.
Immerhin musste irgendjemand diesen Spinner auf ihn angesetzt haben. Heshtot wähnte diesen Kampf jedoch längst nicht verloren, und ließ seine Peitshe vorschnellen, der der Söldner dieses mal nicht ausweichen konnte, da er sonst riskiert hätte in den Abgrund zu stürzen. Wie ein lederne Schlange wand sich die Peitsche um die Hüfte des Schwertkämpfers.
Ulf musste handeln, der Meuchler durfte ihn nicht durch einen harten Zug von den Beinen holen, dann stünden die Chancen des Söldners wieder ungleich schlechter, auch wenn sein Gegner ohne ebenbürtige Waffe war.
Wenngleich ein Dolch einem Schwert selten ebenbürtig ist, erkannte Ulf doch, einen Fehler gemacht zu haben, als er Vorwärts stürmte und der blitzende Dolch zum Vorschein kam. Er verspürte einen starken Ruck in der Hüftgegend und schnellte nun unkontrollierter und mit deutlich mehr Geschwindigkeit auf Heshtot zu.
Und seinen Dolch.
Es gab nur noch einen Ausweg, und der gefiel Ulf gar nicht. Gegen jede Vernunft hielt er sich am Peitschenriemen fest und verlagerte sein ganzes Gewicht nach rechts.
Richtung Steilhang.
Heshtot riss überrascht die Augen auf, als der Söldner seinerseits an der Peitsche zog, deren Schlaufe sich nun eng um das Handgelenk des Meuchlers geschnürt hatte. Er führte seinen Angriff zu Ende, aber traf nicht richtig, so dass er nur die Hüfte des Söldners schnitt, statt seinen Torso zu durchstoßen.
Und dann fiel er.
Ulf bemühte sich nach Leibeskräften sich an seinem Feind festzuhalten, der bereits nach dem ersten Aufschlagen erschlaffte. Tatsächlich dämpfte sein Kontrahent den äußerst schmerzhaften Fall den schrägen Hang hinunter, die Dornenbüsche taten ihr übriges.
Gerade als der völlig zerkratzte und angeschlagene Ulf dachte, er könnte das Ganze bis auf einige Prellungen und Stauchungen heil überstehen, prallte er mit dem Kopf hart gegen etwas und das Licht der Welt erlosch.

Das Licht in dem er erwachte war sehr angenehm.
Er spürte auch die Schmerzen, die eigentlich mit so einem Erwachen verbunden sein sollten nicht. Er rieb sich den Kopf und versuchte aufzustehen. "Weißt du, anstatt mich immer zu nerven, wenn ich meine Ruhe haben will, könntest du mir im Kampf ja sowas einfach mal sagen...'Ulf, der böse Meuchler will dich mit seinem Käsemesser reinlegen...' Aber nein! Einen Berg auf seiner Leiche herunterrollen macht ja viel mehr Spass!"
Ulf bemerkte, dass seine Stimme seltsam hallte.
Und Lann gab keine Antwort.
Das Licht war wie das der Sterne, wenn die Nacht absolut klar war. Der Boden, auf dem Ulf stand, schien aus poliertem Glas zu sein, und doch völlig undurchsichtig. Irgendwie bekam er davon Kopfschmerzen. Ihm kam der Gedanke, dass irgendetwas nicht stimmte.
"Es wäre jetzt ein guter Zeitpunkt mir zu sagen, was bei den zwölf Höllen hier los ist!" Er sagte das zu niemandem im speziellen, er rief es einfach in die von Sternenlicht erhellte Weite seiner Umgebung, die nah und fern, hoch und tief, warm und kalt...überhaupt alles zugleich zu sein schien. Dem Schwertkämpfer behagte das überhaupt nicht.
Denn Niemand schien zu meinen ihm eine Antwort schuldig zu sein.
"Wirklich toll..."
Er sah sich um und befand eine Richtung für so gut wie jede andere.
Ohne es zu wissen hatte er auch absolut recht damit.
Während er auf dem bizarren Glasboden ging, fiel ihm auf, dass in gewissen Abständen Säulen am, naja, Wegesrand, wenn man denn diese Dimension so bestimmen wollte, standen.
Auch sie waren aus diesem seltsamen Material, dass wie Glas wirkte und doch keines war. Wenn man genau hinsah, konnte man Gestalten darin erkennen, viele davon Echsen, einige davon Dinge, die Ulf lieber nicht gesehen haben wollte. Sogar Menschen sah er, als er noch eine Zeitlang seinem Weg folgte, und sich fragte, wie er hier endlich rauskam.
Dann kam ihm die glänzende Idee, dass dies wohl nur ein dämlicher Traum war, und er schon irgendwann aufwachen würde.
"Naja, so lange kann ich auch genau so gut mitspielen." Ulf lachte humorlos.
Schon der zweite merkwürdige Traum...
Nach einer Zeit, die ihm endlos vorkam, konnte er zu seiner Überraschung das erste mal seit er hier war, klar definierte Grenzen erkennen. Ironischer Weise war ein Sternenhimmel unvergleichlicher Pracht und Größe dieses erste anzeichen von Kontur, gefolgt von einem Abgrund, der den Weg von Ulf abgrenzte. Einige hundert Schritt von der Kante entfernt sah Ulf ein schwebendes Plateau, das nur aus gelblich orangenem Licht zu bestehen schien und von unsichtbaren Händen in der Luft gehalten wurde.
Als wäre Ulf ein willkommener Gast, bildete sich ein Steg aus Licht vom Plateau bis zu den Füßen des Halbbluts. Zunächst hielt er sich selbst für einen Narren, erinnerte sich dann aber selber daran, dass er machen konnte was er wollte.
Das hier war immerhin nur ein blöder Traum!
Ulf beschritt also die vermeintliche Brücke und war wenig überrascht, dass sie ihn trug als bestünde sie aus festem Gestein. Als er in etwa auf der Mitte war, oder besser, da, wo er beschlossen hatte, dass die Mitte zu sein hatte, konnte er sehen, dass das Plateau mit Nichten verlassen war. Zwei Gestalten standen sich dort gegenüber.
Und Ulf sah etwas, dass er lange nicht gesehen hatte.
Zunächst erkannte er nur einen hünenhaften Menschen in einer schweren Rüstung und einem massiven Schwert. Ulf konnte nicht genau sagen, ob es nun ein Bastardschwert war, oder ein wirklicher Zweihänder. Das, was aber eigentlich die Aufmerksamkeit des Söldners auf sich zog, war die blonde Frau.
Ihre Haare waren verhältnismäßig kurz und lagen wild auf ihrem Haupt. Sie trug nur ein blaues Hemd und eine Hose, an der ein Schwertgürtel mit zwei Schwertern im maraskanischen Stil befestigt war.
Ulf fragte sich, was die da verdammt noch mal in seinem Traum zu suchen hatten, soweit er wusste, kannte er keinen der beiden. Gerade wollte er zu ihnen herüberrufen, als sich die Frau plötzlich in seine Richtung drehte. Sie hatte große Augen, in der farbe von sehr hellem Bernstein, die ihn jetzt direkt anblickten.
Sie setzte an, etwas zu sagen.
Ulf!
Woher kannte sie seinen namen?!
Verdammt noch mal, Ulf!
Unter ihm begann seine Brücke Risse zu bekommen.
Ulf, du musst aufwachen, sonst war das unser letzter Kampf...
Er wollte auf das Plateau rennen, doch er konnte nicht.
Und ich sage dir, nach so kurzer Zeit wäre das echt peinlich...
Und Ulf fiel wieder.

Als er dieses mal aufwachte war der Schmerz sein Begleiter.
Allen Göttern sei dank! Ich dachte schon, ich müsste jetzt wer weiss wie viele Jahre in der Wildnis liegen!
Dieser allgegenwärtige Schmerz...
"Noch hast du gute Chancen." Ulf stöhnte auf. "Der Dreckskerl hat mir einen schönen Hüftschnitt verpasst." Ulf versuchte aufzustehen und es gelang ihm, indem er sich auf sein Schwert stützte, dass er zurück in die Scheide gesteckt hatte.
Mittlerweile war es dunkel, aber der Mond zog wie ein Geisterschiff seine Bahn und gab Ulf etwas Licht. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn er nichts gesehen hätte. Der Söldner hatte überall am Körper Schrammen, wo er nicht gerüstet war. Wo die Rüsutng schlimmeres verhindert hatte, würden jedoch bald blaue Flecke seinen Körper verunstalten. Im stillen dankte er Kor, dass er sich nichts gebrochen hatte. Wieder einmal musste sein Kopftuch als Verband herhalten, und mit Müh und Not stoppte er die Blutung der Dolchwunde. Er war sich jedoch klar darüber, dass er schon viel Blut verloren hatte, während er am Hang lag, und noch einen weiten Weg hatte.
Ulf marschierte solange er konnte. Immer wieder brach die Wunde auf, und sein Kopftuch war getränkt mit seinem Lebenssaft. Mit jeder Stunde wurden seine Schritte schwerer, und sein Kopf fühlte sich an wie in Watte gepackt. es war ein bisschen wie betrunken sein. Ab und zu fühlte er sich leicht wie eine Feder, bis ihn die Schmerzen ins jetzt zurück holten und die bleierne Schwere ihn wieder fest im Griff hatte.
Auf seinem Marsch durch den dunklen Wald wurde ihm immer klarer, dass er hier sterben würde.
Er wankte, stützte sich an Bäume, und fragte sich, wann die verfluchte Nacht endlich zu Ende wäre.
Über das Ende der Nacht brauchst du dir keine sorgen zu machen, wenn wir us nichts einfallen lassen...
"Ja, danke, du machst mir Mut..." Ulf hatte sich gegen einen vom Moos überwuchterten Baumstamm gelehnt, um einen Moment Pause zu machen...nur einen Moment.
Der verletzte Söldner schloss die Augen.
ULF!
"Was denn?!" Er schreckte hoch und spürte gleich darauf den Schmerz.
Sing ein Lied!
"Hä?!" Erwiderte Ulf müde.
Sing was! Das hält dich wach!
"Ich hasse dich..."
Ja, ich weiß, und jetzt sing...
"Nein!" Der Söldner schlug mit der flachen Hand gegen sein Schwertgehänge.
Gut. Dann singe ich eben.
Ulf riss erschrocken die Augen auf und begann irgendein Lied, dass er in einer Kneipe gelernt hatte zu singen. Tatsächlich hielt es ihn auf den Beinen, bis er sehr heiser und im Zwielicht, dass langsam die Nacht vertrieb keine zwanzig Schritt vor seiner Hütte stand. Er wusste selber nicht, wie er das je Geschafft hatte, ohne zu verbluten oder von wilden Tieren gefressen zu werden.
"...Hat's auch unser'n Feldscher erwischt
er war ein fähiger Mann
und ich sag dir mein Freund,
dass es jetzt nicht schlimmer kommen kann!"
Ulf hatte ebenfalls keine Ahnung, wie oft er diese dämliche Strophe schon gesungen hatte, aber als er mit dem Kopf gegen seine Tür stieß, hörte er einfach mal auf.
Er kramte seinen Schlüssel hervor, merkte gar nicht, dass der Schlossriegel nicht eingerastet war und stieß die Tür nach innen auf.
Drinnen war er nicht allein.
Erst hatte Ulf den verdacht, dass es noch mehr Meuchler waren. Als ihm dann eine bekannte Stimme spöttisch sagte :
"Hallo mein kleiner, ist dein Vater zu hause?"
wusste er es besser, war sich aber nicht recht sicher, wie sehr er sich darüber freuen sollte.
Mit seiner heiseren Stimme hieß er noch schnell Lucan willkommen und fiel dann bewusstlos zu Boden.
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