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Söldnerdasein

von ashtrails
GeschichteFantasy / P16 / Gen
03.01.2012
10.04.2012
6
24.564
 
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Zwei

Schlaf und Träume



Eine zähflüssige gelbe Weite.
Und Sterne, an denen man so schnell vorbeizieht, dass sie zu langen roten Linien verschwimmen. In ihrem Zentrum nur ein großes dunkles, kreisrundes nichts.
Wieder nur ein verrückter Traum.
Aber manchmal wissen Träume durch ihren Wankelmut zu überraschen.
Von etwas weiter weg fügt sich all das zu einem Auge zusammen, sieht man zu Seite sind es sogar zwei. und wechselt man die Perspektive, dann blickt man zusammen mit diesen bernsteinfarbenen, fast gelben Augen auf eine weite Ebene mit hohem Gras.
Und in der Ferne sieht man die Berge
Um diese Zeit und an diesem Ort ist Maraskan schön.
Aber dafür hatten die Augen dieser beeindruckend kleinen Frau mit den kurzen hellblonden Haaren die ihr wie wildes Gestrüpp vom Kopf standen derzeit keinen Blick. Jedenfalls war ihr nach kurzer Zeit bereits die Karte in ihrer Hand wichtiger. Die Karte war alt, speckig und schmutzig. Einige Blutflecken machten Stellen auf dem Pergament undeutlich. Dennoch hielt sie sie vorsichtig in ihrem schmalen Händen als wäre sie kostbares Geschmeide. Aber alles an dem Blut klebt wird so behandelt.
Sie verspürte plötzlich ein leichtes Gewicht auf ihrer Schulter, auf der jetzt eine grashüpferähnliche Kreatur mit zuckenden Mandibeln saß, die fast einen halben Schritt groß war und sie aus mehreren Dutzend Augen ansah.
"Lia'ran, ist es noch weit?" fragte der Grashüpfer sie, wobei jedes Wort von einem zirpenden Laut begleitet wurde.
Der Anblick des Insekts schien sie nicht zu Stören.
"Wenn du sie weiter nervst, dann führt die Karte zwangsläufig zum nächsten Imbisstand, würde ich sagen..." Zu der Stimme gesellte sich auf die selbe Höhe der Frau eine graue Robe in der ein hochgewachsener braunhaariger Mann mit Wieselartigen dunklen Augen und einem langen Hölzernen Wanderstab steckte und der leise lachte.
"Unsinn, Rel...mit seinen ganzen Talenten können wir ihn an jeden Zirkus verkaufen. Essen sollte den keiner, selbst für ein Insekt ist er ziemlich mager." sagte die Frau trocken und mit einem angenehmen dunklem Timbre, wobei sie beiläufig an einem der dünnen Beine des Insekts zupfte, was dieses mit einem empörten Zirpen quittierte und von ihrer Schulter sprang.
Nun da er im Hohen Gras stand ähnelte er eher einer Mantis, denn einem Grashüpfer. "Hätte ich gewusst, wie schlecht ihr zwei mich behandelt, wäre ich zuhause geblieben!" Seine Miene blieb Ausdruckslos, aber die zwei Menschen hatten im lauf der Zeit gelernt das zucken seiner Fühler und die Stellung der Hinterbeine als Zeichen für Humor bei seiner Art zu deuten.
"Aber um dich zu beruhigen: Wir haben es bald erreicht." Sie steckte die Karte zurück in eine metallene Hülse und verstaute diese im Rucksack zwischen ihren Proviantpaketen."Zumindest wenn uns niemand in die Quere kommt."
Bei der Jagd nach Schätzen war man schließlich nicht allein im Gewerbe. Aber diese drei waren gut, besser als alles was die Insel sonst aufbieten konnte.
Die Sonne begann bald im Meer aus Gras zu versinken, das im Abendrot aussah als würde es in Flammen stehen. Die ersten Winselgrashalme begannen nun, da die Dunkelheit Einzug hielt ihr Klagelied im Wind.
Lia'ran saß mit Rellon am Feuer, von dem Pencrella lieber Abstand hielt, da er nicht lebendig verbrennen wollte. Der Hüpfer war erst vor kurzem zu ihnen gestoßen, und hatte sich ihnen als Schleicher angeboten.
Das traf sich gut, denn ihr letzter wurde von einem Felsblock zerquetscht.
Schon der dritte...
Schleicher hatten es nicht leicht bei den Beiden. In der Tat hatte der kleine Insektoide erstaunliche Talente,die kaum ein anderer Fallenspringer bieten konnte. Er konnte Wände und Decken entlanglaufen, hatte geschickte "Finger" , brauchte kein Werkzeug für Schlösser oder Fallenmechanismen, für die er außerdem ein außerordentliches Gespür hatte und er brauchte nicht viel zu Essen. Die Sprachbarriere stellte für ihn kein Hindernis da, da seine Rasse allein vom zuhören eine Sprache lernen und dann mit Tönen die er durch Aneinanderreiben seiner Beine produzierte imitieren kann.
Aber alles hat seine Nachteile.
"Pen, muss das sein?" Rel verdrehte die Augen und hielt inne seine scharf gewürzte Suppe zu essen.
Seit fast einer Stunde zirpte Pencrella ein Abendlied, und das würde auch noch einige Zeit so weiter gehen.
"Verzeih, aber ich kann nun einmal nicht anders. Über deinen Gesang, wenn du zuviel Alkohol genossen hast, beschwere ich mich auch nicht, oder?" In der Tat war Pencrella die meiste Zeit ein ausgesprochen höflicher Zeitgenosse.
Die Nacht schritt voran und nach dem Essen übernahm Lia die erste Wache. Sie legte Holz nach, und verbrachte dann die Zeit damit ihre Ausrüstung vom Reisestaub zu säubern. Angefangen bei ihren beiden Schwertern, beide exzellent verarbeitet und im maraskanischen Stil leicht geschwungen und ohne Parierstange, eines lang eines kurz. Besondere Zuwendung schenkte sie ihrem Hartholzpanzer, der zwar weiß lackiert war, aber trotzdem ständige Pflege brauchte, genau wie die breiten Armpanzer und Beinschienen aus dem selben Material. Unter der Rüstung, die sie fast den ganzen Tag trug hatte sie nur ein kurzes blaues Hemd an, dass schon so viele löcher hatte, dass man an mehreren Stellen Sonnengebräunte haut sehen konnte, und eine Stoffhose, die ihr zu weit war. Mit ihren etwas über siebeneinhalb Spann und ihrem schmalen Körperbau sah man ihr ihre fast dreiundzwanzig Jahre nur schwer an. Deswegen gab sich auch Rel meistens mit den Kunden ab. Er war nicht nur länger im Geschäft, ihn nahm man auch von vorn herein ernst.
"Wird Zeit den Alten mal zu wecken." Die schwertkämpferin grinste dreckig.
Der Alte war gerade mal fünfundreißig und brummte nur als, Lia ihn vorsichtig anstieß.
Beim dritten Versuch gab er auf, fluchte dass es verdammt noch mal kalt sei und er müde ist, und setzte sich mit einem Flakon ans Feuer, den Stab an eines seiner Knie gelehnt.
Lia'ran wickelte sich in ihre Decke und schlief nach einiger Zeit ein. Rellon genoß die Stille und den Reisschnapps. Morgen würden sie also das Grabmal erreichen. Wenigstens war es dieses mal ein Grab. Von alten Marutempeln hatte er die Nase gestrichen voll. Irgendwie mochte er Pencrella ganz gern. Und alle Fallenspringer waren bisher in Echsenkultstäten umgekommen.
Morgen ist es also mal wieder so weit...ich Hoffe der blöde alte Fetzen war die mühe Wert, wenn nicht wird das ein magerer Monat. Aber Lia hat sich was das anging noch nie geirrt, das Mädchen hat einen guten Riecher, die wird's mal weit bringen. Er sah kurz zu ihr herüber. Sie sah ohne Rüstung und Waffen fast aus wie ein Kind. Wer sie etwas kannte, wurde schnell vom Gegenteil überzeugt.
Der Schnapps ließ ihn abschweifen.
Ich glaube, ich sollte mich ausruhen. Schließlich werde ich bei Kräften gebraucht... Für einen Moment sah Rellon konzentriert ins Feuer, dann schoss seine Hand vor und griff durch die Flammen. Die Hand noch immer zu Faust geballt murmelte er einige Worte und öffnete dann langsam seine Finger zwischen denen nun ein kleiner Salamander aus Feuer saß.
"Hallo, Lumin."
"Oh, hallo, Meister!"Rel hörte eine dünne fröhliche Stimme in seinem Kopf. Der Elementar kletterte ein Stück seinen Arm hinauf."Wie schön! Lia und die Heuschrecke sind auch da!
"Lumin, würdest du bitte über unseren Schlaf wachen, ich muss mich etwas ausruhen." Er schnappte sich den Salamander und setzte ihn in die Nähe des Lagerfeuers auf den Boden.
"Natürlich Meister! Ich gehe bei Sonnenaufgang, wenn du nichts dagegen hast?"
"Das reicht völlig, dank dir." Rellon wickelte sich wieder in seine Decke und schlief fast Augenblicklich ein.
Zauberwirker zu sein brachte durchaus Vorteile mit sich.

Der Morgen war wolkenverhangen. Der Wind hatte in der Nacht aufgefrischt, und dessen kalter Strom hatte eine dichte Wolkendecke vor sich hergetrieben. In der nähe der Bergkette begannen bereits erste Gewitter sich zu entladen.
Jemand anders entlud sich auch, allerdings vor Ort.
"Verdammt, Rel!" Zornig schloss die kleine Frau ihren Schwertgürtel. "Du weisst dass ich es hasse, wenn du sowas tust!" Sie riß so hart an den Verschlussbändern ihres Rucksacks, dass sie zu zerreißen drohten. "Wie kannst du nur seelenruhig einschlafen und uns nichts weiter als eine Eidechse als Schutz für die Nacht bereitstellen?! Hast du zuviel gesoffen oder wie?" Lia's Sonnengebräuntes Gesicht lief rot an. "Kein Grund persönlich zu werden." Rellon saß an den Überresten des Feuers und trank einen Tee. Vom Rand der Schüssel aus sah er zu der wütenden Schwertkämpferin rauf. "Außerdem ist er immerhin ein Elementarwesen und..."
Lia'ran's humorloses Lachen unterbrach ihn. "Entschuldige! Ich vergaß, dass wir ja von einem mächtigen Wesen von der Ebene des Feuers geschützt wurden! Bei den Zwillingen, dein Elementar ist nur ein fünf Finger langer Lurch!"
"Ach, und plötzlich ist für das kleine Mädchen Größe entscheidend, ja?!" Rellon war aufgestanden und schrie jetzt seinerseits die kleinere Frau an.
Lia wollte etwas erwidern, aber drehte sich stattdessen einfach bebend um und ging los, wobei sie Rel noch einmal hart mit der Schulter anrempelte.
Pen, der is jetzt nur zugesehen hatte hüpfte etwas dichter an Rellon heran und zirpte leise. "Ich glaube, dieses mal ist sie wirklich sauer."
Der Magier schulterte seinen Rucksack und folgte Lia.
"Ich bewundere deine empathische Begabung, Grashüpfer."
Pencrella folgte den Beiden mit kräftigen Sprüngen, da der Wind sich ihm entgegenstellte. Er blickte noch einmal zurück zum Lager, dann zu den zwei Menschen mit denen er sich abgab.
Und er sprang weiter.


Während sie wanderten wechselten die Drei kein Wort miteinander. Der Wind ließ das Meer aus Gras Wellen schlagen und die Wolken machten es grau und trist. Die weite Ebene wich sanften, weitläufigen Hügeln die begannen das Landschaftsbild zu prägen. Und die Drei näherten sich ihrem Ziel.
Rellon fand, dass es Zeit war.
"Schön. Ich gebe zu mich nicht professionell verhalten zu haben. Aber du weißt so gut wie ich, dass du und Pen auf mich zählen können, wenn es ernst wird." Er hatte Lia den weg abgeschnitten und stand jetzt vor ihr.
Sie sah zu ihm auf.
"Und?" Ihre gelblichen Augen fixierten ihn und sie verschränkte die Arme, in einer Hand noch die alte Karte haltend. Rel seufzte und ließ die Schultern sinken.
"Und es tut mir unendlich Leid, dass ich die ausgesprochene Frechheit hatte, die schönste Frau der Insel als kleines Mädchen bezeichnet zu haben..." Gepresst leierte der Zauberer die Worte herunter.
"Klang aber nicht sehr aufrichtig!" Lia'ran zog eine Braue hoch.
"Mehr kriegst du aber nicht." Versicherte Rel ihr griesgrämig.
"Reicht auch für's erste." Sie sah einen Moment nachdenklich auf die Karte. "Tut mir Leid. Ich bin einfach etwas nervös. Wenn wir das hier mit Erfolg durchziehen, sind wir gemachte Leute! Wir können endlich mit all dem aufhören! Schluss mit dem ewigen Laufen und Ducken und Kämpfen! Wir können einfach mal Leben!"
"Bist du sicher, dass wir das dann noch täten?" Rel zwinkerte ihr zu.
"Weisheit steht dir nicht besonders gut, wenn man weiß dass du Männer unter den Tisch trinkst, deren Arme den Umfang deiner Beine haben."
Treffer.
"Entschuldigt?" Pen's zirpende Stimme mischte sich ein. "Aber noch haben wir das gute Stück nicht, also machen wir uns doch Gedanken darüber, wenn es erst unsers ist, was meint ihr?" Mit einem Bein wischte er sich gewohnheitsmäßig über seine Faccettenaugen.
Die Beiden Menschen sahen ihn verdutzt an. Der Tonfall des Mantis war neutral und höflich, aber seine Bein und Fühlerstellung war das Äquivalent eines breiten Grinsens. Für einen Moment herrschte Stille, und nur der Wind Heulte in den Senken der Hügel. In der Ferne zuckten Blitze über das Firmament und der Donner war bis hierher zu hören.
Es Begann zu Regnen. Ein übergangsloser Wolkenbruch
Rel räusperte sich. "Ich würde sagen, das ist doch ein gutes Omen. Also, welcher dieser Hügel ist unserer?" Lia schirmte die Karte mit einer ihrer breiten Arnschienen ab und verhinderte so eher schlecht als recht, dass sie völlig unbrauchbar wurde.
Trotz des vielen Bluts auf der Karte deutete sie rasch auf einen Hügel im osten der Kette, nicht weit von den Drei. "Der da!"
"Also auf geht's." Rellon setzte sich in Bewegung und die beiden anderen folgten."Was immer uns dort erwartet kann kaum schlimmer sein, als dieses Mistwetter."
Wie sehr man sich manchmal täuschen kann.


Aber diese Meinung wurde geteilt.
Wenn auch zu einer anderen Zeit, zumindest der Ort stimmte beinahe überein.
Der Regen war auch noch da.
Und zu dritt waren sie auch.
"Es reicht! Dafür bin ich nicht mit euch hierher gekommen. Weißt du, beinahe dachte ich du würdest dich irgendwie durch etwas mehr Hirn auszeichnen. Beinahe hielt ich das Alles hier für eine gute Idee. Bis dann diese wochenlangen Höllenmärsche angefangen haben, die Kommandant Ichhabnichtsimkopf so schön als Strafexpeditionen tituliert. Die einzigen die er straft sind wir, und das obwohl wir soviel Erfolg hatten, der ja nicht zuletzt meinen Fähigkeiten zu verdanken ist." Die schwarze Kutte stoppte ihren mit al'anfanischem Akzent angehauchten Monolog und sah zu den beiden Gestalten, von denen die deutlich kleinere versuchte ein Feuer zu entfachen, was dank Wind und Regen ein Ding der Unmöglichkeit war.
"Ulf, hörst du mir überhaupt zu?"
Der kleine bärtige Mann sah zu der dunklen Gestalt seines Kameraden herauf und versuchte das Bündel Holz und Reisig mit seinem Oberkörper vor Nässe zu schützen. Mit mäßigem Erfolg. Endlich begann der Haufen zu rauchen und schließlich auch zu brennen.
"Ja, Lucan. Aber das ist nunmal unser Beruf. Und du kannst nicht sagen, dass wir schlecht bezahlt werden."
"Doch, das kann ich. In meinem Vertrag stand nichts hiervon." Lucan stand auf und breitete die Arme aus. Schmale Sturzbäche aus Regenwasser liefen an ihm herunter. Die Täler der weitläufigen Hügel, die das Landschaftsbild hier dominierten füllten sich langsam mit immens großen Pfützen. "Auf jeden Fall dürfte sogar dir klar sein, dass wir nicht in dieser Senke bleiben sollten. In der Gegend soll es in einigen der Hügel Höhlen oder Gräber geben, ich für meinen Teil ziehe das diesem Wetter vor."
Ulf zog eine Braue hoch. "Du willst dass wir die Nacht in einem Grab verbringen?" Leise hämmerten Regentropfen gegen seinen Brustpanzer.
"Du kannst auch gern bei ihm bleiben. Das wird sicher eine lustige Nacht." Lucans Zauberstab begann zu leuchten und er wandte sich zu Gehen.
Ulf sah zu seinem verbleibenden Gefährten.
Dann wieder zu Lucan.
"Bozard mag Regen..."
Das war nicht verwunderlich. Bozard war ein Maru. Oder besser gesagt das, was zu dieser Zeit als Maru galt. Diese Rasse zweibeiniger Echsen hatte es vor einer Ewigkeit geschafft eine blühende und mächtige Kultur aufzubauen. Im Laufe der Zeit wurde Bozard's Rasse zunehmend brutaler und unberechenbarer. Und jene die den grausamen Krieg den viele Marus untereinander führten überlebten vergaßen langsam wer sie einst waren und sind nun nur noch ein Schatten dessen was ihre Rassen ausgemacht hat. Bozard war ein gutes Beispiel, wie primitiv oder besser urtümlich die Marus waren, die übrig sind. Einige sind gerade noch genug bei Sinnen um in klaren Momenten zu merken, was sie verloren haben.
Aber es gibt Dinge, die nicht nur der ehemalige Reichmarschall Haffax, der nun Marskan kontrollierte an Marus zu schätzen wusste:
Die Humanoiden Krokodile waren ausgezeichnete Kämpfer, sparten an Proviant weil sie ihre Feinde fraßen, wenn sie sie mit Klauen, Zähnen, dem harten gepanzerten Schwanz oder ihrem Krummschwert umgebracht hatten. Vom psychologischen Vorteil garnicht zu Reden. Es kann selbst den härtesten Krieger entsetzen, wenn seine Waffengefährten von über zwei Schritt großen laufenden Krokodilen in Stücke gerissen und dann gefressen werden.
Ulf schätzte Bozard auf eine gewisse Weise. Nicht weil er sich in seiner Gegenwart geistig überlegen fühlen konnte, sondern weil die Echse immer das sagte was sie dachte. Lucan zum beispiel war Zauberer und abgesehen davon,dass es seine Spezialität war andere Leute zu Asche zu verbrennen kam er aus Al'anfa, wo Lügen und Intrige zum guten Ton gehörten. Das macht es manchmal schwer normal mit ihm zu reden. Vor allem, wenn er etwas sagt, ohne etwas zu sagen. Seinen Monolog von eben hätte Bozard, angenommen er würde keinen Regen mögen, einfach mit
'Bozard will aus Regen zu Höhle'
ausgedrückt.
Andererseits hatte Lucan trotz allem am Ende immer Recht. Vor allem da seine, und die Meinung des Schwertkämpfers sich niemals Grundlegend unterschieden. Ein großer Vorteil wenn man zusammenarbeitet. Und es war sicherlich besser in einer Höhle, oder einem Grab die Nacht zu verbringen, als in der Senke zu ertrinken, oder aus Versehen von Bozard gefressen zu werden.
Ein Schwall Wind und Wasser löschte das Feuer. Im fahlen Licht des Zabuerstabs konnte Ulf sehen wie Bozard Regentropfen mit seiner Krokodilschnauze auffing und dabei kehlige Laute ausstieß.
Er lachte.
"Lucan, warte..." Ulf sprang auf, raffte seinen Sachen zusammen und folgte dem Magier. Der Maru erhob sich aus der Hocke und ging Ulf uns Lucan schweigend hinterher.


Etwas weiter östlich wurden sie Fündig. Vegetation hatte den Eingang fast verdeckt, aber Ulf fand den Eingang dennoch.
Lucan meinte, dass komme weil er sich so dich am Boden befinde, woraufhin Ulf nur entgegnete, dass Lucan doch sein Grab bitte als erster betreten solle.
"Sehr witzig..."
Bozard gab wieder sein kehliges Lachen von sich. "Kurzer Fzzzmech lustig"
"Was hat er gesagt?" Ulf schaute verwirrt zu Lucan. Er war zwar schon vier Jahre mit Lucan auf Maraskan, aber er sprach immer noch kein Wort Echsisch.
"Das ist das Maruwort für etwas, dass man erbricht weil es scheußlich schmeckt. Und du weißt ja, was Marus für einen Maßstab haben. Außerdem ist es die höfliche Anrede für einen Menschen." Erkärte der Zauberer wie aus einem Lehrbuch.
"Äh..." Ulf war etwas verwirrt.
Lucan hob eine Hand und unterbrach ihn. "Nimm es einfach hin."
Ulf blickte erst zum Maru, dann zu seinem Jüngeren Kameraden und ließ dann die Schultern sinken.
Das magische Licht des Zauberstabs erhellte hinter dem knapp zwei Schritt hohen Eingangsportal einen relativ kleinen Raum, der den Dreien aber trotzdem als Platz für die Nacht ausreichen würde. Im hinteren Bereich war eine geradlinige Treppe, deren Länge nicht abzuschätzen war, und deren Marmorstufen mittlerweile matt und abgetreten waren. Scheinbar waren die Söldner nicht die ersten hier.
"Naja, immer noch besser als das Mistwetter da draußen, oder?" Ulf schob seinen gedrungenen Körper hinter Lucan in den Raum und durchsuchte seinen Rucksack nach einigen Holzscheiten und etwas Reisig.
Kurze Zeit später brannte ein kleines Feuer in einer windgeschützten Ecke vor sich hin. Der Magier hatte mittlerweile seine schwarze Kapuze zurückgeschlagen und sein Schulterlanges dunkles Haar mit einem Band zusammengebunden. Er schien zu Meditieren. Ulf schärfte sein Schwert. Untypisch für diese Gegend war es gerade, mit langer Parierstange. Der Söldner hatte sich geweigert es gegen eines der Tuzakmesser zu tauschen, die im Ruf standen deutlich besserer Qualität und Balance zu sein. Als Söldner konnte er die verschiedensten Waffen handhaben, und er hielt sich selber für einen ziemlich guten Schwertkämpfer, also wäre es kein Problem für ihn gewesen, eines der leicht geschwungenen langen Schwerter Marskans zu führen. Aber die Machart seiner Heimat war ihm einfach lieber.
Das Feuer brachte die Schatten zum tanzen. Ein sehr hypnotischer Tanz und Ulf war kurz davor einzuschlafen. Bozard näherte sich den Stufen. Trotz seiner Größe konnte sich Der Echsenmann mit unglaublicher Geschicklichkeit bewegen. Er befand sich am Rand der ersten Stufe und verfolgte mit einer seiner Fingerkrallen Linien im Marmor. Er musste sich etwas nach links lehnen, da er einer sehr langen Marmorierung folgte. Plötzlich gab es einen Laut, der nach einer Mischung aus überaschtem Fauchen und Zischen klang, dann war Bozard verschwunden. Und mit ihm ein Teil der ersten Stufe. Zu dem Fauchen gesellte sich das Geräusch eines schweren Ledersacks, den man eine Reihe Stufen hinunter warf.
Lucan öffnete seine Augen und sah fragend zu seinem Freund rüber.
Ulf zuckte mit den Schultern. "Wenigstens wissen wir jetzt, wie tief es runtergeht." Ächzend erhob sich der Söldner. "Gehn' wir nachsehen ob unser Reptil wohlauf ist."


Um den Zauberstab aus schlichtem braunen Holz begannen sich Flammen zu winden, die den kleinen Raum, der über eine Treppe in einer seiner Ecken in das Grab führte beleuchteten.
Pencrela hüpfte aus dem Stand gegen eine der Wände und blieb an ihr haften. Flink krabbelte er zum Kopf der Treppe und sah hinunter.
"Ich brauche mehr Licht!" Zirpte er und Rellon und Lia näherten sich dem Treppenkopf. Die Treppe war alt und abgetreten. Von der Einstigen Marmorpracht war nicht mehr viel zu sehen. Nach ungefähr zehn Metern knickte sie scharf nach links ab. Pen haftete weiter an der Seitenwand und begann lautlos seinen Abstieg ins innere der Gruft. Rel wolte folgen, aber Lia'ran hielt ihn zurück. Sie deutete auf die erste Stufe.
"Vorsicht, die ist brüchig." Sie musste lauter reden, als sie beabsichtigte. Der Regen wurde draussen stärker und machte Konversation schwieriger.
Der Zauberer nickte und überging die erste Stufe. In der Biegung erreichten sie den Mantis, der ungeduldig mit den Fühlern gestikulierte. An einigen Stellen wies der Marmor hier Risse auf und viele Stufen waren in schlechtem Zustand. Am Fuß der Treppe angekommen war eine schwere Eisentür, die ein wenig Rost aufwies, ansonsten aber in einem Zustand war, der das Alter der Grabstätte Lügen strafte.
"Die Tür ist in Ordnung. Ich sehe keine magischen Sicherungen, oder Wächtergeister, nur ein Unberührt von Satinav, der langsam seine Wirkung verliert." Kaum war Rellons Bericht beendet sprang Pencrella von der Wand an die Tür und begann mit seinen Vorderbeinen, die er auch zum Greifen benutzte, kopfüber das Schloss zu bearbeiten. Drei mal erklang ein klackendes Geräusch, und zweimal eines als würde ein Mechanismus einrasten. Das ganze dauerte nicht länger als eine Minute, aber Lia und Rel hielten den Atem an. Der Grashüpfer war verdammt gut.
Er putzte seine Augen und Mandibeln. "Kaum zu glauben, das war beinahe eine Herausforderung. Ein gutes Schloss, für menschliche Verhältnisse. Vier fallen, ich habe alle bis auf eine entschärft." Er zeichnete mit einem seiner Vorderbeine einen Kasten in den Staub vor der Tür. "Dort nicht drauftreten" Er zirpte zufrieden und krabbelte an die Seite, damit seine stärkeren Kameraden die Tür öffnen konnten.
Die Plünderer achteten dabei genauestens darauf den Kasten zu umgehen, als würde sich ein Tor zu einer der Höllen öffnen wenn sie auch nur in die nähe kämen.
Sie passierten die gefährliche Stelle und öffneten gemeinsam die schwere Tür.
Der Raum dahinter war die eigentliche Gruft. In ihr standen die Särge einer längst vergessenen Familie, was den Stein aus dem die Särge waren, und der für die ewigkeit geschaffen war eine besondere Ironie verlieh. Längst erloschene Kohlebecken standen in den Ecken der Grabkammer. Die Wand am Ende des Raumes wies einige besonders Große Risse auf. Einst blankpolierte Fackelhalter hatten sich im lauf der Zeit aus dieser Wand gelöst und lagen nun auf dem Boden. Das stetige Licht des Zauberstabs warf starre Schatten auf den Boden und die Wände. Vier der gewaltigen Steinbehälter Standen unweit der Kohlebecken, ein Fünfter in der Mitte des Raumes. Pencrella lief die Decke entlang und gab ein Zeichen, dass er keine Fallen erkennen konnte, nachdem er sich nacheinander an verschiedene Stellen an Seitenwänden und Särgen gehaftet hatte, und den Raum so sorgsam prüfte.
"Wieder keine magische Sicherheit. Das wird ein Kinderspiel. Wäre zumindest ein netter Ausgleich. Wenn ich da an diesen verfluchten Tempel denke..." Rellon machte einige trotz allem vorsichtige Schritte auf den zentralen Sarg zu und stand schließlich genau davor."Ich glaube hier ist, was wir suchen." Er grinste zufrieden.
Lia's blonder Kopf wanderte noch einmal durch den Raum. "Findet ihr nicht, dass das zu einfach ist?" Sie zog ihre Schwerter. Nur für alle Fälle
"Naja, ich für meinen Teil fand es schwer genug überhaupt an die Karte herazukommen. Und zufällige Besucher halten die Fallen mit Sicherheit ab. Glaub mir, ich bin da Fachkäfer." Humorstellung von fühlern und Beinen.
Pen sprang auf Rellons Schulter und zirpte leise.
Der Sarg war im Gegensatz zu den anderen aus einem schwarzgrauen Gestein, durch das winzige glänzende Adern liefen. Mm klassischen Stil eines Prunksarges hatte ein sehr begabter Bildhauer denjenigen, der hier Begraben war im Deckel verewigt. Das Gesicht eines gerüsteten Kriegers, der die Augen auch im ewigen Schlaf geöffnet hatte, starrte zu Decke. Er trug einen Plattenpanzer, wie es auf dem Festland üblich war, und auch das Schwert in seinen Händen war mit gerader Klinge und einer Parierstange. Das Metall war trotz der langen Zeit blank und spiegelte Rellons Gesicht bizarr verzerrt wider, als dieser sich darüber beugte. Ansonsten war die klinge schmucklos.
"Hm...Das soll es sein? Die Klinge ist magisch, in der Tat, aber nichts weswegen man wirklich so einen Wirbel machen würde. Die Leute denen wir die Karte abgenommen haben, haben mehr gekostet, als uns das Schwert bringen wird. Toller Reinfall." Rellon klang ungewohnt enttäuscht.
"Hey, da steht was!" Sie stubste Pen an, der über einem Schriftzug saß, nachdem er von Rel's schulter an den Sarg gesprungen war. Der Mantis wich zur Seite.
Der Zauberer schüttelte den Kopf, als würde er seine Gedanken klären und folgte Lia's Hand zu einer Reihe Schriftzeichen."Magische Sicht blockiert etwas das Weltliche sehvermögen" Murmelte er entschuldigend.
Die Schwertkämpferin grinste ihn frech an. "Für weltliche Dinge bin ja auch ich zuständig. Was steht da?"
Die Finger des Zauberers fuhren die Zeichen entlang. "Das ist ein alter Echsischer Dialekt. Eine Widmung. Wer auch immer das hier war, stand mal hoch bei einigen von den Reptilien im Kurs. Sehr verwirrend, was hier so alles aufeinandern trifft, wenn man bedenkt, dass seine Rüstung und Waffe Mittelländisch wirken und..."


"Komm zur Sache!" Ulf unterbrach Lucan selten wenn er gerade etwas erklärte. Zauberer konnte in sowas wirklich aufgehen.
Sie hatten Bozard am Fuß der Treppe gefunden.
Den Sturz hatte er überstanden.
Die zwölf Speere die in seinem Körper steckten waren dann aber selbst für seine Marukonstitution zuviel.
Er musste beim Aufprall irgendeinen Mechanismus ausgelöst haben, der etwas mit der völlig verrosteten Eisentür zu tun Hatte, die offen stand und vor der der Maru jetzt durchlöchert lag.
Ulf's bedenken, der Mechanismus könnte nachladbar sein, stimmte Lucan zu, und nach einigen Tests mit Bozard's leblosen Überresten wurde dieser Verdacht bestätigt. Die beiden Söldner fanden die Stelle, auf der der Auslöser sein musste und einigten sich per Münzwurf, den Ulf verlor, wer vorging.
Ulf kam wohlbehalten hinter der Tür an, und Lucan schritt würdevoll hinterher, nachdem der Türrahmen sicher erschien.
Der Raum in dem sie sich Befanden war die eigentliche Grabkammer. Irgendwer musste sie geplündert haben. Drei der fünf Särge waren aufgebrochen und die Kohlebecken in den Ecken der Kammer waren umgestürzt. Irgendwer hatte sogar die Leichen aus den Särgen geholt und gefilzt. Jedenfalls lag dort ein Skelett direkt neben einem aufgebrochenem Sarg und eins neben einem der Kohlebecken.
Mit einem schabenden Geräusch glitt Ulfs Schwert aus der Scheide. Nur für alle Fälle.
"Was?"
"Ich meine, du sollst zum punkt kommen. Ist ja toll, dass das da Echsenschrift..."
"Alte Maruglyphen..." Lucan verdrehte die Augen.
"Was auch immer!" Ulf war leicht reizbar, besonders wenn er das Gefühl hatte, dass etwas nicht so ist wie es sein sollte. "Was genau sagt uns das denn, dass das Maruglyphen auf einem Sarg im mittelreichischen Stil mit einem Besitzer, dessen Ausrüstung überhaupt nicht hierher gehört sind?"
"Es sagt uns, dass dies der letzte im Besitz einer großen Macht war." Sagte Lucan wie selbstverständlich.
"Und äh, woher weiss seine Spektabilität das?" Der kleine Söldner verschränkte die Arme.
"Versuch nicht intelligenter zu wirken als du bist...Es steht natürlich hier!" Er deutete auf die Schriftzeichen.
Ulf kratzte sich am kopf, wobei ihn sein rotes Kopftuch etwas störte, also schob er die Hand darunter, während er mit dem Schwert in der anderen Hand auf die Skelette nahe einer rissigen Wand deutete. "Und die da?"
Lucan zuckte mit den Schultern.
"Na schön, und was genau ist das für eine Macht gewesen?"
Lucan zuckte wieder mit den Schultern. "Im Bezug auf den Beruf unseres Toten hier könnte es ein symbolischer Gegenstand oder eine Waffe sein."
"Ganz Toll." Ulf gab einem der herumliegenden Knochen einen Tritt. "Verschwinden wir von hier..."


"Wie, verschwinden?" Fragte Rellon überascht.
Lia funkelte ihn mit ihren im Licht des Zauberstabs goldenen Augen an. "Wir nehmen das Schwert und gehen. Ganz einfach."
"Da gibt es ein Problem..."
"Ach?" Die Schwertkämpferin wischte sich mit dem Handrücken eine verirrte Strähne ihrer kurzen Haare aus dem Gesicht.
"Hier steht, hier ruhe Zalaren, der letzte der von großer Macht besessen war. Wenn man den Dialekt nicht beherrscht, kann man das leicht als 'besessen hat' auslegen. Wobei es viele Worte gibt, die etwas ähnliches ausdrücken, aber nie etwas wohlwollendes oder gar einen Besitzanspruch, was allein schon abwegig wäre, da den meisten Marustämmen Besitzanspruch in unserer Form völlig fremd ist. Es könnte auch 'Herausforderung' oder 'Niederlage' heißen, je nach Tonfall...seht ihr was ich meine?" Rellon legte die Stirn in Falten. "Ich sehe zwar nichts, was auf einen Dämon, Geist oder Beherrschungszauber in oder auf der Waffe hinweist, aber ich würde das Risiko ungern eingehen."
"Versiegel sie doch!" Zirpte Pencrella von der Seite.
"Ein Siegel ist keine Garantie..."
"Rel, bitte, versuch es! Selbst wenn es nicht so viel wert ist, wie wir dachten, bringt es immernoch einen guten Preis. Wenn wir mit leeren Händen zurückkehren lacht man uns nicht nur aus, sondern wir können uns auch kaum Informationen oder Ausrüstung für das nächste mal kaufen." Lia sah ihn eindringlich an und er gab nach.
"Du hast recht. Ich versiegel die Klinge."
Lia'ran stellte sich mit gezogenen Waffen neben ihren Freund. Wenn auch keine Gefahr drohte, so verlangten doch Routine und Professionalität von der Schwertkämpferin dass sie Rellon absicherte. Pen Sprang derzeit bereits in kurzen Sätzen Richtung Ausgang, wo er sich an den Rahmen des Eingangsportales heftete und mit seinen Faccettenaugen in den Raum spähte.
Er sah nicht, wie die Risse in der Wand am Ende des Raumes größer wurden...


"Hier unten ist es aber Windgeschützter, und die Särge da drüben sind ohne Gravur, das ist sicher bequem."
"Also, ich weiss ja nicht..." Ulf sah zu den große Steinquadern rüber.
Lucan und er waren abgebrüht. Und verhältnismäßig skrupellos. Beide hatten im verlauf des Krieges um Maraskan die Seiten gewechselt, was sich ausgezahlt hatte. Zur Münze konnte man eben loyal sein. Es war nicht die Furcht vor dem, was in den Särgen war. Sogar Untote verloren ihren Schrecken langsam, wenn man Seite an Seite mit ihnen kämpfte. Und gegen sie kämpfen war dann noch leichter. Ulf war es auch egal ob es respektlos sei.
Diese Gräber wurden bereits aufs äußerste geschändet.
Aber irgendetwas warnte den kleineren der Beiden. Mit sechsundreißig Jahren von langjähriger Erfahrung zu sprechen stand ihm nicht zu, aber seine Instinkte funktionierten seit jeher, und er hatte bisher nicht bereut auf sie zu hören.
"Ich wüsste nicht was dagegen spräche. Du kannst schlafen und ich studiere weiter die Schrift. Wen sollte das stören?"
In diesem Moment brach fleischgewordener Alptraum aus der Wand hervor.
Nein, ging hindurch, als sei sie nicht da!
"Wie wär's mit ihm?"
Ulf machte sich Kampfbereit.


Früher einmal ist die Wand aufgebrochen.
Pen sah es. Aber es war zu spät.
"Gruftwächter!" Sein schriller Warnruf ließ Rellon seinen Zauber abbrechen und er und Lia hechteten in Deckung, als die ersten Tentakel des Dämons auf den Sarg schlugen, an die Stelle wo die beiden Plünderer eben noch standen.
Hier konnte der Matnis nichts ausrichten. Ein schlag mit den wuchtigen Pseudopoden der Kreatur würde ihn zerschmettern und er wäre nur eine Ablenkung für Lia und Rel. Also tat er das was er gelernt hatte in einer solchen Situation zu tun. Er krabbelte um sein Leben aus dem Raum hinaus.
Lia'ran sprang mit blank gezogenen Schwertern auf einen der Särge, duckte sich gerade rechtzeitig um einem horizontalen Hieb des keulenartigen Endes eines der Scheinarme zu entgehen und führte noch in der Hocke einen Kreuzhieb aus, bevor der Arm sich zurückzog. Der magische Stahl und die Kraft, die man der kleinen Frau kaum zutraute schnitten den Tentakel entzwei, das kugelförmige Zentrum des Dämons in dem sich ein Maul mit unzähligen Zahnreihen befand brüllte vor Schmerz auf. Lia blieb keine Zeit sich über diesen kleinen Triumph zu freuen. Sie musste die Bestie von Rellon ablenken.
Nur er konnte dem Dämon effektiv schaden.


Das wusste auch Ulf. Sein Problem war aber eher, dass sein erster Hieb, wenn er auch perfekt geführt war, keine Wirkung zeigte. Nicht jeder hatte magische Waffen. Vor einer Schlacht, bei der mit sowas zu rechnen war, hatte das Mittelreich meistens Waffenweihen vorgenommen. Die andere Seite hatte das nicht nötig, schließlich befehligte das Mittelreich keine Dämonen.
Ein Tentakel traf Ulf an der Brust und warf ihn gegen einen Sarg. So nutzlos es war, sein Schwert behielt er in der Hand.
Er rollte sich gerade Rechtzeitig zur Seite, als Steinsplitter in den Raum flogen, die leicht die Knochensplitter seines Schädels hätten sein können.
Der Raum wurde schlagartig hell, als Lucan einen gewaltigen Flammenstoß gegen den Kopf oder zumindest das Äquivalent des Kopfes schleuderte.


Der Feuerstrahl verfehlte seine Wirkung nicht. Große Teile des Gruftwächters flogen in Fetzen durch die Grabkammer und lösten sich in stinkenden Rauch auf, wo sie den Boden berührten.
Rellon begann erneut Kraft zu sammeln.
Der Dämon war nun auf seinen Peiniger fixiert und die Masse aus zuckenden Tentakeln waberte auf ihn zu.
Er fluchte und beschleunigte seine Gesten.
Drei der verbliebenen sechs Scheinarme zuckten auf ihn zu und würden ihn zerschmettern. Aber Lia'ran war schneller. Sie rannte so schnell sie konnte, sprang mit wirbelnden Klingen in die Bahn des Dämons, schnitt und hackte mit ihren geschwungenen Schwertern in blitzartigem Streichen. Zwei der Tentakel gaben dem Ansturm aus Stahl nach, der dritte raste noch immer auf sie zu.
Der Aufschlag blieb aus. Lia öffnete die Augen,die sie im Angesicht des Unausweichlichen geschlossen hatte. Vor ihr stand Rellon. Der hintere Teil seiner grauen Robe begann sich rot zu färben.
Für einen unerträglichen Moment schien die Zeit nur für die Beiden anzuhalten, als Rel sich zu ihr umdrehte und ihr in die Augen sah.
"Ich weiß...das schien nicht sehr professionell...aber warte ab bis du das Ergebnis siehst." Blut lief ihm aus den Mundwinkeln und er begann eine Formel zu murmeln, als sein Augen sich trübten. Der Gruftwächter hatte seinen Tentakel genau in seine Brust gerammt. Ausgehend von diesem Tentakel überzog den ganzen Scheinarm plötzlich eine Schicht feiner leuchtender Risse, und ein Geräusch wie altes, brechendes Leder erfüllte die Kammer. Der Zauber zog sich über weitere drei Arme und einen Teil des Zetrums.
Als würde man am Faden eines schlecht verarbeiteten Kleidungsstücks ziehen lösten sich Teile des Dämons einfach auf. Doch als Rellon starb, starb auch seine Magie.
Der Dämon Brüllte triumphierend.
Und Lia'ran vor Wut.


Ulf schrie vor Schmerz auf.
Er war kaum wieder auf den Beinen, als ein weiterer allerdings ungezielter Treffer des Dämons ihn in die Ecke mit den Skelletten schleuderte. Diesmal verlor er sein Schwert.
Er schüttelte seinen Kopf, in dem es furchtbar klingelte. Neben dem Skellet lagen ein kurzes maraskanisches Schwert und ein Klassisches aus dem Mittelreich. Ulf zog eine Grimasse.
Wäre er nicht in tödlicher Gefahr hätte er die Situationskomik durchaus zu schätzen gewusst. Er griff nach dem Schwert, das erstaunlich leicht in seiner Hand lag, als ein Tetakel nach ihm schlug. Entgegen seines besseren Wissens, aber seinen Reflexen nachgebend ging er in eine leichte Hocke und führte einen Aufwärtshieb aus. Die silbrige Bahn der Klinge färbte sich blauschwarz als er spielend leicht den eben noch gefährlichen Arm abtrennte.
"Bei Kor! Sowas soll ein maraskanischer Schmied erstmal hinbekommen!" Ulf gönnte sich den Luxus böse zu grinsen.
"Schön dass dir dein neues Spielzeug gefällt! Hilf mir hier mal!" Lucan versuchte locker zu klingen, schaffte es aber nur sich die Anstrengung deutlicher anmerken zu lassen, als der Dämon wieder einen Angriff auf den Schild ausführte, den er gewirkt hatte. Die violette Kuppel leuchtete nur noch schwach nach diesem Treffer auf.
Der Söldner nahm das Schwert, das etwas zu lang für seine Größe war in beide Hände und stürmte auf den Dämon zu.


Und der Dämon sah sie kommen. Einem Hieb konnte sie ausweichen, der andere warf sie hart zu Boden und sie konnte hören wie ihr langes Schwert davon geschleudert wurde. Es schlug zu weit weg auf, als dass sie es hätte erreichen können. Vor ihr drehte sich alles, die Schriftzeichen des Sarkophages wirkten verschwommen.
Schriftzeichen...Das Schwert!
"Verflucht oder nicht, ich brauch dich jetzt!" sie warf sich auf den Sarg, Griff nach dem Schwert, dass nur locker in die Hände des Simulacrums des Toten eingefasst war und war froh wieder mit ihm auf der anderen Seite zu landen. Sie hörte ihren Harnisch splittern
Er würde ohnehin nichts nützen...
Sie brauchte nur wenige Herzschläge um sich an die Balance des fremden Schwertes zu gewöhnen. Mit ihrem Kurzschwert in der einen und der verfluchten Klinge in der anderen Hand stürmte sie auf den Dämon zu.


Ein wilder lauf, Lucan konnte auf ihn zählen...

Nur zwei Sätze, Rellon wird nicht umsonst gestorben sein...

Drei Tetakel, einer schiesst auf den Söldner zu.
Drei Tetakel, ein Diagonalhieb mit magischem Stahl.
Macht zwei.

Ein Sprung auf den Rand des Sarges. Ein Kreuzhieb im Sprung und der Name ihres Freundes auf den Lippen.

Ein Angriff auf Lucan. Der Schild muss halten! Der letzte Arm gilt Ulf, er ist darauf gefasst, gleich wird alles vorbei sein.

Zwei Arme. Einige Schritt dämonische Masse bis sie ihr Ziel erreicht hat. Die wilden Bernsteinaugen nur auf das Ziel gerichtet. Ein Arm hängt nutzlos Herab, einer schlägt nach ihr. Sogar im Lauf kann sie ihm ausweichen und schlägt ihn mit ihrem neuen Schwert entzwei. Dann erkennt sie ihren Fehler.

Ulf macht sich bereit.

Der nutzlose Arm ist nicht nutzlos. Dämonisch schnell erreicht er Lia. Durchschlägt lackiertes Hartholz, Fleisch und Knochen. In einer Woge aus Licht schwindet Lia'ran's bewusstsein, und der Funken in ihren gelben Augen erlischt.

Diesmal nicht...
Ulf machte sich für den finalen Schlag bereit. Der Arm bei Lucan war egal, und den Letzten würde er jetzt erwischen, und dann das hilflose Zetrum.
Diesmal nicht!
Was war das?
Irgendetwas warnte Ulf seinen Angriff auf diese Art durchzuführen. Und plötzlich gaben seine Knie nach. Er schoss auf den Boden zu, noch bevor Lucan einen Warnruf ausstieß und der scheinbar abgelenkte Tetakel über seinen Kopf schoss. Der Schwertkämpfer nutzte seinen Schwung und schlidderte auf das reichlich bezahnte Maul des Dämons zu. Seine Metallschienen , die bis zu den Knien reichten schabten über den Boden. Als er kurz vor dem Zetrum des Monstrums war, schoss der kleine Mann in die Höhe und riss seine Klinge mit einem gewaltigen Aufwärtshieb mit sich. Das träge Zetrum des Dämons hatte keine Chance und das unheilige Fleisch riss auf. Ulf ließ die Klinge fallen und schützte sein Gesicht mit seinen Armpanzern. Keine Sekunde zu früh.
Bevor sich das Fleisch der Kreatur auflöste Fraß es sich zischend durch Kleidung und Haut.
Es ist gut über manche Dinge Bescheid zu wissen.
Ulf setzte sich außer Atem neben das Schwert.
Lucan kam herüber und gesellte sich zu ihnen.
"Ich glaube jetzt können wir ruhig hierbleiben."
"Klar, wer soll schon was dagegen haben." Ulf stieß seinem größeren Freund gegen die Schulter und beide lachten.
Das Lachen der Sieger.
Ein Lachen das langsam verhallt.
Im Traum könne man nicht sterben heißt es.
Dass im Traum nicht gestorben werden kann ist eine andere Sache.
Besonders in den Träumen von Kriegern wird viel gestorben.
Jeder Kämpfer freut sich dann, einfach aufzuwachen...


Ulf gähnte.
Der Söldner hatte lange nicht so einen Mist zusammengeträumt. Die Erinnerung an den Traum schwand bereits, als er sich aufraffte. Er sah zu der immernoch schlafenden Isparla herüber.
Das Feuer war längst erloschen. Ulf stieß Die junge Frau vorsichtig wach. Sie gähnte ihn ihrerseits herzhaft an. "Müssen wir schon los, Ulf?" Sie streckte sich in der Robe des toten Zauberers, die ihr viel zu Groß war.
"Ohne dich hetzten zu wollen, ich muss noch zu meiner Tochter, und es ist noch ein ganzes Stück weg bis zu der Hütte deines Vaters." Ulf hatte nicht viele Sachen die er zusammenraffen konnte, tat aber sein Bestes.
"Ich finde den Weg auch alleine..." Sie sah ihn etwas beleidigt an, er sah etwas verlegen zu Boden und fing an zu stammeln als Isparla laut zu lachen anfing. sie strich sich durch ihre dunklen Haare. "Ach, genau wie früher...geh ruhig. aber du muss mir versprechen, mich bevor du wieder verschwindest zu besuchen, und gnaden dir die Zwölf wenn nicht!"
"Verlass dich drauf. Es war schön dich wiederzusehen. Von Harbo's Bier -sag ihm das bloß nicht- und meiner Tochter abgesehen, bist du einer der Aspekte, die mich gern an Thaun zurückdenken lassen und mich fast dazu bringen könnten das Söldnerdsein aufzugeben."
Isparla lächelte. "Machs gut, mein Held..."
Ulf grinste zurück. "Bis später!"
Sie gingen in verschiedenen Richtungen auseinander.
Hach, du bist einer der Aspekte...! Seit wir hier sind, bröckelt deine harte Schale, kann das sein?
Ulf ging zurück Richtung Thaun.
"Halt die Klappe..."
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