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Söldnerdasein

von ashtrails
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P16 / Gen
03.01.2012
10.04.2012
6
24.564
 
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03.01.2012 4.806
 
Der erste Abend

In Erwartung neuer Zeiten




Die Strasse war hier nicht besonders gut ausgebaut.
Eigentlich war sie es garnicht.
Die Gegend zwischen Trallop und dem Rathil war Wildnis vom feinsten.
Das Abendrot verwandelte die Hügel,die sich überall über die Ebene zogen in ein Panorama aus Schatten und Blut. Die letzten Strahlen der Sonne im Rücken der einsame Wanderer.Viele Barden und Maler würden für eine derartige Szene töten. Ungeachtet dessen und der Dunkelheit,die langsam aber sicher Einzug hielt setzte Ulf seinen Weg fort. Er hatte eine weite Strecke hinter sich,und war müde. Das Gewicht seines Rucksacks und seines Schwerts schien sich in den letzten drei Stunden verdoppelt zu haben,und die Blasen die er sich gelaufen hatte machten Anstalten seine Füße aufzufressen,wenn sie sie nicht vorher verbrannten,so fühlten sie sich jedenfalls an.Seine Armschützer waren Stumpf und matt vom vielen Staub geworden und sein Umhang sah nicht besser aus. Das rote Kopftuch,was normalerweise seine Haare bändigte,die in den letzten Wochen mehr gewachsen waren,als ihm lieb war und ungehindert in seinem bärtigen Gesicht hingen,musste er als provisorischen verband für eine Schürfwunde am arm benutzen,die anfing höllisch zu jucken.
Aber bald würde er zu Hause sein. Nur noch ein oder zwei..oder wesentlich mehr Tage!Es wurde um diese Zeit schnell kühl,und er wickelte den Umhang fester um sich.Sein Atem begann bereits sichtbar zu werden und kleine Dampfwolken schraubten sich wie Geister in den Himmel,um so schnell zu vergehen,wie sie kamen.
Der Mond war aufgegangen und zog seine Bahn wie ein blasses Schiff am Firmament.Der Söldner ging weiter.Die Richtung war einfach zu bestimmen,er brauchte kein licht.
"Solltest du nicht ein Söldnerlied oder so was singen,wenn du Wanderst?"
"Und hatten wir uns nicht darauf geeinigt,dass du still bist?"Antwortete der Söldner der Stimme in seinem Kopf.
Bestandteil des Begriffes 'sprechendes Schwert' ist sprechend"protestierte die Klinge.
"Und der Begriff 'Wütender Mann,der wenig Geduld hat und sein sprechendes Schwert in die Gruft zurückschmeisst, in der er es gefunden hat' muss nicht näher von mir erläutert werden,oder?" Ulfs Auge zuckte ein wenig,er brauchte dringend Schlaf. er blieb stehen und ließ seine Sachen an Ort und Stelle fallen.
"Ich meine du sprichst ja nichtmal richtig! Nur ich höre dich! Wahrscheinlich bin ich auf dieser verfluchten Insel nur irrsinning geworden!Argh!"
Ulf wusste aus der Praxis,dass unartikuliertes Schreien sehr befreiend wirkt.
Geht's wieder? die Stimme klang etwas besorgt.
"Ja..."Der Söldner rollte seine Decke aus und legte sich hin.

Es tat gut den Rathil wiederzusehen.Der Fluss hatte sich in all der Zeit nicht verändert.Er wälzte sich noch immer träge die Ebene entlang.An seinem Ufer standen einige Katen und die Häuser der Flussschiffer.
Ulf klopfte an eine der Türen,die zu einer kleinen Fährstation gehörten.Von drinnen waren schlurfende Schritte zu hören und ein Alter Mann mit einer Speckigen Kappe öffnete ihm
"Die Götter zum Gru...verdammtnochmaldumeinegüte seid ihr ein großer Zwerg!"der Mann kratze sich am Kopf.
"Ich bin kein Zwerg..."
Ulf seufzte.
Ja es Stimmte,er war klein für einen Menschen, aber immernoch mehr als einen Kopf größer als ein verdammter Zwerg!
Gut,sein langes Haar und der verflixte Bart waren wohl mitschuld...Und sein Vater war auch ein Halbzwerg,ihm gebürte also großer dank für Ulfs erblich bedingten kleinen Wuchs.
Der Kämpfer riss sich aus seinen Gedanken."Wie auch immer,könnt ihr mich über den Fluss bringen?"
"Selbstverständlich guter Mann!"

Die strecke über den Rathil war nicht weit,aber in alter Gewohnheit begann der Flößer ein kleines Gespräch
"Und,wo kommt ihr her,Schwertkämpfer? Es sieht aus,als seid ihr weit gereist..."
"Ich bin aus Thaun,ein kleines Dorf, dort wo die Steine und die Rote Sichel zusammenlaufen...und auf dem weg nach Hause."Ulf sah an das andere Ufer,das näher kam.
"Nein,ich meine,von woher kommt ihr gerade? In Zeiten wie diesen ist ein gutes Schwert vielerorts zu gebrauchen!" Das Boot stieß mit einem dumpfen Geräusch an die Böschung.
"Da habt ihr recht."Der Söldner ging von Bord , warf dem Schiffer zwei Silbermünzen herüber und wandte sich zum gehen.
"Von wo kamt ihr denn nun,Krieger?" Das Boot entfernte sich bereits wieder ein Stück.
Der Kämpfer drehte sich um und grinste böse."Maraskan, guter Mann, Maraskan!"
Der Flussschiffer wurde blass und das Boot trieb ein wenig ab."Aber dort sind doch nur Haffax' Soldaten..."
Ulf lachte und ging weiter nordwärts...

Thaun. Heimat. Bier. Bett.So hätte man wohl die Gedanken des Schwertkämpfers am Besten zusammenfassen können,wobei die Reihenfolge variieren kann.Er sah das kleine Gasthaus,eine stete Quelle guter Laune und Fröhlichkeit.
Es war mittlerweile Dunkel,und warmes Licht fiel durch die Fenster des Wirtshauses,während das kalte Licht der Sterne auf die roten Dachschindeln fiel und die hohen Tannen,die hinter dem Gebäude standen lange Schatten über das Dach warfen.
Von allen Dingen die Ulf vermisst hatte,stand das Gasthaus an zweiter Stelle.
Er öffnete die Tür und warme, rauchverhangene Luft schlug ihm entgegen. Es war bereits spät.und viele Gäste waren nicht mehr dort. Harbo,der Wirt mit der Augenklappe,die eine grässliche Narbe verdeckte stand hinter seinem Tresen und genehmigte sich selber einen kleinen Schluck. Seine Schankmaid war nirgends zu sehen,wahrscheinlich hatte er sie früher gehen lassen,da heute nichts los war. Niemand sah auf,als Ulf eintrat,nur Harbo nickte ihm zu und schmunzelte.
"Heho,Reisender,ein Bier gefällig?"
Ulf runzelte die Stirn "Seit wann gibt's denn hier echtes Bier?! Ich kenne nur dieses widerliche gepanschte Zeugs, dass der Waschlappen von Wirt 'Harbo-Bräu' nennt!"
Der Wirt sah den Söldner Wütend an und bebte am ganzen Leib...Und fing an laut zu lachen. Er klopfte dem kleineren Mann heftig auf die Schulter und schob ihm einen großen Humpen Bier rüber
"Für dich , Kleiner.Wie ich seh hast' mich nicht vergessen!"
"Man vergisst selten den Menschen,der einem die erste Alkoholvergiftung verpasst hat, Harbo." Ulf grinste und nahm einen tiefen Zug des kalten,ausgezeichneten Biers.
"Ahhhh...dafür allein hat sich der Weg hierher gelohnt!"
"Hast' recht,deswegen kommen sie alle zurück...aber wie ich dich kenne,bleibst du ohnehin nicht lange,oder?" bemerkte der Wirt trocken.
Der Söldner machte ein kurze Pause und setzte den Krug ab."Wieder richtig,ich werd nur schnell bei meiner Hütte nach dem rechten sehen und meine Tochter besuchen, schliesslich hat sie bald Geburtstag.Und welcher Vater verpasst den siebzehnten Sommer seiner Tochter?" Er seufzte."Wie die zeit vergeht..."
"Nach all der Zeit willst du nicht endlich hierbleiben? Wirst du es denn nicht Leid,deine Haut zu riskieren?" Harbo schüttelete den kopf.
"Nein."war Ulfs knappe Antwort,als er sein Bier bezahlte,den leeren Humpen hinstellte und das Wirtshaus verließ...

Träge wälzte sich der Nachtnebel beiseite, als Ulf den weg zu seiner Behausung entlang ging. Er langte unter sein Hemd und zog eine feingliedrige silberne Kette unter seinem Brustpanzer hervor, an der ein Schlüssel hing. Das Schloss der schweren Holztür war etwas verrostet, aber ging mit einem satten Klacken auf, als er den Schlüssel drehte.Der Söldner machte einen Schritt nach vorn, griff nach Rechts und Entzündete danach die Laterne, die auf einem Beistelltisch gestanden hatte.
Das matte licht der Lampe flutete das kleine Blockhaus mit dem spärlichen Mobiliar,das aus einem Bett,einem alten Sessel,einem kleinen Tisch und einem Schlafsofa bestand. Langsam schloss Ulf die Tür,die trotzdem lautstark quietschte.doch bevor er sich müde auf sein Sofa warf, ging er zum Sessel,rückte diesen beiseite,und lockerte zwei Bodendielen,unter denen ,im Boden eingelassen eine große Truhe stand. Mit einem weiteren Schlüssel öffnete er die Schlösser an der massiven Kiste und genoss für einen Moment den glitzernden Inhalt des Behälters.
"Nicht mehr lange..."sanft strich er über das Gold und die Geschmeide in der Truhe,legte einen Großen Teil des Geldes,dass er bei sich hatte dazu und verschloss die Truhe wieder.Erst dann gönnte er sich,müde auf sein Sofa zu fallen...

Am nächsten Morgen verschaffte Ulf sich ersteinmal ein Bad und vor allem eine Rasur. Im Einsatz ein ungewaschener und unrasierter Söldner zu sein war ihm egal,aber in seiner Freizeit legte er wert auf den Luxus sich ausgiebig zu pflegen. Gerade wollte er sich im Zuber,der in einem Nebenraum stand zurücklehnen,als es wie wild an der Tür klopfte.
Rein aus Reflex sprang Ulf aus dem Zuber und zog sein Schwert blank.
"Bei allen Göttern,bedecke dich,sonst schmelze ich noch dahin" hörte er in seinem Kopf.
"Versprich nichts was du nicht halten kannst..."knurrte der enblößte Mann und griff nach einem Handtuch.
Es klopfte wieder."Was bei den stinkenden Niderhöllen ist denn?!"
Gewohnheitsmäßig sah Ulf nach oben,als er die Tür aufriss,und ein nervös aussehender Mann Anfang dreißig stand dort und sah nun auch noch verwirrt aus."Also..."er hielt einen Moment inne"...ich hatte mir euch größer vorgestellt aber..."
"WAS ZUM NAMENLOSEN WOLLT IHR VON MIR?!"Der kleinere Mann lief rot an.
"Ich,also ich bin der Bierfahrer und mein Karren wurde letzte Nacht überfallen,von Goblins und die haben meine Frau entführt!und mein Bier!"
"Und was meint ihr habe ich damit zu tun?"Ulf wusste nicht,warum er dem Spinner überhaupt noch zuhörte.
"Man sagte mir ihr wäret ein Kämpfer und hättet ein Schwert und so..."Das war genug,der Söldner schlug die Tür zu.
"Ich kann Euch auch bezahlen!"Hörte er flehend von draußen.
Die Tür flog wieder auf."Bei Travia,willkommen in meinem Haus,erzählt mir mehr..."

Der Schwertkämpfer lief unruhig im kleinen Raum auf und ab.Er hatte sich mittlerweile fertig angezogen,was seine schlechte Laune etwas minderte.
"Schön,ihr seid also Alrik,der Bierfahrer.Eure Frau wurde von Goblins entführt -ist ja nichts ungewöhnliches,hier gibt es viele Stämme und die sind so dreist wie dumm- nicht zu vergessen eure Ladung ferdoker Starkbier..." Ulf atmete tief durch,das Leder des Sessels auf dem der Kutscher saß knirschte,da der nervöse Mann ständig hin und her rutschte."Und jetzt wollt Ihr,dass ich sie verfolge,mir einen ganzen Goblinstamm zum Feind mache,dadurch das Dorf gefährde in dem ich geboren wurde,meine eigene Haut riskiere und möglicherweise in den Bergen verende,ohne dass mir jemand helfen kann,und das alles um ein paar fässer Bier,die mitlerweile sicher leer sind und eure Frau zu retten?!"
Alrik sah den Söldner unsicher an,dieser schien zu überlegen.
"Das kostet euch zehn Goldstücke und ein Fass Bier..."

"Zehn und ein Fass Bier?Was ist nur mit dir los?!Oh,sag bitte nicht du hast jetzt ein Herz oder deine moralischen drei Tage! Und dann diese 'edler Ritter rettet die Jungfrau in Not-Sache'.Ich habe kein gutes Gefühl dabei!
Das ging nun schon die gesamte Zeit des Aufstiegs so.Die Gegend um Thaun war zerklüftet und rau,es gab wenig Breite Wege ,aber viele scharfkantige Felsen und Steilwände von denen viele mit natürlichen Höhlen versehen waren.
"Beschwer dich nicht...Verdammt!"Ulf fluchte laut als ein loser Stein an dem er versehentlich Halt suchte nachgab und er nunmehr nurnoch an einem Arm gute zehn Schritt über dem Boden hing.Ächzend zog er sich die letzten Spann bis zum Sims der Steilwand hinauf,als er einen anderen Stein zu fassen bekam.
"Ich glaube dein Teil dieser Aktion wird der einfachere sein."Er klopfte den Staub aus seiner Kleidung.
"Schon klar.Stahl rein,Gedärme raus...Das Schwert seufzte metallisch.
Auch wenn die rotpelzigen Quälgeister schwer beladen waren,so waren sie doch gute kletterer und Seilflechter,der Söldner musste sich beeilen.


Gemütlich rollte der Eselskarren den etwas breiteren,befahrbaren Weg Richtung Thaun entlang.Die Bierlieferung war zwar etwas spät dran,aber wäre der freundliche Fremde nicht gewesen,wäre Alrik wohl mit seinem Achsenbruch liegengeblieben und Harbo hätte ihm die Hölle heiss gemacht.Sein mit Fässern beladener Karren passierte die Letzte von zwei hohen Felswänden Flankierte Engstelle. Er konnte bereits den dünnen Rauchfaden sehen,der sich wie immer aus dem dach des Gasthauses zu schlängeln schien. Alrik seufzte und zündete sich seine Pfeife an,die unter dem Kutschbock klemmte.Er war froh mal ein paar Tage von Zuhause,Frau und Kindern weg zu sein und etwas Zeit für sich,seine Pfeife und sein Bier zu haben,dass Harbo sicher schon für ihn bereitstellen würde,wenn er ankommt...


Die rotpelzige Kreatur krachte hart gegen den Felsen. Ihr blieb jedoch keine Zeit sich großartig über die schmerzen zu beklagen, der Mensch,der kaum größer war als der Goblin selber hatte Ugluk überrascht,als dieser gerade damit beschäftigt war ein Adlernest zu Plündern.Und nun stand der kleine Mann über ihm,dieses große,große lange Schwert gezogen.Das schlimmste war das Ugluk den verdammten Pelzlosen kannte,und genau wusste,dass dieser ihn nicht einfach abstechen würde,wie das sonst die Art der Menschen war.Er würde ihn vorher sticheln und quälen. Einen kleinen Moment sah der Goblin auf seinen Säbel, der nicht weit von ihm entfernt lag, sein gesunder Goblinverstand verwarf den rebellischen Gedanken jedoch sofort wieder, der Schwertkämpfer war ihm im Nahkampf Berghoch überlegen.
"Hallo Ugluk, lange nicht gesehn,wie geht's dir so?"
"Nix umbringen!" jammerte der Goblin
"Erspar uns beiden das Theater..."
Der Rotpelz grunzte und rappelte sich in eine bequemere Sitzposition. "Was will der Mensch mit den zu kurzen Beinen? Hat mich um Abendessen gebracht!"
"Wo ist der Karren,und wo ist die Frau? Mach's mir nicht so schwer. Meinetwegen behaltet alle Fässer bis auf drei und gebt die Frau heraus, dann kannst du soviele Eier fressen wie du willst." Ulf's Tonfall war ruhig und von geradezu zwingender Freundlichkeit.
Ugluk wirkte verwirrt. "Was für Frau,was für Bier? Wir nix getan Bierwagen!Wir...AIEEEEEE!" Er schrie auf,als Ulf ihm sein Schwert auf die Kehle setzte.Er konnte sein eigens schreckensverzerrtes Gesicht im blanken Metall erkennen.
"Verarschen kann ich mich alleine! Entweder du sagst mir,wo ihr sie genau hingebracht habt,oder ich schlachte mich nacheinander durch jede eurer Höhlen!" Ulf's irrer Blick musste sehr echt wirken,da Ugluk kurz davor zu stehen schien in Ohnmacht zu fallen.
"Ich Schwör' dir! Wir haben niemanden überfallen!Warum auch? Wir handeln mit deinen Leuten,wir geben ihnen Seile und Felle,dafür bekommen wir Bier und Werkzeug!" Das kleine Monster Sprach nun fließend Mittelländisch.
"Geht doch...das mit deinem Akzent hat sich ja sehr verbessert, ich bin beeindruckt. Seit wann handelt ihr? Ich dachte die alte wäre dagegen?" Der Schwertkämpfer half dem Goblin auf die Beine und steckte sein Schwert ein.
"Warst zwölf jahre weg, Zwerg-Mensch, ist viel passiert, haben neue Schamanin,mit neuem Weg! Er fuchtelte mit den Armen in der Luft herum.
"Aha...und ihr habt nicht zufällig gesehen,ob jemand eine Frau und viele Fässer in der Gegend hin und her Transportiert hat?" Ulf kratzte sich am Kopf wobei sein Kopftuch etwas verrutschte.
"Frag Mann mit Pelz im gesicht. Hat Sich in Höhle nicht weit von hier breit gemacht, sieht viel, läuft viel...geh ihn fragen!" Ugluk sammelte seinen Säbel ein und sah Ulf nocheinmal fragend an. "Wie geht es Tochter? Ist lange nicht geklettert,sie macht immernoch Zauberzeugs?"
"Mhm...eigentlich wollte ich sie heute besuchen gehen, aber wie du siehst ist was dazwischen gekommen. Ja,sie ist nach wie vor bei dem Alten in der Lehre,zumindest hat sie mir das geschrieben. Wo wohnte der Mann von dem du redest?" Ulf's Motivation sank,als der Goblin einfach nur mit einem Finger nach oben deutete."Oh nein!"
Der Goblin lachte kehlig. "Und grüß Tochter wenn du überlebst!" Dann verschwand er auf einem Schleichpfad, während Ulf weiter kopfschüttelnd vor der Felswand stand.
Weisst du, du überrascht mich immer wieder mit den Leuten, die du kennst. Wann stellst du mich eigentlich deinen Eltern vor? Sind sicher ähnlich interessante Men...Leute."
"Langsam versteh' ich,warum alle deine anderen Träger tot sind..." meinte der Söldner trocken, als er sich daran machte die nächste Wand zu erklimmen...


Nach ungefähr weiteren sechzig Schritt Höhenunterschied erreichte Ulf kletternd einen weiteren weit ausladenden Felssims an dessen Ende sich in der Felswand eine Höhle befand. Etwas fehl am Platz wirkten jedoch die Blumen und Gemüsebeete davor in denen insgesamt vier bizarre Vogelscheuchen standen. Die Strohköpfe waren allesamt in die Richtung des Söldners gewandt. Eine Saatkrähe saß mitten in einem der Beete und störte sich nicht an den Strohkameraden, sah aber Ulf mit einem Auge misstrauisch an. Als der Söldner zwischen den Beeten Richtung Höhleneingang schritt flog die Krähe mit einem heiseren 'Krah!' davon,empört darüber,dass man sie störte. Totenstill war es,und der Eingang in den Fels wirkte wie ein gähnender Rachen, der den kleinen Mann zu verschlucken drohte.
Irgendetwas stimmte nicht. Jede Faser des Schwertkämpfers sagte ihm das hier irgendetwas nicht so war,wie es sein sollte.
Seine Instinkte täuschten ihn nicht und als er das rascheln von Stroh hörte, zog er mit übermenschlicher Geschwindigkeit seine Klinge und vollführte in die Knie gegbeugt einen Halbkreisschlag hinter seinen Rücken. In einem silbernen Bogen zog der magische Stahl seine tödliche Bahn und durchtrennte...Stroh. Die vermeintliche Vogelscheuche fiel in zwei Teilen in der Mitte auseinander und beide Hälften krochen orientierungslos auf dem Boden umher.
Die verbliebenen drei kamen nun auf Ulf zu, einen Besen,einen Mopp und eine Mistforke schwingend. Geschickt parierte der Söldner den Hieb des Besenstiels mit seinem metallenen breiten Armschutz und stieß die Vogelscheuche von sich weg.Der Mopp jedoch traf ihn hart im Gesicht.
Der Geruch von alter Seife war kaum zu ertragen.
Ulf fasste sein Schwert mit zwei händen und schlug mit aller Gewalt einen Spalthieb,der Holz und den Strohkopf seines Feindes Spielend durchtrennte. Halb gespalten verlor der Strohkörper das Gleichgewicht, torkelte und fiel über den Unterleib seines bereits geschlagenen Strohkameraden. Dem verbleibenden Forkenträger schlug Ulf mit zwei Diagonalhieben die Beine ab und während dieser fiel gab der Söldner ihm noch einen Tritt vor die Pseudobrust, so dass die Vogelscheuche weit in eines der Beete flog. Noch bevor sie aufschlug hatte Ulf sein Schwert wieder eingesteckt und ging bereits Richtung Höhle,während die desorientierten Vogelscheuchenreste in mehreren Haufen Stroh herumkrochen.
"Dieser Kerl lebt in den Bergen...und er baut Strohgolems. Mal im Ernst,das ist doch ein bisschen wunderlich,oder?" beiläufig stieß er eines der abgetrennten Beine mit dem Fuß an.
"Und du redest mit deinem Schwert über wunderliche alte Männer,von denen dir ein Goblin erzählt hat,also mach dir keine Gedanken..."
Ulf passierte den Eingang und die Dunkelheit verschlang ihn.


Zumindest tat sie das solange, bis er die Fackel aus seinem Gürtel zog,und sie anzündete. Schatten tanzten an den Wänden und mit einem metallisch schabenden Geräusch zog der Söldner sein Schwert.
Die Höhle war weder groß, noch in irgendeiner Art und weise bearbeitet, aber im hinteren Teil entdeckte Ulf eine kunstvoll in den Stein gehauene Wendeltreppe, die nach unten führte.
Wände der Treppe waren schmucklos, aber säuberlich gearbeitet, als wären sie direkt aus dem Fels gewachsen. Nach guten dreißig Stufen, die er lautlos hinab stieg kam er an eine Tür.Im Licht der Fackel konnte Ulf erkennen, dass es sich um ein schweres Holz handeln musste.Auch die Tür wies keine Verzierungen oder ähnliches auf.Vorsichtig drückte der Söldner die Klinke herunter, und leise schwang die Tür auf geölten Scharnieren auf.
Ulf lugte um die Ecke und was er sah gefiel ihm nicht. Der Raum hinter der Tür war erleuchtet.In der Mitte lag ein großer Teppich im tulamidischen Stil,ein großer Sessel stand vor einem Regal mit Büchern und mehrere Kohlebecken-genauer gesagt sieben- standen in seltsamer Anordnung um einen hölzernen Käfig in dem tatsächlich eine Frau saß, die jedoch ohne Bewusstsein war.Das alles stank geradezu nach schwarzer Magie, nach fast sechs Jahren auf Maraskan und etwas Nachhilfe Unterricht in Magie wusste er sogar in etwa was hier vor sich ging, er durfte keine Zeit verlieren.
Da der Raum ohnehin erleuchtet war, löschte er im Schatten der Tür seine Fackel und schob die Tür gerade so weit auf, dass er hindurch passte. Der Schwertkämpfer schlich langsam näher an den Käfig. Im Moment,in dem er das Regal passieren wollte, hörte Ulf ein Geräusch. Instinktiv ließ er sich lautlos zu Boden gleiten und verbarg sich so gut es ging hinter dem großen Sessel.
In diesem Moment war er froh nicht besonders hochgewachsen zu sein.
Ein bärtiger Mann der gute sechzig war kam Hinter dem Regal hervor, ein schweres Buch in beiden Händen tragend. Der Alte ließ sich schwer in den Sessel fallen, rückte hin und her, bis es ihm bequem war und begann zu murmeln und auf Papier zu kritzeln.
'Jetzt,oder nie...' Mit einem Satz war Ulf aus seiner hockenden Position aufgesprungen, schwang sein Schwert hoch über den Kopf und brüllte so laut er konnte. Der Zauberer drehte sich mit entsetztem Gesicht in seine Richtung,wollte dazu ansetzen etwas zu sagen, griff sich dann jedoch an die Brust und begann zu röcheln.
"Argh! Du verdammter...aaahhh...ich werde...argh!" dann sank er ,die eine Hand an Ulf's Armschützer,die andere in seine eigene Brust verkrampft schlaff in den Sessel.
"Das war unerwartet..." Ulf steckte sein Schwert weg und kratzte sich am Kopf.
Er sorgte dafür, dass der Magier tot blieb, indem er ihm einen Brieföffner,der auf dem Schreibtisch lag in die Brust rammte und widmete sich dann dem Heptagramm. Was auch immer hier geschehen sollte war noch im entstehen begriffen, es waren weder Schutzzeichen, noch sonstige Dinge außer den Becken und dem Heptagramm vorhanden. Ulf überschritt also die ineinander greifenden Linien des Siebensterns und ging auf den Käfig zu, als plötzlich ein großer Schatten auf die Wand fiel. Die dazugehörige Kreatur war schrecklich anzusehen, als sie geduckt hinter dem Käfig hervor kam: aus ihrem echsengleich geformten Kopf wuchsen dutzende spitzer Hörner, ihr langer Schwanz zuckte nervös hin und her, auch er war mit Spitzen versehen, und das Maul entblößte zwei reihen sägeblattartiger Zähne als das Wesen den Söldner anfauchte.
Monsterspeichel spritze gegen Ulf's Schienbeine.
Die Kreatur wäre bedeutend fürchterlicher gewesen, wenn sie größer als einen Spann gewesen wäre.
"Verschwinde!" Ulf trat nach dem kleinen Ungetüm, das zurückwich und mit seinen Miniaturklauen in der Luft herumfuchtelte.
Das Wesen trollte sich hinter eines der Kohlebecken, nahm es sich aber nicht, in regelmäßigen Abständen gefährlich zu zischeln. Die Frau die im Käfig saß war außergewöhnlich schön anzusehen, sie hatte eine für diese Gegend untypisch blasse Hautfarbe und dunkles Haar, dessen genaue Farbe irgendwo zwischen einem sehr dunklen braun und schwarz lag. Scheinbar hatte man sie ohne Kampf entführt, da Ulf keine äußerlichen Verletzungen an der spärlich bekleideten Gefangenen feststellen konnte,und er hatte genauestens hingesehen. Sie trug nur ein Leinenhemd und eine kurze Hose an ihrem schlanken Leib. Ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig.
Nach wenigen beherzten Hieben gab das Holz nach und Ulf brachte die Frau zu dem Sessel, nachdem er den Toten beiseite geschafft hatte und legte die unbekannte in eine bequemere Position. Während sie dort lag hatte er genug Zeit das Zimmer zu durchsuchen, doch die Ausbeute war eher gering, und das zischelnde Echsending begann langsam ihn zu nerven. Ein paar Goldstücke, etwas möglicherweise arkaner Schmuck und ein Haufen Bücher. Vor allem der Band auf dem Tisch erregte Ulf's Aufmerksamkeit, denn es schien sich um das Tagebuch des Zauberers zu handeln, und es war eines der wenigen Bücher,de nicht in unverständlicher Zauberschrift geschrieben zu sein schien, sondern in ordentlichen Lettern. Ein markanter diagonaler Strich befand sich in der letzten Zeile,die zweifelsohne im entstehen begriffen war, als der Söldner seinen Überraschungsangriff gestartet hatte. Die Zeilen davor jedoch waren lesbar und überraschend zugleich, stellte Ulf fest, als er sie überflog...
Dieser närrische Kämpfer!Er konnte die Maske nicht durchschauen,die ich mir aufgesetzt habe. Mein Glück,dass er hierher zurückkehrte, ich verspüre kein verlangen Maraskan zu besuchen. Glück in doppelter Hinsicht, da er den Bierfahrer überhaupt nicht kennt und so war es ein leichtes ihn zu überlisten. Nun muss ich nur noch einen Diener rufen der ihn zur strecke bringt und ich kann mir endlich die Kraft von Lann zu nutze machen!Nur wenige Kleinigkeiten und das Ritua...



An dieser Stelle hatte Ulf das Tagebuch unterbrochen.
"'Ne ahnung was der meint? Man hat mir zwar gesagt,dass du nicht ohne bist,aber von welchem nutzen könntest du diesem Zauberer sein?"Ulf sah seine Klinge fragend an.
Das intelligente Schwert bescherte ihm ein geistiges Achselzucken Unmittelbar nütze ich ihm nichts,aber viel Sphärenkraft fliesst durch meinen Stahl...wenn er Stahl und Magie trennt kann er die freigewordenen Kraft vielfältig nutzen...Ulf schauderte unbewusst,als das Schwert sein Gefühl von Unbehagen auf ihn übertrug.
"Mach das nie wieder!"grollte der Kämpfer "Sonst..."
In dem Moment kam die Frau stöhnend zu sich und sah sich desorientiert um. Sie musste um einige Jahre jünger als Ulf selber sein, zumindest ihre braunen Augen wirkten sehr jugendlich. Er schätzte sie dennoch auf Anfang bis Mitte zwanzig ein. Sie sah ihn einen Augenblick an, dann weitete sich ihr Blick und sie lächelte überglücklich. "Meine Güte, Ulf du bist...ja kein Stück gewachsen! Ich meine..ich wollte..."
"Jaja,schon gut,kennen wir uns etwa?" Fragte Ulf eine Braue hochziehend.
"Ich bin's doch, Isparla! Weisst du noch? Es ist ja so toll dich wiederzusehen! Und dann rettest du mich auch noch in strahlendem...naja,staubigen Kettenhemd und mit dem Schwert und allem vor diesem finsteren Zauberer; beim Klettern wurde ich Plötzlich müde und dann wachte ich in diesem Käfig auf, und dieses scheußliche kleine Biest hat mich dauernd angezischelt! Und..."
"Musst du garnicht luftholen?"unterbrach Ulf sie.
Sie holte Luft. "So ists gut..Isparla...ISPARLA? Verdammt will ich sein! DU bist gewachsen!" er fasste sich an den Kopf und betrachtete ihre Kurven; sie grinste ihn an.
"Du warst lange weg, und in zwölf Jahren kann viel passieren,weißt du?" sie zwinkerte.
"ja, aber wichtiger ist, dass ich weiß, was jetzt passiert: Wir verschwinden von hier." Ulf raffte seine Habe zusammen und sah Isparla erwartungsvoll an.
"Soll ich so da herausgehen?" sie deutete auf ihre wenige Kleidung.
"Nimm seinen Kittel, er wird ihn nicht mehr brauchen..."Der Söldner zeigte beiläufig auf den Toten.


Wenig später waren die beiden auf dem weg ins freie. Die Stiefel und die Robe des Magiers waren der jungen Frau zu groß, aber sie erfüllten ihren Zweck. Es war mittlerweile dunkel geworden und der kleinere Söldner saß neben Isparla am Feuer. Ulf hatte vor sie noch bis zu der Berghütte zu bringen,wo auch ihr Vater lebte,und sich dann selber auf den weg nach Hause zu machen.
"Sag,wie ist es dir ergangen? Und warum bist du wieder da? Hast du genug vom Söldnerdasein?" Sie lehnte sich an ihn und sah dem Funkenflug nach,wie er sich in den Nachthimmel schraubte.
"Ich habe genug, wenn ich tot bin, oder aber genug Geld für ein großes Haus für mich und meine Tochter hab, weißt du, mit einem Acker,einem Pferd für sie, einer hübschen großen Hecke und einem Kerl, der mich "Sir Ulf" nennt..."er lächelte."was meinst du, was eher geschieht?"
"Hm...wird sicher schwer jemanden zu finden,der dich freiwillig mit einem Ehrentitel anspricht" Isparla kicherte und stubste den Söldner mit ihrer Schulter an.
"Möglicherweise siehst du jetzt aus wie eine erwachsene,aber der Kindskopf von früher bist du geblieben" brummte Ulf und legte Feuerholz nach.
"Kann schon sein..."Sie gähnte und schloss die Augen. Als sie vollends eingeschlafen war bettete Ulf ihren Kopf auf seinen zusammengerollten Umhang und sah noch eine Zeit lang ins Feuer,bevor er sich neben sie legte,eine Weile die Sterne am klaren Himmel betrachtete und dann auch die Augen schloss
" 'Sir Ulf' klingt doch nicht schlecht..." und grinsend schlief er ein.
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