Mein Tagebuch 2012

von truly22
GeschichteRomanze / P18 Slash
01.01.2012
31.12.2012
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12
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Ihr seid mal wieder Teil eines Experiments, liebe Leser. Inspiriert von einer Idee, dem Adventskalender von CoraLan  und dem ausdrücklichen Bedauern einiger Leser, es sei so schade, dass der Advent nur so kurz ist, will ich versuchen, eine Geschichte in Tagebuchform zu schreiben. Ob mir das gelingt, weiß ich nicht, denn bisher existiert nur die erste Woche.
Die Einträge werden in überschaubarer Länge sein. Dafür aber fast jeden Tag. (Was ich natürlich nicht endgültig versprechen kann. Ich habe auch noch ein echtes Leben, was mich manchmal abhält zu schreiben.)

Ich hoffe, ihr teilt mir zahlreich mit, was ihr von meiner (bescheuerten) Idee haltet.

Mit den besten Wünschen für ein tolles 2012, in dem sich eure Wünsche alle erfüllen!

LG
Truly22


1.Januar 2012


Ein neues Jahr hat begonnen. Ich kann nur hoffen, dass es besser werden wird als das alte zu Ende gegangen ist.  Ich bin gestern extra noch losgegangen, um mir dieses  Tagebuch zu kaufen. Ich muss all das, was mir im Kopf umherschwirrt, ordnen, sonst werde ich verrückt. Da ich niemanden habe, mit dem ich sprechen kann, muss ich es aufschreiben.

Ich bin müde und erschöpft. Wer mich sieht, würde mich sicher nicht auf 23 Jahre schätzen. Momentan komme ich mir zumindest wie 85 vor – mindestens! Dafür ist einfach in den letzten Wochen zu viel passiert. Gerade als mein Leben endlich mal in geordneten Bahnen zu verlaufen schien, war mit einem Schlag wieder alles anders.

Vor vier Wochen noch hatte ich eine Wohnung in der Stadt, einen Studienplatz und einen Freund und eine Oma, die immer für mich da war, wenn ich Probleme hatte. Und heute? Heute habe ich zwar noch immer einen Studienplatz und eine Wohnung, aber keinen Freund mehr und vor allem auch keine Oma.

Ich habe Holger vertraut. Vorbehaltlos. Und was macht er? Betrügt mich, das Schwein. Vögelt direkt vor meinen Augen mit diesem Kerl, den er in irgendeinem Club aufgegabelt hat. „Sorry, ich wusste ja nicht, dass du heute schon so früh nach Hause kommst!“ Noch immer höre ich seine Stimme in meinen Ohren und könnte kotzen. Als ob es einen Unterschied machte, ob ich da bin oder nicht. Wenn er mein Freund sein will, dann hat er verdammt noch mal nicht fremdzuvögeln. Ich dachte nicht, dass ich das explizit ausschließen muss. Ich bin kein Typ für offene Beziehungen, war es nie und werde es nie sein. Ich glaube nicht daran, dass das wirklich funktionieren kann. Wenn ich einen Menschen liebe, dann liebe ich ihn ausschließlich und will genauso wiedergeliebt werden. Ansonsten kann der Kerl mir gestohlen bleiben. Wie Holger. Der war wohl ganz schön überrascht, dass ich ihn ohne viel Federlesens aus meiner Wohnung geworfen habe. Ist schließlich meine Wohnung.  Doch leider konnte ich ihn nicht genauso schnell aus meinem Herzen werfen. Auch das Waschen der Bettwäsche hat nicht geholfen, seinen Geruch aus meinem Schlafzimmer zu vertreiben. Fast zwei Jahre Beziehung kann man nicht in fünf Minuten vergessen. Ich zumindest nicht. Überall in der Wohnung sind Erinnerungen versteckt. Allein die Tatsache, wo wir überall ……….. Zumindest habe ich rigoros alle sichtbaren Zeichen unserer Partnerschaft vernichtet. Keine gemeinsamen Fotos mehr im Regal, keine Lieblingstasse mit „Holger ist Mamis Liebling“ mehr. Hochkantig in den Müll ist die geflogen. Schließlich bin ich ihm nach diesem Auftritt nichts mehr schuldig. Auch wenn er noch so herumwinselt und jammert, dass es eine einmalige Sache gewesen wäre. Ich jedenfalls kann ihm nicht mehr vertrauen.

Wenn ich nicht noch zwei Präsentationen hätte beenden müssen, um das Semester zu schaffen, wäre ich sicher gleich hierher gefahren. Hier oben auf dieser kleinen Insel ist wohl der einzige Ort, in dem ich abschalten kann und auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Wenigstens hat die Arbeit mich abgelenkt von meinen trüben Gedanken und wenn ich die Kommentare des Professors bedenke, scheinen die Arbeiten sogar wider Erwarten recht gut gewesen zu sein.
Nach dem Vortrag und dem anschließenden Gespräch vor zwei Wochen war ich sogar so euphorisch, dass ich am Abend noch weggegangen bin. Eine Stunde ging es mir richtig gut und dann….. dann musste mir ausgerechnet mein Ex über den Weg laufen. Mit einem blonden Jüngelchen am Arm, der aussah wie 15 und an ihm hing wie eine Klette. An Holger. Dem Holger, der trotz einer festen Beziehung in der Öffentlichkeit meist sehr auf Abstand aus war. „Muss ja nicht jeder gleich sehen, dass wir schwul sind. Ist schließlich unsere Privatsache.“ Herzlichen Glückwunsch, lieber Holger! Endlich ist es dir nicht mehr peinlich, in der Öffentlichkeit Arm in Arm mit einem Kerl gesehen zu werden. Ich hingegen durfte nicht einmal hier, in dem Schwulenclub allzu aufdringlich werden, um nicht sofort wieder daran erinnert zu werden, dass wir schließlich für so etwas auch unser Zuhause hätten. Dankeschön! Für mich jedenfalls war der Abend gelaufen und mir ging es von da an wieder genauso beschissen wir in den Wochen zuvor. Ich hätte nie gedacht, dass es noch schlimmer werden kann.

Ich kann mich noch genau an den Abend erinnern. 16.Dezember. Da habe ich dann nämlich um kurz vor Mitternacht noch meine Oma angerufen. Ich musste einfach ihre Stimme hören. Es war das erste Mal, dass ich jemandem erzählt habe, dass Schluss ist mit Holger. Natürlich fand sie das schade. Sie hat Holger schließlich auch sehr gemocht. Aber wahrscheinlich hätte sie jeden gemocht, der mich glücklich macht. Und das hat Holger die Zeit bis zu dem Tag X. Der Tag, seit dem ich mich frage, ob alles davor auch nur eine Farce gewesen ist. Die Details habe ich ihr erspart. Die gehen auch nun wirklich niemanden etwas an, nicht einmal sie. Dennoch tat es mir gut zu wissen, dass da jemand ist, der am Ende immer auf meiner Seite steht.

Wenn ich gewusst hätte…..

Mist, es ist schon fast 17:30. Ich bin spät dran. Wenn ich mich nicht beeile, setze ich das hier auch in den Sand.

Mensch, ich hätte nie gedacht, dass Schreiben wirklich so befreit. Ich fühle mich schon ein bisschen besser. Nun aber Schluss – nachher geht es weiter …..oder morgen, weil mir nachher bestimmt schon wieder die Augen zufallen.
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