Abendessen beim Priester

von MsLovett
KurzgeschichteHumor, Mystery / P12
Benjamin Barker Mrs. Lovett Richter Turpin
31.12.2011
28.04.2012
16
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.                                                                Abendessen beim Priester


.                                                              1.Abendessen beim Priester



.                                                                             „It´s priest.
.                                                                       Have a little priest“
                                                   
.                                                                        „Is it really good?“

.                                                                        „Sir it´s too good,
.                                                                                At least.
.                                                 Then again, they don´t commit sins of the flesh,
.                                                                        So it´s pretty fresh.“





„So, jetzt können wir los! Haben Sie ihre Bibel, Mr T?“
„Meine WAS?!“, Mr Todd starrte seine Mitbewohnerin fassungslos an.
„Ihre Bibel natürlich!“
„Aber ich habe keine - „
„Wir sind heute Abend beim Priester zum Essen eingeladen, da müssen sie doch ihre Bibel mitnehmen!“, Mrs Lovett sah ihn streng an und hielt ihm eine zerfledderte Bibel unter die Nase. „Sehen sie! Ich nehme auch eine mit!“
Mr Todd wich einen Schritt zurück und musste irgendwie lächeln, als er das alte Buch sah.
„Jetzt sagen sie nicht, sie sind gläubig!“
„Natürlich nicht! Aber eine Bibel gehört in jeden guten Haushalt.“, meinte sie bestimmt.
Mr Todd räusperte sich und dachte darüber nach, was Mrs Lovett wohl als einen guten Haushalt bezeichnen würde. Wenn Ihrer der Maßstab war, würde England wohl bald schlecht aussehen.

Auf dem Weg zur Kirche fragte Mr Todd Mrs Lovett warum der Priester sie überhaupt eingeladen hatte zum Essen zu kommen.
„Das weiß ich selber nicht so genau...“, antwortete sie. „Er meinte, er wollte Sie einmal kennenlernen, weil sie doch der neue Babier sind und gleich gegenüber wohnen.“
„Wahrscheinlich möchte er mich aus den Klauen der Ungläubigkeit befreien.“
„ Hä? “

Als sie beim Pfarrhaus ankamen verabschiedete der Priester gerade einen Hirten, der ihm aufgeregt erzählte, er hätte Jesus gesehen. (In Wirklichkeit war diese  Jesuserscheinung jedoch der Richter gewesen, der seit einigen Tagen aus unerklärlichen Gründen unter Verfolgungswahn litt und deshalb unerkannt bleiben wollte.)
Dann konnte er sich seinem Besuch widmen.
„Guten Abend, meine Brüder... und Schwestern...! Kommen sie doch herein, in meinem bescheidenen Heim ist für jeden ein Platz vorhanden!“
Der Priester führte sie in ein ziemlich kleines Wohnzimmer, in dem alles voller Kreuze und und Kruzifixen war.
Mr Todd versuchte sich vorstellen, wie auch nur zehn Leute in diese winzige Wohnung passen würden, geschweige denn „Jeder“.

„Sie haben es aber nett hier!“, bemerkte Mrs Lovett etwas geheuchelt. „So schön klein und gemütlich!“
„Dort wo Gott ist, ist es immer schön.“, meinte der Priester wissend.
„Ich dachte Gott wäre überall?“, fragte Mr Todd. „Und wenn das so ist, wieso ist es dann nicht überall schön?“
„Weil manche Menschen Gott leugnen und als Strafe lässt er den Ort, an dem sie hausen hässlich werden.“
Das Zweifelte Mr Todd stark an. Die Wohnung des Priesters war nämlich wirklich nicht besonders geschmackvoll.
Als er Mrs Lovett´s Gesicht sah, wusste er, dass sie dasselbe dachte.

Nachdem sich die Drei an einen runden Tisch in der Ecke gequetscht hatten, brachte die Haushälterin ihnen das Essen. Es gab Gemüseeintopf. Begeisterung breitete sich aus.
„Das schmeckt wirklich...gut.“, meinte Mrs Lovett. Komischerweise klang sie schon wieder nicht sehr überzeugend.
„Sie begehen wohl auch beim Essen keine Sünden ?“, fragte Mr Todd den Priester, der, gegensätzlich zu dieser These, ziemlich dick war.
„Ganz genau.“ lächelte der Geistliche „Ich kaufe nur biologisch angebaute Waren und alles muss fair-trade gehandelt worden sein. Wenn ich Fleisch zu mir nehme, dann war es von glücklichen Rindern. Und wie ist das mit ihnen?“
Er sah die Beiden an, die sich einen schnellen Blick zugeworfen hatten und sich nun um eine Antwort bemühten. Mrs Lovett ergriff das Wort, was sich als keine gute Idee erwies.
„Wir kaufen auch nur selten Fleisch und meistens ist es nicht von Rindern.“
„Sie kaufen nur selten Fleisch? Aber führen sie nicht einen Fleischpastetenladen? Was nehmen sie denn dann als Füllung?“ Der Priester war verwirrt.
„Tofu!“, schnaubte Mr Todd und verkniff sich ein Lachen.
Mrs Lovett warf ihm einen tadelnden Blick zu aber der Priester war erfreut.
„Wirklich? Das ist ja sehr fortschrittlich!“
„Ähem...“, machte Mrs Lovett, doch der Priester lies sie nicht zu Wort kommen.
„Ich persönlich bin ein großer Fan von Tofu! Ich bin meiner Zeit wohl auch voraus, aber ich bin gegen Massentierhaltung und Überzüchtung.“
„Das ist ja sehr löblich von ihnen, aber wir-“, begann Mrs Lovett verzweifelt, doch der Priester unterbrach sie erneut.
„Ich denke, ich sollte einmal bei ihnen vorbei kommen!“
„Das ist eine gute Idee!“, strahlte Mrs Lovett und sagte zu Mr Todd: „Wäre das nicht wunderbar? Wir wollten den Herrn Priester doch schon oft gerne zu uns einladen!“
Mr Todd nickte geistesabwesend. Er hatte gerade von Draußen etwas gehört, das sich wie Gesang anhörte.

(Auf der Straße steht Anthony und säuselt „I feel you Johanna!“)

Keiner der Anderen schien Anthony gehört zu haben.

Nach dem Essen setzten sich alle noch zusammen auf das Sofa um sich ein wenig zu unterhalten. Der Priester eröffnete die Konversation.
„Sie glauben doch sicher an Gott, nicht wahr?“, fragte er an Mr Todd gewand.
„Ich? Oh ja! Natürlich!“
„Beten sie auch jeden Abend?“
„Beten? Immer doch! Es gibt niemanden der gewissenhafter betet als ich.“
„Und gehen sie auch zur Beichte?“
„Das brauche ich gar nicht, ich sündige nämlich erst gar nicht!“
Mrs Lovett schüttelte den Kopf, aber der Priester war sehr zufrieden mit seinem neuen Nachbarn.
„Das ist ja wunderbar! Ich freue mich immer wieder einem treuen Diener Gottes zu begegnen!“

(Draußen steht die Company und singt „The Ballad of Sweeney Todd“ :
                   
.                                                 „ Attend the Tale of Sweeney Todd,
                                                   He served a dark and a vengeful god,“)


Mr Todds Kopf schnellte auf einmal zum Fenster und er schien ein wenig verwundert zu sein. Der Priester und Mrs Lovett folgten seinem Blick, aber sie konnten nur noch ungefähr zwanzig Menschen, die lauthals irgendein komisches Lied sangen, weggehen sehen.
Dann wandten sie sich wieder dem Gebäck zu, dass ihnen die Haushälterin gebracht hatte.
„Vollkornmehl“, meinte der Priester schmatzend.

Einige Stunden später fand Mrs Lovett, dass es Zeit war zu gehen und sagte dem Priester, dass Mr Todd sicherlich müde sei.
Mr Todd stimmte ihr zu, da er mittlerweile genug davon hatte die trockenen Kekse in sich hinein zu stopfen und nach Hause wollte.
Der Priester versprach ihnen in den nächsten Tagen einmal vorbei zu kommen und verabschiedete die Beiden. Als kleines Abschiedsgeschenk gab er ihnen noch eine Tüte Kekse mit.

Als sie die Straße hinuntergingen war es bereits Dunkel und alles war voller unheimlicher Schatten.
Kurz bevor sie in die Fleet Street einbogen sahen sie plötzlich ein helles Licht. Gleich unter dem alten Straßenschild stand ein Mann.
Es war Tim Burton. In der Hand hielt er eine Kerze.

     
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Dass Tim Burton überall mit einer Kerze herumsteht ist ein Insiderwitz zwischen mir und meiner Freundin, aber es passte so gut in die Geschichte. (Ich konnte ihn ja schlecht singen lassen.)

Jemanden "Aus den Klauen der Ungläubigkeit befreien" hat unser ehemaliger Religionslehrer einmal gesagt. Er hat dies bei den Zielpersonen jedoch nicht geschafft, da sie zwei Tage später Religion abwählten.

Der Priester ist irgendwie ziemlich symphatisch geraten. Er kann einem echt leid tun, der Arme. :)
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