Burning the Skies: Buch 1

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Engel & Dämonen
26.12.2011
25.07.2012
14
31481
9
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23 Reviews
Dieses Kapitel
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Kapitel: 1/14
Disclaimer: Burning the skies, sowie sämtliche Charaktere daraus gehören genauso mir wie die Handlung. Nichts davon darf ohne meine ausdrückliche Erlaubnis in irgendeiner Form weiter veröffentlicht werden. Ähnlichkeiten mit anderen Werken sind rein zufällig.

A/N: Herzlich Willkommen zu Burning the skies! Es freut mich sehr, dass ihr euch hierher verirrt habt, denn Bts ist mein erstes größeres Werk, das vollkommen meiner eigenen Feder entsprungen ist. Die Hauptcharaktere, Vaith und Finley, liegen mir sehr am Herzen, ebenso wie alle Nebencharaktere, egal, wie kurz ihre Auftritte auch waren. Und eine Fortsetzung ist bereits geplant ;)
So, genug geschwafelt, jetzt geht es erst einmal los mit dem Prolog :)

Charakterbeschreibungen zu allen Charakteren findet ihr hier.

~*~

Finley stützte sich mit den Händen auf das Geländer des Balkons und betrachtete die Kinder, die auf der Wiese unter ihm mit einem Ball spielten. Sie genossen das warme Frühlingswetter, das nach dem langen Winter wie ein Segen wirkte. Ihr glockenhelles Lachen hallte in seinen Ohren nach. Sie waren so glücklich.
Wann hatte er aufgehört, ebenso glücklich zu sein wie sie?
Ein leichter Windstoß fegte über den Balkon hinweg und ließ ihn erzittern. Unten versuchte die Kinder, auf dem Wind zu reiten, flatterten mit ihren winzigen Flügelchen ein Stück weit in der Luft, ehe sie ins Gras purzelten und ihr Spiel wieder aufnahmen. Finley lächelte, doch als er sich dessen bewusst wurde, gefror seine Mine wieder zu Eis. Er könnte jetzt einfach fliehen. Es wäre ein leichtes, die Schwingen zu spreizen, sich in die Luft zu erheben und ihnen allen zu entkommen. Raus aus dem alten Leben. Vaith wäre sicher dafür. Sicher würde man ihn in der Unterwelt willkommen heißen, auch wenn er keiner der ihren war. Aber Finley zog es nicht in die Unterwelt. In diesem Moment zog es ihn nicht einmal in Vaiths Arme, obwohl er dem hübschen Dämon sonst kaum widerstehen konnte. Und selbst wenn. Vaith war nicht hier. Und den Sicherheitsvorkehrungen nach würde er auch nie wieder hierher kommen. Finley wusste, dass es eine schöne Zeit gewesen war. Aber er wusste auch, dass es vorbei war. Alte Zeiten kehrten nicht zurück. Nirgendwo wusste man das besser als im Himmel.
Aufseufzend versuche Finley, sich wieder auf die Kinder zu konzentrieren. Sie hatten den Ball fortgeworfen und jagten nun hintereinander her über die Wiese. Sie spielten fangen. Früher wären sie zu ihm hinauf gekommen, um ihn zu bitten, mit ihnen zu spielen. Jetzt taten sie es nicht mehr. Auch diese Zeiten waren vorbei, denn man predigte ihnen Tag für Tag, Stunde um Stunde, dass sie sich ihm nicht nähern durften, bis man ihm den Prozess gemacht hatte. Er galt als Verräter. Er, der er früher derjenige gewesen war, der Verräter verurteilte.
Aber das war nicht einmal das Schlimmste an der Sache. Er fand es auch nicht schlimm, dass er die Gesetze aufgestellt hatte, wegen deren Bruch er nun vor das oberste Gericht gestellt werden sollte. Es machte ihm nichts aus, mit Ignoranz gestraft zu werden. Das schlimmste war, dass er keine Wut auf Vaith verspürte, obwohl es dessen Schuld war. Vaiths; und seine eigene. Er war blind gewesen, blind und naiv. Er kannte die Strafen, die Konsequenzen, denn er hatte sie aufgestellt. Und trotzdem hatte er sich auf Vaith eingelassen, in dummer, kindischer Hingabe, ohne Zweifel und Zurückhaltung. Er hatte es genossen. Jede einzelne Sekunde hatte er genossen. Mit böser Zunge mochte er sagen, dass er es genossen hatte, in seinen Untergang zu rennen. Und er schämte sich nicht einmal dafür.
In dem kleinen Zimmer hinter ihm öffnete sich die Tür. Finley drehte sich nicht um. Er blieb mit dem Rücken zum Zimmer stehen, den Blick fest auf die Kinder geheftet, die lachend über die Wiese tollten.
„Zweit… Angeklagter Finley.“ Fast hätte der junge Engel, der herein gekommen war, ihn mit seinem richtigen Titel angesprochen, bemerkte Finley. Aber nur fast. Früher hatte man ihm Respekt entgegen gebracht, weil er als klug und weise galt, heute schenkte man ihm abfällige Blicke. Langsam drehte er sich um und sah seinem Gegenüber ins Gesicht. „Heute wird dein Prozess gehalten und über deine Zukunft entschieden. Folge mir bitte zum obersten Gericht.“
Finley lächelte bitter, als er in das Zimmer zurück trat, um dem Anderen zu folgen. Er war noch sehr jung und sein Körper wirkte schmächtig, fast wie der eines Kindes. Es wäre einfach für Finley, ihm zu entkommen. Aber er rannte vor seinen Problemen nicht davon. Stattdessen ging er ihnen entgegen, wie ein strahlender Held, das Gesicht tot, wie eine starre Maske aus Eis. Er hatte keine Angst. Es machte ihm nichts aus.
Im Gericht verstummten alle Gespräche, als Finley eintrat. Alle Augen ruhten auf ihm. Er spürte erzwungenen Hass und Verachtung. Die meisten hier liebten ihn und er liebte sie. Aber jetzt war nicht die Zeit, an sie zu denken. Jetzt war die Zeit, dass er an sich selbst dachte.
„Zweiter Gesandter unter dem Herrn, Hüter des östlichen Himmels, oberster Richter Finley“, nannte ihn der Engel, der oben auf dem Richterstuhl saß, bei seinem Namen und seinen Titeln. Sie klangen bitter in Finley Ohren, denn er wusste, dass er sie nicht mehr inne hatte. Er war nichts mehr. Er war der Verräter. „Dir wird zur Anklage erhoben, dich mit einem Dämon zur Unzucht eingelassen zu haben. Dies ist eines der schwersten Vergehen, die nach unseren Gesetzen existieren. Du hast nun die Chance, zu gestehen, zu was du für schuldig befunden wurdest.“ Finley hörte jemanden husten. Mit gesenktem Kopf stand er vor dem Richter, auf dessen Platz er selbst bis vor kurzem noch gesessen hatte. Aber der Titel war ihm egal.
„Ja“, sagte er mit lauter, sicherer Stimme und seine Worte hallten im großen Saal nach. „Ja, ich, Finley, gestehe, was mir zur Anklage erhoben wird.“ Leises Getuschel setzte ein. Einige schienen noch immer an seine Unschuld geglaubt zu haben und konnten nicht fassen, was er gesagt hatte. Er musste sich ein Lächeln verkneifen, den Blick noch immer zu Boden gerichtet.
„Warst du dir zu jeder Zeit im Klaren darüber, welche Folgen du durch dein Handeln zu tragen hast?“ Als der Richter sprach, schwieg die Menge, Finley spürte alle Blicke auf sich ruhen.
„Ja“, antwortete er ehrlich. „Ja, ich war mir stets im Klaren über die Konsequenzen. Ich stand weder unter Bann noch Zauber.“ Er wusste, was man in der Position eines Richters zu hören wünschte, denn es war nicht viel Zeit vergangen, seit ihm dieser Posten gehört hatte. Und er wusste, wie er die Anwesenden mit seinen Worten unterhalten konnte.
„Angeklagter Finley.“ Da waren sie hin, die Titel, die er einst mit Würde getragen hatte. Er war nicht länger der zweite Gesandte. Er war niemand mehr als der, gegen den man Klage erhob. „Durch dein Eingeständnis wurdest du für schuldig befunden. So zeige den Reue für deine Schandtaten, auf dass der Herr dir verzeihen wird, sobald du Buße getan hast.“
Jetzt hielt Finley es für den perfekten Zeitpunkt, dem Richter endlich ins Gesicht zu sehen, der fortan einen seiner Titel tragen würde. Ein breites Lächeln legte sich über seine Züge, nicht kühl oder verbittert, sondern ehrlich glücklich und mit einem Hauch von Stolz, fast trotzig wie das eines Kindes. Ohne Unbehagen zu verspüren erwiderte er den Blick des Richters, als er mit fester Stimme verkündete: „Es gibt nichts, wofür ich Reue zeigen könnte. Die Dinge, die geschahen, genoss ich zu jeder Zeit und mit jeder Faser meines Körpers. Selbst, wenn ich es gewollt habe – und ihr könnt sicher sein, dass ich es nicht tue – ich hätte es nicht bereuen können. Und ich bin bereit, jede Strafe dafür in Kauf zu nehmen.“ Für die Anwesenden – besonders für den Richter, der zum ersten Mal in dieser hohen Position war – war die Antwort wie ein Schlag ins Gesicht. Er, der weise, stets beherrschte, ruhige Finley wagte es, einem Höheren mit solcher Dreistigkeit Worte von scharfem Klang ins Gesicht zu schleudern? Niemand hätte damit gerechnet. Zumindest kein Engel. Einer jedoch in diesem Saal musste schmunzeln, als er die Worte hörte, es schien, als hätte er nur darauf gewartet. Finley hob den Kopf und schaute zu den schweren, hölzernen Balken hinauf, die die Decke trugen. Sein Blick begegnete eisig blauen Augen und kurzzeitig schien die Luft vor Spannung zu knistern. Dann drehte Vaith sich um und verschwand. Es war endgültig vorbei.

~*~

Hope, u had fun :)
Nächstes Update am 03.01.2012 04.01.2012