A Christmas Carol/Alternative Version

KurzgeschichteRomanze / P12
25.12.2011
25.12.2011
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Schnee fiel in großen Flocken vom Himmel. Schnee an Weihnachten. Ein seltenes Ereignis in London, wo meist zu Weihnachten das übliche englische Wintersudelwetter vorherrschte. Im nu waren alle Geräusche gedämpft, alle Unebenheiten überdeckt, London verwandelte sich in eine Hollywood-Version seiner selbst. Kinder lachten, schlitterten auf den Gehwegen, und die letzten Einkäufer lächelten als sie sich beeilten nach Hause zu kommen.

Es war Heilig Abend. Er freute sich darauf, ihn mit seinen Kindern zu verbringen. Eigentlich freute er sich auch auf seine Exfrau. Es gab Momente da er sich fragte, ob es nicht möglich wäre, dass sie wieder zusammenkommen könnten. Aber es war zu viel passiert, zu viel, das ihr Vertrauen ineinander und die Stabilität, die sie als Paar einmal gehabt hatten erschüttert hatte. Er liebte sie noch auf eine Art und Weise, und er wusste sich zurückgeliebt, sie zeigte es ihm wann immer sie sich sahen, sie erzählte es auch jedem, der mal zuhörte, auch ihm. Aber … nein. Nicht einmal der drei gemeinsamen Kinder zuliebe. Die hatten sich daran gewöhnt, dass ihre Eltern getrennt lebten und dass sie mal hier, mal dort, mal alle gemeinsam die Zeit verbrachten. Es funktionierte. Man sollte schlafende Hunde nicht wecken.

Er sah aus dem Fenster wie die Schneeflocken fielen und auf dem Rahmen der Fensterscheiben liegenblieben. Als liefe ein Film vor ihm ab sah er ein Weihnachtsfest vor über zehn Jahren, zwei Kinder noch klein, eines noch gar nicht geboren. Er sah sich und seine Frau. Sie sahen so jung aus, so froh, so voller Hoffnung in die Zukunft. Sie lachten, lagen mit den Kindern auf dem Teppich vor dem Weihnachtsbaum, ein Gewirr von Armen und Beinen. Dann sah er auf, direkt in ihre Augen, so voller Leben und Spaß. Ihr Elfengesicht strahlte, gerahmt von dunkeln Haaren.

Er musste sich vom Fenster wegdrehen, so schmerzte ihn das Bild ihres Gesichtes wie es gewesen war, als die Welt noch in Ordnung war. Aber die war doch damals schon nicht mehr in Ordnung gewesen. Ein anderer Tag, sie beide, rot im Gesicht, heiser vom Schreien. Die Partnertauschexperimente mit denen sie sich nur gegenseitig wehgetan hatten. Ihre Affären, seine Affären. Die offene Beziehung, die in Eifersucht zu ersticken drohte. Sein plötzlicher Erfolg, sie, einstmals die Erfolgreichere, zuhause angebunden mit drei Kindern während er seiner Karriere nachging. Neid, Eifersucht. Ende. Die hässliche Scheidung, der anschließende Versuch eine Freundschaft wieder aus dem Nichts aufzubauen, den Kindern zuliebe. Wie würde es sein, wenn die Kinder ihre eigenen Wege gingen und sie wieder alleine wären? Würden sie immer noch Freunde sein? Würde sie immer noch an ihm hängen, hätte sie einen neuen Partner?

In unerwarteter Weise schmerzte diese Vorstellung. Er stellte sich vor, sie in der Zukunft, das dunkle Haar ergraut, irgendeinen Mann an ihrer Seite, am Weihnachtsbaum stehend, auf die nun erwachsenen Kinder wartend, die Heilig Abend bei der Mutter verbringen. Wie sie zu ihm sagt, diesem namenlosen, gesichtslosen Mann: ich hoffe es stört dich  nicht, ich habe meinen Exmann eingeladen, er ist schließlich der Vater der Kinder, und seit seine Eltern tot sind hat er niemanden mehr, mit dem er Weihnachten verbringen kann. Der Mann antwortet: Er hätte sich beizeiten eine neue Partnerin suchen können und sie sagt: Er ist nicht so gut in Beziehungen führen, der Arme. Seine Beziehungen führten immer nur in eine Richtung: ins Bett! Und beide lachen.

Er gestattete sich einen Augenblick Selbstmitleid, dann nahm er die Tüten mit den Geschenken auf, für die Kinder und für sie. Er könnte in irgendeinem Restaurant sitzen und fein essen, er könnte in irgendeinem Club feiern, er könnte bei seinen Eltern sein, aber das wollte er nicht. Er wollte bei seinen Kindern sein und nicht nur das. Er wollte bei ihr sein. Jetzt und heute. Egal was die Zukunft bringen mochte.
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