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Solange du bei mir bist

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18
Draco Malfoy Hermine Granger
25.12.2011
26.12.2018
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25.12.2011 1.589
 
Kapitel 2:

Hermine stand weiterhin stocksteif in ihrem Arbeitszimmer und starre ihren neuen 'Schützling' – das Wort Schützling klang plötzlich vollkommen unangemessen – an und malte sich aus, warum ausgerechnet sie so etwas verdient hatte.

„Ah, wie ich sehe, haben Sie tatsächlich schon Bekanntschaft gemacht. Nun, ich denke, dann werden Sie sich sehr schnell einig. Einen schönen Tag noch“, sagte Mr. Robwards fröhlich gelaunt und schloss die Tür hinter sich. Augenblicklich fühlte sich der Raum viel zu eng für Hermine an, Malfoy stand viel zu nah bei ihr.

„Granger, sag mir, dass das ein geschmackloser Witz sein soll“, zischte er angewidert und musterte Hermine von oben bis unten. Seine Augen waren grau und kalt, doch seine Nasenflügel blähten sich, als er ihrem Blick begegnete. „Ich muss dich enttäuschen, Malfoy. Wie es aussieht, werde ich auf dich aufpassen müssen.“ Hermine versuchte, die Worte in harter und strenger Stimme auszusprechen, doch der Schock stand ihr noch immer ins Gesicht geschrieben. „Nun, dann setz dich.“ Mit diesen Worten löste sich ihre Starre und sie ging zurück zu ihrem Platz hinter dem Schreibtisch.

Malfoy ist nur ein Arbeitgeber. Er braucht Schutz, und den wird er bekommen. Sobald die Geschichte vorbei ist, wirst du ihn nie wieder sehen müssen, redete Hermine sich ein und atmete tief durch.

Doch als sie aufsah, hatte sich Draco keinen Millimeter bewegt. Er verschränkte seine Arme vor der Brust und lehnte sich gegen die Kommode, wobei er das Bild von Ron, Harry und ihr mit einem höhnischen Gesicht musterte. „Gibst dich also noch immer mit diesen Blutsverrätern ab, Granger?“ In seiner Stimme hörte Hermine einen Anflug von Hass, doch noch etwas anderes, was sie nicht deuten konnte.  „Das sollte nicht dein Problem sein, Malfoy. Sind wir hier, um über meine Freundschaften zu reden?“, fragte sie scharf, während sie ihn kalt musterte. „Oh, Granger. Bitte erspare mir dein Liebesdrama mit Wiesel. Nach letztem Sommer weiß sowieso die ganze Zauberwelt, wie sehr befreundet ihr seid“, erwiderte er amüsiert und setzte sich endlich.

Hermine schluckte bei dem Gedanken an letzten Sommer. Sie schüttelte nur den Kopf, doch Malfoy hatte anscheinend Spaß daran gefunden, sie weiterhin damit aufzuziehen.

„Lief wohl nicht so gut mit Wiesel, was? Hat dir deine Mami früher nicht beigebracht, dass Liebestränke auch nach hinten losgehen können? Oder war es geplant, dass sich das Wiesel urplötzlich in der Winkelgasse vor dir und geschätzten hundert anderen Zauberern und Hexen auszieht und anfängt, dir ein Liebeslied zu trällern?“ Der Hohn in seiner Stimme war nicht mehr zu überhören und Hermine blickte beschämt und gleichzeitig wütend auf die Tischplatte. Ihre Hände verkrampften sich erneut und sie schnaubte leise. „Was geht dich das an? Es war keine Absicht. Und denkst du, ich habe es genossen?“

Malfoy Grinsen verbreiterte sich noch.

„Nein? Fandest du es denn nicht äußerst reizend, dass Wiesel nur für dich vor all den Leuten einen Ständer bekommen hat, alleine bei deinem Anblick?“

Draco lachte unverblümt auf und Hermine bemerkte, dass sein Lachen zum ersten Mal echt klang.  Doch dass er sich über Ron und sein 'Ungeschick' lustig machte, besänftigte sie keineswegs.

„Malfoy, lass es bleiben!“ Sie rang um Selbstbeherrschung, doch dass er ihr nur wieder gehässig ins Gesicht lachte, brachte den Kessel zum Überlaufen.

„Ja, es war die peinlichste Situation, in der ich mich jemals befunden habe. Ich konnte Ron mehrere Monate nicht mehr unter die Augen treten und unsere Beziehung war danach vorbei. Die ganze Zauberwelt hat seine nackte Kehrseite auf dem Titelblatt im Tagespropheten gesehen. Denkst du, es hat mir Spaß gemacht, als Freundin eines Perversen dargestellt zu werden?“ Hermine schrie beinahe und stieß ihre Hände unsanft auf den Tisch. „Und jetzt halt deine Klappe oder du suchst dir jemand anderen, der sich um deine Angelegenheit kümmert!“ Ihre Stimme überschlug sich fast vor Hysterie und Wut, doch Malfoy zog nur lässig eine Augenbraue in die Höhe.

„Kein Grund, so auszurasten, Granger. Du wirst mir nicht widersprechen, wenn ich sage, dass das die beste Werbung für seinen Laden in der Winkelgasse war, die sie hätten bekommen können“, witzelte er und verschränkte seine Arme vor der Brust. „Aber da du auf meine Angelegenheit zurückkommst, will ich meine Zweifel äußern, ob du für den Job wirklich geschaffen bist. Wieso solltest ausgerechnet du mich beschützen und bewachen können?“, fragte er offen und blickte sie skeptisch an.

Hermine schnaubte nur und zog seine Unterlagen zu sich heran, um sie wenige Sekunden später zu überfliegen.

„Name, Alter, Wohnort, Job. Nichts, was ich nicht schon wüsste“, murmelte sie und blickte fragend auf, doch Draco grinste sie nur unverschämt an. „Du weißt meinen Wohnort? Bist du etwa mein Groupie, Granger?“, fragte er herausfordernd und lehnte sich zu ihr hinüber. Hermine schnaubte nur und schloss die Mappe geräuschvoll.

„Davon träumst du wohl nachts, Malfoy“, zischte sie und griff nach einem Stift. Ihr Gegenüber lachte amüsiert und zuckte mit den Schultern. „Der Gedanke gefällt mir wirklich, Granger.“ Hermine sah ihn einige Sekunden lang erschrocken an, ehe sie ihre Haare hinter die Ohren strich und tief durchatmete. „Malfoy, können wir bitte zur Sache kommen?“ Sie wusste, dass sie jammerte, doch diese Unterhaltung verlief eindeutig in die falsche Richtung. Und noch ehe sie die Zweideutigkeit ihrer Worte verstanden hatte, erhob sich Draco und fing an, seine Jacke aufzuknöpfen und sie abzulegen.

„NEIN!“, rief Hermine und sprang auf.

Draco sah sie zweifelnd an.

„Was? Soll ich hier in Wintermontur sitzen und deinen Stuhl voll schwitzen?“, fragte er gelassen und setzte sich, ohne Anstalten zu machen, ein weiteres Kleidungsstück abzulegen.

Hermine lief tiefrot an und ließ sich zurück auf ihren Stuhl fallen. Ihr Verhalten ärgerte sie und gleichzeitig wollte sie ihn am liebsten für seine Unverschämtheit rügen. Doch sie rief sich immer wieder ins Gedächtnis, dass dies nur ein Job war, den sie zu erledigen hatte.

„Nun gut, Granger. Ich bin hier, weil es jemanden gibt, der mich gerne tot sehen würde. Und spar dir deine dummen Kommentare. Die Sache ist ernst und ich kann es mir nicht leisten, mich jetzt zurückzuziehen. Ich bin gerade auf dem Höhepunkt meiner Karriere, da werde ich mich sicherlich nicht in einem Loch verkriechen. Gut, und da kommst scheinbar du ins Spiel: du sollst du mich beschützen.“ Die letzten Worte sprach Malfoy mit einem leisen Schnauben aus. Er glaubte nicht daran, dass Granger wirklich etwas bewirken konnte. Aber zwei Zauberer waren schon mal besser als einer.

„Und wer genau will dich tot sehen?“, fragte Hermine, während sie das Gehörte auf einen Zettel schrieb und nur hin und wieder aufblickte. „Das geht dich gar nichts an Granger. Du sollst einfach nur deinen Job machen.“, zischte er und funkelte sie an. Doch sie ließ sich nicht einschüchtern, sondern legte ihren Stift nieder und seufzte. „Wenn ich dir helfen soll, muss ich wissen, womit ich es zu tun habe. Ich mache das hier nicht freiwillig und ich will bei Merlin sicherlich nicht mehr über dein ach so tolles Luxusleben erfahren. Aber ohne Informationen kann ich dir nicht helfen“, erklärte sie mit ernster Stimme und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.

Draco Malfoy schien einige Sekunden lang über ihre Worte nachzudenken, bevor er mit den Schultern zuckte.

„Das hier ist die Adresse meines Hauses. Sei in spätestens zwei Stunden dort, dann werde ich dir erklären, was hier vor sich geht. Und bring deine Sachen mit, ich erwarte, dass du die nächsten Tage rund um die Uhr anwesend bist.“

Hermine blickte ihn ungläubig an. „Ich soll bei dir einziehen?“, kreischte sie beinahe und spürte, wie ihre Gesichtszüge entgleisten. Bei Merlin, das war so ziemlich der Tiefpunkt ihrer bisherigen Karriere. Sie und Malfoy in einem Haus – wahrscheinlich würde sie noch bei ihm im selben Bett schlafen müssen. Hermine erschauderte, doch sie konnte tief in ihrem Inneren spüren, dass sie dieser Gedanke nicht so sehr abstieß, wie sie eigentlich gehofft hatte. Was sie wiederum nur noch mehr schockierte.

„Was soll das, Malfoy? Brauchst du einen Babysitter? Soll ich ab sofort auch bei deinen Quidditchspielen mitmachen, um nah genug an dir dran zu bleiben?“, fragte sie und sah ihren Gegenüber so streng wie möglich an.

Dieser jedoch schnaubte nur. „Merlin, willst du, dass unser Team absteigt? Du konntest noch nie sonderlich gut mit Besen umgehen, ich kann mich noch gut genug daran erinnern, wie du in der 2. Klasse beim Quidditchunterricht mit deinem hübschen Gesicht in eine Dreckpfütze geflogen bist. Nimm's mir nicht übel, aber so nötig habe ich es dann doch nicht.“ Und mit diesen Worten stand Malfoy auf und zog aus seiner Jacke einen kleinen schmierigen Zettel, den er Hermine auf den Schreibtisch warf.

„Ich brauche Schutz und keinen Babysitter, Granger. Wobei ich mir noch immer nicht sicher bin, ob ich nicht zum Babysitter für dich werde, wenn ich mich auf das hier einlasse“, sagte er und zog seine Jacke über.

„Okay, ich soll also in zwei Stunden zu deinem Haus kommen. Und dann? Kriege ich dann erklärt, mit wem wir es hier zu tun haben? Ich kann meiner Arbeit nicht nachgehen, ohne irgendeinen Anhaltspunkt zu haben.“ Hermine hörte sich wie die professionelle Aurorin an, die sie bald sein würde, obwohl sie verzweifelt nach einer Falle in diesem Plan suchte. Irgendwas an seinen Worten kam ihr ganz und gar nicht logisch vor, doch sie konnte den eiskalten Slytherinprinz nicht durchschauen.

„Richtig, Granger. Sei einfach da und bring deine Sachen mit. Vielleicht auch schicke Unterwäsche, immerhin muss ich es die nächsten Tage oder Wochen mit dir aushalten. Dieser Anblick würde das Zusammensein mit dir eindeutig angenehmer gestalten.“

Das waren Malfoys letzte Worte, bevor er sich seinen Mantel lässig über die Schulter warf und ihr Büro verließ.
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