Drachenblut

von Terazuma
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
25.12.2011
23.09.2012
39
171277
4
Alle Kapitel
170 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
02


Bei Talos! Der Genuss von Vilkas Blick, nachdem er mich „getestet“ hatte, war einfach unbezahlbar! Gleich in der Früh holte er mich zum Prüfstand und befahl mir ihn anzugreifen.

„Nur zu!“, forderte er mich auf, „Ich vertrag es schon…“

Ich wusste, dass es klüger gewesen wäre die Kräfte in mir nicht anzuzapfen, aber es war zu verführerisch und ich war leider zu stolz um es ihn nicht spüren zu lassen. Es war eh nur ein bisschen. Gerade so viel um ihn entgegen meines geringen Gewichtes dennoch zurück zu drängen. Zumindest hatte ich meine „Einstiegsprüfung“ bestanden. Sie gaben mir jetzt auch eine Rüstung die meine wirklich schäbige Kleidung ersetzte und ich durfte mir auch ein besseres Schwert aussuchen. Hier spürte ich erneut Vilkas Blick im Rücken, als ich mir eine zweihändige Waffe nahm. Sie war schwer, aber ich wusste, ich würde damit zurechtkommen. Meine Mutter war eine gute Lehrmeisterin gewesen. Auch einen Langbogen und einen Köcher mit Pfeilen durfte ich mir wählen. Ein noch wertvolleres Geschenk für mich, denn mit Pfeil und Bogen war ich quasi Eins. Sogar meine Mutter, die eine hervorragende Kriegerin war, konnte in dieser Disziplin nicht mit mir mithalten.  So ausgerüstet steuerte ich die Schlafunterkünfte Jorrvaskrs an und warf mich auf mein Bett. Ich war erledigt, aber so richtig erledigt. Das trat immer dann ein, wenn ich diesem dunklen Gift, diesem Brodeln in mir, das unterschwellig immer da war gestattete, ein wenig hervorzukommen.

Leider funktionierte das nur, wenn ich zornig war. Wie ich bitter feststellen musste half es mir nicht wenn ich traurig war oder gar im Schmerz zusammenbrach. So wie bei dem Hinterhalt der Kaiserlichen, in den meine Mutter und ich hineingeraten waren. Er galt überhaupt nicht uns, aber wir waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich war noch völlig schlaftrunken als das Knie eines Soldaten meinen Kopf brutal niederdrückte. Ein anderer fesselte mich. „Aufständisches Nord-Pack!“, murmelte er rau, während er mir meine Gelenke beinahe auskugelte.  Ich schrie und wand mich doch es war zwecklos. Gerade als ich tief in mich hineinglitt um meine dunkle Energie anzuzapfen hörte ich den Kampfschrei meiner Mutter und blickte auf. Soweit es mir eben möglich war. Was ich zu sehen bekam ließ nicht nur meine Kräfte versiegen, es riss mir auch das Herz aus der Brust. Siguren hatte gegen die Übermacht keine Chance. Hilflos musste ich mitansehen wie sie regelrecht zerstückelt wurde. Einer der Soldaten gab ihrem leblosen Körper noch einen Tritt, bevor er sich abwandte und ihre geschundene Leiche einfach liegen ließ. In meinem Schmerz war ich so betäubt, dass ich nicht einmal mitbekam wie sie mir die Kleider vom Leib rissen und mich dann in diese widerlichen Lumpen hüllten, in denen ich schließlich nach Helgen verfrachtet wurde.

Seitdem fragte ich mich bestimmt schon zum hundertsten Mal warum ich mit diesen „Kräften“ überhaupt geboren worden war, wenn sie nicht einmal dann, wenn es darauf ankam, nützlich waren? Im Gegenteil. Bis jetzt waren sie nur eine Last. Als ich noch klein war mussten wir deswegen immer wieder umziehen. Ich sehe heute noch wie die anderen Kinder mit ihren Fingern auf mich zeigten und „Monster“ murmelten. Furchtsam hinter den Rockfalten ihrer Mütter versteckt, die unmissverständlich der meinigen klarmachten, dass für sie und diese „Ausgeburt“ wie sie mich nannten kein Platz in ihrer Mitte war. Für mich war das einfach nur schrecklich. Doch meine Mutter klagte nie. Stolz packte sie ihre Sachen, nahm mich an der Hand und zog weiter. Ich konnte nicht einmal sagen was genau das war, das andere an mir fürchteten. Ich war wie gesagt noch ein Kind, als ich zum letzten Mal diese Kräfte voll aus mir herausließ. Nach so einem Anfall war ich meist ohnmächtig und mein Gesicht sowie meine Handflächen brannten. Mutter machte mir dann immer kühlende Umschläge und begann erneut mit mir zu üben diese Energie zu beherrschen.

„Eleven, du willst doch nicht schon wieder umziehen, oder?“ Ihre Stimme war dabei immer geduldig. Nie schimpfte sie mit mir, wenn es wieder einmal mit mir durchging.

„Aber sie hänseln mich immer wegen meiner Augen... und dann werde ich wütend. Oder wenn sie etwas Böses über dich sagen…“ Es war so ungerecht! Ich wehrte mich doch nur und dann war ich auch noch schuld!

Ich höre noch heute ihr Seufzen. „Schätzchen, du trägst ein großes Erbe, doch das darf niemand sehen, sonst haben sie Angst vor dir.“

„Ich will nicht, dass sie Angst vor mir haben. Ich will so sein wie sie!“, heulte ich und tat mir entsetzlich Leid.

„Aber du bist für etwas Besonderes geboren, Kind. Du wirst noch herausfinden was es ist. Bis dahin werde ich mit dir lernen, bis du diese Gabe beherrschen kannst. Dann wird uns niemand mehr vertreiben und niemand wird mehr Angst vor dir haben.“

„Und das geht?“, fragte ich hoffnungsvoll und meine Mutter nickte. Seitdem bemühte ich mich mit ganzem Herzen solange, bis es mir gelang und wir in Skingrad endlich eine Heimat gefunden hatten.

Und jetzt war ich hier und sie war tot. Im Endeffekt hatte es nichts genützt. Nur in so kleinlichen Schaukämpfen wie in dem mit Vilkas. Es war doch alles umsonst gewesen! In meinem Schmerz wollte ich mich gerade zur Seite drehen und in meinen Polster weinen, als das unmissverständlich rhythmische Geklopfe an der Wand wieder begann. Wie um das zu untermahlen hoben auch die lustvollen Schreie der Frau an. Ich verdrehte die Augen. Das war ja nicht auszuhalten. Zugegeben, der Mann war wahrscheinlich ein guter Liebhaber, denn auch in der Nacht hatte es lange gedauert bis das Pärchen im angrenzenden Gemach genug hatte. Genervt setzte ich mich auf, nur um in die anzüglichen Augen des Dunkelelfen zu blicken, der sein Bett mir gegenüber hatte. Ich hatte ihn gar nicht hereinkommen gehört.

„Das sind Skjor und Aela. Nach einem erfolgreichen Kampf sind sie immer so. Wenn es dich stört, Schätzchen, können wir ja dagegenhalten…“

Hatte ich da eben richtig gehört? Er bot mir so mir nichts, dir nichts an mit ihm hier und jetzt Sex zu haben? „Wie bitte?“, fragte ich entrüstet.

Jetzt lachte er: „War nur ein Witz, Schätzchen. Daran musst du dich gewöhnen. Es herrschen hier raue Sitten…“ Dann deutete er mit seinem Kopf in Richtung Met-Halle. „Außerdem würde ich es nie im Leben wagen Farkas in die Quere zu kommen.“

Das war ein Irrer. Mehr konnte man dazu wohl nicht sagen. Ohne ein weiteres Wort schnappte ich mir meine Waffen und ging zur Himmelsschmiede. Trotz unseres ersten eher holprigen Kennenlernens begrüßte mich mein Großvater freundlich und überließ es mir an meinen Waffen zu arbeiten. Ein paar Ratschläge gab er mir, dann brummte er nur mehr bestätigend. Es wurden angenehme Stunden bei ihm. Er war nicht sehr redselig, aber das was er sagte hatte Hand und Fuß. Als ich mich bedankte und verabschiedete hielt er mich zurück.

„Kommst du mit den Gefährten zurecht?“, brummte er fragend, während er weiter auf den glühenden Stahl einschlug, den er gerade aus der Glut genommen hatte.

„Naja… sie sind etwas derb und momentan geben sie mir nur Botenaufträge, aber ich werde mich halt selbst um Arbeit kümmern. Ich sollte sowieso etwas für den Hofzauberer des Jarl besorgen.“

„So ist es Recht. Du bist eine Grau-Mähne. Du wirst deinen Weg schon finden.“

Seine aufmunternden Worte machten mich mutig. „Eorlund, kanntest du vielleicht meinen Vater? War er wirklich so ein Widerling, dass du ihn nicht mit deiner Tochter zusammen sehen wolltest?“

Mein Großvater brummte und warf den Stahl ins Wasser, worin er zischend abkühlte. Ich dachte schon ich hätte es mit ihm verscherzt, da hob er seine Stimme. „Nein, ich kannte ihn nicht. Darum ging es nicht. Siguren sollte einen Kampf-Geborenen heiraten um die beginnenden Auseinandersetzungen unserer Familien zu glätten. Jetzt haben wir offene Feindschaft zwischen uns.“

„Oh! Das tut mir Leid…“ Ich fühlte mich schuldig. War meine Existenz doch wohl der Grund für diese Verschlechterung der Beziehungen.

„Hmmm…“, brummte er, „es wäre vielleicht dennoch so gekommen. Der Krieg treibt einen Keil zwischen uns alle.“ Mit einem raschen Blick zu mir sprach er weiter: „Aber vielleicht kannst du etwas für die Familie tun. Wenn du Zeit hast, rede einmal mit Fralia.“

Diese Worte spornten mich an. Ich durfte etwas für die Familie tun! „Natürlich!“, rief ich begeistert.  Das rang ihm dann doch so etwas wie ein Lächeln ab. Als ich bereits bei der Treppe war rief er mir noch nach:

„Du hast die Augen deines Vaters geerbt. Er war ein Nord, hatte aber auch diese unnatürliche Iris.“ Oh ja, diese Augen! Diese verdammten gelben Augen mit der geschlitzten Iris, die mir schon als Kind immer nur Ärger bereitet hatten.

Ich drehte mich um: „Du kanntest ihn also doch?“

„Nein. Ich sah ihn nur kurz als er Siguren abholte. Seine Augen werde ich nie vergessen. Allein daran habe ich dich erkannt.“ Mehr sagte er nicht und mehr brauchte ich auch nicht. Ich bekam langsam doch noch ein Bild von meinem Vater. Vielleicht erfuhr ich ja nach und nach noch mehr! Beinahe euphorisch rannte ich die Treppen hinunter und stürmte in die Met-Halle von Jorrvaskr. Wider Erwarten saßen Skjor und Aela am Tisch. Sie hatten es also doch noch aus dem Bett geschafft… Wenigstens brauchte ich nicht Vilkas zu suchen. Ich gab meinen letzten Botengang bei ihnen ab und bevor mir eine weitere unnütze Aufgabe aufgebürdet werden konnte faselte ich etwas von wichtigem Auftrag des Jarls und sprang Richtung Tür.

„Hey! Wartet!“, rief Farkas mir nach, doch ich lief einfach weiter. Seine blöden „Welpchen-Witze“ oder „dass an mir immer noch nichts dran sei“, waren das Letzte, was ich jetzt hören wollte. Und ehrlich gesagt hatte ich auch die Hoffnung Ralof noch in Flusswald anzutreffen. Das dachte ich mir aber nur in einem kleinsten Winkel meines Geistes. Zugegeben hätte ich mir das niemals offen. Zumindest zu dieser Stunde noch nicht…

In Flusswald angekommen lief ich gleich zu Gerdur. Sie war erfreut mich zu sehen und bevor ich noch fragen konnte sagte sie mir dass Ralof auf der Jagd war. Er würde aber am Abend wieder zurück sein. Eine gute Zeit. So lange gab ich mir ebenfalls um das Hügelgrab zu durchsuchen. Es traf sich günstig, dass mich auch der Händler des Dorfes um einen Gefallen bat. Seiner Meinung nach hatten sich Diebe dort eingenistet, die ihm etwas Wertvolles gestohlen hatten. Ich sagte zu und zum ersten Mal seit Mutters Tod spürte ich wieder eine Lebendigkeit und Freude in mir, die mich regelrecht beflügelte. Irgendwie fühlte ich mich im Land meines Volkes langsam angenommen und realisierte auch, dass ich mir auch hier sehr wohl eine Zukunft vorstellen konnte.

Das Hügelgrab mit seinen untoten Wächtern war zum Glück keine große Herausforderung für mich. Meine unnatürlichen Augen hatten ihren Vorteil: Damit konnte ich Leben erkennen, auch das der Untoten. Ich brauchte mich nur anzuschleichen und ein gut gezielter Pfeilschuss machte selbst ihrem unheiligen Dasein ein Ende. Der windige Dieb den ich eingesponnen vorfand besiegelte sein Schicksal selbst und der Erfolg meiner Mission bis zu diesem Punkt machte mich blind und ja, arrogant. Ich gebe es nur ungern zu, doch ich war betrunken von der Hochstimmung die Eorlunds Worte in mir ausgelöst hatten und von der Aussicht Ralof wieder zu sehen. Ich war um nichts besser als die prahlerischen Gesellen in Jorrvaskr.

Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Um genau zu sein lauerte sie bereits in der Krypta auf mich. Ich war überwältigt von der Erhabenheit dieses Ortes und von der Steinwand mit den seltsamen Runen die sich hoheitsvoll hinter dem Grabmal auftürmte. Diese Wand zog mich magisch an und meine Neugier ließ nichts anderes mehr zu als dem Drang Folge zu leisten.

Ich näherte mich also der Runenwand die halbrund die Grabstätte vor sich zu umarmen schien. Als wäre die Wand etwas Lebendiges begann sie zu pulsieren. Ein tiefes Pochen begleitete jeden meiner Schritte den ich näher trat. Schließlich fing eine der Runen an hell zu leuchten. Die Sicht verschwamm vor meinen Augen und ich hörte Worte die wie ein Tantra auf mich eindrangen, bis sie sich einbrannten in diese unheilige Kraft in mir, die sie mit offenen Armen empfing. Und ich konnte gar nichts dagegen tun!  

Keuchend lag ich auf dem Boden, durchgeschüttelt von dem eben Erlebten, als der Sargdeckel mit einem Krach aufsprang. Der Untote, der mich sofort angriff hatte nichts mit den einfachen Draugr gemein. Ich konnte gerade noch wegrollen und mich etwas weiter entfernt langsam erheben. Zu mehr kam ich nicht. Der Leichnam öffnete seinen Mund und genau die Worte, die vorhin aus der Steinwand in mich eingefahren waren, wurden jetzt gegen mich gerichtet. Ich wusste gar nicht wie mir geschah. Wie eine Puppe flog ich durch die Luft, nur um mich einige Meter entfernt wieder mühsam hochzurappeln. Da war der Untote schon wieder heran und schwang seine Waffe, die er unbarmherzig auf mich niedersausen lassen wollte. Ich hatte nur mehr die Wahl es geschehen zu lassen oder wirklich die Schleusen zu der Energie in mir zu öffnen, die bereits brodelnd auf ihre Chance wartete. Ich weiß gar nicht mehr ob es meine Entscheidung war oder nicht. Jedenfalls ließ ich die Gabe, wie meine Mutter sie nannte, aufsteigen und in meine Glieder fließen. Brennend breitete sich die Macht in mir aus und jegliche Müdigkeit war verflogen. Ich konnte den tödlichen Hieb des Untoten abwehren und ihn mit gezielten Schlägen zurückdrängen. Es wurde dennoch ein harter Kampf, bis ich ihm endlich auch den letzten Hauch seines widernatürlichen Lebens herausschlagen konnte. Völlig fertig setzte ich mich dort wo ich gerade stand auf den Boden. Ich erwartete eigentlich einen Zusammenbruch, doch es kam anders. Als hätten mich die Runenworte genährt fühlte ich mich zwar erschöpft, aber nicht mehr einer Ohnmacht nahe so wie früher, wenn ich „die Gabe“ eingesetzt hatte.

Der Rückweg nach Flusswald verlief zum Glück ereignislos und ich hatte Zeit das Erlebte ein wenig zu verarbeiten. Und vor allem: mich auf die Begegnung mit Ralof vorzubereiten.  Auch wenn ich ziemlich dickköpfig war, so war ich dennoch ehrlich zu mir. Ich musste mir eingestehen, dass Ralof mehr als nur einen guten Eindruck bei mir hinterlassen hatte. In diesen gutaussehenden Mann würde ich mich vielleicht sogar verlieben können. Die schreckliche Stimme in meinem Kopf die mir zuschrie, dass mir das schon längst passiert war ignorierte ich dennoch. Auch Ehrlichkeit sich selbst gegenüber hatte ihre Grenzen…

Es begann bereits zu dämmern als ich die ersten Häuser vor mir sah. Da schoss etwas von der Seite an mich heran und bevor ich noch reagieren konnte wurde ich hochgehoben und herum geschwungen. „Gerdur sagte mir dass Ihr kommen würdet!“, rief Ralof und drückte mich lange an sich bevor er mich wieder los ließ. Ich wandte mein brennendes Gesicht ab und gab ihm einen Stoß.

„Erschreckt mich nicht so!“

Doch er lachte mich nur verschmitzt an, als wüsste er genau wie es um mich stand. Dann hob er mich hoch, warf mich über seine Schulter und lief mit mir bis zum Handelskontor. Der Inhaber war so erfreut über die Rückgabe seines gestohlenen Gutes, dass er eine ordentliche Summe springen ließ und das gesamte Dorf zu einem Festschmaus einlud. Es wurde ein ausgelassenes Fest auf dem reichlich Met floss dem ich ebenfalls zusprach. Ralof wich mir nicht von der Seite und als die Lautenspieler ihre Melodien zum Besten gaben, tanzten wir. Nicht nur wir, doch ich hatte ehrlich gesagt nur Augen für ihn. Er war ein ansehnlicher Mann und er kannte sicherlich seine Wirkung auf Frauen. Aber was sollte es, ich war erst neunzehn und stellte keine Fragen. Seine Komplimente sog ich auf und seine immer begehrlicheren Blicke brachten mein Blut in Wallung. Er war sicherlich einige Jahre älter als ich, doch das zählte für mich nicht. Er gefiel mir und ich mochte ihn.

Am Fluss unten küsste er mich zum ersten Mal. Wir entfernten uns ein wenig vom Fest um ein bisschen abzukühlen. So nannte er es jedenfalls. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits Hals über Kopf in ihn verliebt. Ich küsste ihn zurück und war Wachs in seinen Händen. Nicht, dass ich noch keine Erfahrungen mit Männern hatte… na gut, mit Männern hatte ich noch keine Erfahrungen. Mein erster Freund in Skingrad war genauso alt wie ich gewesen. Wir waren beide siebzehn und eigentlich nur neugierig. Erwähnte ich schon meine Neugier? Jedenfalls waren Ralofs Küsse nicht mit meinen ersten Erfahrungen vergleichbar und das was danach kam genauso wenig. Doch noch war es nicht soweit. Wir gingen wieder zurück zu den anderen, tanzten und scherzten, bis das Fest sich seinem Ende zuneigte. Danach schlugen wir unser Lager bei der Mühle auf wie in der ersten Nacht. Während er noch die Felle ausrollte, lehnte ich mich über die Brüstung und blickte über den Fluss. Gerade als ich mich umdrehen wollte spürte ich Ralofs Atem in meinem Nacken. Seine Arme umfingen mich und ich lehnte mich zurück.

„Komm mit mir nach Windhelm. Ich halte es nicht aus dich nicht bei mir zu wissen“, flüsterte er in mein Ohr und küsste sich meinen Hals entlang. „Lass uns gemeinsam reisen.“

Ich wand mich. „Ich kann noch nicht. Ich habe endlich meine Familie gefunden.“

Seine Finger strichen über meine Wange, dann fassten sie mein Kinn und drehten schließlich meinen Kopf in seine Richtung. Er sah mir tief in die Augen mit einem Blick, der mich bereits als Sein brandmarkte. „Lass mich aber nicht zu lange auf dich warten!“, flüsterte er, dann küsste er mich so intensiv, dass ich ihm keinen Widerstand mehr entgegenbrachte. Nicht mehr entgegen bringen wollte! Ich wusste nicht mehr wie wir es zu unserem Lager schafften. Ich spürte nur mehr seine Küsse, seine Hände, seinen Körper und den meinen, der sich ihm entgegen drückte. Er ging behutsam vor und es war für mich wie eine Besiegelung unserer Liebe. Im Gedenken an Skjor und Aela zügelte ich meine Stimme. Es fiel mir aber schwer, vor allem als Ralof und ich eins wurden. Ich zerkratzte ihm seinen Rücken und biss mir auf die Lippen, doch das hielt ich nicht lange durch. Schließlich stemmte ich mich ihm entgegen und warf meinen Kopf zurück. Seine Hand legte sich noch rechtzeitig auf meinen Mund, ich hätte meinen Schrei nicht mehr unterdrücken können. Doch auch Ralof hatte Schwierigkeiten. Aber er konnte sich scheinbar besser beherrschen. Als wir uns danach küssten schmeckte ich Blut.

Ich war einfach nur glücklich. Ich lag an der Seite des Mannes in den ich mich verliebt hatte. Auch wenn sich unsere Wege trennten, es würde nicht für lange sein, das wusste ich. Beschützend legte er seinen Arm um mich und deckte uns zu.  So schliefen wir bis zum nächsten Morgen. Der Abschied war schrecklich und wahrscheinlich wäre ich mit ihm gegangen, wenn Eorlund mich nicht gebeten hätte etwas für die Familie zu tun. Gerdur umarmte mich als wäre ich bereits ihre Schwester und nach einem letzten Kuss von Ralof machte ich mich schließlich auf den Weg zurück nach Weißlauf.



*******
Review schreiben