Drachenblut

von Terazuma
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
25.12.2011
23.09.2012
39
171277
4
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Diese Story ist nur die Idee eines möglichen Hintergrunds der Skyrimgeschichte. Die Heldin entspricht nicht dem herkömmlichen Helden des Videospiels der alles mit Bravour meistert und Anführer sämtlicher Gilden wird, sondern sie ist eine einfache junge Frau, die mit einer außergewöhnlichen Gabe „gesegnet“ ist. Dass ihr die Liebe dabei ebenfalls in die Quere kommt, macht das bevorstehende Abenteuer nicht gerade leichter…

Viel Spaß beim Lesen!^^


Disclaimer: Alle Rechte an Skyrim und dessen Charakteren liegen bei Bethesta Softworks! Ich leihe mir nur ihre Figuren zum schriftstellerischen Vergnügen und verdiene damit weder Geld, noch Ruhm, noch sonst etwas!^^

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01

Mit einem Schrei fuhr ich in die Höhe. Nur mit Mühe fand ich in die Wirklichkeit zurück und mein Herzschlag normalisierte sich. Ein Traum. Es war nur ein Traum! Seine Augen, die mich fixierten, als hätte sein Angriff, seine Anwesenheit in der Festung nur mir gegolten. Das aufgerissene Maul, aus dem stinkender Feueratem alles versengte was sich in seinem Strahl befand und nicht zu vergessen die messerscharfen Klauen, die gleich seiner Reißzähne alles in ihrer Reichweite zerfleischten oder einrissen. Ein Alptraum, der kein Alptraum war, sondern sich genau so zugetragen hatte vor… ja, wie lange war das jetzt her? Zwei Tage? Oder vielleicht gar schon eine Woche? Nein, es war erst gestern gewesen und dennoch hatte ich das Gefühl als würde mich diese Begegnung bereits mein ganzes Leben über begleiten.

Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und wollte mich wieder zurücklegen, als Ralofs Stimme mich erreichte: „Ihr könnt wohl ebenfalls nicht schlafen?“

Ein Schauben entkam mir: „Wo denkt Ihr hin? Ich sehe ständig seine rotglühenden Augen vor mir. Und ich spüre noch immer das Zittern des Bodens, als sein mächtiger Körper aufsetzte um dem Mann neben mir den Kopf abzureißen.“ Dann war es mit meiner Beherrschung dahin. Laut schluchzte ich auf und verbarg meinen Kopf in den Armen, doch die Tränenflut die aus mir herausbrach konnte auch in dieser Haltung nicht eingedämmt werden. Wie eine Flut benetzten sie mein schäbiges Hemd, das ich schon viel zu lange trug. Mein ganzer Körper fing an zu zittern und steigerte sich in einen beginnenden Krampf hinein, doch ich konnte es nicht mehr verhindern.

„Schon gut.“ Starke Arme drückten mich an eine harte Brust und moschusartiger Geruch stieg mir in die Nase. Doch das registrierte mein überspannter Geist nur am Rande. Das was mir half war seine Umarmung und seine raue Stimme die immer wieder dasselbe sagte. So lange, bis mein Zittern aufhörte und mein Schluchzen in ein leises Wimmern übergegangen war. „Verzeiht“, murmelte ich, während mein Kopf  immer noch an seiner Brust lag.

„Schon gut! So was haut den stärksten Kerl um. Vom Richtblock direkt in die Fänge eines Drachens! Ich dachte schon mit Euch stimmt was nicht. War sogar mir beinahe zum Heulen zumute! Und ich habe zum letzten Mal geheult als ich geboren wurde. Sagte mein Vater jedenfalls…“

Mein Lachen perlte ungewollt über meine Lippen. „Ihr seid ein komischer Kerl…“

„Auch das pflegte mein Vater zu sagen…“

Jetzt musste ich tatsächlich lauthals lachen und drückte mich von Ralofs Brust. „Danke.“

„Ach was. Hat mir auch gut getan. Wer drückt nicht gerne eine schöne Frau an seine Brust ohne dafür eine gescheuert zu bekommen.“ Kurz hielt er inne. „Ich meine, … Ihr versteht schon… Ich tat es nicht aus diesem Grund… Ich meine…“

„Schon gut…“ Jetzt war es an mir diese Worte in den Mund zu nehmen. Sie hatten tatsächlich etwas Beruhigendes. Blinzelnd richtete ich mich vollends von unserem Lager neben der Mühle auf und warf meinen Blick Richtung Osten. Der bereits beginnende Tag drängte uns sein Licht unmissverständlich auf. „Ich glaube es wird Zeit aufzubrechen.“

Ralof brummte bestätigend. „Gerdur wird uns sicher noch ein Mahl bereiten, dann trennen sich wohl unsere Wege.“ Da lag doch tatsächlich ein Bedauern in seiner Stimme. Habe ich ihm wirklich so gefallen, oder war es einfach das gemeinsam Erlebte des gestrigen Tages, das uns so verband? Ich spürte ebenfalls Bedauern, dass ich ihn nicht nach Windhelm zu Ulfric begleiten konnte.  Ich schüttelte den Kopf um wieder klar zu werden und alle Sentimentalitätsgefühle auszutreiben. Mein Herz war im Moment noch viel zu wund. Er war ein zufälliger Begleiter und ein Kampfgefährte. Mehr nicht. Ralof sprach weiter: „Ich hoffe Euch bald wieder zu sehen. Ihr sagtet doch, ihr würdet Euch Ulfric anschließen.“

„Natürlich“, erklärte ich und blickte zu ihm. Ralof hatte seinen Kopf ein wenig zur Seite geneigt und sah mich doch tatsächlich mit einem Hundeblick an. Gleichzeitig lächelte er so verschmitzt, dass ich ebenfalls lachen musste.

„Hört endlich auf mich zu verwirren, Ralof. Ich freue mich auch, wenn wir uns wieder sehen, doch zuerst muss ich nach Weißlauf. Nicht nur wegen des Jarls. Ich muss die Familie meiner Mutter aufsuchen. Oder es zumindest versuchen.“

Er nickte und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter. Am liebsten hätte er mich wieder umarmt, aber mein Zurückweichen hielt ihn wahrscheinlich davon ab. Gerdurs Mahl vertrieb dann die letzten Reste meines Alptraums und frisch gestärkt verabschiedete ich mich von den Leuten, die mir so freimütig ihre Gastfreundschaft angeboten hatten.

Es war bereits später Nachmittag, als ich endlich in Weißlauf ankam. Meine Nachricht über die Geschehnisse in Helgen wurde zuerst mit Unglauben, dann jedoch mit Entsetzen aufgenommen. Zumindest schien der Jarl ein guter Mann zu sein, der sich sehr wohl um seine Untertanen kümmerte. Er ließ sofort Truppen nach Flusswald schicken und an mich wurde eine Bitte herangetragen, die ich nur unschwer absagen konnte. Der Hofzauberer brauchte ein Artefakt aus dem Ödstürzhügelgrab, das ihn bei seinen Forschungen über Drachen weiterhelfen würde. Diese alte Grabstätte lag in der Nähe von Flusswald und da mich alte Gräber immer schon interessierten sagte ich zu. Doch zuerst wollte ich meine familiären Angelegenheiten regeln.  

Die schweren Türen von Drachenfeste, dem Wohnsitz des Jarls, schlossen sich hinter mir und ich konnte Weißlauf unter mir sehen. Es war eine schöne Stadt. Auch wenn sie in ihrer Größe und Schönheit nicht an Skingrad aus Cyrodiil herankam. Skingrad war die Stadt an deren Rand wir unseren Hof hatten und in der ich aufgewachsen war, bis meine Mutter plötzlich darauf drängte nach Himmelsrand, das Land ihrer Väter, aufzubrechen. Zornig ballte ich meine Fäuste. Diese Idee war der Anfang unseres Unglücks, das ihr den Tod gebracht und mich bis zum Henker geführt hatte - hier in Himmelsrand, dem Land ihrer Väter und des meinen, wie ich vermutete…

„Du wirst alles über deinen Vater erfahren, wenn wir da sind!“, äffte ich sie nach während ich wütend die Treppen nach Weißlauf hinunterstampfte. Meine Mutter wusste, wie sie mich ködern konnte, denn ich wollte mein angenehmes Leben in Cyrodiil nicht verlassen. Doch die Aussicht etwas über meinen Vater, über den sie sonst nie geredet hatte, zu erfahren, gab für mich den Ausschlag. Und jetzt war ich hier. Alleine. Und um keinen Deut klüger, was meinen Vater betraf. Eigentlich hätte ich umkehren sollen. Zurück nach Cyrodiil, jetzt, wo ich meine Pflicht getan und dem Jarl die Botschaft überbracht hatte. Doch etwas, neben meiner Kratzbürstigkeit, war noch sehr dominant an mir und das war meine Neugier. Hier in Weißlauf lebte die Familie meiner Mutter. Stolze Nordmänner und Frauen wie sie. Ich wollte sie kennen lernen, einen Teil meiner Wurzeln, wenn mir schon der andere Teil versagt bleiben würde.

Ohne Umschweife frage ich den Nächstbesten, den ich beim großen Baum unterhalb von Drachenfeste antraf.

„Wisst Ihr wo ich Eorlund Grau-Mähne finde?“

Der Mann blickte mich an als wäre ich auf den Kopf gefallen. „Unseren Schmied? In der Himmelsschmiede natürlich.“

„Wenn ich wüsste wo das ist, hätte ich wohl nicht gefragt!“

„Auch wahr…“ Der Mann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Wahrscheinlich findet ihr ihn jetzt wohl schon in seinem Haus. Hier…“ Er deutete rechts neben die Treppe die Richtung Marktplatz hinunter führte. „Seid Ihr neu in Weißlauf?“, fragte er dann noch nach. „Ich habe Euch noch nie hier gesehen. Würde Zeit werden, dass sich hier was tut, außer dem Besaufe in der Met-Halle.“ Damit schlenderte er weiter.

Ich verschwendete keinen weiteren Gedanken mehr an ihn, dazu packte mich zu sehr die Nervosität. Eorlund Grau-Mähne – der gestrenge Vater meiner Mutter und demzufolge mein Großvater lebte hier. Wie würde er es wohl aufnehmen seiner Enkelin gegenüber zu stehen? Würde er mich überhaupt akzeptieren? Nach den Erzählungen meiner Mutter war er es gewesen, der gegen ihre Verbindung mit meinem Vater war und sie schließlich seines Hauses verwies. Wie auch immer. Ich stand schließlich vor der Tür und bevor sich die Wachen wunderten wie lange ich hier noch herumlungern würde klopfte ich an und trat ein.

„Ja?“ Eine ältere Frau kam auf mich zu und sah mich fragend an. Ich schluckte schwer und suchte nach Worten die zuvor noch so klar in meinem Geist waren. Doch da war nur mehr ein wattiertes Gefühl, aus dem sich mit Müh und Not ein paar Worte herauswinden konnten:

„Ich komme von Siguren. Ich meine Eure Tochter… Also…“

Die Frau vor mir wurde blass. „Siguren? Sagtet Ihr Siguren?“ Mit aufgerissenen Augen stürzte sie auf mich zu und packte mich an den Schultern. Dabei schüttelte sie mich heftig. „Was ist mit Siguren, so sprecht doch!“

„Sie ist tot. Ich bin Eleven. Ich bin…“ Zu mehr kam ich nicht. Die Frau vor mir verdrehte die Augen und kippte nach hinten.

„Mutter!“ Ein kräftiger Mann kam aus dem Nebenraum gestürzt und zog drohend sein Schwert. „Was erzählt Ihr da für einen Irrsinn? Wir haben genügend eigene Probleme, da brauchen wir nicht noch Gespenster aus der Vergangenheit. Verschwindet von hier!“

„Aber ich bin Eleven…“

„Das interessiert uns nicht wer Ihr seid. Verschwindet!“

Das war so ziemlich das Schlimmste was ich mir vorstellen konnte. Ich kam hier ja nicht einmal dazu etwas aufzuklären. Die Einzige, die mir zugehört hätte lag ohnmächtig auf dem Boden und der Mann vor mir, der wahrscheinlich mein Onkel war, bedrohte mich mit einem Schwert das aussah, als wäre es genauso schwer wie ich. Besänftigend hob ich meine Hände. „Aber so hört doch…“

„Raus hier!“, brüllte er und drängte mich zur Türe, die in dem Moment geöffnet wurde.

„Was ist hier los?“ Die ruhige Stimme des Mannes, der soeben das Haus betreten hatte brachte ein wenig Ruhe in die beginnende Eskalation. Ich drehte mich zur Seite und sah mich wahrscheinlich Eorlund, meinem Großvater gegenüber. Er war hoch gewachsen und sein graues Haar hing verschwitzt an ihm herunter. Sein beinahe nackter Oberkörper war rußig von der Arbeit und seine Hände groß und schwielig. Sein Gesicht war zerfurcht und streng, doch er machte einen ehrbaren Eindruck. Eigentlich war er genau die Respektsperson die ich von den Beschreibungen meiner Mutter her erwartet hatte. Bevor ich aber den Mund aufmachen konnte um etwas zu sagen kam mir mein Onkel zuvor. Er zeigte mit dem Schwert auf mich.

„Diese Frau hier behauptet etwas von Siguren zu wissen.“  

Die Züge meines Großvaters verfinsterten sich. „Mein Sohn hat Recht. Was immer das ist, das Ihr uns sagen wollt, es interessiert uns nicht. Meine Tochter hat Schande über unsere Familie gebracht. Sie zog es vor zu gehen anstatt sich zu fügen. Somit hat sie ihren Weg gewählt.“

„Sie sagte Siguren sei tot“, mischte sich mein Onkel wieder ein.

Kurz zuckte es im Gesicht Eorlunds. „Geht“, sagte er und wollte sich abwenden.

„Aber ich bin Sigurens Tochter!“ Endlich konnte ich diese wichtigen Worte herausrufen.  „Hier!“ Schnell nestelte ich eine Halskette hervor und hob sie hoch. „Das ist alles was mir von meiner Mutter blieb. Das und die Geschichten über ihre Kindheit und ihre Familie.“

In Eorlunds Gesicht arbeitete es. Dabei sah er mich misstrauisch an. „Dann behauptet Ihr also, meine Enkelin zu sein. Wieso kommt ihr erst jetzt? Erst nach ihrem Tod? Habt ihr sie vielleicht selbst getötet und ausgeraubt um Euch jetzt hier einzunisten? Ihr seht ihr nicht sehr ähnlich.“

Schuldbewusst griff ich auf mein blondes, struppiges Haar. „Ich weiß. Aber ich weiß auch, dass Ihr sie immer `Püppchen‘ nanntet. Und dass sie Euch einmal einen Streich gespielt hat, der Teile des Hauses abbrennen ließ.“

Eorlund schnaubte. „Das ist nicht wahr. Und ‚Püppchen‘ sagt wohl so mancher Vater…“

Jetzt war es an mir blass zu werden. Meine Mutter hatte mir diese Geschichte so oft erzählt. War ich vielleicht im falschen Haus? Mein Onkel, der mir bisher die meiste Ablehnung entgegengebracht hatte war es aber nun, der sein Schwert senkte und mich ungläubig ansah.

„Was hat sie Euch über den Brand erzählt?“, fragte er mich.

„Sie sagte mir, dass sie Euch angestiftet hatte glühende Kohlen unter das Bett eures kleinen Bruders Thorald zu legen, damit er in der kalten Nacht nicht friert. Seine Brandnarben waren noch lange sichtbar und Ihr wurdet von Eorlund dafür halb tot geprügelt. Ihr wart damals allein zu Hause und meine Mutter war es, die dann beherzt in das bereits brennende Bettchen griff um den kleinen Bruder zu retten. Sie zeigte mir auch die Brandnarben an ihren Unterarmen und Händen die sie von damals hatte.“

Eorlund starrte mich ungläubig an und die Frau auf dem Boden, die bereits wieder bei Bewusstsein war, weinte herzzerreißend.

„Ihr seid tatsächlich Ihre Tochter. Niemand anderem hätte Siguren die Geschichte ihrer Schmach erzählt. Nicht einmal unsere Eltern wussten davon, dass es ihre Idee war.“ Schwer fiel mein Onkel auf einen Stuhl in der Nähe und starrte mich an. „An Euren feinen Gesichtszügen kann ich meine Schwester erkennen. Ansonsten seht Ihr ihr wirklich nicht sehr ähnlich…“

Meine Großmutter hatte sich mittlerweile aufgerappelt und griff ständig ungläubig nach mir. „Sie hatte eine Tochter...“, murmelte sie und berührte mich erneut mit Erstaunen. „Eorlund, wir haben unser Kind wieder…“

Eorlunds Mine die kurz aufgetaut war, versteinerte wieder. „Sprich keinen Unsinn Fralia. Sie mag Sigurens Kind sein. Ihre stolze Haltung hat sie jedenfalls. Doch es gab einen Grund warum Siguren wegging.  Sie brachte Schande über unsere Familie.“ Damit winkte er mir zu: “Kommt, folgt mir…“

„Aber Eorlund? Wo willst du sie hinbringen? Sie kann doch…“ Der Blick den mein Großvater ihr zuwarf ließ sie sofort verstummen.

„Nein!“ Sein Wort duldete keinen Widerspruch. Meine Mutter hatte mich darauf vorbereitet dass er wahrscheinlich nicht so leicht mit sich sprechen ließe. Dass er mich aber seines Hauses verweisen würde, nachdem er mich als seine Enkelin anerkannt hatte, tat dennoch weh. Zumindest waren die Nächte lau und die Stadt verfügte über genügend Bänke. Ein Zimmer konnte ich mir nicht leisten.

„Vater…“, mischte sich auch mein Onkel ein.

„Ich sagte ‚Nein‘! Siguren hat ihren Weg gewählt und ihre Tochter muss den ihren gehen.“ Dann wandte er sich mir zu und seine Züge wurden milder. „Aber wenn du willst kannst du in meiner Schmiede arbeiten und dir etwas Geld verdienen. Wenn du dir einen Namen machst, wird dir auch unser Haus offen stehen. Ich bringe dich zu den Gefährten. Die schulden mir etwas. Dort wirst du eine Unterkunft finden und dich auch beweisen können.“ Mehr sagte er nicht. Er wandte sich zur Tür und hielt sie mir auf. Fralia umarmte mich noch, dann ging ich hinter Eorlund hinauf nach Jorrvaskr.

„Wie ist dein Name und wie alt bist du?“, fragte mich mein Großvater als wir vor der Tür standen.

„Eleven. Und ich bin neunzehn Jahre alt.“

Er nickte bestätigend. „Siguren verließ uns als sie mit dir schwanger war. Das ist jetzt beinahe 20 Jahre her.“ Damit drückte er die Tür nach Jorrvaskr auf und mein erster Blick fiel auf die große Tafel um die herum grölend und prustend die Gefährten saßen und gegenseitig mit ihren Taten prahlten. Ein großer Mann wurde auf uns aufmerksam und kam auf uns zu. Seine Gestalt war imposant und seine Augen zogen mich in ihren Bann. Wahrscheinlich, weil sie durch die dunkle Schminke, die er um sie aufgetragen hatte, noch heller erschienen als sie sowieso schon waren. Er lächelte gutmütig und klopfte meinem Großvater auf die Schulter.

„Wen bringst du uns denn da? Ein neues Welpchen? Die müssen wir aber noch gründlich trainieren, an der ist ja nichts dran!“

Mein erster guter Eindruck von ihm verschwand sofort. Da wurde er auch schon zur Seite gedrängt und ich blickte in das Gesicht eines anderen Mannes. Ein anderer Mann, aber dasselbe Gesicht oder sagen wir beinahe. Dass sie Brüder, wenn nicht sogar Zwillinge waren, war sofort sichtbar. Der Zweite wirkte allerdings kälter und ernsthafter.

„Ich bringe Euch meine Enkelin Eleven. Macht sie zu einer von Euch und gebt ihr Unterkunft.“ Eorlund schob mich in seine Richtung.

Abschätzend blickte mich der Ernsthaftere der Zwillinge an. „Auch wenn sie Eure Enkelin ist, muss sie sich beweisen, Eorlund. So sind unsere Regeln. Morgen werde ich sie testen.“ Er drehte sich um und rief eine der Frauen zu sich. „Aela! Trenn dich von Skjor. Ich habe hier jemanden für dich. Kümmere dich um sie bis ich sie morgen genauer unter die Lupe nehme.“ Dann blickte er mich nochmals von oben bis unten an. „Mein Bruder hat Recht. An Euch ist nichts dran. Wenigstens seht Ihr ansehnlich aus.“

Ich spürte wie die beiden arroganten Brüder es schafften genau die Kräfte in mir hochwallen zu lassen, vor denen meine Mutter mich immer gewarnt hatte. Nur in langen mühsamen Übungen hatte ich gelernt sie zu beherrschen. Doch in diesem Moment fiel es mir schwer. Dunkel brodelte es in mir und ich schwor mir den derben Gesellen hier nach allen Regeln der Kunst zu zeigen, dass ich nicht das zerbrechliche Püppchen war, das sie vielleicht zu sehen glaubten…



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