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Zaubertrank des Schicksals

von Lady S
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18
Draco Malfoy Hermine Granger Pansy Parkinson Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
25.12.2011
22.04.2012
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25.12.2011 3.070
 
Zweites Kapitel


In Slytherin



Hermine griff zweimal neben ihre Tasche, ehe es ihr gelang sie zu umklammern, während Pansy immer noch mit halboffenem Mund auf Professor Snape starrte.

»Miss Parkinson«, sagte Snape ölig und schaute dabei Hermine fest in die Augen. »Das ist Miss Grangers Mappe. Ihre befindet sich mitsamt den Büchern, Ihrem Stundenplan und Ihrem Zauberstab an Ihrem Platz neben Miss Bulstrode.«

Hermine ließ die Tasche fallen, als hätte sie sich verbrannt. Langsam drehte sie sich um und schlich zu dem Tisch, an dem Millicent Bulstrode stand und sie besorgt anblickte.

»Alles in Ordnung mit dir, Pans?«, fragte sie.

Hermine schüttelte den Kopf und kämpfte mit den Tränen. Sie sah stur nach vorne. Ron war zu Pansy geeilt und hatte ihr den Arm um die Schulten gelegt. Behutsam drückte er sie an sich, während das Mädchen sich auffallend versteifte. Erst jetzt dämmerte Hermine die Tragweite des Tausches. Sie musste in dem verhassten Haus in den Kerkern leben, hätte nur noch zwei Fächer mit Ron und Harry zusammen, und was war mit ihren Zusatzstunden, wie Alte Runen und Arithmantik? Sollte demnächst Pansy Parkinson als Hermine Granger Muggelkunde besuchen? Was war mit ihren Noten und den Punktanzügen und vor allem, was würde aus ihrer Beziehung zu Ronald Weasley?

Wie betäubt ging Hermine hinter Millicent her in die große Halle und zum Tisch der Slytherins. Sie glaubte sich erinnern zu können, dass Pansy neben ihrer stämmigen Hauskollegin saß, also wartete sie, bis Millicent Platz genommen hatte.

Hermine hatte eben die Beine über die Bank geschwungen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter fühlte. Sie wandte den Kopf und sah in Malfoys hellgraue Augen. Sie erschrak, doch der Slytherin sah sie beinahe liebevoll an.
»Wie geht´s?«

»F... Finger weg, Malfoy«, zischte Hermine automatisch, es klang jedoch ein wenig zittrig.

»Malfoy, hm? Du hast wohl doch einiges abgekriegt, was?« Dabei lachte er leise, zog zu Hermines Erleichterung jedoch seine Hand weg und setzte sich neben sie.

Eingepfercht zwischen Bulstrode und Malfoy saß Hermine vor dem herrlich duftenden Essen und brachte kaum einen Bissen herunter. Sie hatte bisher noch gar nicht bedacht, dass sie nun zwangsläufig auch Malfoy öfter sehen würde. Waren Pansy und er nicht mal ein Paar gewesen? Hoffentlich lief derzeit zwischen den beiden nichts und auch nicht mit irgendeinem anderen. Sich einen verliebten Malfoy vom Hals zu halten, hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie musste unbedingt Bulstrode dazu befragen.

Während Millicent lauthals über Lavender Brown zu klagen begann, mit der sie den Zaubertrank gebraut hatte, sah Hermine immer wieder zum Gryffindortisch hinüber. Er stand am weitesten von dem der Slytherins entfernt.
Mit zusammengezogenen Brauen beobachtete sie, wie Ron der vermeintlichen Hermine über den Rücken strich. Diese versuchte mehr oder minder vergeblich von ihm wegzurutschen. Dann wandte Parkinson sich an Ron, und schien ihm irgendetwas zu sagen, woraufhin der Gryffindor augenblicklich seine Hand weg zog.

»Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?«, fragte Bulstrode gerade.

»Nein, tut sie nicht.« Malfoys Kopf beugte sich von der anderen Seite zu Hermine hinüber. »Sie ist viel zu sehr damit beschäftigt, Grangers Rücken mit ihren Blicken zu durchbohren.«

»Woher, ich meine, wie kommst du darauf?«, fragte Hermine irritiert.

»Pansy, du starrst die ganze Zeit zum Gryffindortisch und siehst dabei mächtig zornig aus.«

Sieh an, Malfoy war ein guter Beobachter. Sie musste vorsichtiger sein. »Ich würde ihr am liebsten einen Fluch aufhalsen, der sich gewaschen hat«, stieß Hermine leidenschaftlich hervor.

Bulstrode nickte, doch Malfoy legte den Kopf ein wenig schief. »Das solltest du lassen, es sei denn, du verhext sie von hinten, oder wenn sie ihren Zauberstab nicht griffbereit hat.«

»Was willst du damit sagen?«, fragte Hermine erstaunt.

»Granger ist eine außergewöhnlich begabte Hexe und dir nun mal weit überlegen.«

Hermine spürte, wie ihr der Mund offen stand.

Malfoy hob die Hand und streichelte sie kurz im Nacken. Hermine zuckte zusammen und sah ihn scharf an. »Komm schon, Pansy. Jetzt guck nicht so sauer. Im Grunde weißt du das doch auch. Also lass die Finger von ihr, wenn du keine weitere böse Überraschung erleben willst.«

Hermine schluckte und zwang sich, etwas von den Bratkartoffeln mit Speck hinunterzuwürgen.

Nach dem Essen folgte sie der unaufhörlich redenden Bulstrode zu den Kerkern. Sie musste sich den Weg gut merken. Hermine spitzte die Ohren, als die Slytherin vor einer Wand stehen blieb und das Passwort murmelte. Die Wand glitt zurück und gab den Durchgang frei. Schaudernd betrachtete Hermine die vielen Totenschädel. Harry und Ron waren schon einmal hier gewesen und hatten ihr seinerzeit etwas über den Gemeinschaftsraum erzählt. Hermine wusste von dem grünen Licht, das von dem schwarzen See herrührte, unter dem die Kerker sich befanden.

Bulstrode steuerte auf eine Tür zu, die links vom Gemeinschaftsraum abging, der ähnlich eingerichtet war, wie der im Gryffindorturm, mit Kamin und gemütlichen Sesseln und einem Sofa, allerdings alles in grün.

Nur zwei Betten standen in dem Schlafsaal. Also waren Bulstrode und Parkinson die einzigen Slytherinmädchen des Jahrganges. Hermine ließ die Tasche fallen und warf sich auf das rechte Bett. Millicent Bulstrode stellte sich an das Fenster, das dick verglast war, und die Unterwasserwelt des Sees zeigte.

Wie in einem Aquarium, dachte Hermine und starrte zu dem grünen Baldachin des Himmelbettes empor. Bulstrode drehte sich um, kam näher, setzte sich auf die Kante und nahm Hermines Hand.
Zuerst wollte die Gryffindor sie zurückziehen, besann sich dann aber im letzten Augenblick. Sie war jetzt Parkinson und musste mitspielen.

»Hey«, lächelte Bulstrode aufmunternd. »Du bist immer noch ziemlich verwirrt, stimmt es?«

Die merkte aber auch alles! Hermine riss sich zusammen und fragte: »Wie kommst du gerade jetzt darauf?«

Das Lächeln der Slytherin wurde noch ein Stück breiter, dann antwortete sie sanft: »Du liegst auf meinem Bett.«

Wie gestochen sprang Hermine auf. »Oh, ist mir gar nicht aufgefallen.«

Sofort ging sie hinüber zu dem anderen. Erschrocken bemerkte sie das Foto auf dem Nachtisch. Es zeigte Draco Malfoy, der in die Kamera lächelte und ihr zuzwinkerte. Zögernd nahm Hermine das Bild hoch und betrachtete es eingehend. Sie konnte sich nicht erinnern, Malfoy jemals lächeln gesehen zu haben. Er sah gleich viel netter aus.

»Ach, Pans«, erklang Bulstrodes Stimme von hinten. »Glaubst du wirklich, du kannst ihn dieses Jahr zurückerobern?«

Gut, damit war zumindest die Frage geklärt, ob Parkinson und Malfoy derzeit ein Paar waren. Hermine schüttelte den Kopf. »Ich sollte ihn vergessen«, sagte sie. Um ihre Aussage zu unterstreichen, öffnete sie die Nachttischschublade, legte das Foto mit Malfoys Gesicht nach unten hinein und knallte die Schublade wieder zu. Dann drehte sie sich zu ihrer neuen Hausgenossin um.

Bulstrode hatte misstrauisch die Augenbrauen zusammen gezogen. »Du willst ihn aufgeben? Aber du hattest dir doch einen so schönen Plan zurecht gelegt.«

Hermine zuckte die Achseln. »Es gibt noch andere Mütter mit hübschen Söhnen.«

Die Slytherin sah nicht überzeugt aus, doch das war Hermine völlig egal. Die würde schon noch merken, dass die neue Pansy Parkinson keine Anstalten machen würde, Draco Malfoy für sich zu gewinnen.
Hermine schnappte sich Pansys Tasche und holte den Stundenplan daraus hervor. Verärgert stellte sie fest, dass Parkinson Wahrsagen belegt hatte, das einzige Fach, das Hermine überhaupt nicht lag. Zum Glück hatten es Harry und Ron abgewählt, sodass sie die beiden nicht öfter als nötig im Unterricht sehen würde. Morgen hatte sie zunächst Zauberkunst. Da sie heute schon Professor Flitwick in dem Fach gehabt hatte, als sie noch Hermine Granger war, glaubte sie eine Ahnung zu haben von dem, was in der nächsten Stunde auf sie zukommen würde. Es konnte nicht schaden, sich Pansys Hausaufgaben anzusehen. Zudem musste sie herausfinden, was die Slytherin in Verwandlung aufbekommen hatte, das sie heute bei Professor McGonagall gehabt hatte, wie ihr der Stundenplan verriet.

»Ich fange mal mit den Hausaufgaben an«, sagte sie zu Bulstrode und erhob sich.

Die andere warf ihr einen erstaunten Blick zu, sagte aber nichts.
Hermine suchte in Pansys Unterlagen nach den Hausaufgaben für Zauberkunst und ging in den Gemeinschaftsraum. Er war leer bis auf zwei Jungs, von denen Hermine zwar nicht die Namen kannte, aber zu wissen glaubte, dass sie die dritte Klasse besuchten.
Sie setzte sich in einen Sessel und breitete Bücher, Pergament und Feder vor sich auf dem kleinen Tisch aus. Den Aufsatz für Professor Flitwick hatte sie schnell gelesen. Pansy fasste sich offenbar immer kurz in ihren Aufzeichnungen. Einen Fehler konnte Hermine erstaunlicherweise nicht entdecken, dennoch nahm sie die Feder zur Hand und ergänzte hier und da die Ausführungen. Überraschenderweise schrieb sie sogar wie die Slytherin. Schließlich war Hermine zufrieden und wühlte in der Tasche nach den Unterlagen von Verwandlung. Sie grinste. Professor McGonagall hatte den Slytherins dieselbe Hausaufgabe aufgegeben, wie den Gryffindors einen Tag zuvor. Wie gut, dass sie die geforderten zwanzig Zentimeter gestern schon gemacht hatte. Jetzt hatte zwar Pansy einen Vorteil davon, aber Hermine konnte aus dem Gedächtnis die Aufzeichnungen erneut aufschreiben, ohne nochmals dafür in die Bibliothek zu müssen.

Sie hatte ungefähr zehn Zentimeter geschrieben, als die Wand zurück glitt und Malfoy mit Zabini und Goyle im Schlepp den Gemeinschaftsraum betrat. Er kam sofort auf sie zu und ließ sich in den Sessel neben ihr fallen.

»Hey Pansy, was machst du denn da?«

Hermine würdigte ihn keines Blickes, als sie honigsüß fragte: »Wonach sieht es denn deiner Meinung nach aus?« Ihre Feder kratzte weiterhin über das Pergament.

Malfoy beugte sich ein wenig vor. »Du hast mit den Hausaufgaben angefangen, obwohl ich noch nicht da war?«

Hermine biss sich auf die Lippen. Sie zwang sich, ihn anzusehen und glaubte beinahe zu ersticken sie sagte: »Ich wollte es mal versuchen.«

Der Slytherin griff nach den Hausaufgaben für Zauberkunst. »Aber die sind wir doch schon durchgegangen. Warum hast du sie geändert?« Dabei huschten seine Augen über die Zeilen.

»Mir ist noch das ein oder andere dazu eingefallen«, nuschelte Hermine und unterdrückte den Wunsch, ihm das Pergament aus der Hand zu reißen.

Malfoy sah sie erstaunt an, beugte sich noch etwas näher und überflog die begonnen Ausführungen für McGonagall. Hermine quetschte sich an die äußere Armlehne des Sessels, um soviel Abstand wie möglich zwischen sich und ihn zu legen.

»Donnerwetter Pansy, du hast ja echt aufgepasst. Wie wäre es, wenn du mich mal zur Abwechslung abschreiben lässt?«

»Ich habe noch nie jemanden abschreiben lassen«, fuhr Hermine sofort auf und erstarrte augenblicklich.

Doch Malfoy grinste bloß und sagte süffisant: »Na, das wäre bisher auch nicht gerade empfehlenswert gewesen.«

Die Gryffindor spürte, wie die Wut in ihr hoch kochte. Armer Ron, armer Harry, die beiden würden ganz schön mit der neuen Hermine zu kämpfen haben. Vielleicht war das aber auch gar nicht so schlecht. Dann wussten die beiden ihre Hilfe endlich einmal wahrhaft zu würdigen. Anstatt sich immer blind auf sie zu verlassen, müssten sie nun selbst für ihre Hausaufgaben sorgen. Hermine schmunzelte unwillkürlich.

Malfoy feixte zurück. »Schön, dass du es mit Humor nimmst. Einen Augenblick dachte ich schon, du wolltest mich wieder anzicken.«

Sofort wurde Hermine ernst, doch der Slytherin beachtete es nicht. Stattdessen fuhr er fort: »Ich habe für heute ein Quidditchtraining angesetzt. Du kommst doch gleich mit hinunter zum Spielfeld und schaust mir zu, nicht wahr?«

»Vielleicht«, antwortete Hermine gedehnt, »wenn ich mit den Hausaufgaben fertig bin.«

Zum Glück war Pansy kein Mitglied des Teams. Dann hätte Hermine jetzt ernsthafte Schwierigkeiten bekommen. Aber wieso hatte Malfoy die Mannschaft einberufen? War er denn seit diesem Jahr Kapitän? Das hatte sie gar nicht gewusst. Eigentlich nicht verwunderlich, schließlich hatte sie immer konsequent weggehört, sobald Harry, Ron oder Ginny das Thema Quidditch anschnitten. Doch was hatte Dumbledore sich dabei gedacht? Wollte er dem Slytherin Verantwortung beibringen? Immerhin war er seinerzeit ja auch Vertrauensschüler gewesen, gemeinsam mit Parkinson.

Für einen flüchtigen Augenblick wirkte Malfoy verstimmt. Dann erhob er sich und verließ zu Hermines Erleichterung den Gemeinschaftsraum. Da Goyle und Zabini sich ihm anschlossen, konnte sie wieder in Ruhe an ihren Hausaufgaben arbeiten. Millicent Bulstrode schnürte einige Zeit später herbei, packte ihre Sachen aus und begann Hermine sichtlich verwundert über den Stoff auszufragen. Die Gryffindor zögerte zunächst, beantwortete dann aber doch alles, was das Mädchen wissen wollte.

Malfoy betrat erneut den Gemeinschaftsraum. »Es geht gleich los Pansy. Bist du fertig?«

»Ich komme nach.«

»Beeil dich«, brummte er.

Hermine zog eine Grimasse und blieb sitzen. Kaum war Malfoys blonder Schopf aus der Tür verschwunden, als Bulstrode ihr anerkennend über die Schulter strich. »Super Taktik, Pans, muss ich echt sagen.«

»Was meinst du?«

»Du lässt Draco abblitzen, zeigst ihm, dass du ihn nicht mehr brauchst. Wenn er glaubt, du hättest das Interesse an ihm verloren, weckt das bestimmt seinen Jagdtrieb.«

Hermine war sich sicher, dass sie jetzt vollkommen entsetzt dreinblicken musste. Bei Merlins Bart, vielleicht hatte Bulstrode Recht. Immerhin kannte sie Malfoy um einiges besser. Hermine entschloss sich, nicht allzu unfreundlich Malfoy gegenüber zu sein und einen gesunden Mittelweg zu finden.
Sie stand auf. »Ich gehe zum Spielfeld. Bis später, Bul... Millicent.«

»Bist du sauer auf mich? Sonst nennst du mich doch immer Milli.«

»Nee Milli, bin ich nicht.«

Ohne eine Antwort abzuwarten drehte sich Hermine um und verließ den Kerker. Auf dem Weg zum Spielfeld grübelte sie über die Anreden nach. Sie musste Bulstrode und die anderen in Gedanken beim Vornamen nennen. Offenbar kürzten sich die meisten irgendwie ab. Millicent hatte sie schon oft Pans genannt. Und wie musste sie Malfoy anreden? Hermine kramte in ihrem Gedächtnis, aber ihr fiel partout nicht ein, wie Parkinson ihn gerufen hatte. Vielleicht sollte sie es mal mit »Zuckerhasi« probieren. Das würde ihm bestimmt nicht gefallen.
Hermine hatte das Spielfeld mittlerweile erreicht und setzte sich auf die fast leere Tribüne, weit genug entfernt von Zabini und Goyle. Malfoy und die anderen waren bereits in der Luft. Er entdeckte seine Hausgenossin sofort und kam herbei geflogen.

»Ach, bleib doch einfach da«, murmelte Hermine leise, doch Malfoy hatte sie beinahe erreicht. Zwei Meter vor ihr stoppte er seinen Besen.

»Fertig mit den Hausaufgaben?«, fragte er anzüglich.

»Sag mal, bist du nicht hier um zu üben? Ich will sehen, wie du den Schnatz fängst und nicht von dir vollgequatscht werden.«

Malfoy starrte sie einen Augenblick an, kniff die Lippen zusammen, flog eine elegante Kurve und jagte hinunter auf das Spielfeld, um den Helfer rüde anzufahren weshalb er den Schnatz noch nicht losgelassen hatte.
Hermine grinste hinter vorgehaltener Hand. Dann kam ihr ein Gedanke. Sie sollte sich die Spielzüge der Slytherins gut einprägen. Vielleicht war sie bis zum Spiel gegen Gryffindor, das Anfang November stattfand und traditionell die Quidditchsaison eröffnete, wieder sie selbst und sie könnte Ron, Harry und Ginny gute Tipps geben. Plötzlich kam sich Hermine wie eine Undercoveragentin vor. Genial, Gryffindor hatte eine Informantin in Slytherin. Leider war es umgekehrt genauso. Sie konnte nur hoffen, dass Pansy Parkinson ebenso wenig von Quidditch verstand wie Hermine.

Malfoy schoss dem kleinen goldenen Ball hinterher. Er streckte die Hand aus. Der Schnatz tauchte ab und der Slytherin verlor wertvolle Zeit mit dem Wendemanöver. Malfoy flog nicht schlecht, aber gegen Harry war er chancenlos, immer gewesen. Egal, was für eine Strategie sich die Slytherins zurechtlegen würden, Hermine war sicher, dass Gryffindor das Auftaktspiel abermals für sich entscheiden würde.

Schließlich war es Malfoy gelungen dem Goldball den Weg abzuschneiden und hielt ihn siegesbewusst in der Faust. Er landete und reichte ihn dem Helfer, wobei er nach oben sah. Hermine drehte den Kopf weg und tat, als würde sie alle Aufmerksamkeit auf den Hüter richten, der wirklich nicht schlecht zu sein schien.

Eine halbe Stunde später kam Bewegung aufs Feld. Die Gryffindors hatten sich den Tag ebenfalls für das Training ausgesucht. Sofort pfiff Malfoy seine Mannschaft zusammen. Hermine beeilte sich, die Tribüne zu verlassen und ebenfalls hinunter aufs Spielfeld zu eilen. Ihre Augen hatte sie sehnsuchtsvoll auf Ron gerichtet, der in seinem Hüteroutfit in ihren Augen einfach umwerfend aussah. Außerdem entdeckte sie sich selbst, also Pansy, im Gefolge der Zuschauer.

Die beiden Kapitäne standen sich gegenüber. »Wir sind jetzt dran«, sagte Harry gerade.

»Reg dich ab Potter, ich kenne die Uhr«, antwortete Malfoy. »Wir sind ohnehin fertig für heute.«

Er schritt an Harry vorbei zu den Umkleidekabinen. Pansy stand da und schaute ihn aus Hermines großen braunen Augen an. Sie sah aus, als würde sie ihn anbeten. Malfoy bemerkte es und blieb kurz stehen. »Was ist, Granger? Bin ich schwarz im Gesicht?«

Pansy öffnete den Mund, aber es kam nur ein ersticktes Geräusch hervor. Sogleich stellte Ron sich schützend neben sie. Malfoy verzog sichtlich angewidert den Mund und ging weiter, ohne sich noch einmal umzudrehen. Zum Glück, sonst hätte er bemerkt, wie Pansy ihm traurig nachstarrte.

»Reiß dich zusammen«, zischte Hermine ihr zu, als sie die Slytherin passierte. Sie glaubte, ein leises Schniefen zu hören. Kein Wunder, dass Malfoy kein Interesse an einem Mädchen zeigte, dass ihm dermaßen hörig zu sein schien.

»Hast du dich erkältet, Mine?«, fragte Ron fürsorglich. Er nahm seinen Schal ab und wickelte ihn Pansy um den Hals.

Mit einem letzten giftigen Blick auf die beiden eilte Hermine den Slytherins nach.
Zurück im Gemeinschaftsraum war Malfoy bester Laune. »Dieses Jahr schlagen wir Gryffindor. Wir haben den besseren Hüter.«

»Aber den schlechteren Sucher«, rutschte es Hermine heraus, deren Gedanken immer noch bei Ron und Pansy weilten.

Kein Laut war zu hören. Malfoy drehte den Kopf zu ihr und sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Wie war das gerade?«, fragte er gefährlich leise.
Hermine zuckte mit den Schultern. Angriff war die beste Verteidigung. »Ist doch so. Bisher hat dir H... Potter den Schnatz doch immer vor der Nase weggeschnappt.«

Malfoy schnaubte. »Diesmal nicht!«

»Dein Wort in Merlins Ohr«, antwortete Hermine und flüchtete in den Mädchenschlafsaal. Sie hörte noch, wie er sagte: »Darüber reden wir noch.«

Seine Drohung machte er beim Abendessen wahr. »Was ist los mit dir? Willst du den Siegeswillen unserer Mannschaft untergraben? Ich erwarte von dir, dass du wie immer auf der Tribüne sitzt und mich am lautesten anfeuerst. Was soll daraus werden, wenn meinem größten Fan plötzlich Zweifel an meinen Fähigkeiten kommen?«

»Keine Zweifel M..., ein realistische Einschätzung.«

»Seit wann bist du denn realistisch?«, fragte er abfällig.

»Seit heute.«

»Dann schätz mal die Punktzahl, die du gegenwärtig auf meiner Beliebtheitsskala gestiegen bist.«

»Null?«

Malfoy sah sie überrascht an. »Nah dran«, meinte er schließlich. »Aber du hast noch eine Chance, wenn du mir gleich deine Hausaufgaben gibst.«

Hermines Nerven waren zum Zerreißen angespannt. »Das kannst du vergessen!« Sie sprang auf. Ohnehin hatte sie das Essen fast beendet und der Termin mit Snape rückte näher. Hoffentlich war Professor McGonagall auch zugegen. Hermine spürte, wie sie etliche Blicke auf sich zog, auch welche vom Gryffindortisch. Deshalb senkte sie die Stimme als sie Malfoy anfauchte: »Du kannst mir gestohlen bleiben, aber so was von. Lass mich einfach in Ruhe!«
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