Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Zaubertrank des Schicksals

von Lady S
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18
Draco Malfoy Hermine Granger Pansy Parkinson Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
25.12.2011
22.04.2012
19
68.759
186
Alle Kapitel
408 Reviews
Dieses Kapitel
50 Reviews
 
 
25.12.2011 3.444
 
Disclaimer: Alle Figuren gehören ausschließlich J.K. Rowling und ich verdiene kein Geld mit der FF.



Vorwort:

So, wie versprochen geht es weiter mit der nächsten Dramione-Story. Wie von euch gewünscht ist die Story in der P 18-Version, die entsprechenden Kapitel werde ich aber vorher ankündigen. Wer also noch nicht seinen 18. Geburtstag gefeiert hat, darf ruhig mitlesen.
Jetzt wünsche ich euch viel Spaß mit den beiden und ihren Verwicklungen.

Lady S




Erstes Kapitel


Der Zaubertrank


Sie saßen alle in der großen Halle. Nichts in Hogwarts erinnerte mehr an die schweren Verwüstungen, welche die Schule bei der Schlacht vor vier Monaten erlitten hatte. Zum letzten Mal erlebten sie die Verteilung der neuen Schülerinnen und Schüler auf ihre Häuser mit. Das nun wirklich letzte Schuljahr von Harry Potter und seinem Jahrgang war angebrochen. Lord Voldemort war vernichtet und da die Prüfungen im letzten Jahr ausgefallen waren, kamen etliche zurück, um ihren Abschluss nachzuholen.

Professor Dumbledore hatte gerade seine Rede beendet. Wie versteinert hatte die gesamte Schülerschar dagesessen und ihn angestarrt, als er in der Halle erschienen war. Hermine hatte schnell zu Harry hinübergesehen. Der war totenbleich und umklammerte Ginnys Arm. Ron begnügte sich damit, den Mund zu öffnen und ihn erst wieder zu schließen, als Hermine ihn kräftig in die Rippen stieß.

Dumbledore hatte zum Gryffindortisch hinübergesehen und gezwinkert, ehe er begann, seinen vermeintlichen Tod zu erklären. Kein Laut war in der Halle zu hören, als der Schulleiter erzählte, wie Professor Snape ihn mit dem unverzeihlichen Fluch lediglich in einen todesähnlichen Schlaf versetzt hatte. Das konnte nur gelingen, weil Dumbledore zuvor den Trank des lebenden Todes eingenommen hatte. Leider war die Dosierung falsch bemessen worden, so dass er erst an Beltane wieder erwachte. Ohne Zauberstab hatte er einige Mühe gehabt, sich aus dem Grabmal zu befreien. Dann hatte er sich zur Heulenden Hütte geschleppt und dort Professor Snape gefunden. Glücklicherweise noch rechtzeitig. Ihm gelang es die Wunde zu schließen, die Voldemorts Schlange Nagini gerissen hatte. Dann war er mit letzter Kraft samt Snape nach London zum St. Mungos Hospital appariert. Dort hatte man die beiden wieder gesund gepflegt. Professor Snape würde wieder Verteidigung gegen die dunklen Künste lehren, während Professor Slughorn sich weiterhin dem Zaubertrankunterricht widmen würde. Allerdings würde Snape erneut der Hauslehrer von Slytherin werden.

Erst jetzt entdeckte Hermine am Lehrertisch den hakennasigen bleichen Professor, dessen fettiges schwarzes Haar bis auf seine Schultern herab fiel. Ein weiteres Mal sah sie zu Harry hin. Der schluckte und beugte sich zu ihr hinüber.

»Bin echt gespannt, wie Snape sich uns gegenüber verhalten wird, jetzt, wo er sich nicht mehr verstecken muss und er immer auf unserer Seite war.«

»Erwarte nicht zuviel, Harry«, warnte Hermine. »Es muss ihm verdammt peinlich sein, dass er dir seine Gedanken gegeben hat. Das hat er nur getan, weil er glaubte, sterben zu müssen.«

Harry schob sich die Brille zurecht. »Wir werden es bald wissen. Ich bin jedenfalls froh, dass ich ihn nicht wieder in Zaubertränke habe. Seit der Sache mit dem Buch würde er doch ohnehin nur glauben, ich pfusche.«

»Hast du doch auch getan«, sagte Hermine sofort. Es nagte immer noch an ihr, dass Harry sie dank der Randnotizen des Buches in dem Fach überflügelt hatte. Unwillkürlich glitt ihr Blick zum Tisch der Slytherins hinüber. Es hätte sie nicht weiter verwundert, dort Crabbe zu erblicken. Wenn schon Dumbledore und Snape von den Toten auferstanden waren, warum nicht auch der grobschlächtige Slytherin. Doch Crabbe schien das Dämonsfeuer wirklich nicht überlebt zu haben. Der andere von Malfoys Gorillas, Gregory Goyle, saß jedoch wie eh und je neben dem silberblonden Reinblüter. Auch Blaise Zabini, Millicent Bulstrode und Pansy Parkinson entdeckte Hermine, während Theodore Nott es offenbar vorgezogen hatte, nicht nach Hogwarts zurückzukehren. Sie hoffte sehr, dass Malfoy sich nach seiner Rettung im Raum der Wünsche den Gryffindors gegenüber etwas weniger feindselig verhalten würde, doch darauf bauen würde sie nicht. Vielleicht schaffte er es gerade noch, sich Harry gegenüber zusammen zu reißen, doch eine Muggelgeborene, wie Hermine eine war, würde nach wie vor weit unter seiner vermeintlichen Würde liegen. Hermine wusste, dass er und seine Eltern nur aufgrund dessen um das Zauberergefängnis Askaban herumgekommen waren, weil sich keiner von ihnen bei der Schlacht um Hogwarts aktiv beteiligt hatte. Irgendwie wurmte es sie, dass es dieser Familie immer wieder gelungen war, sich aus der Verantwortung zu stehlen. So viele Mitglieder auf beiden Seiten hatten nahe Angehörige zu beklagen, nur die Malfoys nicht, es sei denn, Dracos Mutter trauerte um den Verlust ihrer Schwester Bellatrix, doch Hermine konnte es sich nicht wirklich vorstellen. Seufzend wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem Essen zu, das wie aus dem Nichts samt Tellern auf der langen Tafel aufgetaucht war.

Ron begann sogleich damit, es wahllos in sich hineinzustopfen. Hermine lächelte, sie würde später auf seine Figur achten müssen, denn er tat es ganz gewiss nicht. Dabei fing sie den Blick von Cormac McLaggan auf. Der blonde Gryffindor zog kurz die Augenbrauen zusammen und widmete sich ebenfalls seinem Abendessen, während Parvati Patil, die neben ihm saß, Hermine kurz zunickte und dann fortfuhr, sich mit ihrer Freundin Lavender Brown zu unterhalten.

Ginny beugte sich ein wenig hinüber und flüsterte: »Parvati hat mir erzählt, McLaggan hat die Schulleitung angebettelt, seinen Abschluss wiederholen zu dürfen. Im Jahr als Dumbledore vom Turm stürzte, hat er die Prüfung völlig vermasselt und ist letztes Jahr aufgrund des Krieges nicht zurückgekehrt. Offenbar hat Dumbledore mal wieder beide Augen zugedrückt.«

Hermine rümpfte die Nase und nahm sich vor, McLaggan möglichst aus dem Weg zu gehen.


Am nächsten Morgen wurden die Stundenpläne verteilt. Hermines war so voll, dass sie kaum Freistunden hatte. Ron schüttelte den Kopf, als er über ihre Schulter blickte. »Warum, bei Merlins Bart, hast du denn schon wieder Muggelkunde belegt? Du weißt doch ohnehin alles darüber.«

»Wie ich es bereits schon einmal versucht habe dir zu erklären, ist die Sichtweise von Zauberern auf nichtmagische Menschen eine ganz andere.«

Ron grunzte lediglich und betrachtete seinen eigenen Stundenplan. »Zaubertränke und Verteidigung gegen die dunklen Künste haben wir gemeinsam mit den Slytherins. Der Rest ist erträglich.«

Hermine grinste leicht. »Ich denke nicht, dass allzu viele Slytherins in Snapes Unterricht auftauchen werden. Malfoy und Goyle werden wir da bestimmt nicht sehen.«

Drei Stunden später wurde sie jedoch eines Besseren belehrt. Nicht nur der Blonde und sein Bulle waren erschienen, sondern auch Blaise Zabini und Pansy Parkinson. Die vier suchten sich Plätze weit hinten und waren somit Hermines Blickfeld entschwunden.

Professor Snape ging ein wenig schwerfällig, als er den Raum betrat. Am Pult angekommen ließ er seine schwarzen Augen über die Schüler huschen. Bei Harry verharrte er einen Moment. Seine Mundwinkel zogen sich kaum merklich nach unten. Dann verlangte er von allen, ihre Bücher aufzuschlagen. Er ließ sich darüber aus, was er in diesem Schuljahr alles von ihnen fordern würde, und sie sollten sich schon jetzt darauf einstellen, ein »Ohnegleichen« in einer UTZ-Prüfung wäre bei ihm nicht zu schaffen.

Ron beugte sich zu Harry und flüsterte so laut, dass auch Hermine es hörte: »Von wegen, der hat sich nicht gebessert.«

»Drei Punkte Abzug, Mr. Weasley, für haltloses Geplapper während des Unterrichts«, sagte Snape beinahe genüsslich.

Ron schluckte, war aber still. Den Rest der Stunde hielt er den Mund. Bereits am ersten Tag Punkte für sein Haus zu verlieren, hatte noch nicht einmal damals geschafft, als er mit Harry samt Auto in der Peitschenden Weide gelandet war.

Nach dem Mittagessen gingen die vier befreundeten Gryffindors über die Ländereien spazieren. Harry hatte den Arm um Ginny gelegt und Ron hielt Hermine an der Hand. Die Sonne lachte an diesem zweiten September auf sie hinab.

»Unser letztes Jahr«, ließ Hermine ein wenig wehmütig vernehmen.

»Merlin sei dank«, antwortete Ron. »So wie du deinen Stundenplan vollgestopft hast, könnte man meinen, du wolltest in einem Jahr gleich zwei nachholen. Du hast doch nicht wieder einen Zeitumkehrer von McGonagall bekommen?«

Hermine schüttelte den Kopf. »Keine Sorge, ich habe auch nicht alle Kurse belegt. An Wahrsagen zum Beispiel, habe ich nach wie vor kein Interesse.«

»Schon klar«, meinte Ron mit einem Lächeln. »Aber Arithmantik, Alte Runen, Muggelkunde ...«

»Ach, hör schon auf.«

»Das sind alles Freistunden, die wir beide besser nutzen könnten. In der wenigen freien Zeit, die dir noch bleibt, wirst du ausschließlich mit Lernen beschäftigt sein.« Ron stöhnte.

»Jetzt gehe ich doch auch mit euch spazieren«, widersprach Hermine.

»Aber nur, weil heute erst der erste Schultag ist und wir noch nicht viele Hausaufgaben bekommen haben, oder?«, mischte sich Ginny ein.

»Ich habe schon vorgearbeitet«, versuchte Hermine es weiter, »und in den Ferien alle Bücher durchgelesen.«
»Wie oft?«, fragte Ginny bloß und grinste wissend.

»Dreimal.«

Rons Schwester wurde einer Antwort enthoben. Gregory Goyle trat aus dem Schatten eines Baumes auf sie zu. Malfoy folgte ihm, blieb aber einige Schritte zurück. Augenblicklich spannten sich die vier Gryffindors an.
Sichtlich verlegen tappte Goyle von einem Fuß auf den anderen. Sein Blick wanderte zwischen Ron und Hermine hin und her. »Ähm«, räusperte er sich. Sein Kopf ruckte nach hinten zu seinem Kumpel. »Draco hat mir erzählt, was im Raum der Wünsche passiert ist und dass ihr beide mich da rausgeholt habt. Ja äh, also danke dafür.«
Ron und Hermine sahen ihn erstaunt an.

Malfoy kam einen Schritt näher. Zunächst schien es, als wollte er etwas sagen, begnügte sich dann aber mit einem knappen Nicken in Harrys Richtung.

»Was soll das, Greg?«, rief Pansy Parkinson schrill, die sich bei den beiden aufgehalten hatte und sich jetzt vom Stamm des Baumes abstieß. »Hätte Draco dich nicht festgehalten, hätten auch Potter und seine Freunde dich nicht retten können.«

Langsam wandte Goyle den Kopf und musterte die schwarzhaarige Slytherin einen Moment. »Bei Draco habe ich mich schon bedankt.«

»Aber er hat doch das meiste getan.«

»Halt den Mund Pansy«, sagte Malfoy mit einer gewissen Schärfe in der Stimme.
Die Gescholtene zog eine Schnute, schwieg jedoch.

»Schon gut«, sagte Hermine zu Goyle.

Der sah sie an, nickte dann noch einmal und drehte sich langsam um. Sprachlos sahen die Gryffindors den Slytherins nach, wie sie zum Schloss zurückgingen.

»Was war das denn?«, fragte Ron, nachdem er sich offenbar von seiner Überraschung erholt hatte.
»Ein Friedensangebot?«, vermutete Harry.

Hermine schüttelte den Kopf. »Nein, so weit würde ich nicht gehen. Schau dir Snape an. Ein Slytherin kann nicht aus seiner Haut. Warte nur ab, wenn das Schuljahr weiter fortgeschritten ist, werden sie es vergessen haben und wieder genauso gemein sein wie früher.«


Einige Wochen waren ins Land gegangen. Zwischen den Slytherins und den Gryffindors schien eine Art brüchiger Waffenstillstand zu existieren. Die Schlangen verzichteten auf Beleidigungen und die Löwen beachteten sie nicht weiter. Einzig Pansy Parkinson ließ sich ab und an zu einer Bemerkung hinreißen, besonders wenn sie mit ihrer Freundin Millicent Bulstrode zusammen war. Irgendwie schien sie jedoch darauf bedacht, dies nie in Beisein von Malfoy oder Goyle zu tun. Hermine war froh, Parkinson und Bulstrode gemeinsam nur in Zaubertränke ertragen zu müssen.

Die Lehrer legten sich mit dem Stoff mächtig ins Zeug und schienen noch mehr Hausaufgaben zu fordern als in den Schuljahren zuvor. Hermine stöhnte unter der Last der Stunden, die sie sich selbst auferlegt hatte. Mochte Ron auch zu Beginn ein wenig schadenfroh gewesen sein, so bewahrheitete sich seine Vermutung, Hermine würde kaum Zeit für ihn haben.

Immer öfter stritten sie sich, weil Ron sich vernachlässigt fühlte und Hermines Ehrgeiz nicht nachvollziehen konnte. Eine Streberin war sie zwar schon immer gewesen, aber jetzt trieb sie es nach Rons Meinung auf die Spitze. Fauchend hatte Hermine ein wenig mehr Verständnis von ihm gefordert, und sich gleich darauf für Stunden in der Bibliothek vergraben. Vorsichtig versuchte Ginny zwischen ihrem Bruder und ihrer besten Freundin zu vermitteln, wurde jedoch von beiden rüde abgewiesen. Harry zuckte nur mit den Schultern und hielt sich aus der Sache heraus.

Professor Slughorn hatte die Tradition des Slugclubs fortgesetzt und Ende Oktober die erste Zusammenkunft anberaumt. Hermine nahm sich fest vor, beim alljährlichen Weihnachtstreffen endlich einmal mit Ron hinzugehen. Als sie ihn danach fragte, leuchteten seine Augen auf und für einen Moment war zwischen ihnen wieder alles in Ordnung.

Es war Mitte Oktober, als die Tür zum Kerker aufflog und Professor Snape in sein ehemaliges Klassenzimmer hereinstürmte. Die Gryffindors sahen sich mit großen Augen an.

»Professor Slughorn ist unpässlich«, sagte der hakennasige Lehrer kühl, »und hat mich gebeten, ihn heute zu vertreten. Ich werde Ihre Kenntnisse in der Braukunst von Zaubertränken heute auf die Probe stellen, um zu sehen, ob die Saat, die ich gelegt habe, auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Viel Hoffnung hege ich bei einigen von Ihnen allerdings nicht.« Dabei glitten seine Augen zu den Gryffindors hinüber.

»Sie werden sich heute an dem Verwechslungszaubertrank versuchen.«

Hermines Hand schnellte nach oben. Snape übersah sie geflissentlich.
»Je ein Gryffindor und ein Slytherin stellen sich an einen Kessel. Potter, hinüber zu Mr. Zabini, Weasley zu Mr. Goyle, Longbottem zu Mr. Malfoy, Miss Parkinson, Sie werden mit Miss Granger zusammenarbeiten.« Nach und nach hatte Snape die gesamte Klasse aufgeteilt. »Nun schlagen Sie bitte die letzte Seite Ihres Buches für Zaubertränke auf.«

Hermine wurde der Arm lahm, aber sie biss die Zähne zusammen und hielt ihre Hand weiterhin in die Höhe. Snapes Lippen kräuselten sich ein wenig. »Unsere Miss Granger hat noch Einwände?«

»Verzeihung, Sir. Den Verwechslungszaubertrank zu brauen ist grundsätzlich verboten. Schon zu vielen Magiern sind dabei Fehler unterlaufen und sie konnten sich nicht mehr zurückverwandeln.«

Snape lächelte hämisch. »Falsch Miss Granger. Nicht das Brauen ist verboten, sondern die Einnahme. Außerdem sollen Sie das Gebräu ja nicht trinken. Falls es Sie beruhigt, ich habe das mit Professor Dumbledore abgesprochen. Ich denke, die haltlose Bemerkung kostet Ihr Haus fünf Punkte.«

Hermine senkte betreten den Blick, während Pansy Parkinson neben ihr haltlos zu kichern begann. Snape ignorierte das Betragen der Slytherin. »Miss Granger, Sie riskieren gerade einen weiteren Punktabzug, wenn Sie nicht sofort Ihr Buch aufschlagen.«

Hastig blätterte Hermine die richtige Seite auf. Sie hatte nicht den Eindruck, als wäre der Professor auch nur ein Jota freundlicher als früher. Die Zusammenarbeit mit Pansy Parkinson gestaltete sich zunächst recht einfach. Das Mädchen beschränkte sich darauf, Hermine zuzusehen, wie sie die Zutaten zusammenstellte und anschließend verarbeitete.

Snape ging durch die Reihen. Bei Malfoys und Nevilles Kessel blieb er stehen. »Longbottem, Sie sollten die Führung auf jeden Fall Mr. Malfoy überlassen. Bis jetzt sieht der Trank noch sehr gut aus.« Eingeschüchtert verschränkte Neville die Arme und trat einen Schritt zurück. »Ich sagte die Führung, nicht die Arbeit, Longbottem!«

Malfoy zischte Neville etwas zu und dieser begann mit seinem Messer die Spinnenbeine zu enthaaren. Bei Harry und Zabini warf Snape nur einen kommentarlosen Blick auf den Kessel, während er bei Ron und Goyle theatralisch den Kopf schüttelte. Dann näherte er sich Hermine.

Jetzt stahl sich tatsächlich so etwas wie ein verkniffenes Lächeln auf seine schmalen Lippen. »Ausgezeichnet, Miss Parkinson, weiter so.«

Hermine zerkleinerte wütend eine Hufwurzel und warf sie in den Kessel. Das Gebräu wechselte sogleich die Farbe von zartviolett nach hellgrün. Schweigend arbeitete Hermine weiter.

»Noch zehn Minuten«, kündigte Snape an.

Hermine rann ein Schweißtropfen die Wange herab. Noch zwei Zutaten fehlten und der Trank musste noch eine kleine Weile gerührt werden.

»Wenn du mir jetzt nicht endlich hilfst, schaffen wir es nicht mehr«, zischte Hermine Pansy Parkinson zu. »Jetzt quetsche schon den Saft aus den Muränenbohnen.«

Die Angesprochene zog missmutig eine Augenbraue hoch, griff aber nach den drei Bohnen und schnitt sie der Länge nach auf. Sie hielt sie in einer Hand, ballte diese zusammen und streckte die Faust über dem Kessel aus.

»Was tust du denn da?«, rief Hermine entsetzt.

»Ich beschleunige lediglich das Verfahren.«

»Das funktioniert so nicht.«

»Dann mach's doch selbst, Schlammblut«, keifte Parkinson und warf die Bohnen komplett in den Kessel.
Augenblicklich wurde aus dem hellen Grün ein schmuddeliges Braun.

»Jetzt hast du meine ganze Arbeit zunichte gemacht, du blöde Kuh«, schrie Hermine und warf ihr Messer auf den Tisch.

Im Kessel begann es bedrohlich zu brodeln. Eine dicke, zähflüssige Blase bildete sich in der Mitte. Pansy grinste. »Schau mal, jetzt hat es die Farbe deiner Augen.«

Klatschend landete Hermines Hand auf ihrer Wange. Die Slytherin quiekte auf und zog ihrerseits an Hermines Haaren. Beide rempelten an den Tisch. Die große Blase war mittlerweile bis an den Kesselrand gestiegen und zerplatzte mit einem Knall. Der Kessel kippte um und der Inhalt ergoss sich über den Streithennen.

Snape eilte herbei. Die Klasse stand stumm da und starrte auf die beiden Mädchen.

»Aufhören!«, rief der Professor. »Folgen Sie mir sofort. Niemand rührt sich, solange ich weg bin.«

Sofort ließen die zwei voneinander ab. Snape führte Hermine und Pansy eilig in den nächsten Mädchenwaschraum.
»Tergeo«, murmelte er und saugte beiden die Überreste des Trankes von Gesicht, Haare und Kleidung. »Spülen Sie sich die Münder mit klarem Wasser aus«, bellte der Professor und Hermine glaubte eine leichte Panik in seiner Stimme mitschwingen zu hören. Beide gehorchten und sahen sich dann an. Zuerst geschah nichts, doch dann wurde Hermine plötzlich schwindelig. Sie fasste sich an den Kopf und stöhnte. Der Slytherin neben ihr erschien es nicht besser zu ergehen. Um Hermine drehte sich alles, schneller und immer schneller und dann wurde es dunkel.
Lange bleiche Finger hatten sich in ihre Schulter gekrallt und schüttelten sie kräftig. »Miss Granger, können Sie mich hören?«, rief Snapes Stimme in ihr Ohr.

Hermines Bewusstsein tauchte wieder an die Oberfläche. Sie lag auf dem Boden und fokussierte die schwarzen Augen vor ihr. »Es geht schon wieder, Professor«, sagte sie mit einer Stimme, die ihr merkwürdig fremd vorkam. Mit Snapes Hilfe erhob sie sich langsam. Dann fiel ihr Blick auf Pansy Parkinson, die sich jetzt ebenfalls regte. Hermine fühlte sich plötzlich wie versteinert. Sie starrte sich selbst an! In Zeitlupe drehte sie ihr Gesicht dem Spiegel zu. Die Slytherin sah sie daraus mit weit aufgerissenen Augen an, das schwarze Haar hing ihr wirr in die Stirn.
Hermines Blick suchte Snape, der jetzt Parkinson auf die Füße half. Die sah auch sofort in den Spiegel und begann einen Sekundenbruchteil später haltlos zu kreischen. Erneut ertönte ein Klatschen. Pansy hatte heute schon die zweite Ohrfeige kassiert, diesmal von ihrem Lehrer. Sie starrte Snape entgeistert an und rieb sich Hermines Wange.

»Sie dummes Mädchen«, brüllte Snape. »Was haben Sie da nur angerichtet? Einfach die Bohnen in den Trank zu werfen. Ein wenig mehr Verstand hätte ich Ihnen schon zugetraut, Miss Parkinson.«

»Das können Sie doch bestimmt wieder rückgängig machen, Professor«, piepste Pansy.

»Bedaure«, sagte Snape, plötzlich wieder kalt und überlegen. »So einfach wird das nicht werden. Ich muss zuerst den Trank, den Sie gebraut haben analysieren, bevor ich mich an das Gegenmittel heranwagen kann. Das dauert eine Weile. Ein Fehler und Sie beide bleiben auf ewig im Körper der anderen gefangen.«

»Nein, das kann doch nicht wahr sein.« Pansy warf panische Blicke um sich, während Hermine immer noch wie festgenagelt auf ihrem Platz stand. »Ich bin in den Körper eines Schlammblutes gerutscht!«

»Fünfzehn Punkte Abzug für Gryffindor, Miss Granger«, donnerte Snape. »Für die Verwendung dieses Wortes.«
Hermine zuckte zusammen, ehe sie merkte, dass der Lehrer sie gar nicht gemeint hatte.

»Miss Parkinson«, bellte Snape nun, die Augen immer noch auf Pansy gerichtet. »Die echte Miss Granger würde weder andere und schon gar nicht sich selbst als solches bezeichnen.« Er holte Luft und fuhr merklich distanzierter fort: »Sie beide müssen sich an Ihre neuen Rollen gewöhnen. Es bleibt Ihnen derzeit nichts anderes übrig. Außer den Professoren Dumbledore und McGonagall wird auch niemand von dem Tausch erfahren. Bemühen Sie sich also im eigenen Interesse das Leben der anderen so gut als möglich zu übernehmen. Desto leichter wird später die Rückverwandlung sein. Ich brauche wohl nicht extra zu betonen, dass Sie mit niemandem darüber reden dürfen. Ansonsten lasse ich Sie auf ewig in dem anderen Körper stecken.«

Hermine fühlte sich, als wäre etwas in ihr gestorben. Auch Pansy war die Verzweiflung in Hermines Gesicht geschrieben.  

»Reißen Sie sich jetzt zusammen«, verlangte Snape. »Wir kehren in die Klasse zurück.« Wie in Trance folgten ihm die beiden Schülerinnen. Dort angekommen, erwartete sie die nächste böse Überraschung. Jemand hatte die Überreste des verkorksten Trankes aufgewischt.

»Wer war das?«, donnerte Snape erneut.

Goyle trat vor.

»Ich sagte doch, nicht rühren!«

»Habe ich auch kaum. Ich dachte, Sie freuen sich, wenn Ihnen einer die Arbeit mit dem Ratzeputzzauber schon abgenommen hat«, grunzte der grobschlächtige Slytherin.

Snape stöhnte und sah Hermine und Pansy beinahe entschuldigend an. »Es wird jetzt noch unendlich schwieriger werden.« Dann wandte er sich an die Klasse. »Miss Parkinson und Miss Granger haben etliches von der Suppe abbekommen, die sie sich da zusammengebraut haben. Es kann sein, dass die beiden Ihnen in der nächsten Zeit manchmal etwas merkwürdig vorkommen werden. Das legt sich aber irgendwann. Der Unterricht ist für heute beendet. Gehen Sie jetzt zum Mittagessen. Miss Parkinson, Miss Granger, Sie kommen heute Abend um acht Uhr in mein Büro.«
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast