Erstes Buch - Flügelschlag

von Nadja1990
GeschichteFantasy, Übernatürlich / P12
23.12.2011
23.12.2011
1
860
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
 
Prolog

Es ist ungerecht. Sie können machen was sie wollen. Und immer, jedes Mal, wird ihnen Vergebung zu teil. Aber was ist mit uns? Dienen wir ihm nicht viel mehr? Ich schufte, bemühe mich, seinen Erwartungen gerecht zu werden. Doch er hat nur Augen für sie. Lange habe ich dies hingenommen, habe gedacht, dass seine Entscheidungen weise und gütig uns gegenüber seien. Doch ich sehe es nun klar und deutlich vor mir. Wir haben ihm lange, länger als man es sich vorstellen kann, treu und zuverlässig gedient. Wir bekämpften die Feinde, nahmen jedes neue Hindernis in Kauf und legten den Eid der Barmherzigkeit und Nächstenliebe ab. Doch haben wir jemals seine unermessliche Güte und Liebe erfahren? Selbstverständlich darf man als solcher wie ich es bin nicht danach fragen. Jedoch fühle ich, dass es weder gerecht, noch gütig ist, sie zu bevorzugen, während wir als seine Marionetten fungieren. Nun würden viele diese Gedanken als Blasphemie und Verrat an ihm bezeichnen. Aber ist es nicht unser gutes Recht? Steht es uns nicht zu, dass auch er uns seine Liebe und Herzlichkeit entgegen bringt? Ich wäre ein Narr, wenn ich dies alles widerstandslos annehmen und akzeptieren würde. Ich versuche, vorerst nicht weiter daran zu denken. Doch je mehr ich es leugnen will, umso größer wird die Verachtung, ja Verachtung, und es ist nichts weiter, was ich noch für ihn übrig habe. Mich plagen Angst und Schuldgefühle, weil ich glaube, ich würde zu viel verlangen. Die Angst, nichts dagegen unternehmen zu können, wächst täglich. Und wenn ich sie sehe, so vergrößert sich die Verachtung nur noch mehr. Wie sie vor sich hin leben und nicht einmal merken, es nicht einmal ahnen, dass er ihnen so viel gibt. Sie könnten lügen, stehlen, verletzen, ja sogar morden, und er würde ihnen vergeben. Manche bitten ihn darum, die meisten jedoch sind blind, und ahnen nicht, welch übermäßige Geduld er ihnen entgegen bringt. Und zwar jedem von ihnen, egal wie groß der Glaube an ihn auch sein mag, er beschützt sie. Er liebt sie! Und die meisten glauben noch nicht einmal an ihn. Es macht mich krank und lässt mich immer wieder aufs Neue verzweifeln. Diese widerliche Ungläubigkeit macht mich rasend, danken tun sie es ihm auch nicht und ihr Gewissen ist stets rein und unbefleckt. Dabei zusehen zu müssen, wie viel sie ihm bedeuten und wie unfair er uns im Gegenzug behandelt, hat meine Verachtung zu Hass werden lassen. Wenn ich einen oder mehrere von ihnen ermorden müsste, nur um seine ungeteilte Aufmerksamkeit zurück zu erlangen, ich würde es tun. Doch ich weiß, wie er darauf reagieren würde. Dann würde es endgültige Verbannung und Unterwerfung bedeuten. Also spiele ich weiterhin den gütigen, hilfsbereiten und liebevollen Gefährten, der ihn begleitet. Der ihm zur Seite steht und sich um diese hilflosen und schwachen Wesen kümmern muss. Lange halte ich dies nicht mehr aus. Ich habe bereits mit anderen meiner Art, die sich ebenfalls ungerecht behandelt fühlen, gesprochen und komme nun zu der Erkenntnis, dass viele dasselbe denken. Jedoch bin ich immer noch der Einzige, der wirklich wütend auf ihn ist, und auf sie! Auf diese verachtenswerten Wesen, die mir alles genommen haben. Erst erschuf er sie und fing an, sich für sie zu interessieren. Doch schon bald erkannte er, dass sie viel mehr für ihn waren, als nur ein Experiment. Es wurden seine Kinder. Die er mit solch einer Hingabe liebt und verteidigt, als würden wir gar nicht mehr existieren. Wir waren nur solange für ihn interessant und wertvoll, bis dieser ganze Wahnsinn begann. Er spricht andauernd davon, dass sie so viel Potential hätten und man ihnen nur eine Chance geben müsste, sodass sie sich beweisen könnten. Doch wie viele Chancen will er ihnen noch geben? Unendlich viele? Und macht sie das dann zu etwas Besserem als wir es sind? Vielleicht fühlen wir nicht so wie sie und vielleicht sind wir überhaupt nicht so wie sie, aber meine Empfindungen und mein Herz sagen mir, dass auch ich eine Chance verdiene. Ich will unter den gleichen Bedingungen geliebt und behandelt werden. Und ich glaube, dass dies nicht zu viel verlangt ist. Es wird eine Zeit kommen, da ich erkennen werde, ob meine Absichten nun erstrebenswert sind oder ob ich einfach das bleibe und sein werde, was ich nun mal bin. Doch solange dies nicht entschieden ist, bleibt mir nur eine Möglichkeit. Ein Mensch zu werden.







*************************************************************************
Anmerkung der Autorin:
Leider habe ich bis jetzt nur den Prolog geschafft und der ist noch nicht mal besonders lang geworden. Aber ich finde, er sagt genau das aus, was er aussagen soll. Ich möchte noch nichts vorwegnehmen, daher bin ich gespannt, was ihr dazu sagen werdet und welche Vermutungen ihr anstellt, wer dies sein könnte, aus dessen Sicht ich dieses Kapitel geschrieben habe.
Ich muss zugeben, dass es mir oft schwer fällt, die richtigen Worte und Ausdrücke für das zu finden, was ich mit dem Text ausdrücken möchte. Daher hoffe ich, dass ihr es mir nachsehen werdet, wenn diese FF nicht schnell voranschreiten wird.
Ich liebe diesen Charakter jetzt schon und hoffe daher auch inständig, dass ihr ihn genauso sehr lieben werdet :) Er wird sich noch sehr verändern, so viel sei gesagt.

Ich freue mich auf euer Feedback und Anregungen!
Review schreiben