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Die drei Musketiere....wie animalisch !

von RobinHood
GeschichteAbenteuer / P12
Aramis Athos D'Artagnan Graf Rochefort Kardinal Richelieu Porthos
21.12.2011
28.02.2013
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21.12.2011 2.024
 
Ich erkundete noch ein bisschen das Schloss und war von fast jedem Raum eingenommen. Säle, die in einem satten Weinrot gehalten sind oder in einem leuchtenden  Minzgrün. Überall Muster an den Wänden. Außerdem die Kronleuchter, die wie selbstverständlich an den Decken hingen. Es war zauberhaft. Ich glaubte, dass ich meinen Urlaub auf unbefristete Zeit verlängern musste.
Als es dann bald Zeit wurde für das Essen, zog ich mir ein himmelblaues Kleid an und trat hinaus.
Überraschenderweise stand einer der Musketiere vor meiner Tür. Es war der große, stattliche. Wie war sein Name nochmal? Ich glaube Athos.
„Mademoiselle“, er verbeugte sich,“ich soll sie zum Abendessen begleiten.“
Ich lächelte ihn freundlich an. „Ist der Weg dahin denn so gefährlich, dass ich ein starkes Musketier brauche um diesen zu überleben, Monsieur?“
„Sie können mich ruhig mit meinem Vornamen ansprechen. Wenn sie sich an diesen denn noch erinnern können.“ Er lächelte schelmisch. Ich wurde rot und setzte alles auf eine Karte:“Natürlich kann ich das noch, Athos.“
Er hielt mir den Arm hin und ich hakte mich ein. „Nun erzählen sie über sich, Athos. Wie sind sie zum Leiter der berüchtigten königlichen Schutzgarde geworden? Bei uns im 'Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation' wünscht sich jeder Junge zu ihnen zu gehören. Was für Heldentaten haben sie vollbracht? Haben sie einen Drachen getötet und in seinem Blut gebadet, sodass sie jetzt unsterblich sind?“
Er lachte auf. „Was für eine amüsante, junge Dame sie doch sind. Natürlich habe ich keinen Drachen getötet. Drachen sind doch reine Fantasiegeschöpfe. Die Geschichte über meinen Aufstieg mit meinen drei Freunden werde ich ihnen ein andermal erzählen, Eure Schönheit. Nun aber lasst uns essen.“
Eine Flügeltür wurde von zwei Pagen geöffnet und dahinter erstreckte sich eine meterlange Tafel gedeckt mit den appetitlichsten Speisen aus Frankreich und Deutschland gleichermaßen. Kerzenständer beleuchteten die Speisen und der cremefarbene Tischläufer zeugte von seinem hohen Wert.
Ich setzte mich gegenüber dem König hin und rechts von mir setzte sich Ophélie. Zu meinem Verdruss setzte sich Robinson links von mir hin. Louis war eine richtige Quasselstrippe und wundersamer Weise ging ihm nie der Gesprächststoff aus, obwohl sein einziges Thema Mode und Kleidung war. Er lobte mein Kleid und wie sehr mir die Farbe schmeicheln würde. Außerdem fragte er mich wie ich denn seinen heutigen Aufzug fand. Dieses Grasgrün mit Lila war ein großer Fehler, aber dies sagte ich ihm natürlich nicht. „Dieses Lila harmoniert perfekt mit dem Grün, Louis. Eine exzellente Wahl.“ Ophélie kicherte und versuchte es noch mit einem Husten zu tarnen. Ich trat sie unter dem Tisch. „Au!“
„Mademoiselle Ophélie, fehlt ihnen was?“ fragte der König ganz ahnungslos.
Ophélie schaute mich unsicher an und schüttelte den förmlich lächedn den Kopf: „Ich habe mir nur die Zunge verbrannt an dieser Suppe.“
Alle schauten sie unsicher an, aber keiner sagte etwas.  Der Rest des Essens verlief Ereignislos. Wir verabschiedeten uns und alle zerstreuten sich. Ophélie und Albert gingen „ins Bett“. Wahrscheinlich trafen sie sich noch in einem dunklen Winkel des Gartens und taten, was man als Verliebte eben so tat. Ich hoffte nur, dass Ophélie sich nicht zu sehr hingab. Das könnte gefährlich werden! Ich setzte mich noch ein bisschen mit Aramis, Porthos, Athos und Robinson zusammen in einen Salon und wir redeten freundlich. Die vier erzählten mir von ihrem Aufstieg zu den führenden Persönlichkeiten. Sie hatten wohl eine vermeintliche, gefälschte Kriegerklärung von Rochefort abgefangen. Leider gab es keine ausreichenden Beweise um den leitenden Kopf, Kardinal Richelieu also, zu überführen.
„Dieser Kardinal war mir vom ersten Momentan an unsympathisch.“ sagt ich mit grimmiger Miene.
Alle lachten und Athos klopfte mir auf die Schulter: „ Sie sind mir von Anfang an sympathisch ,Mademoiselle. Ich trauere schon jetzt dem Tag nach, an dem sie uns verlassen werden. Sie müssen versprechen uns so oft wie möglich besuchen zu kommen. Die einen wird es mehr erfreuen als die anderen.“ zwinkerte er mir mit einem Blick Richtung Robinson zu. Ich wurde rot. Ich würde mich ganz bestimmt nicht auf seine Anwesenheit freuen.
„Ich werde euch jedes Jahr mindesten einmal sehen. Ist das Recht so?“  
Alle nickten, sogar der Namenlose. Aramis richtete sich in seinem Stuhl auf.
„Nun erzählen sie uns, Mademoiselle“,
„Ich muss dich unterbrechen. Bitte nennt mich bei meinem Vornamen,ja? Diese Höflichkeitsformeln sind mir unter Freunden so verhasst.“
Er nickte zustimmenden. „Gut, Cathérine. Erzähl du uns jetzt deine Leidensgeschichte.“
In die Runde schauend, beschloss ich mich es nicht zu tun. „Ich habe keine Leidensgeschichte. Da muss ich euch enttäuschen.“
Porthos lachte. „Jeder hat eine Leidensgeschichte. Besonders die Adligen.“
Ich wollte nicht schwach erscheinen vor ihnen. Ich wollte stark sein und anmutig. „ Ich nicht. Im Allgemeinen bin ich doch anders als alle Adligen, die ihr bisher kennengelernt habt, oder nicht? Ich bin eben was Besonderes“, versuchte ich es ins humorvolle zu ziehen um sie von diesem Thema abbringen. „Ich würde ja eher was Außergewöhnliches als was Besonderes sagen. Aber anders allemal. Wahrlich“
Ich schaute Robinson wütend an. Jetzt konnte ich nicht mehr: „ Wer gibt dir das Recht das zu sagen? Wer keinen Namen trägt, der hat auch kein Recht mich zu richten. Du findest das wohl witzig mich hinzuhalten. Dein Name interessiert mich nicht einmal mehr. Mach damit was du willst. Ich gebe dir einen Namen : Scheinheiliger Nichtsnutz. Da hast du es!“
Ich war aufgestanden und wollte mich nicht nochmal hinsetzten, also stürzte ich raus auf den großen terrassenartigen Balkon, um ein bisschen Luft zu schnappen. Was war da eben mit mir los gewesen? Warum hatte ich ihn so angefahren? Er hatte doch nur einen Scherz gemacht. Ich schloss die Augen und atmete tief durch. Gott, was war nur mit mir los? Ein Page kam heraus und reichte mir wortlos einen Brief aus Deutschland. Schrieb mein Vater etwa schon so früh? Was er wohl jetzt wieder brauchte? Ich brach das Siegel und öffnete das Papier:

Liebste Tochter,

komm nicht nach Hause. Mein Halbbruder Gulliver hat die Burg gestürmt und mich in den Kerker gesperrt. Dieses Brief konnte ich nur mit Mühen und der wahren Treue eines mutigen Soldaten aus der Burg bringen. Ich hoffe du bekommst diesen Brief früh genug.
Gulliver ist mit seinem Sohn und 2 Dutzend Soldaten her gestürmt und hat dich hier wohl erwartet, um dich zwangsweise mit seinem dümmlichen Nachfahren zu vermählen. Bitte bleib also fort.
Ich weiß wir hatten in den letzten Jahren hauptsächlich meinetwegen eine sehr eisige Beziehung.
Das ändert aber nichts an d´meiner bedingungslosen Liebe zu dir, meine Tochter.
Such dir einen akzeptablen Mann und baue dir ein schönes Leben in Frankreich auf, ja?
Da deine Sprachkenntnisse nahezu perfekt sind, wirst du auch niemals auffallen.  
In ein paar Tagen werde ich scheiden und diese Welt verlassen. Das einzig Gute ist, dass ich deine Mutter endlich wieder sehen werde. Ich werde sie von dir Grüßen.
Bitte vergib mir meine Fehler. Denk immer daran:

„Solange es die Sterne gibt, glaub daran wirst du geliebt.“

dein Vater

Ich wusste nicht, wie ich fühlen sollte. Angst und Kummer rissen mich aus der Schockstarre und die Tränen liefen mir über die Wange. Was sollte ich nur tun? Was KONNTE ich tun? Mein Vater würde bald hingerichtet werden und ich saß tatenlos herum.
Jemand trat auf den Balkon und ich wischte mir die Tränen schnell vom Gesicht.
„Cathérine. D'Artangan möchte sich entschuldigen für seine Worte. Was ist los?“
Porthos hatte mir wohl ins Gesicht geschaut und ich hatte nicht richtig aufgepasst. Da meine Stimme bestimmt wegbrechen würde, hielt ich ihm nur den Brief hin und starrte in die dunkle Nacht hinaus.
Die Sterne leuchteten besonders hell...was für eine Ironie.
Er versteifte sich spürbar neben mir: „Wir müssen was tun.“
Ich lachte traurig. „Was willst du denn tun? Da kann man nichts mehr tun, Porthos. Alles ist verloren. Die Grafschaft, die Freiheit der Untertanen und mein Vater. Mein lieber lieber Vater.“
Ich weinte wieder lautlos vor mich hin, als er mich plötzlich am Arm zog und rein schleifte. Er blaffte den anderen Drei etwas zu und schon waren sie auf den Beinen. Ich wurde in den Garten gebracht. Innerhalb von zehn minuten war das ganze Schloss wach und mir wurden Fragen gestellt. Der Brief ging von Hand zu Hand und man besprach sich. Der Hof war voll mit Musketieren und dergleichen. Mir wurden Fragen zum Bau der Burg gestellt. Über geheime Räume und Türen. Seen oder Flüsse und mehr. König Louis stürmte raus und nahm mich fest in die Arme. Er murmelte mir ins Haar, dass alles gut werden würde und dass alle sofort aufbrechen würden, um so früh wie möglich in Deutschland zu sein.
Ich war verwirrt. Jetzt noch? In dieser Nacht? Würde ich ein Pferd reiten oder in einer Kutsche mitfahren? Aber die Kutsche war doch viel zu langsam!
„Ohhooho. Kommt gar nicht in Frage.“
Ich drehte mich um und erblickte Aramis, der mich kritisch beäugte.  „Habe ich laut gedacht?“
Er schüttelte den Kopf: „ Deine Gedanken sind zu offensichtlich. Sie stehen praktisch auf deiner Stirn. Du wirst hier bleiben und warten.“
Ich stemmte die Hände in die Hüften und schaute ihn finster an.
„Ich werde mitkommen. Keiner kennt die Wege der Burg so gut wie ich! Ihr MÜSST mich mitnehmen. Außerdem will mich Gulliver von Leipzig. Ich wäre ein perfekter Köder.“
Aramis kam sichtlich ins Grübeln aber dann schüttelte er doch den Kopf: „Keine Chance, ma cherie. Du bleibst.“ Damit drehte er sich um und verschwand in der Menge au roten und blauen Umhängen. Ach wirklich? Glaubst du du könntest mich hierlassen ja? Das werden wir ja noch sehen.  
Ich wartete in einer dunklen Ecke des Gartens bis alle auf ihre Rösser gestiegen waren. Sie nahmen tatsächlich eine angehängte Kiste mit in der sie Waffen und dergleichen lagerten. Mir kam es sehr zu Gute. Als ich mir sicher war, dass die Kiste unbewacht war, öffnete ich sie und stieg hinein.
In embryonaler Lage verharrte ich dort, bis sie los ritten.
„Au!“ entfuhr es mir, als ich mit dem Kopf an den Deckel knallte. Fast sofort wurde etwas durch gerufen, das ich aufgrund der anderen Geräusche nicht verstand. Alles wurde dann still und ich betete, dass keiner mein  Au gehört hatte. Ich schloss die Augen und drückte die Daumen bis sie schmerzten. Plötzlich wurde die Kiste von einem heftigen Ruckeln erfasst und ich drohte herauszufallen. Dann sprang der Deckel auf und Aramis starrte auf mich herab.
„Einen Versuch war er wert, hm?“
Ich wurde aus der Kiste gezogen und Aramis behielt den Arm an meiner Schulter und beide Augen mit einem -'Ich habs doch gewusst'-  Blick auf meinem Gesicht.
Ich reckte das Kinn vor und stolzierte in den burgunderfarbenen Saal rein. Dort lugte ich sehnsüchtig hinter einem der schweren Vorhänge hervor und sah den fast Dreidutzend Reitern zu, wie sie hinter den hohen Hecken verschwanden.
„Unpraktisch, wenn man nicht mitkann, oder? Ich wette du branntest darauf mitzufahren. Armes armes Ding Du.“
Der selbstverliebte Soldat stand mit verschränkten Armen gar nicht weit von mir und lächelte mich sardonisch an. Es war ihm wohl nicht genug gewesen vom Pferd zu fliegen.
„Dein armer armer Vater. Graf Gulliver hat wohl Pech gehabt, dass du in Frankreich bist während er seinem geliebten Bruder besucht. Nur wer hat ihm erzählt, dass dein organisatorisches und strategisches Gemüt gerade zu dieser Zeit fehlt, hm? Welcher Verräter würde nur so etwas Schreckliches tun? Ihn müsste man bestrafen, nicht wahr?“
Meine Augen weiteten sich vor Schock und ich hob anklagend den Finger: „DU warst es! Du hast meinen Vater an diesen Widerling verraten. Wie konntest du das tun? Mein Vater hat dir nie was getan. Ganz im Gegenteil: Er hat dich schon fast zu gut bezahlt und deine Familie in einem schönen  Häuschen wohnen lassen. Du bist ein General und musstest eigentlich am wenigstens Arbeit verrichten. Warum nur, Hans. Was hat dir Gulliver bieten können?“
Er lachte diabolisch auf und schlenderte durch den Raum, als müsse er entscheiden ob er hier wohnen wollte.
„Gulliver hat mir nicht viel mehr geboten. Nach dem Regierungswechsel in der Grafschaft darf ich natürlich trotzdem alles behalten. Er hat mir nur einen kleinen Bonus gegeben.“
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Oh oh ouuuh. Was will der eingebildete Frauengaffer Catharina nur antun?  Und wo ist Robinson nur??
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