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Die drei Musketiere....wie animalisch !

von RobinHood
GeschichteAbenteuer / P12
Aramis Athos D'Artagnan Graf Rochefort Kardinal Richelieu Porthos
21.12.2011
28.02.2013
10
17.913
 
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21.12.2011 2.338
 
"Igitt!", stieß ich aus, als der Wirt das Zimmer verließ. "sein prachtvollstes Zimmer? Schimmel Und Kakerlaken. Eher würde ich auf dem Waldboden die Nacht verbringen."
Keiner wusste was zu sagen. Albert aber zog etwas weißes, unförmiges aus eine der vielen Taschen.
"Also eigentlich waren diese zum picknicken gedacht aber ich glaube auf dem Bett dienen sie besser, nicht wahr meine Damen?"
Er grinste und breitete die Laken aus. Kaum stand er wieder aufrecht, warf sich Ophélie impulsiv um seinen Hals, um kurz darauf beschämt den Kopf zu senken und murmelte :"Vielen Dank Albert. Das war eine sehr lobreiche Idee von dir."
So wie sie seinen Namen aussprach musste es ihm sichtlich gefallen. Sie ließ das R im Hals kratzen und verschluckte das T vollkommen. Französich. Die Sprache der Liebe.
Eine peinliche Stille breitete sich solange im Raum aus, bis sie fast greifbar war und Albert sie brach: „Ich werde sie nun allein lassen. Falls ihr was brauchen werdet, werde ich unten sein und etwas trinken. Gute Nacht.“
„Danke dir auch, lieber Freund.“ Albert war unser Freund. Ich sah ihn keinesfalls als einen Untertanen. Ebenso wenig wie Ophélie. Als er die Tür dann schloss, schlug ich Ophélie auf die Schulter. „Merde! Bist du verrückt? Das ist aber nicht sehr Damenhaft von dir!“
„Sagt die Dame, die ihren Lieben erst Hoffnungen macht und ihn dann wie eine heiße Kartoffel fallen lässt. Wieso machst du es so kompliziert? Er mag dich und du magst ihn auch. Also los! Kommt zusammen und schenkt mir Hundert Kinder! Au!“
„Sei still! Das ist nicht so einfach wie du denkst.“ Sie setzte sich aufs Bett und schaute traurig zu Boden. Ich setzte mich dazu und legte ihr den Arm um: „Lia. Irgendetwas musst du doch tun. Die Liebe wie sie zwischen euch gerade entsteht ist nicht jedem gegönnt. Ergreif die Chance! Geh runter und rede mit ihm. Hülle ihn ein mit deinem französischen Charme!“
„Über was soll ich den mit ihm reden? Ich bin nicht am Hofe aufgewachsen. So wie du dich in der Gesellschaft ausdrücken kannst habe ich nie gelernt!“
„Hier geht es nicht um die Gesellschaft! Es geht um Albert. Der hat auch nicht als König gespeist!“
„Aber vielleicht mag Albert nur schlaue Mädchen. Wenn ich mich nicht so ausdrücken kann, denkt er ich wäre dumm.“
„Bist du von allen guten Geistern verlassen? Du kannst Deutsch fließend sprechen. Oh außerdem Englisch und italienisch. Außerdem hast du ein verdrehtes mathematisches Hirn. Ich kann Englisch und lerne gerade Französich und in der Mathematik bin ich schlechter als ein Bauernkind! Nur sportlich da schlage ich dich immer wieder.“ Bei meinen letzten Worten stieß ich sie leicht.
„Geh einfach hin und fang an zu reden! Dir fällt was ein!“
Sie warf die Arme in die Luft.“ Über was soll ich mit ihm denn reden? Ich hab keine Ahnung von solchen Gesprächen. Welche Themen wähle ich aus? Wie fange ich an? Wie rede ich weiter?“
Ich stand auf und tat so als wäre ich unser Physik- und Mathematiklehrer.
„Nun denn. Das erste was sie brauchen ist Hirn. Mit Hirn geht nichts. Und davon, MyLady haben sie wohl dem Anschein nach nicht viel. Hach, das wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Okay. Let's Start!“ Er hatte ein paar jahre seines Lebens ins England verbracht und meinte sich viel intelektueller als andere. „Fangen wir an mit den Themen: Sprechen sie über die Fahrt. War sie bequem oder nicht? Lang oder kurz? Oh und kriechen. Vergessen sie das kriechen nicht. Kriechen sie so tief wie möglich in sein Hinterteil. Das klappt immer. Auf diesem Gebiet, Darling, bin ich Experte.“
Sie lachte sich kaputt und ich war froh, sie aufmuntern zu können. „Oh weiser Sir von Hochmut! Was würde ich nur ohne ihre Erfahrungen anfangen? Sie sind mir so eine große Hilfe!“ Sie verbeugte sich spottend tief vor mir und wir schmissen uns lachend aufs Bett. Nach dem wir schon Bauchschmerzen bekamen, riss ich mich zusammen:“ Jetzt bitte wieder ernst. Fang mit der Fahrt an. Dann redet ihr über seine Kutsche und kommt zum Thema Familie. Er erzählt über seine und du über deine. Keine tiefgründigen Geheimnisse. Nur das Wichtigste. Dann das Wetter und irgendwann kannst du anfangen über Frankreich zu reden. Begeistere ihn davon. Du kennst Deutschland. Wenn ihr heiratet werde ich mit euch dahin ziehen ,wo ihr dann wohnen wollt. Mein verehrtet Cousin wird die Grafschaft schon in den Untergang stürzen. Das wird gehen.“ Sie lächelte. „Ich werde bei Dir bleiben, Cathi. Du entscheidest unseren Wohnort.“
ich packte sie an den Armen und zog sie hoch. „Schluss mit verfänglichen Zukunftsvisionen. Lass mal schauen. Deine Haare. Warte kurz.“
Als ich mit ihr fertig war betrachtete ich mein Werk voller Stolz:“ So sollte es sein. Elegant aber nicht auffällig. Schick aber perfekt für die Freizeit. Und jetzt verschwinde nach Unten!“
Bevor sie protestieren konnte, schob ich sie zur Tür raus und schloss sie. Der Protest brach schnell und Schritte entfernten sich. Ich lächelte und zog mir einen Stuhl ans Fenster, um den Nachthimmel zu betrachten.“ Und somit hat die zukünftige Gräfin Catharina von Heidelberg für ein klein wenig mehr Liebe in dieser sonst so öden Welt gesorgt. Meine Aufgabe ist erfüllt.“

Ich konnte nicht schlafen. Das Bett war mir trotz Laken zu widerlich. Das ganze Zimmer ließ mir Schauer über den Rücken laufen. Außerdem war Ophélie immer noch nicht hochgekommen, obwohl es bestimmt spät war. Der Mond stand schon sehr hoch am Himmel. Sie fehlte mir in diesem Moment irgendwie an meiner Seite in diesem grauseligem Bett. Andererseits freute ich mich , dass der Abend wohl so gut lief. Ich schlang mir das Laken um und ging nach draussen um ein bisschen Luft zu schnappen und den Mond zu beobachten. Ich liebte den Mond. Er gab mir Ruhe und animierte mich irgendwie zum Träumen und Nachdenken. Den Blicken und Pfiffen ausweichend wand ich mich aus der Bruchbude raus. Als die Tür hinter mir zuschlug, atmete ich erst tief ein und lief dann an den See, der sich vor dem Haus und auf der anderen Seite der Straße erstreckte. Heute Nacht war Vollmond und der Schein verzauberte den See. Ich setzte mich ans Ufer  und schaute in die finstere Nacht. Ich hoffte so sehr, dass das mit Ophélie und Albert klappte. In unserer Gesellschaft bestand die Ehe eher selten als oft aus Liebe. Oft war sie nur eine Verbindung zum Zweck. Um zwei Königreiche zusammen zuführen oder um (und das galt eher für die weibliche Welt) ein festes Heim und ein Dach über dem Kopf zu haben. Entweder baute sich die Liebe während der Ehe ,sozusagen gezwungenermaßen, oder vor der Ehe schon auf. Diesen beiden war also ein Glück vergönnt das nur selten geschah. Ich betete zu Gott, dass sie es nutzten. Der Gedankenfluss führte mich zu meinen Problemen. Was geschah, wenn ich niemanden fand? Ich würde meinen Adelstitel verlieren und hätte keine Perspektiven. Vielleicht würde sich der ehrenwerte Cousin erbarmen und mich als Küchenmagd einstellen. Oder du heiratest den Cousin, meldete sich eine leise Stimme in meinem Kopf. „Lieber würde ich ein Bad in Küchenabfall nehmen!“ Ich hielt mir schnell den Mund zu, weil ich dunkle Männerstimmen von Haus her hörte. Sie wollten wohl pinkeln gehen und waren so zielunsicher, dass sie lieber die Natur benuzten, denn dort könnten sie nicht daneben treffen. Ich verhielt mich ganz still. Auf ihre Aufmerksamkeit und Pöbeleien war ich nicht besonders scharf.
In meinen Gedanken versunken, wurde ich plötzlich hochgerissen und mir schlug widerwärtiger Alkoholgeruch in die Nase.
„Na du hübsches Täubchen? Ganz alleine hier draußen? Sollen wir dir ein bisschen Gesellschaft leisten?“
Mein Herz blieb erst kurz stehen um dann doppelt so schnell zu rasen. Daran, dass sie sich hierher verlaufen könnten hatte ich gar nicht gedacht. Ich kratzte all meinen Mut und meine Bissigkeit zusammen und versuchte Furchtlos zu klingen: „ Nein danke. Auf eure Gesellschaft kann ich getrost verzichten. Ich kann mir auch alleine Probleme bereiten.“
Sie lachten laut und derjenige, der die Finger sowieso schon an mir hatte, packte mich fester. Meine Chancen standen mehr als schlecht. Es waren drei betrunkene, unzurechnungsfähige Männer. Alle größer als ich und bestimmt auch stärker. Verteidigen konnte ich mich nicht, weil ich nie einen Kampfsport ausgeübt hatte oder jemals in Situationen dieser Art gesteckt hatte. Sie fingen an an mir rumzugrabschen und hielten mir den Mund zu, sodass ich nicht laut genug schreien konnte. Einer riss mir am Haar und die anderen versuchten mir die Kleider vom Leib zu zerren.
Als ich schon dachte, ich sei verloren und mich gedanklich von allem, das ich liebte verabschiedete, fiel einer der Männer mit einem Stöhnen zu Boden. Die anderen beiden waren ,sowie ich, vor Verblüffung erstarrt. Als der Zweite fiel, zückte der letzte sein Messer und hielt es mir an den Hals.
„Wer ist da? Zeig dich du Feigling!“
Ich spürte sein Zittern an der Klinge, die sich ein klein wenig in meinen Hals schnitt.
„Lass die Dame los und ich lasse dich leben. Hälst du sie nur weitere drei Sekunden fest endest du so wie deine widerwärtigen Kollegen.“ ertönte eine Stimme aus der Dunkelheit. Sie war dunkel. Es war keine Männerstimme. Eher die eines sehr jungen Mannes, der gerade die volle Männlichkeit erreichte. Außerdem hatte sie einen französischen Akzent.
„Zeig dich, du Drei-Käse-Hoch und ich überlege es mir nochmal.“
Eine kurze bedrohliche Stille herrschte und dann fiel der Mann  hinter mir und das Messer zog sich an meinem Hals entlang. Ich keuchte auf und wollte loslaufen, doch ich stoplerte über eine der Leichen und fiel hin. Also kroch ich panisch auf allen vieren und Kopflos durch den Dreck, bis ich sanfte Hände auf meinem Rücken spürte. Der Schreck war so groß, dass ich aufschrie und dann bettelte: „Bitte! Bitte verschont mich. Habe ich diese Nacht nicht schon genug erlebt?“
Er kniete sich vor mich und hielt beruhigend meine Hände.
„ Ich werde ihnen nichts tun. Im Gegenteil. Ich wollte ihnen nur helfen. Geht es ihnen gut? Ich hätte diese Männer foltern sollen,bevor ich sie erlöse. Ce salaud ! Quelle fils de pute ! Merde! „
Sein Gesicht war eines der schönsten, das ich jemals gesehen hatte. Stumm vor Staunen beobachtete ich den Fluss von Flüchen die er ausstieß. Irgendwie kam ich zurück in die Realität und fing gleichzeitig zu weinen und zu lachen an. Er sah mich besorgt an und wusste nicht, wie er reagieren sollte. Irgendwie floss das Adrenalin noch in meinem Blut und machte mich mutiger. Ich half ihm und verbarg mein Gesicht an seiner warmen, muskulösen Brust und das Weinen überlagerte das Lachen. Ich krallte mich an ihm fest und unter seinen streichelnden Händen versiegten die Tränen und ich wurde mir meines Handelns bewusst und lehnte mich sofort zurück.
„Oh Excuse-moi! Es tut mir Leid, dass ich ihr Hemd befleckt habe! Wie kann ich es wieder gut machen?“
Er hielt immernoch meine Hände und schaute mich sanft lächelnd an. „Pas de Problème. Das macht mir nichts aus. Geht es ihnen gut? Sollen wir reingehen?“
„Nein! Dort hinein möchte ich keinesfalls mehr. Erstens sehe ich aus, als...eben so wie ich aussehe und außerdem möchte ich nie nie wieder in dieses Teufelshaus hinein. Ich..ich werde in der Kutsche nächtigen.“ Umständlich stand ich auf und sah an mir herrunter.
„Oh Gott. Ich sehe aus, als wäre ich durch einen Urwald gerannt! Ich kann nicht mal Ophélie bitte, mir was anderes zum Anziehen zu bringen, weil sie mit Albert unterwegs ist.“
Als ich merkte, dass der junge Mann immernoch da stand, fielen mir automatisch die Benimmregeln ein: „Verzeiht. Mein Name ist Catharina von Heidelberg. Vielen Dank, dass sie mir aus dieser Situation geholfen haben. Werde ich den Namen meines Retters erfahren? Nennen sie mir eine Summe und ich werde sie ihnen als Dank zukommen lassen.“ Ich fügte mich in die Rolle der adeligen Dame ein, doch er brach nur in Lachen aus. „Was ist so lustig? Ich habe keinen Witz gehört.“
„Sie sind der Witz. Eben wurden sie noch von Betrunkenen bedroht und nun sind sie wieder eine normale Dame und tun so, als wäre nie was passiert.“
Ich wäre schon längst losgelaufen, nur wusste ich nicht, wo die Kutschen standen.
Als ob er meine Gedanken lesen konnte, legte er mir eine Jacke um und ging mit mir zu den Kutschen. Ich stieg in ein und setzte mich hin. Solange er in der Tür steht musste ich mich zusammenreißen. Die Tränen wollten mich schon wieder überrollen.
„Nun Madame. Bonne nuit. Ich wünsche ihnen eine gute Nacht.“
„Danke die wünsche ich ihnen auch.“
Er machte die Tür zu und genau in diesem Moment vergrub ich mein Gesicht in mein Kleid und weinte wieder. Ich hörte wie die Tür aufging und wieder zu und dann spürte ich diese wohltuenden, starken Arme um mich und schmiegte mich wieder an die tröstende, starke Brust. Ich ließ mich streicheln und auf den Scheitel küssen. In den Armen dieses Jungen fühlte ich mich ungewöhnlich wohl.
„Wissen sie. Ich kann sie verstehen. In Deutschland habe ich Französich gelernt. Auch ihre Flüche konnte ich verstehen. Es gehört sich nicht in der Gegenwart einer Dame solche Worte zu gebrauchen“, nuschelte ich in seine Brust. Er lachte kurz auf und entschuldigte sich leise:“ Pardon, Madame. Sie haben Recht. Ich schäme mich. Verzeihen sie mir noch einmal, Cathèrine von Heidelberg?“ Ich schaute zu ihm hoch und fühlte eine Wärme durch mich laufen, die ich noch nie gespürt hatte. Zur Antwort verschränkte ich meine Finger mit seinen und ließ mich fester halten von ihm. Die Umarmung war sehr innig für zwei sich Unbekannte. Um ehrlich zu sein wäre sie sogar für ein Ehepaar sehr innig gewesen. Doch wir taten nichts schlechtes, also hatte ich auch kein schlechtes Gewissen. Der letzte Gedanke, der mir kam bevor ich einschlief, war der, dass dieser junge Mann vielleicht der Richtige ist. Das Bild dazu war wunderschön. Mein namenloser Held und ich standen Händchenhaltend an der königlichen Brüstung und winkten unseren jubelnden Untertanen zu. Danach fiel ich in einen tiefen Schlaf, der trotz der jüngsten Ereignisse erholsamer war, als die letzten Wochen.
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