Türchen 20: Wunder

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
20.12.2011
20.12.2011
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Dieser One-Shot ist Teil eines Weihnachtskalenders, den die Mitglieder des Schreibprojekts Dantai: Geijutsu erstellt haben. Hinter den Türchen erwarten euch One-Shots zu verschiedenen Fandoms oder Prosa-Kurzgeschichten. Es ist garantiert für jeden etwas dabei! Schaut doch auch bei den anderen Türchen vorbei. In der Favoritenliste "Weihnachtskalender 2011" unseres Share-Accounts findet ihr alle One-Shots auf einen Blick!


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Wunder


Die Thousand Sunny lag ruhig auf den Wellen. Es war schon später Abend, aber in der Kombüse der Karavelle brannte noch Licht.
„Aber wir müsse dahin, Nami! Wir müssen!“, quakte der Kapitän der Strohhutpiraten seiner Navigatorin ins Ohr. „Wir müssen!“
„Ja, doch!“, rief diese und verpasste Ruffy eine Kopfnuss. Daraufhin war es erst einmal ruhig und Nami atmete tief durch. „Wie oft soll ich es euch denn noch erklären? Wir können nicht einfach unseren Kurs wechseln. Das geht nicht. Da macht der Logport nicht mit. Wenn wir zu lange auf dieser Insel bleiben würden, würde der Logport sich neu orientieren und wir würden auf eine ganze neue Route gelangen und das-“
„Nein! Das will ich nicht!“ Ruffy war aus seiner unfreiwilligen Narkose erwacht, saß nun im Schneidersitz auf seinem Stuhl und schmollte. Natürlich war es Nami klar, dass es für ihren Kapitän nicht in Frage kam, den vom Logport vorgegebenen Kurs zu wechseln. Sie würden am Ende ihrer Reise zwar auf derselben Insel landen, aber es wäre etwas völlig anderes und irgendwie gemogelt, wenn man seinen Kurs einfach nach Lust und Laune ändern würde. Das passte nicht zu Ruffy, weshalb er es auch niemals zulassen würde, dass sie auf diese Art und Weise schummeln würden.
Während er aufstand, legte Ruffy eine Hand auf seinen heißgeliebten Strohhut und zog ihn sich in typischer Manier tief ins Gesicht. „Schon gut, Nami. Ich hab' verstanden. Dann muss Weihnachten dieses Jahr wohl ausfallen.“ Es war einer dieser Momente, in denen der Piratenkapitän absolut ernst und nichts von seiner kindlichen Ader zu erkennen war.
Nun herrschte absolute Stille in der geräumigen Kombüse. Chopper und Lysop starrten Ruffy mit tellergroßen Augen an, wobei Chopper so aussah, als würde er gleich in Tränen ausbrechen. Franky tätschelte dem kleinen Elch den Kopf, sah aber auch nicht minder erschrocken aus der Wäsche.
Brook, Nami und Sanji war die Kinnlade hinunter geklappt und auch auf den Gesichtern von Robin und Zorro, die so etwas für gewöhnlich kalt ließ, war ein Ausdruck des Erstaunens zu erkennen.
Ruffy verließ die Kombüse und verschwand. Niemand der anderen folgte ihm, da sie wussten, dass es besser war, ihren Kapitän jetzt erst einmal in Ruhe zu lassen. „heißt das, der Weihnachtsmann kommt dieses Jahr nicht zu uns?“, brach Chopper weinerlich die Stille. Keiner wusste, wie er darauf antworten sollte. Schließlich ergriff Robin das Wort. „Ich denke, das Problem von unserem Herrn Kapitän liegt weniger darin, dass der Weihnachtsmann uns nicht findet. Sondern eher darin, dass wir an Heiligabend keinen Schnee haben werden und stattdessen auf einer Sommerinsel landen.“
„Genau!“, rief Lysop. „Der Weihnachtsmann findet jeden Menschen auf der ganzen Welt, ganz egal, wo er ist. Einmal, da war ich in dem Bauch eines Seekönigs gefangen...“ Und somit wurde Chopper erst einmal mit einer von Lysops Lügengeschichten abgelenkt und beruhigt.
Aber das Problem blieb. Nami hatte vor einigen Wochen bemerkt, dass sie sich wohl wärmeren Gefilden nähern werden, wenn sie dem Kurs des Logports folgen würden. Es war ein ungeschriebenes Gesetz und der Wunsch aller Kinder (zu denen Ruffy zweifelsfrei gehörte), dass es an Weihnachten schneien musste. Zumindest sollte es richtig kalt sein. Das war auch Nami klar und als Navigatorin war sie schließlich für den Kurs zuständig. Aber was sollte sie machen? Auch wenn Zorro sie oft und gerne als Hexe bezeichnete, konnte sie nicht zaubern und mal eben dafür sorgen, dass es in drei Tagen schneite.
Sie raufte sich innerlich die Haare, stand auf und verließ ebenfalls die Kombüse. „Ich überleg' mir was.“, murmelte sie im Hinausgehen.
Sanji entwich ein Seufzen und auch die anderen sahen alles andere als glücklich aus. Allerdings traten nahezu alle die sofortige Flucht an, als ihr Koch begann den Tisch abzudecken und Wasser in die Spüle laufen zu lassen. Dieser bemerkte das und seufzte innerlich. Es war wirklich jedes Mal dasselbe.
„Marimo! Stehen bleiben! Du bist mit Spülen an der Reihe!“, befahl Sanji, ohne sich umzudrehen.
„Wie bitte?! Du bist wohl nicht mehr ganz bei Trost, Kochlöffelchen! Ich hab' dir gestern schon geholfen, klar? Sollen das doch die anderen machen, ich bin hier nicht dein Dienstmädchen!“ Zorro grollte vor Wut und hatte die Arme verschränkt. Sanji erwiderte ausnahmsweise nichts, sondern drehte sich nur leicht um und blitzte Zorro mit einem sehr eindeutigen Blick an. Entweder bewegst du jetzt deinen Arsch an die Spüle oder ich kicke dich bis ans andere Ende der Grand Line.
Zorro grummelte ein letztes Mal etwas in seinen nicht vorhandenen Bart, gesellte sich dann aber neben Sanji und half diesem beim Tellerwaschen.
Robin schmunzelte bei diesem Anblick und verließ die Kombüse. Nun war es wieder still. Das einzige Geräusch rührte von den Tellern in der Spüle her.
Sie schwiegen sich an. Mal wieder. Wie immer. Das Tellerwaschen war die einzige Tätigkeit, die beide ausführen konnten, ohne sich sofort in die Haare zu kriegen. Wirklich schlecht fanden sie es beide nicht. Auch wenn sie es nie zugeben würden, aber manchmal waren sie es selbst leid, dass sie sich ständig und wegen jeder Kleinigkeit stritten.
Daher war Zorro gar nicht so erbost darüber, dass er heute schon wieder spülen musste. Natürlich war es nervig, aber wenn er dadurch Sanji Gesellschaft leisten konnte, sollte es ihn nicht stören. Die anderen mussten ja nichts davon wissen, dass sie beide diese „streitfreie“, gemeinsame Zeit genossen.
„Weihnachten ohne Schnee, hm?“, versuchte Zorro eine Konversation anzufangen. Er hätte sich am liebsten selbst in den Allerwertesten gebissen. Er, Lorenor Zorro, will ein Gespräch anfangen? Mit Sanji?! Über das Wetter?! Dieser ganze Weihnachtskram tat ihm nicht sonderlich gut. Vielleicht sollte er sich später von Chopper untersuchen lassen?
„Hm? Was? Ach so. Ja. Aber Ruffy wird es überleben, denke ich. Außerdem wird Nami-Mausi sich schon was einfallen lassen“, gab Sanji verträumt von sich und tänzelte dabei umher. Vielleicht sollte er sich auch mal von Chopper untersuchen lassen.
Zorro grummelte und trocknete weiterhin die Teller ab. Es gefiel ihm nicht, wie viel Aufmerksamkeit Sanji den beiden Damen zukommen ließ.
Zorro presste das Handtuch unwillkürlich fester auf den Teller und stierte verstimmt auf die Teller.
Nach einer Weile hatte Sanji sich wieder beruhigt und stand wieder neben Zorro an der Spüle. Gefühlte zwanzig Teller später waren die beiden Streithähne vom Dienst fertig mit dem Geschirr. Ganz Zorros Manier entsprechend ging er erst einmal in die Vorratskammer und holte sich eine Flasche Sake. Sanji sagte dazu nichts, da es Zorros gewohntes Ritual war, abends eine Flasche zu trinken.
Nachdem Zorro aus der Tür verschwunden war, erledigte Sanji den Rest in der Kombüse und bequemte sich ebenfalls auf die schiffseigene Wiese an Deck.
Er ließ sich neben Zorro aufs Gras sinken und folgte seinem Blick aufs Meer hinaus. So saßen sie beide schweigend nebeneinander. Zorro hatte sich hingelegt und stützte sich nur mit einem Ellenbogen ab, während er seine Beine ausgestreckt hatte.
Nach einiger Zeit lehnte Sanji sich etwas nach hinten und stützte sich mit den Händen hinter sich ab. Seine rechte Hand lag nun so dicht neben der von Zorro, dass nur wenige Millimeter gefehlt hätten, damit sie sich berührten. Beide wussten das, allerdings traute sich keiner der beiden, sich nur ein winziges Stück zu bewegen. Dass seit einiger Zeit irgendwas zwischen ihnen war, wussten sie. Nur nicht, was es war und schon gar nicht, wie sie damit umgehen sollten. Es war merkwürdig.
Sanji grübelte immer noch darüber nach, als er plötzlich eine Bewegung neben sich ausmachte. Zorro hatte den Kopf zum Himmel gedreht und starrte wie gebannt hinein. Sanji folgte seinem Blick. Nun weiteten sich Sanjis Augen, der es kaum fassen konnte, was er dort oben sah.
Lauter kleine weiße Punkte rieselten auf die Thousand Sunny. Zorro beobachtete, wie Sanjis Augen immer größer wurden und beinahe denselben Ausdruck annahmen, als würde er ein besonders wertvolles Küchenmesser in der Hand halten. Er strahlte die pure Freude aus. Zorro musste schmunzeln. Wieder einmal wurde ihm bewusst, dass nicht nur ihr Kapitän innerlich noch ein Kind war.
Je länger Zorro Sanji betrachtete, desto größer wurde das Drängen in seinem Inneren. Er überwand sich und griff nach Sanjis Hand.
In diesem Moment war es ihm herzlich egal, was das ändern würde. Es fühlte sich einfach richtig an und als Sanji sich zu ihm wandte und ihn anlächelte, mit dem kindlichen Glanz in den Augen. Zorro wusste, dass es egal war, ob sich etwas ändern und wie sich dies bemerkbar machen würde. Es war richtig.
„Am Ende bekommt wohl doch jeder das, was er haben will.“