Vergebene Herzen

von Feenia
GeschichteAllgemein / P16
14.12.2011
14.12.2011
1
948
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Vorneweg möchte ich gerne etwas zu dieser Geschichte sagen:

Es ist mein erstes Fanfiktion überhaupt und ich hoffe auf ehrliche Meinungen, die eventuell nicht allzu hart ausgedrückt werden :).
Ebenso nehme ich mir einige Freiheiten, in den Entwicklungen der Beziehungen.
Ich hoffe, dass es euch gefällt!


Geschichte:

Seufzend streifte ich durch das Nachtleben. Ich zog es vor in ein kleines Jazzlokal zugehen, statt in Discotheken. Langsam war ich doch sicher aus diesem Alter raus, indem man noch ordentlich feiern geht. Gerade sechsundzwanzig Jahre alt geworden hatte es mich fern von meiner Heimat in dieses Land getrieben: Japan. Was mach ich hier nur? Mit der Zeit, die nun ein Jahr beträgt, habe ich zwar einige Bekanntschaften geschlossen, jedoch keine festere Bindung zu einer Person herstellen können. Weder freundschaftlich noch anderes. Ja, anderes wie Liebe. Ich war geflohen aus meiner Heimat und weckte hier mit meinen dunkelblonden Haaren, den grünbraunen Augen und meiner zierlichen kleinen Gestalt viel Interesse in den Männern und Frauen. Zu meiner Verwunderung ließ mich all die Zuneigung und Aufmerksamkeit, die man mir zukommen ließ, absolut kalt. Dabei dachte ich, dass ich hier es nochmal versuchen könnte. Nochmal versuchen zu leben.
Was bedeutet es wirklich zu leben? Egal, was ich mir in den Kopf gesetzt hatte, mein spontaner Charakter setzte es in Windeseile um.  
Mein Arbeitskollege in dem Verlag für den ich die ein oder andere Übersetzertätigkeit übernahm, dass es eine Schande sei, wenn Frauen wie ich ihr Lächeln verlieren. Natürlich lächelte auch ich, scheinbar zu selten. Vor drei Jahren pflegte ich zu sagen, dass man das Lachen immer beibehalten muss. Wo waren diese optimistischen Vorsätze nur geblieben?
Ich stieg die Treppen zu, die zum Eingang ins Jazzlokal führten, hinab.
Es war nicht ausgeschlossen, dass es in der Hauptstadt Plätze gab, an denen es eigentlich niemanden interessierte, wer am Nebentisch sitzt, selbst wenn er ein Millionen schweres Konto sein Eigen nannte. Ich mochte diesen Platz gerade deswegen. Niemand sprach mich an, niemand fragte nach etwas. Niemand außer der Wirt an der Bar oder die Servicekräfte, die die Tische bedienten und ihre Bestellungen aufnahmen. Heute wünschte ich mir, dass es immer so geblieben wäre. An diesem Abend sollte es anders kommen.
Ich setzte mich wie gewöhnlich an den Tresen, der kleinen Seitenbar und bestellte eine Cola. Die Musik war sehr ruhig und eintönig, daher genau richtig zum Abschalten vom Arbeitstag. Stundenlang hatte ich heute ein neues Werk bearbeitet.
Während ich mein alkoholfreies Getränk genoss, fiel mir ein junger Mann am anderen Ende des Tresens, also ca. fünf Schritt von mir entfernt, auf. Er bestellte sich ein Bier. Die leichte Rötung seiner Wangen verriet, dass er angetrunken war und der leere Blick auf das Glas vor sich, dass er über eine alte Wunde trank. Ein Verhalten, das ich vor Jahren abgelegt hatte. Damals als ich merkte, wie sehr der Alkohol den Schmerz verstärkt. Er wollte gerade erneut ein Bier bestellen, als ich meine Stimme erhob: „Der Schmerz wird davon nur schlimmer.“ Wahrscheinlich kannte er die Worte zu genüge. Der Wirt schaute ihn auffordernd an, damit er seine Bestellung aufgab. „Sie hat Recht. Ich nehme noch eine Cola und gehe dann.“, ließ er seine Hand sinken und zog betrübt die Augenbrauen zusammen. Ein flehender Blick streifte meinen. Jemand mit großen Redebedarf, huh? Ignorant widmete ich mich meiner Erfrischung und hoffte, dass er einfach dort sitzen bleiben würde. Meine Hoffnung war umsonst, denn er kam zu mir rüber. Seine gepiercten Ohren und das hellblond gefärbte Haar ließen mich darauf schließen, dass er irgendeine Art Idol war. „Darf ich mich setzen?“, fragte er freundlich und zeigte auf den Hocker neben mir. Ich nickte, denn immerhin war der Platz frei und gehören tat er mir auch nicht. Die flehenden Augen musterten mich nun mit Neugier. Neugier, die ich nicht sehen wollte. „Woher kommen Sie?“ Ich seufzte. „Von weiter weg.“ Er lächelte auf: „Ich bin Nobu. Und wie heißt du?“ Genervt antwortete ich: „Emi.“ Schweigen brach aus und innerlich stellte ich mich auf ein langweiliges Gespräch ein. Wahrscheinlich würde nicht mal ein wirkliches Gespräch daraus entstehen, dachte ich. „Was gefällt dir denn am Besten hier in Japan, Emi?“ Eine Frage, die mir viele stellten. Überraschend fiel meine Antwort diesmal allerdings ehrlicher aus als sonst: „Dass man hier selten auf eisblaue Augen trifft.“ Diesmal musste ich lächeln. „Schön.“, auf diese Reaktion guckte ich verdutzt in zwei verträumte Augen. „Meine Antwort?“ „Nein, dein Lächeln. Es wirkt erfrischend.“ Schamesröte schoss mir in die Wangen und dann lachte ich auf, weil mir klar wurde, dass ich zu voreingenommen gewesen war. Das Strahlen, das ich dann sah, raubte mir kurz den Atem und kopfschüttelnd suchten meine Gedanken einen Fluchtweg. Erfolglos.
Überspielte er seinen Kummer, um mich zum Lachen zu bringen? Dass ich nicht die freudigste Ausstrahlung hatte und man mir die ewige schlechte Laune ansah, das wusste ich. Aber hatte er nicht selber schlechte Laune? War er nicht deprimiert gewesen? Wieso fielen mir all die Fragen erst auf, als ich nach einem fröhlichen Gespräch über Gott und die Welt mit einem Fremden meine Wohnung aufsuchte? Verwirrung breitete sich in meinem Kopf aus und obwohl wir Nummern ausgetauscht hatten, um uns irgendwann wiederzusehen, holte ich mein Handy aus der Jackentasche und löschte sie. Erschöpft setzte ich mich auf die Couch und überlegte, woher ich sein Gesicht kannte. Es wollte mir nicht einfallen und unter Grübeln schlossen sich meine Augen, weshalb ich das Vibrieren meines Handys nicht merken sollte. Mein letzter Gedanke war, dass mir sein Lächeln sympathisch war bevor ich im Land der Träume verschwand.