Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
12.12.2011 824
 
„Pst! Leah!“, hörte ich jemanden flüstern. Ich öffnete müde die Augen und sah Egill neben dem Bett hocken. Ich schaute ihn verwirrt an.
„17.Mai.“, flüsterte er mir zu. Ich war sofort hellwach. Natürlich, heute war Lukas' Geburtstag! Und ich hatte Egill ja gesagt, dass er mich wecken sollte, wenn ich noch nicht wach war.
„Ich komme sofort.“, flüsterte ich zurück. Egill nickte und verschwand leise wieder. Ich gähnte und rieb mir die Augen, dann schwang ich meine Beine aus dem Bett und holte mir ein paar Klamotten aus dem Schrank. Dann ging ich ins Bad und wusch mich. Als ich fertig war, ging ich zu Mathias und Egill in die Küche.
„Hering und Aquavit, wie jedes Jahr?“, fragte ich. Die beiden nickten. Ich sah mir die beiden noch einmal genauer an. Sie trugen wie jedes Jahr ihre Volkstracht. Ich hatte irgendwie keine richtige Volkstracht, deswegen bastelte ich mir jedes Jahr etwas an russischer Tracht, norwegischer Tracht und warmen Winterklamotten zusammen. Das passte nun mal am besten zu mir, wenn man an meine Bevölkerung dachte, die zum größten Teil aus Russen und Norwegern bestand. Aber gerade wegen den vielen verschiedenen Trachten mochte ich Lukas' Geburtstag so sehr.
Mathias brachte gerade das Aquavit herein. In der Hand hielt er außerdem eine Dose… Carlsberg.
„Mathias, es ist sechs Uhr morgens!“, sagte ich.
„Das gehört zu meiner Tracht.“, meinte er nur und nahm einen großen Schluck Bier. Ich seufzte und holte den Hering aus dem Kühlschrank.
„Bist du auch ins Königshaus mit eingeladen?“, fragte Egill.
„Ja, wie jedes Jahr.“, antwortete ich und lächelte.
„Genau. Alles wie immer. Onii-chan.“, meinte Mathias und grinste.
„Hör‘ auf. Ich bin froh, wenn ich das hinter mir habe.“, erwiderte Egill und verzog den Mund.
„Er hat nun mal seinen Fetisch.“, sagte ich lächelnd.
„Genau. Mich erwürgt er zum Beispiel gern. Sei froh, dass du so was harmloses abbekommen hast.“, stimmte Mathias mir zu und sah mich fragend an.
„Mich trägt er gerne herum.“, sagte ich.
„Ja, genau.“, meinte Mathias bedeutungsvoll und grinste.
„Hey, was soll dieses blöde Grinsen?“, fragte ich ihn.
„Och, nichts…“
„Sag‘ es!“, forderte ich ihn auf und sah ihn böse an.
„Schlag‘ mich nicht!“, rief er und rannte um sein Leben. Ich folgte ihm. So leicht kam er mir nicht davon…

„Sag‘ es.“
„Nein. Auch wenn heute dein Geburtstag ist, werde ich es nicht sagen!“
„Nur ein Wort. Onii-chan.“
„Nein!“
Tino und ich sahen uns grinsend an.
„Sag‘ es doch einfach, Egill, dann hast du deine Ruhe.“, meinte Tino. Egill seufzte.
„Onii-chan.“, murmelte er leise.
„Was? Ich hab‘ dich nicht verstanden, Icey.“, sagte Lukas.
„Von Verstehen war nie die Rede!“, protestierte Egill. Lukas sah ihn nur durchdringend an.
„Also gut, also gut! Onii-chan, da hast du’s!“, sagte Egill laut.
„Geht doch.“, sagte Lukas und lächelte leicht.
„Sag mal, woher hast du eigentlich die Kohle für so ein riesiges Schloss?“, fragte ich.
„Naja, so… über die Jahre gespart, würde ich sagen.“, antwortete er mir. Ich lachte. In dem Moment kam Mathias herein und sagte: „Es geht los.“
Wir gingen alle zusammen zum Balkon. Am 17.Mai war es in Norwegen Tradition, dass die Kinder in einem Umzug durch die Straßen liefen. Alle hatten ihre Trachten an, sodass man sehen konnte, aus welchem Landesteil sie kamen. Ich fiel auf dem Balkon in meinem russischen Militärmantel allerdings ganz schön auf. Aber immerhin war der Mantel ein Geschenk von Ivan gewesen und er passte ja auch irgendwie zu mir.
„Die Kleinen sind so süß!“, freut sich Tino und schaute mit glänzenden Augen nach unten. Ich lächelte. Ein bisschen abseits stand Mathias. Er sah ein wenig wehmütig aus. Ich ging ein paar Schritte auf ihn zu.
„Was ist denn los?“, fragte ich ihn.
„Nichts, nichts, nur… Norwegen feiert hier seine Selbstständigkeit von mir. Das ist irgendwie… auch traurig.“, antwortete er.
„Du bist immer noch nicht darüber hinweggekommen, oder?“
Mathias schüttelte nur leicht den Kopf.
„Auch das mit Berwald, Tino und Egill war schlimm für dich, stimmt‘s?“
„Ja, schon. Deswegen bin ich froh, dass wir alle wieder zusammenwohnen, so wie früher!“, sagte er und grinste wieder.
„Du hast irgendetwas vor…“
Mathias grinste nur weiter.
„Du hast irgendetwas Ungutes vor…“
„Hey, lasst und wieder reingehen!“, rief Mathias den anderen zu und ignorierte mich einfach. Die anderen kamen langsam wieder in das Haus (okay, in das Schloss der Königsfamilie, was man ja im weitesten Sinne auch als Haus bezeichnen kann).
Ich schaute auf den Esstisch und sog erst mal scharf die Luft ein. Die anderen zeigten ähnliche Reaktionen, als sie die Unmengen an Alkohol da auf dem Tisch sahen. Mathias grinste nur und meinte: „Lasst uns mal so richtig einen draufmachen!“
„Du hast Recht.“, sagte Lukas, „das da könne wir unmöglich so stehen lassen. Das muss vernichtet werden, bevor es jemand sieht.“

Der 17. Mai ist Norwegens Nationalfeiertag. An diesem Tag feiert das Land seine erste Verfassung und die Befreiung von der 400 Jahre langen dänischen Herrschaft.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast