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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 973
 
Ich wachte auf und das erste, was mir auffiel, war der intensive Geruch von Heu. Gleich danach fiel mir das merkwürdig große Vorkommen von Heu und Stroh auf. Durch ein kleines Fenster fiel schummriges Licht herein. Ich setzte mich auf und sah mich um. Lukas lag neben mir und schlief noch und… Du meine Güte, er lächelte! Wenn das irgendjemand auf einem Foto festhalten würde und bei der nächsten Weltkonferenz ans schwarze Brett pinnen würde…
Ich schmunzelte. Dann begann ich mit der Rekonstruktion des gestrigen Tages. Alles hatte wohl damit begonnen, dass Mathias uns unendlich auf den Keks ging. Egill war dann rausgegangen, um ihm zu entkommen. Später war es auch Lukas und mir zu viel und wir folgten Egills Beispiel. Nachdem wir eine Weile spazieren gegangen waren, begann es zu regnen. Wir gingen zurück zum Haus, aber da wir Mathias seinen Triumph nicht gönnen  wollten, beschlossen wir einfach, in der Scheune zu übernachten. Ja, genau so war es. Zum Glück hatten wir die Scheune gebaut. Eigentlich brauchten wir sie nie, aber wir hatten damals trotzdem eine gebaut. Warum auch immer. Aber wie man sah, konnte sie ja auch ganz nützlich sein. Ich streckte mich kurz und stand dann auf und ging nach draußen, um etwas frische Luft zu schnappen. Draußen schien leicht die Sonne. Allerdings war der Boden vom Regen noch etwas matschig, aber das bekam ich inzwischen kaum noch mit. Bei mir war es im Sommer auch ständig matschig. Draußen roch es nach Regen. Ich ging zum Haus, um mir etwas zu Essen zu holen. Auf dem Weg zum Haus kam mir Mathias entgegen.
„Wo seid ihr denn?“, rief er von Weitem.
„Guten Morgen erst mal.“, sagte ich zu ihm.
„Wo wart ihr? Sag‘ schon.“, fragte er erneut.
„In der Scheune. Warum? Was ist denn los?“, antwortete ich.
„Erstens, dein Chef will mit dir reden. Zweitens, wir haben uns Sorgen gemacht.“
„Was will mein Chef denn?“
„Keine Ahnung, das will er dir persönlich sagen. Also, rein mit dir!“, sagte er. Ich lachte und ging weiter. Ich wusste wirklich nicht, was mein Chef von mir wollen könnte. Vor allem so früh am Morgen. Soweit ich wusste, war er doch ein unheimlicher Langschläfer.
Als ich das Haus betrat, saßen Tino und Berwald vor dem Fernseher.
„Guten Morgen.“, begrüßte ich sie. Tino und Berwald drehten sich zu mir um. Tino sprang auf, kam auf mich zu und umarmte mich.
„Es tut mir so leid, Leah.“, sagte er. Ich zog eine Augenbraue nach oben. Scheinbar war ich heute sehr beliebt, aber was mir die Ehre verschaffte, wusste ich auch nicht.
„Hä?“, fragte ich daher. Das war das Wort, das meine Gefühle im Moment wohl am besten ausdrückte.
„Na, im Fernsehen. Das Erdbeben.“, antwortete Tino mir.
„Hä?“, wollte ich erneut irritiert wissen. Tino sah mich wohl genauso irritiert an, wie ich ihn, woraufhin ich ins Wohnzimmer ging, um selber nachzuschauen. Da lief so eine Nachrichtensendung. Ich las, was da in kleinen Buchstaben stand.
>>Erdbeben der Stärke 6,2 auf Spitzbergen.<<, konnte ich entziffern.
„Du meine Güte…“, murmelte ich und macht eine Kehrtwende in Richtung Telefon. Ich nahm den Hörer ab und wählte die Nummer meines Chefs. Nachdem es ein paar Mal geklingelt hatte, hob er ab und meldete sich.
„Hier ist Leah. Ist alles okay bei Ihnen?“, fragte ich.
„Ja, es dürfte soweit alles in Ordnung sein. Es gibt noch keine Verletztenmeldungen. Es scheint, als ob wir noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen wären.“
„Gut. Gibt es größere Schäden?“
„Nein, nur ein paar kleinere Gebäudeschäden. Außerdem hatten wir kurzzeitig Stromausfall, aber inzwischen ist alles wieder okay.“
„Das ist gut. Ich komme heute Abend oder morgen früh wieder. Kommen Sie bis dahin ohne mich zurecht?“
„Ja, natürlich. Es gibt übrigens noch andere Neuigkeiten. Das SGSV steht kurz vor der Vollendung. Ende des Jahres können wir es wahrscheinlich offiziell eröffnen.“
„Oh, das ist ja super! Ja, dann… bis heute Abend oder morgen.“, sagte ich und legte auf.
„Leah!“, schrie im nächsten Moment jemand und ich drehte mich um. Gerade noch rechtzeitig, denn dieser Jemand rannte mich glatt um, als er auf mich zusprang. Ich fluchte leise, dann öffnete ich die Augen.
„Katja. Wärst du so freundlich von mir runterzugehen?“, fragte ich sie.
„Oh, ja natürlich.“, sagte sie und stand schnell auf. Im Türrahmen stand Tino und meinte unschuldig: „Sie hat mich einfach umgerannt, tut mir Leid.“
„Schon gut.“, erwiderte ich und stand auf.
„Katja. Was tust du hier?“, fragte ich als nächstes.
„Ich hab mir Sorgen um dich gemacht!“, meinte sie empört. Ich sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Sie lächelte nur unschuldig und wippte auf den Fußspitzen auf und ab.
„Bitte, Katja, ich kenne dich. Warum bist du wirklich hier?“, hakte ich nach.
„Naja… also, weißt du… Ivan geht mir momentan auf den Keks und Natalya macht mir Angst! Deswegen dachte ich, es wäre mal wieder an der Zeit, dich und meine Verwandtschaft zu besuchen.“
„Deine Verwandtschaft?!“
„Ja, Mathias. Er ist irgendwie mit mir verwandt, frag mich nicht, wie.“, sagte sie und grinste.
„Warum überrascht mich das jetzt nicht sonderlich?“, murmelte ich und schaute dann wieder zu Katja.
„Warum bleibst du denn noch bei Ivan, wenn er dir so auf den Keks geht?“, fragte ich sie. Sie sah nach unten und murmelte nur irgendetwas von „Zweckverbindung."

Am 21. Februar 2008 erschüttert ein Erdbeben der Stärke 6,2 Longyearbyen. Das Epizentrum liegt etwa 100 km südlich. Dieses Erdbeben gilt gleichzeitig als das stärkste Erdbeben in Norwegen.
Das Svalbard Global Seed Vault (SGSV) ist eine internationale Organisation, die es als ihre Aufgabe ansieht, weltweit Nutzpflanzen zu erhalten und die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen. Dabei soll auch ein Bunker auf Spitzbergen dienen, der 120m tief im Permafrost-Boden Spitzbergens liegt. Ziel der Pflanzensamenbank ist es, die wichtigsten Nutzpflanzen der Erde vor genetischer Verunreinigung und vor Verlusten durch Atomkriege, Naturkatastrophen oder Pflanzenepidemien zu bewahren.
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