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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 1.029
 
„Schnelles Internet!“, murmelte ich fröhlich vor mich hin, als ich auf dem Weg zum Flughafen war. Erst vor Kurzem hatte ich ein Glasfaserkabel gelegt bekommen. Jetzt konnte man endlich auch von hier aus schnell ins Internet kommen. In den größeren Ortschaften zumindest. Das war vor allem für die Uni wichtig, die entgegen meinen Erwartungen ziemlich gut besucht war. Wir hatten inzwischen noch ein viertes Studienfach dazubekommen: Arktische Technologie. Für die Lage hatten wir geradezu einen Ansturm von Studenten. Außerdem beherbergte UNIS inzwischen auch Forschungsequipment vieler anderer Stationen. Deswegen mussten wir die Fläche von 3000 m² auf 9000 m² vergrößern. Gilbert und Katja  waren jetzt auch öfter hier. Gilbert kam vorbei, um nach den deutschen Studenten zu sehen. Katja kam anstelle von Ivan, um sich um die russischen Studenten zu kümmern. Die Studenten an der UNIS kamen primär aus Norwegen, Deutschland und Russland. Und den anderen EU-Staaten, aber da waren es nicht so viele. Jedenfalls mochte ich meine Universität echt gerne. So langsam begann auch das viele Gras, das in den 1990ern mal gepflanzt wurde, nicht mehr so zu nerven. Damals hatten wir versucht Longyearbyen grüner zu machen. Dann war es allerdings zu grün geworden und es gab ein Verbot, fremde Tiere und Pflanzen, die sich selbst verbreiten können, zu importieren.
Als ich am Flughafen ankam, fiel mein Blick auf das neue Flughafengebäude, das so gut wie fertig war. Ende des Jahres sollte es eröffnet werden. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber der Tourismus war meine Haupteinnahmequelle geworden. Die meisten Touristen kamen im Sommer, um die Mitternachtssonne zu sehen, aber inzwischen wollten auch viele die Polarnacht erleben, was vielleicht auch daran lag, dass mein Chef im Winter viele Veranstaltungen organisierte.
Am Ticketschalter angekommen, kaufte ich mir ein Flugticket nach Tromsø. Nach Tromsø gab es regelmäßige Flüge. Ich weiß noch, wie ich vor knapp 55 Jahren rennen musste, um das Schiff noch zu bekommen. Jetzt konnte ich mir Zeit lassen. Zumal ich ja auch nicht mehr humpelte. Heute sollte ich trotzdem nicht zu spät kommen. Von Tromsø aus musste ich dann gleich weiter nach Reykjavík. Egill hatte uns zum þorrablót eingeladen, einem traditionellen Fest im Februar. Hoffentlich würde das Essen nicht allzu traditionell ausfallen, denn die traditionelle isländische Küche war manchmal äußerst seltsam.

„Meine Güte, heute bin ich endlich mal wieder in meinem alten Haus! Ich war da so lange nicht mehr.“, sagte Egill, als wir am Stadtrand von Reykjavík zu seinem alten Haus liefen.
„Hattest du einen Kamin in deinem Haus?“, wollte ich wissen. Egill nickte.
„hast du auch schön sauber gemacht, Icey? Du hast doch nicht etwa Angst vor Staub, oder, Icey?“, meinte Mathias grinsend.
„Natürlich habe ich sauber gemacht!“, erwiderte Egill sauer.
„Hast du noch Kaffee im Haus?“, fragte Tino. Egill nickte.
„Da wären wir.“, sagte er dann. Ich sah nach oben. Wir standen vor einem mittelgroßen, gemütlichen Holzhaus. Egill ging zur Tür und sperrte auf. Dann winkte er uns herein und sagte: „Na, kommt schon, sonst wird es kalt drinnen.“
Wir folgten Egill nach drinnen, wo es schön kuschelig warm war. Aus der Küche duftete es nach Egill’s legendärem Laubbrot, während im Kamin ein kleines Feuer knisterte.
„Schön hast du es hier.“, sagte ich.
„Danke. Das Essen ist gleich fertig, dauert nur noch ein kleines Stück. Macht es euch bequem.“, meinte Egill und verschwand in der Küche. Ich schaute zu Lukas.
„Komm‘, wir helfen ihm.“, schlug ich vor. Ich hatte den blutigen Finger noch gut in Erinnerung. Lukas nickte. Wir standen auf und gingen zu Egill in die Küche.
„Können  wir dir helfen?“, fragte ich. Egill schob uns eine Schüssel zu.
„Das hier könnt ihr schneiden, wenn ihr wollt.“, antwortete er und wandte sich wieder irgendeinem Fisch zu.
„Was machst du da, Brüderchen?“, wollte Lukas leicht besorgt wissen. Egill war so vertieft, dass er das ,Brüderchen‘ gar nicht mitbekam.
„Ich mache den Hai…“, erwiderte er. Lukas und ich sahen und gegenseitig mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Interessant. Welchen Anlass hat dieses Fest eigentlich?“, fragte ich, um vom Thema abzulenken.
„þorrablót kommt von dem Wort þorri. Das ist eine alte Monatsbezeichnung für die Zeit von Mitte Januar bis Mitte Februar. Blót war ein Ritual mit Opfergaben für die Götter. Heute hat man bei dem Fest einfach nur noch Spaß.“, erklärte Egill, der das Haifleisch jetzt auf einem Teller platzierte.
„Und wie lange geht das?“, wollte ich wissen.
„Das traditionelle Essen dauert etwa 1 bis 2 Stunden. Danach wird meistens bis zum nächsten Morgen gefeiert.“
Ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Da sprang er plötzlich auf uns beide zu, packte uns am Arm und fragte aufgeregt: „Wollen wir durchmachen?“
„Ähm, Icey, weißt du, das wird ganz schön lang…“, meinte Lukas vorsichtig.
„Na und? Ist doch egal! Mathias und ich haben gewettet, ob ich es schaffe, die ganze Nacht aufzubleiben. Ihr müsst mir helfen und mich wecken, wenn ich kurz davor bin, einzuschlafen! Bitte, macht mit, bitte!“, bettelte Egill.
„Nur, wenn wir eine Flasche Brennivin bekommen, sobald wir wieder zu Hause sind.“, sagte Lukas. Egill seufzte.
„Also gut. Aber wehe, ihr schlaft ein!“

Im Februar feiern die Isländer das seit langer Zeit traditionelle Fest "Þorrablót". þorri" ist eine alte Monatsbezeichnung für die Zeit von Mitte Januar bis Mitte Februar. "Blót" steht für ein Ritual mit Opfergaben für die Götter. Heute wird beim "þorrablót" gegessen, getrunken und getanzt. Seit etwa 50 Jahren wird hierbei das alte traditionelle Essen gegessen, das "þorramatur", welches es heute tagtäglich nur noch selten gibt. Dazu bringt jeder etwas mit, entweder für sich selbst oder für das gemeinsame Buffet. Für die Isländer war es früher wichtig, dass ihre Nahrungsmittel im Winter lange haltbar waren. So gehören zum þorramatur sauer Eingelegtes. Weiterhin gibt es Steckrübenbrei, Hangikjöt (geräuchertes Schafsfleich), gekochter Schafskopf, Hai und natürlich Brennivin, den typischen isländischen Branntwein. Den Hai, "Hákarl" muss man mindestens einmal probiert haben. Er lässt sich am besten zusammen mit Brennivin in kleinen Bissen hinunterschlucken. Das Haifleisch wird vor dem Verzehr ein paar Monate eingegraben.
2003 wurde ein Glasfaserkabel von Spitzbergen bis zum Festland gelegt. Im Herbst 2005 wurde das Gelände von UNIS von 3000 m² auf  9000m² erweitert. Im Dezember 2007 wurde das neue Flughafenterminal eingeweiht.
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