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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 1.049
 
„Hackt Berwald schon den ganzen Tag Holz?“, fragte ich Tino.
„Ja, er hackt schon seit heute Morgen Holz. Das Mittsommerfeuer soll doch schön groß werden.“, antwortete Tino und nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse.
„Will er nicht mal eine Pause machen? Jetzt sind ja auch noch Lukas und Mathias da.“
„Er hackt gerne Holz. Warum auch immer.“, meinte Tino. Ich nickte nur. Aus der Küche hörte ich ein Scheppern.
„Alles okay, Egill?“, rief ich und legte den Mittsommerkranz, an dem ich gerade arbeitete, weg, um nach ihm zu sehen.
„Alles in Ordnung, nur…“, begann er. Ich betrat die Küche und sah nahezu den gesamten Inhalt der Küchenschränke auf dem Boden verteilt.
„Wo habt ihr die Pfannen versteckt?“, fragte Egill und lächelte mich entschuldigend an. Ich nahm eine große Pfanne vom Küchentisch und hielt sie ihm vor das Gesicht.
„Reicht dir die?“, wollte ich mit hochgezogenen Augenbrauen wissen.
„Oh, ähm, ja, danke. Auf dem Tisch hatte ich gar nicht nachgeschaut.“, meinte er verlegen. Ich seufzte.
„Frag‘ das nächste Mal einfach vorher, okay?“, sagte ich und gab ihm die Pfanne. Dann ging ich zurück zu Tino, der eine Strohhexe für das Fest bastelte. Ich setzte mich wieder an den Blumenkranz. Ich war fast fertig. Zum Glück, denn es begann schon zu dämmern. Und wir mussten auch noch Heilkräuter sammeln gehen. Immerhin hieß es ja, dass die Kräuter in der Mittsommernacht besonders wirksam sein sollten.
„Du, Tino, hat Berwald immer noch seine U-Boot-Paranoia?“, fragte ich nach.
„Nein, ich vermute nicht. Zum Glück. Er war damals irgendwie extrem unruhig gewesen und das war ziemlich gruselig. Ich meine, wir reden hier von Schweden.“, antwortete Tino. Ich band den Kranz an seinen beiden Enden zusammen und murmelte zufrieden: „Fertig.“
In dem Moment kam ein lauter Aufschrei aus der Küche.
„Du meine Güte!“, rief ich erschrocken, sprang auf und lief in die Küche.
„Egill, ist dir was passiert?“, fragte ich, als ich ankam. Egill beobachtete gebannt seinen Finger.
„Ich hab‘ mich geschnitten…“, sagte er und sah mich an. Er war kreidebleich.
„Was machst du denn nur immer?“, murmelte ich mehr zu mir selbst und ging zu Egill, um ihm ein Taschentuch um den Finger zu wickeln.
„Ich bin mit dem Messer weggerutscht und… au!“
„Da musst du jetzt wohl durch.“, erwiderte ich und sah ihn seufzend an. Egill schaute besorgt auf das Taschentuch, an dem sich ein rötlicher Fleck bildete. Bevor er anfangen konnte, zu jammern, sagte ich: „Nein, du wirst nicht deswegen verbluten. Geh‘ zu Tino, ich mach das hier fertig.“
Egill nickte und verschwand. Ich machte mich seufzend daran, das restliche Essen zu kochen.

„Wir müssen die Kräuter trocknen, bevor wir anfangen, zu essen, damit sie nicht verfaulen.“, sagte Tino, der einen großen Korb mit Kräutern angeschleppt brachte. Er war zusammen mit Egill Kräuter sammeln gegangen und wie es aussah, waren sie sehr erfolgreich gewesen.
„Ich hab‘ aber Hunger!“, jammerte Mathias.
„Was haltet ihr davon, wenn ihr die Kräuter trocknet, während wir das Feuer anzünden?“, schlug ich vor.
„Meinetwegen.“, sagte Tino lächelnd und ging zusammen mit Egill ins Haus. Mathias grinste fröhlich vor sich hin.
„Was ist denn mit dir passiert?“, fragte ich ihn. Dass er mit so viel Elan grinste, war selten und meistens heckte er dann irgendetwas aus. Mathias‘ Grinsen war erfahrungsgemäß mit Vorsicht zu genießen.
„Ich freu mich nur.“, sagte er.
„W’rüber?“, wollte Berwald wissen.
„Dass wir heute Nacht endlich wieder zündeln dürfen!“, rief er aus. Mich beschlich da irgendwie eine schlechte, schlechte Vorahnung…
„Jungs… Zeigt mir mal das Holz, das ihr gehackt habt.“, forderte ich sie auf. Sie sahen sich gegenseitig an.
„Versucht es gar nicht erst.“, sagte ich sofort. Verarschen konnte ich mich selber. Seufzend ging Mathias mir voraus zum Fenster. Dort war ein Holzstapel zu sehen, der es in sich hatte. Der Holzhaufen war knappe 2 Meter hoch. Außerdem lag neben dem Holzhaufen noch eine ganze Menge gehacktes Holz an Vorrat.
„Seid ihr wahnsinnig?“, fragte ich.
„Warum?“, erwiderte Mathias unschuldig.
„wollt ihr wirklich dieses Riesen-Ding da abbrennen?“
„Ich verstehe nicht, was dein Problem mit der Größe ist.“, sagte Mathias und sah den Haufen mit schiefgelegtem Kopf an.
„Fast ein bisschen zu klein.“, fügte er hinzu.
„Ich muss Mathias ausnahmsweise Recht geben, auch wenn ich es nicht gern tue. Der Holzhaufen hat genau die richtige Größe. Meiner Meinung nach.“, sagte Lukas. Ich sah den riesigen Haufen mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ich meine, der war größer als Berwald! Und, wenn ich es richtig einschätzte, auch noch größer als Ivan.
„Ihr wollt das da wirklich anzünden?“, fragte ich erneut.
„J‘.“, meinte Berwald. Die anderen beiden nickten.
„Macht, was ihr denkt.“, sagte ich dann nur und hoffte, dass sie wussten, was sie taten. Ich ging zu Tino und zu Egill in die Küche.
„Hey, braucht ihr noch lange?“, fragte ich die beiden, die die verschiedenen Kräuter ordentlich zum Trocknen hinlegten oder zu Garben banden und aufhängten.
„Nein, eigentlich nicht.“, sagte Tino und lächelte.
„Gut, dann kann ich das Essen ja schon mal rausschaffen.“, meinte ich und nahm ein paar Teller. Als ich nach draußen kam, loderte da schon ein ziemlich großes Feuer. Okay, groß ist gar kein Ausdruck. Es war bombastisch. Aber es sah trotzdem einfach genial aus. Ich musste Mathias, Berwald und Lukas wirklich Recht geben: Es hatte genau die richtige Größe.

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