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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 871
 
„Katja! Ivan! Katja, Ivan! Katja, Ivan! Katja, Ivan!“, rief ich, während ich aufgescheucht durchs Haus rannte. Schließlich sah ich die beiden in aller Seelenruhe am Frühstückstisch sitzen. Ich sprintete auf sie zu und rief noch einmal: „Katja, Ivan!“
Dann kam ich erstmal zum Stehen und war ganz schön außer Atem.
„Was ist denn los?“, fragte Ivan lächelnd. Er lächelte. Das war ein gutes Zeichen.
„Ich bin aufgeregt!“, erwiderte ich und legte meine Hand auf Katjas Gesicht. Sie gab einen erschrockenen Laut von sich und rutschte zur Seite.
„Siehst du? Sie ist ganz kalt!“, sagte ich.
„Jetzt beruhige dich und frühstücke erstmal.“, meinte Katja und schob mir einen Teller Obst hin.
„Ihr habt sogar frisches Obst für mich geholt! Das ist echt lieb, aber ich befürchte, ich bekomme keinen Bissen runter…“, erwiderte ich in einer weltrekordverdächtigen Geschwindigkeit.
„Du isst jetzt was, sonst kippst du wirklich noch um!“, sagte Ivan immer noch lächelnd. Aber nicht nett lächelnd, sondern irgendwie gruselig.
„Okay.“, meinte ich nur leise, da ich mich nicht mehr traute, zu widersprechen. Ich begann, Himbeeren auf meinen Teller zu schlichten.
„Ich wette, Tino ist noch aufgeregter als du, Leah.“, sagte Katja dann.
„Das könnte sogar stimmen. Tino ist immer aufgeregt und irgendwie ein bisschen  hyperaktiv. Könnte an dem vielen Kaffee liegen.“, stimmte ich ihr zu.
„Ja, natürlich liegt das an dem Kaffee. Er trinkt ja normalerweise auch fünf Tassen am Tag. Also, wie sieht denn nun der Plan für heute aus?“
„Erstmal frühstücke ich, dann dusche ich, ziehe mein Kleid an und mache meine Haare. Und dann geht’s los, würde ich sagen. Ah, ich bin so nervös!“, erklärte ich.
„Gut, ich bin auch so gut wie fertig. Ich muss mich nur noch umziehen und meine Haare flechten.“
„Super. Echt, danke, dass du meine Brautjungfer bist. Und Ivan?“
„да?“
„Danke, dass du mein Trauzeuge bist.“
„Nichts zu danken, das machen wir doch gerne.“, sagte Ivan.
„Gut, dann… mache ich mich jetzt mal fertig.“, erwiderte ich und lächelte.

„Ich bin so aufgeregt!“, sagte ich zu Jan, der mein Brautführer sein sollte.
„Es wird alles gut.“, meinte Jan. Katja zupfte an meinem Schleier herum.
„Du machst mich auch noch ganz nervös!“, beschwerte sie sich. Ich lächelte. Ivan, Lukas und die anderen warteten schon in der Kirche.
„Schaut mal nach draußen.“, sagte Jan. Katja und ich taten, was er sagte. Da fielen kleine, weiße Schneeflocken vom Himmel.
„Schnee.“, stellte Katja ernüchtert fest.
„Wie schön!“, rief ich und sah mir begeistert den Schnee an. Alle Aufregung war vergessen. Für Februar war Schnee zwar nichts Besonderes, aber ich mochte ihn eben doch irgendwie. Ich merkte auch gar nicht mehr, wie die Zeit verging. Das wurde mir erst wieder bewusst, als Jan sagte: „Wir sind da.“
Ich sah ihn erschrocken an.
„Was, schon?!“, fragte ich. Sofort war die Aufregung wieder da.
„Hilfe…“, murmelte ich. Katja und Jan stiegen aus dem Auto aus. Jan half mir dabei, mit meinem Kleid aus dem Auto zu kommen. Ich schaute mich nervös um.
„Ganz ruhig bleiben, Leah. Tief durchatmen.“, meinte Jan beruhigend. Ich schloss die Augen und atmete tief ein und aus.
„Also gut. Bringen wir es hinter uns.“, sagte ich. Jan nickte und wir gingen los. Katja lief hinter mir und auch wenn sie es nicht zugeben wollte, merkte ich, dass sie zumindest halb so aufgeregt war, wie ich. Als wir die Kirche betraten (eine richtig schöne, kleine Stabkirche), lag die ganze Aufmerksamkeit auf mir. Das half mir mit meiner Nervosität ja mal überhaupt nicht.
„Irre…“, murmelte Katja hinter mir. Ich schmunzelte. Während wir nach vorne zum Altar liefen, fiel mir auf, dass ganz schön viele Leute gekommen waren. Und irgendwie freute ich mich wirklich darauf, den Schleier endlich aus meinem Gesichtsfeld zu bekommen. Er nervte nämlich ganz schön. Ich sah Ivan ganz vorne sitzen und lächeln. Lukas stand auch am Altar, aber er durfte sich ja noch nicht umdrehen. Dafür drehte sich Egill regelmäßig um und informierte Lukas umfassend darüber, wie ich aussah. Ich musste lächeln. Inzwischen war ich mir relativ sicher, dass ich das Ganze einigermaßen überstehen würde. Ganz sicher war ich mir, als ich schließlich bei Lukas ankam und er meinen Schleier zurückschlug, in dem sich ein paar Schneeflocken verfangen hatten.
„Hey…“, flüsterte ich leise und lächelte. Lukas lächelte zurück. Dann begann die Trauung.

„Hey, herzlichen Glückwunsch.“, sagte Egill, als wir mit der Feier begannen.
„Danke.“, meinte ich und lächelte.
„Das Kleid ist hübsch.“, sagte Belgien im Vorübergehen.
„Danke.“
Irgendwie war Danke heute das Wort des Tages. Ich trank einen kleinen Schluck Tee.
„Anstrengend, stimmt’s?“, sagte Lukas. Ich nickte nur und lächelte.
„Wird schon.“, meinte er.
„Ja, nur noch diesen einen Abend überstehen, dann wird es wieder ruhig.“, erwiderte ich und schmunzelte.
„Ich bin auch froh, wenn der ganze Stress vorbei ist. Übrigens, du siehst toll aus.“
„Danke, das hast du mir heute schon mindestens fünfmal gesagt.“
„Dann weißt du wenigstens, dass ich es ernst meine.“
„Oh ja!“, sagte ich und lachte. Lukas sah mich lächelnd an.
„Wollen wir abhauen?“, fragte er dann plötzlich.
„Was?!“, wollte ich verblüfft wissen.
„Lass‘ uns verschwinden, bevor die ganzen Gesellschaftsspiele losgehen. Egill kümmert sich schon um alles.“
„Okay. Du bist verrückt.“
„Also, wollen wir?“
„Klar!“
Und somit verschwanden wir vorzeitig von unserer eigenen Hochzeitsfeier und zogen die Hochzeitsnacht vor.
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