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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 917
 
Ich stand zusammen mit Tino und Jan Mayen vor Ivans Haus und klingelte. Ich hoffte, dass Maria Zeit haben würde, um mir bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen. Jan hatte ich mitgenommen, weil er mein Cousin war und Tino, weil… weil er eben Tino war. Während ich noch über die Auswahl der Personen, die ich mitnahm, nachdachte, öffnete Ivan die Haustür.
„Ah, guten Morgen, Leah. Und Finnland hast du auch mitgebracht!“, sagte er und lächelte. Jan wurde wie immer ignoriert.
„Hallo, Ivan. Du, ist Maria da?“, fragte ich ihn. Er sah mich verwirrt an.
„Wer ist Maria?“, erwiderte er. Erst jetzt fiel es mir wieder ein. Sie hieß ja nicht mehr Maria, sie hieß Katja!
„Ich meine Katja.“, sagte ich und lächelte entschuldigend. Jetzt lächelte auch Ivan wieder und meinte: „Ach so, Katja! Ja, die ist da. Warum?“
„Kann ich mal mit ihr reden?“
„Ja, warte kurz.“, meinte Ivan und ging wieder ins Haus.
„Er ist gruselig.“, sagte Tino nur und grummelte irgendetwas auf Finnisch, wovon ich leider kein Wort verstand. Jan sagte nichts – er war allgemein ziemlich still, sogar noch stiller als Berwald oder Lukas. Manchmal fand ich das ziemlich beängstigend. Kurz darauf kam Ma… Katja an die Tür.
„Was ist?“, fragte sie verschlafen. Das konnte ja wohl nicht wahr sein! War sie etwa immer noch so ein Langschläfer?
„Katja, wir müssen reden. Hast du heute Zeit?“, sagte ich.
„Ja, ich denke schon. Warum?“
„Frag‘ Ivan bitte, ob ich mir dich für heute mal ausleihen darf. Es ist wichtig.“
„O…kay…“, antwortete sie und verschwand kurz im Haus. Nach einer kurzen Zeit kam sie mit Ivan und einer Tasche wieder.
„Bring‘ sie mir heil zurück, да?“, sagte Ivan lächelnd.
„Ich geb‘ mir Mühe. Ha det godt, Ivan.“, antwortete ich.
„до свидания.“
Ich winkte und ging mit Jan, Tino und Katja zurück zum Auto. Es war Tinos Auto, da Jan und ich kein eigenes hatten. Ich war zwar gerade dabei, meine Infrastruktur wieder aufzubauen, aber die gab es so wirklich nur in Longyearbyen. Bevor wir in das Auto stiegen, hielt Katja mich am Arm fest. Ich drehte mich überrascht zu ihr um. Sie sah mich ein bisschen seltsam an und sagte dann: „Hey, tut mir leid. Du weißt schon, die Sache mit dem Krieg und so.“
Ich zog verwundert eine Augenbraue nach oben. Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht.
„Ach, Schwamm drüber!“, meinte ich dann und lachte.

„Du willst WAS?!“, fragte Katja schockiert, als sie die Neuigkeiten erfahren hatte. Ich seufzte.
„ich will heiraten.“, wiederholte ich.
„Du willst Norwegen heiraten? Aber warum?“
„Hm… lass‘ mich überlegen… vielleicht, weil ich ihn liebe?“
„Aber er ist so still und irgendwie gruselig. Weißt du, dass Island dann dein Schwager wird?!“
„Das mit dem still hab‘ ich gehört. Ich weiß, dass das auf mich gemünzt war.“, sagte auf einmal Jan, der sich vom Beifahrersitz zu uns umgedreht hatte. Katja sah ihn irritiert an und meinte dann: „Leah. Wer ist das?“
„Das ist Jan Mayen. Mein Cousin. Ich hab‘ ihn schon einmal erwähnt. Auf der Konferenz, weißt du noch?“
„Auf der Konferenz, wo die Sache mit dem Konferenztisch war? Mann, das war echt…“
„Ja, genau.“, unterbrach ich sie, bevor sie sich irgendwie verplappern konnte. Immerhin musste Tino nicht unbedingt wissen, was Lukas und ich in den Konferenzpausen machten.
„Nein, kann ich mich nicht dran erinnern. Ist ja auch egal. Ihr seht euch aber gar nicht ähnlich. Nur dieselben Augen habt ihr.“
„Wir sind ja auch Cousins und keine Geschwister.“
„Hm… Gut, die Ausrede lasse ich gelten. Also, zurück zum Thema. Du willst wirklich Norwegen heiraten, obwohl er so still und gruselig und emotionslos ist?“
„Ja, jeg vil! Natürlich will ich ihn heiraten. Außerdem ist er überhaupt nicht gruselig und emotionslos.“
„Ähm… doch, das ist er. Ich weiß ja nicht, wie er privat ist, aber in der Öffentlichkeit ist er ziemlich gruselig… Na gut, das bist du auch, soweit ich das beurteilen kann, aber trotzdem…“
„Du willst mir also nicht dabei helfen, ein Brautkleid auszusuchen, und du willst nicht bei meinem finnischen Polterabend dabei sein und du willst auch nicht Islands superleckeres Laubbrot essen? Tja, schade, dann muss ich an deiner Stelle wohl Liechtenstein einladen…“
„Nein! Alles, bloß das nicht! Ich freue mich ja für dich. Ich wollte dir nur aus weiblicher Solidarität ein paar… Gegenargumente bringen, die von anderen Nationen kommen könnten. Aber du hast ja alle Gegenargumente entkräftet.“
Ich musste lachen. Weibliche Solidarität, alles klar. Wahrscheinlich hatte Katja schon viel zu viel Zeit mit Ivan verbracht. Aber da war noch eine Frage, die mir auf der Zunge brannte…
„Sag mal, Katja, wie kommst du denn eigentlich mit Ivan zurecht? Magst du ihn?“
„Was soll die Frage denn jetzt?!“
Ich schnappte gespielt nach Luft und sagte: „Also wirklich! Du willst doch wohl meine Frage nicht mit einer Gegenfrage beantworten, oder?“
Katja seufzte. Sie dachte einen Moment nach, dann antwortete sie: „Ich bin ihm dankbar. Er hat mir immerhin das Leben gerettet. Aber dann ist er manchmal auch ziemlich grausam, wenn irgendetwas nicht nach seinem Willen läuft.“
„Aber du weißt nicht, wie du zu ihm stehen sollst, nicht wahr? Ich hätte damals auch nie gedacht, dass er Tino angreifen würde. Aber ich glaube, zu dieser Zeit haben sowieso alle ein bisschen am Rad gedreht. Trotzdem… sonst ist er so lieb, aber manchmal…“
„Ja, genau das meine ich auch. Ich seh‘ schon, wir verstehen uns.“
„So wie früher, oder?“
„Genau. Vergeben und vergessen?“
„Vergeben und vergessen!“

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Ha det godt. – Auf Wiedersehen.
Ja, jeg vil! – Ja, ich will!

до свидания. – Do svidanija. – Auf Wiedersehen.
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