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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 1.084
 
Ich machte gerade Frühstück, als es an der Haustür klingelte. Ich warf einen Blick auf die Uhr und rief: „Ist offen!“
Es war 8.52 Uhr. Wer weiß, wer das schon wieder war. Ich war immerhin nicht in meinem eigenen Haus, sondern in Lukas' Haus. Bei mir konnte es schon mal vorkommen, dass ich mitten in der Nacht oder relativ früh am Morgen oder zu anderen unchristlichen Zeiten Besuch bekam. Das lag daran, dass die Menschen oft wegen der Polarnacht verwirrt waren. Ich drehte mich kurz um, um zu sehen, wer da war. Natürlich. Es war Mathias. Nur ihm konnte es einfallen an einem Samstag, um 9 Uhr morgens, an fremden Haustüren zu klingeln.
„Wo ist Lukas?“, fragte er. Ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Guten Morgen, Mathias.“, sagte ich. Er verdrehte die Augen.
„Ja, ja, guten Morgen, jetzt sag‘ schon, wo hast du Lukas gelassen?“
„Er schläft noch.“, antwortete ich Mathias.
„Warum ist er nur so ein Langschläfer? Kannst du ihn nicht mal erziehen, Leah?“, jammerte Mathias. Ich lachte.
„Ich bin seine Freundin, nicht seine Mutter. Außerdem bist du doch der schlimmste Langschläfer von uns allen, Mathias.“, sagte ich.
„Stimmt nicht.“
„Doch. Es wundert mich, dass du so früh überhaupt daran denkst, dich auch nur einen Zentimeter zu bewegen, geschweige denn aufzustehen und Lukas besuchen zu kommen.“, meinte ich nur.
„Es geht um was Wichtiges. Was kochst du da eigentlich?“
„Pfannkuchen. Willst du auch was essen?“
„Ja, also, wenn du schon so fragst…“, antwortete mir Mathias grinsend.
„Du kannst ruhig zugeben, dass du von Anfang an nur auf ein kostenloses Frühstück aus warst. Wann warst du das letzte Mal einkaufen? Vor einem Monat?“
Mathias kratzte sich verlegen am Kopf.
„Ich wollte das jetzt nicht so offen zugeben…“
„Bitte, Mathias. Ich kenne dich doch. Soll ich Lukas für dich wecken?“, fragte ich. Mathias schüttelte den Kopf.
„Nein, lass‘ es bleiben, sonst ist er wieder sauer auf mich.“
„Er ist auch so schon sauer auf dich, Mathias, da du, wenn du schon frühmorgens in seinem Haus aufkreuzt, einfach nicht leise sein kannst!“, rief Lukas vom Flur aus und kam in die Küche.
„Du bist schon wach?“, fragte ich. Okay. Blöde Frage.
„Ja, Mathias ist ja nicht zu überhören.“, antwortete Lukas.
„Ich muss mit dir reden, Lukas.“, meinte Mathias. Lukas seufzte.
„Um was geht es denn?“, wollte er wissen.
„Können wir wieder zusammenziehen?“
„Was?!“
„Ich meine, können wir wieder alle zusammen wohnen? So wie damals? Es ist langweilig, wenn ich Icey nicht ärgern kann.“
Ich lächelte. Ich hatte es immer gewusst, dass sie es nicht lange ohne einander aushalten würden.
„Ist das der einzige Grund?“, fragte Lukas.
„Naja, also ehrlich gesagt…ihr fehlt mir alle.“, murmelte Mathias.
„Oho, Mathias!“, sagte ich lachend. Mathias senkte verlegen den Kopf.
„Hast du Berwald, Egill und Tino schon gefragt?“, wollte Lukas wissen. Mathias schüttelte den Kopf.
„Nein, noch nicht. Ich hatte eigentlich gedacht, die wären sowieso damit einverstanden.“, meinte er dann.
„Oh, gerade bei Egill würde ich das bezweifeln. Wenn du weiter so auf ihm rumhackst…“, gab ich zu Bedenken und begann, den Tisch zu decken.
„Ich bemühe mich, ihn in Ruhe zu lassen.“, schwor Mathias.
„Wer’s glaubt…“, murmelte Lukas. Etwas lauter sagte er dann: „Wegen mir können wir gern darüber nachdenken, aber ich finde, wir sollten zuerst mit Egill, Berwald und Tino reden.“

„Also wollt ihr wieder mit uns zusammenziehen?“, fragte Tino lächelnd.
„Mathias will.“, meinte Lukas. Egill warf Mathias einen misstrauischen Blick zu.
„Ich würde mich freuen! Es wäre doch toll, wenn wir alle wieder zusammenwohnen könnten, nicht, Berwald?“, sagte Tino und strahlte bis über beide Ohren.
„N’türlich w’re d’s sch’n, ab’r was w’rd R’ssland d’zu sag’n?“, erwiderte Berwald. Ich sah, wie Tinos Lächeln langsam einfiel.
„Meinst du, er hätte etwas dagegen?“, fragte Tino leicht desillusioniert.
„Ach, bitte, warum sollte Ivan etwas dagegen haben? Wenn er etwas dagegen hat, sag‘ mir einfach Bescheid, Tino. Dann werde ich ihn mir einfach mal vorknöpfen.“, sagte ich. Ich wusste zwar  nicht wirklich, wie ich Ivan zu überhaupt irgendetwas überreden sollte, denn soweit ich wusste, ließ er sich äußerst selten zu etwas überreden, aber Tino lächelte wenigstens wieder. Es war sehr beunruhigend, wenn Tino nicht lächelte, fast genauso beunruhigend, wie wenn Ivan nicht lächelte.
„Das würdest du wirklich für mich tun?“, wollte er strahlend von mir wissen.
„Natürlich. Immerhin ist Ivan mein bester Freund!“, sagte ich. Egill schien immer noch misstrauisch gegenüber Mathias zu sein.
„Ich will aber meine Ruhe haben, auch wenn wir wieder zusammenwohnen.“, sagte er und streichelte Puffin.
„Ja, das ist doch selbstverständlich. Es gelten dieselben Regeln wie damals. Ja, auch für dich, Mathias.“, sagte ich.
„Nein! Ich gebe meinen Zimmerschlüssel nicht her! Ich will meinen eigenen Zimmerschlüssel, den nur ich allein habe, damit ich mein Zimmer absperren kann und meine Ruhe habe. Nicht so wie früher, wo Mathias auch einen Schlüssel zu meinem Zimmer hatte. Niemals!“, meinte Egill.
„Aber Ice-kun! Ist das nicht ein bisschen übertrieben?“, fragte Tino. Egill schüttelte nur den Kopf.
„Ich traue Mathias nicht.“, erklärte er. Mathias sah auf.
„Was? Geht es um mich?“
Ich seufzte.
„Ja, es geht um dich, Mathias. Egill meint, dass er dir nicht vertrauen kann oder will, was weiß ich.“, sagte ich dann zu ihm.
„Was? Mir vertraut er nicht? Wieso vertraut er gerade mir nicht? Ich bin viel vertrauenswürdiger, als… als…“
„Ja, da hast du’s, Mathias. Ist ja jetzt auch egal. Ich halte das mit den Schlüsseln allgemein für eine gute Idee.“, meinte ich.
„Also ziehen wir wieder zusammen?“, fragte Tino.
„Meinetwegen, ja.“, antwortete ich.
„Natürlich.“, sagte Lukas nur. Auch die anderen stimmten uns zu.
„Dann kann Leah für uns alle kochen!“, jubelte Mathias und grinste. Ich gab ihm einen Schlag auf den Hinterkopf.
„Glaub‘ bloß nicht, dass ich gerade für dich kochen werde.“, sagte ich.
„Was ist mit mir?“, fragte Egill.
„Ja, genau, was ist mit Icey?“, meinte nun auch Mathias. Ich seufzte. Das hatte ich nun wohl davon. Ich durfte das Kochen übernehmen. Es war schon irgendwie komisch. Jetzt waren wir alle wieder zusammen.

1952 wurde von Dänemark, Island, Norwegen und Schweden der Nordische Rat gegründet. Finnland trat dem Rat 1955 bei. Die Aufgaben des Nordischen Rates bestehen in der Koordinierung und Ausarbeitung von nichtbindenden Empfehlungen für die zwischenstaatlichen Beziehungen der Mitgliedsländer. Die Regierungen sind dem Nordischen Rat berichtspflichtig.
Die Nordische Passunion, die 1954 von Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen gegründet wurde, ist eine Übereinkunft der nordischen Länder zur Erleichterung der Grenzüberschreitung zwischen den beteiligten Staaten. 1955 trat Island der Union bei.
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