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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 872
 
„Sei froh, dass uns eine gute Ausrede eingefallen ist, Egill.“, sagte ich.
„Ihr hättet mir den Zettel ja gleich geben können.“, meckerte Egill.
„Sagt mal, was ging denn bei euch vorhin ab?“, fragte da Mathias und stützte sich auf Egills Kopf ab. Egill gab ein leises „Au!“ von sich.
„Nichts, was dich interessieren würde.“, meinte Lukas nur.
„Oh, doch, es interessiert mich!“, widersprach Mathias energisch.
„Nein.“, sagte Lukas, legte mir einen Arm um die Schulter und ging mit mir aus dem Konferenzgebäude.
„Hey, wartet, wo geht ihr hin?“, rief Mathias, während er und Egill uns folgten.
„Wir gehen was essen.“, antwortete ich.
„Können wir mitkommen?“, fragte Egill. Ich sah zu Lukas. Er seufzte und sagte: „Meinetwegen.“
„Cool, danke, ich halte auch den Mund. Ich bemühe mich zumindest, okay?“, meinte Mathias.
„Wolltest du nicht den Mund halten?“, fragte ich.
„Oh, ja, natürlich. Tut mir Leid.“, erwiderte er und grinste. Ich verdrehte lachend die Augen. Mathias würde es nicht lange aushalten, nicht zu reden. Seit wir nicht mehr zusammenwohnten, war sein Redebedürfnis nur noch schlimmer geworden. Mathias war nerviger als je zuvor. Ich sah mich ein wenig in der Umgebung um. Es war schon dunkel, aber die vielen Straßenlaternen erhellten die Straße und den Gehweg. Es waren noch viele Menschen unterwegs, viel mehr als in Longyearbyen wohl um diese Zeit unterwegs sein würden. Das lag wohl auch daran, dass wir weniger Einwohner hatten, als Washington. Gegenüber vom Konferenzgebäude gab es einen großen, weitläufigen Park. Parks konnte ich bei mir aus Mangel an Pflanzen schlecht einrichten. Aber die beleuchteten Straßen sahen wirklich schön aus. Vielleicht sollte ich zu Hause ein paar mehr Laternen aufstellen lassen. Im Winter während der Polarnacht würde das bestimmt schön aussehen. Je weiter wir ins Stadtzentrum kamen, desto mehr Leute waren unterwegs. Es gab viele Restaurants und kleine Kneipen, deren Licht auch durch die Fenster nach draußen schien. Außerdem drangen Musik und Stimmengewirr bis auf die Straße. Es sah alles so glanzvoll aus, diese goldenen Lichter, die jungen Frauen in ihren weiten, knielangen Kleidern und die Soldaten in ihren Uniformen, die froh waren, wieder daheim zu sein. Aber was mich ein bisschen störte, war…
„Man kann die Sterne kaum sehen.“, sagte ich, während ich angestrengt in den dunklen Nachthimmel sah. Vereinzelt sah man ein paar schwach leuchtende Punkte, aber ansonsten…
„Ja, das stimmt. Das kommt von der hellen Beleuchtung.“, stimmte Lukas mir zu.
„Leute, wir sind in der Großstadt! Wer braucht da denn bitte Sterne?“, meinte Dänemark nur grinsend.
„Ich finde es schade, dass man sie nicht sehen kann.“, erwiderte ich. Eigentlich war ich es gewohnt sehr viele Sterne zu sehen. Und zwar klar und deutlich. Nicht so wie hier.
„Lasst uns weitergehen, ich bin ziemlich müde.“, sagte Egill dann und gähnte demonstrativ.
„Was, jetzt schon?! Icey, du lässt zu wünschen übrig!“, meinte Mathias daraufhin.

Am nächsten Morgen konnte ich mir endlich wieder das übliche Fressgelage zum Frühstück gönnen, wie normalerweise auch. Danach ging es wieder zur Konferenz. Heute sollten auch Ludwig, Herakles und Sadiq kommen. Irgendwie war ich nervös. Ich hatte eigentlich gehofft, Ludwig nie wieder sehen zu müssen. Aber ich versuchte mir nichts davon anmerken zu lassen. Vor der Konferenz plauderte Alfred noch ein bisschen mit mir.
„Gefällt es dir hier in Washington, Leah?“, fragte er.
„Ja, es gefällt mir schon. Nur…“
„Nur was?“
„Es stört mich ein bisschen, dass es zu hell ist, um die Sterne zu sehen.“
„Warum willst du die Sterne sehen?“
„Sie sind schön. Außerdem ist Astronomie wahnsinnig interessant. Ich freue mich immer, wenn ich ein Sternbild am Himmel finde.“
„Da gibt es Bilder?!“
„Ja, wusstest du das nicht?“
„Wer soll so was denn schon wissen? Hey, Arthur, hast du schon mal von Sternbildern gehört?“, wollte Alfred von Arthur wissen. Der drehte sich zu Alfred um und sah ihn herablassend an.
„Natürlich, du Idiot. Das weiß doch jeder, dass es die gibt.“, sagte er dann und nahm einen Schluck Tee. Alfred lachte nervös und wandte sich dann wieder mir zu.
„Also, wo waren wir stehen geblieben?“, fragte er.
„Gib es doch einfach zu, wenn du keine Ahnung hast…“, sagte ich nur.
„Das ist unwahr! Ich habe sehr wohl Ahnung. Ich hab‘ die Sache mit den Sternbilder eben nur… gedächtnismäßig verlegt.“
„Du trägst die Brille also wirklich nur, um intelligenter auszusehen, als du es eigentlich bist.“, stellte ich fest. Arthur drehte sich wieder interessiert zu uns um und meinte: „Ja, das tut er. Aber es nützt ihm einfach nichts, wie wir ja eben wieder feststellen mussten.“
„Sag mal, Arthur, warum bist du eigentlich so ein unheimlicher Idiot?“, fragte Alfred. Jetzt kam auch noch Francis dazu und gab seinen Senf dazu: „Das frage ich mich auch immer.“
„Könnt ihr aufhören, immer gleichzeitig gegen mich zu sein?!“
„Nein, warum auch?“
„Mon dieu, was redest du da wieder für einen Unsinn, Arthur?“
Ich beschloss, mich aus dem Staub zu machen, bevor es zwischen den dreien zu ernsthaften Auseinandersetzungen kam. Ich sah mich weiter im Raum um. Inzwischen waren auch Ludwig und die anderen beiden da. Italien malte (zumindest das eine Italien, das andere hatte irgendwie Ärger mit Spanien).
Ich ging zu meinem Platz und seufzte.
„Was ist?“, fragte Lukas neben mir.
„Nichts. Ich glaube, ich habe gerade eine Art Kleinkrieg ausgelöst.“, antwortete ich ihm.
„Hm. Reife Leistung.“
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