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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 956
 
Das erste, was ich bemerkte, als ich aufwachte, war, dass es sehr hell und warm war. Ich blinzelte ein paar Mal, bis ich mich an das helle Licht gewöhnt hatte. Erst jetzt fiel mir auf, dass es sich um Tageslicht handelte. Ich schaute mich um. Das Licht fiel durch große, hohe Fenster in den Raum. An den Fenstern waren lange, schwere Vorhänge angebracht. Ich zog mir die warme, kuschelige Decke bis ans Kinn und schloss noch einmal die Augen. Müde und verschlafen drückte ich meinen Kopf in das weiche Kopfkissen. Es roch nach Tannen und frischer Seeluft. Gierig sog ich den Duft ein. Dann öffnete ich die Augen wieder. Wo war ich eigentlich? Ich hatte mich so wohlgefühlt, als ich aufgewacht war, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass ich mich nicht in gewohnter Umgebung befand. Ich wollte mich aufsetzen - ein Fehler. Als ich mich bewegte, durchfuhr mich ein nahezu unmenschlicher Schmerz. Ich spürte jeden meiner Knochen einzeln und das war kein sehr angenehmes Gefühl. Jetzt merkte ich auch, dass ich nur noch Unterwäsche trug. Aber das störte mich vorerst nicht - es war ja niemand außer mir im Zimmer.
“Du bist wach.”
Ich fuhr zusammen und wickelte mir die Decke so gut wie möglich um den Körper, ohne dabei auf meine schmerzenden Knochen zu achten. Von einem Stuhl, der neben der Tür stand, bewegte sich jemand auf mich zu. Ein Mann. Er war ziemlich groß und schlank und auf einer Seite fielen ihm seine blonden Haare ins Gesicht. Er kam mir bekannt vor, aber ich kam einfach nicht auf seinen Namen. Gut, ich hatte auch lange keine Menschenseele mehr gesehen. Es war ja klar, dass sich alle ziemlich verändert haben würden.
“Wir haben dir ein paar Klamotten rausgesucht. Sie liegen dort drüben.”
Er zeigte auf einen Stapel Kleidung. Ich nickte nur.
“Schau’ einfach, was dir passt. Ich mache dir währenddessen etwas zu trinken.”, sagte er, drehte sich um und ging.
“Danke.”, erwiderte ich noch, aber ich glaubte nicht, dass er mich gehört hatte. Meine Stimme war auch ganz schön angeschlagen. Als er weg war, blieb ich noch eine Weile im Bett sitzen und dachte darüber nach, wer oder was ,Wir’ waren. Wahrscheinlich wohnten in diesem Haus mehrere Personen. Wie viele es wohl waren? Zwei oder drei? Oder noch mehr? Ob sie wohl nett waren?
Langsam stand ich auf und ging (mehr oder weniger) zu dem Stapel Kleidung, der auf einem kleinen Tisch lag. Ich schnappte mir die erstbesten Sachen - einen knielangen, grauen Faltenrock, eine dicke, dunkelblaue Strumpfhose und einen cremefarbenen Pullover mit hellblauem Muster - und zog sie an. Dann schlüpfte ich noch in die warmen Fellschuhe, die auf dem Boden standen und gin zurück, um mein Bett zu machen. Gerade, als ich fertig war, kam der Mann von vorhin wieder in das Zimmer.
“Bist du fertig?”, fragte er und ich nickte wieder.
“Dann komm’ mit. Ich habe dir etwas zu trinken gemacht und außerdem musst du etwas essen. Dann kann ich dich auch gleich den anderen vorstellen. Ich bin übrigens Norwegen, aber du kannst mich Lukas nennen.”
“Ich bin Spitzbergen. Leah.”, sagte ich und hustete. Mein Hals kratzte wirklich extrem.
“Das klingt ja richtig schlimm. Hier, trink’ etwas.”, meinte Lukas. Er zog mich in den Nebenraum und drückte mir eine Tasse mit heißer Milch in die Hand. Vorsichtig, um mir nicht die Zunge zu verbrennen, nahm ich einen Schluck. Die warme Flüssigkeit tat wirklich gut. Als ich von der Milch wieder aufsah, sah ich noch drei andere Männer am Tisch sitzen. Einer schaute starr geradeaus, ein anderer aß gerade ein Stück Kuchen und der dritte sah mich lächelnd an. Er stand auf und kam auf mich zu.
“Setz’ dich doch. Ich bin Tino Väinämöinen oder Finnland. Wie du willst.”, sagte er. Ich lächelte schüchtern zurück. Der Mann neben mir hatte weiß-graue Haare und hatte seinen Kuchen gerade heruntergekaut.
“Ich bin Island, Egill Tomasson.”, sagte er.
“Mein kleiner Bruder.”, warf Lukas ein. Egill sah ihn kurz böse an.
“Schw’d’n. B’rwald Oxenstiern’”, sagte der letzte in einem schwer verständlichen Akzent.
“Ich bin Spitzbergen und mein menschlicher Name ist Leah Mikaelsen.”, stellte ich mich vor.
Tino schob den Kuchenteller zu mir.
“Hier, iss etwas.”, sagte er. Ich lächelte ihn dankbar an und nahm mir ein Stück Kuchen. In dem Moment stürzte jemand mit einer Axt zur Tür herein.
“Bin ich zu spät?”, fragte er und sah mich direkt an. Ich ließ den Kuchen auf meinen Teller fallen, sprang auf und ging ein paar Schritte zurück. Ich sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an und fauchte: “Du...!”
Er verdrehte nur die Augen und murmelte: “Nicht das schon wieder...”
“Du warst auch ganz vorne mit dabei! Dänemark...”, sagte ich und war selbst von dem bösartigen Klang meiner Stimme überrascht.
“Oh, ich bitte dich, Leah. Bist du immer noch nicht darüber hinweggekommen?”, sagte er spöttisch.
“Seht ihr, deswegen wollte ich sie in Ruhe sterben lassen.”, meinte er nun zu den anderen gewandt. Dafür bekam er einen Schlag auf den Hinterkopf von Norwegen.
“Au... was soll das?”, jammerte er vor sich hin. Dann schaltete sich Tino ein.
“Was ist denn los mit euch beiden?”, fragte er. Ich zeigte anklagend auf Dänemark.
“Der da... Er und der ganze Rest haben mich jahrelang nur ausgenutzt. Solange, bis ich ihnen nicht mehr nützlich genug war. Dann sind sie nämlich alle abgehauen und haben mich im Stich gelassen.”
“Seht ihr, sie sagt selbst, dass sie unnütz’ ist.”, erwiderte Dänemark. Dafür bekam er den zweiten Schlag von Norwegen.

Die Walfangperiode auf Spitzbergen, die etwa von 1600 bis 1710 dauerte, war auch stark von dänischen Aktivitäten geprägt. Als das Fangen der Wale auf Spitzbergen unwirtschaftlich wurde, verlor die Inselgruppe praktisch jede Bedeutung. Erst gegen Anfang des 19. Jahrhunderts wurden wieder vereinzelt Expeditionen nach Spitzbergen unternommen.
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