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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 1.290
 
Am nächsten Morgen war ich extrem durchgefroren. Als ich die ganze Nacht draußen in der Kälte saß, hatte ich genug Zeit gehabt, um festzustellen, dass mein Bein gebrochen war. Das erschwerte es, mich warm zu halten. Als ich drohte, einzuschlafen, begann ich, um das Haus herum zu humpeln, obwohl es eher ein Kriechen, als ein Humpeln war. Das war zwar ganz sicher nicht gut für mein Bein, aber was sollte es…
Früh, als es noch dunkel war – es war vielleicht um zwei oder um drei – warf Lukas mir eine Wolldecke aus dem Fenster. Mit der konnte ich mich wenigstens noch ein bisschen warm halten. Eine gefühlte Ewigkeit später kam Niederlande an die Tür, um mich hereinzuholen. Ich konnte wirklich kaum noch laufen. Ein Bein war gebrochen, das andere von der Kälte taub. Niederlande musste mich nach oben tragen, weil ich es nicht alleine schaffte, die Treppe raufzugehen. Als wir oben angekommen waren und in unser Zimmer kamen, wurden wir zuerst von allen umringt. Es war ja schön, dass sie sich so um mich sorgten, aber ich wollte mich am Liebsten erstmal irgendwo hinsetzen- oder legen. Ich fühlte mich so gut wie tot. Mit der Hilfe von Lukas und den Niederlande ging ich zu meinem Bett.
„Wo ist Mathias?“, fragte ich schwach. Mir war vorhin schon aufgefallen, dass er fehlte.
„Ludwig lässt gerade seine Wut an ihm aus.“, antwortete Belgien zaghaft. Lukas brachte mir etwas zu essen. Er setzte sich neben mich auf die Bettkante und gab mir eine Schüssel Suppe.
„Es tut mir so Leid, Leah.“, sagte er leise. Ich schaute ihn überrascht an. Was tat ihm Leid?
„Hätte ich nicht diese bescheuerte Idee gehabt, wäre dir nichts passiert. Ich… es tut mir Leid.“, sagte er, nachdem er meinen Blick gesehen hatte.
„So ein Unsinn. Ich habe doch selbst mitgemacht. Mir war das Risiko ja durchaus bewusst.“, meinte ich.
„Trotzdem ist es meine Schuld. Ohne mich wärst du nie auf so eine Idee gekommen.“
„Hör auf damit. Nichts ist hier deine Schuld. Deine Schuld ist es höchstens, dass ich Deutschlands Schokolade gegessen habe. Und dass Deutschland weniger Zeit hat, sich auf seinen Krieg zu konzentrieren. Also hör‘ gefälligst auf, dir Vorwürfe zu machen.“
Daraufhin war es eine lange Zeit ruhig. Alle sahen mich an.
„Was ist? Steht doch nicht so betrübt rum. Ich lebe ja noch. Und irgendwie bin ich auch stolz auf mich.“, sagte ich dann und lächelte. Ja, ich war stolz auf mich. Das konnte ich auch sein. Ich hatte bis zum Ende durchgehalten.

„Gibt es was Neues?“, fragte ich, als Lukas mein Bein verband. Das ging nur notdürftig, da wir kaum Verbandsmaterial hatten und Lukas meinte, der Bruch sei wahnsinnig kompliziert.
„Ivan erobert seine Gebiete von Tino zurück. Ludwig verliert auch immer mehr Gebiete. Es sieht gut für uns aus.“, antwortete Lukas und richtete die Schiene erneut. Ich lächelte. Am liebsten wäre ich aufgesprungen und hätte gejubelt, aber dann hätte Lukas mich wahrscheinlich umgebracht. Er war immer noch nicht so wirklich zufrieden mit der Schiene, das sah ich an seinem Gesichtsausdruck.
„Was ist?“, wollte ich wissen und schielte auf mein Bein.
„Der Bruch ist wirklich ganz schön kompliziert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig hinbekomme…“, sagte er.
„Mach‘ einfach irgendwie. Zur Not können wir das Bein ja auch noch operieren lassen, wenn wir wieder daheim sind.“, meinte ich nur.
„Du bist ganz schön optimistisch… Ach, übrigens. Es gibt auch Neuigkeiten von Egill.“
„Was denn? Hoffentlich gute, oder?“
„Er hat seine Unabhängigkeit erklärt und die demokratische Republik Island ausgerufen.“
„Was?! Ice-kun… Ist er so schnell selbstständig geworden?“
„Ich habe mich auch gewundert. Ich meine vor ein paar Jahren, war er noch mein kleiner Bruder, der Angst vor der Dunkelheit hatte und sich nicht getraut hat, allein zu schlafen und jetzt…“
„Wahnsinn…“, sagte ich und schüttelte ungläubig den Kopf. Und dann begann ich, einfach weil mir gerade danach war, die norwegische Nationalhymne zu singen: „Ja, vi elsker dette landet…“
Lukas sah mich erstaunt an, stimmte dann aber mit ein.
„Ja, vi elsker dette landet,
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet,
med de tusen hjem.
Elsker, elsker det og tenker
På vår far og mor
Og den saganatt som senker
senker drømme på vår jord.

Norske mann i hus og hytte,
takk din store Gud!
Landet ville han beskytte,
skjønt det mørkt så ut.
Alt hva fedrene har kjempet,
mødrene har grett,
har den Herre stille lempet
så vi vant vår rett.

Ja, vi elsker dette landet,
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet,
med de tusen hjem.
Og som fedres kamp har hevet
det av nød til seir,
også vi, når det blir krevet,
for dets fred slår leir.” *

Nachdem wir fertig waren, sagte Lukas: “Wenn Ludwig das mitbekommen hätte…“
„Das hätte ihn fertig gemacht.“
„Aber so richtig.“
„Ob wir dann zum Abwaschen verurteilt worden wären?“, fragte ich und wir mussten beide lachen.

Belgien und ich wischten gerade die Treppe, als Mathias mit blutender Nase die Treppe nach oben ging. Ich verdrehte die Augen.
„Wärst du so freundlich und würdest nicht alles, was wir gerade sauber gemacht haben, wieder volltropfen?“, fragte Belgien. Mathias drehte sich um, hielt sich den Arm unter die Nase und sagte mit verzerrter Stimme: „Ich weiß ja was, was ihr nicht wisst!“
Wir mussten erstmal lachen, weil Mathias‘ Stimme so seltsam klang.
„Was weißt du denn?“, fragte ich, als wir uns schließlich wieder beruhigt hatten.
„Tja… Was bekomme ich dafür, dass ich es euch sage?“
„Die Erlaubnis heute die Treppe voll zu bluten?“, bot ich ihm an.
„Klingt gut. Nehm‘ ich doch glatt. Also, Deutschland war gerade dabei, mir meine tägliche Tracht Prügel zu geben, da klingelt auf einmal das Telefon. Ich lausche natürlich und was erfahre ich da?“
„Dass du ein Idiot bist?“, vermutete ich.
„Nein, nicht ganz. Unser lieber Tino hat mit Ivan Frieden geschlossen, ist jetzt noch dünner als vorher und muss Ludwig und seine Soldaten aus seinem Haus rausschmeißen.“
„Nein! Ernsthaft?“, fragte ich erwartungsvoll.
„Ja, wirklich! Deutschland ist natürlich sofort losgegangen, um seinen Platz da zu verteidigen.“
Belgien und ich jubelten und fielen uns in die Arme. Es gab immer mehr Hoffnung für uns.

Im September 1944 wurde die dänische Polizei und die Grenztruppen entwaffnet und aufgelöst. Polizisten wurden inhaftiert und einige von ihnen wurden in Konzentrationslager geschickt.
1944 musste sich Finnland aus den besetzten Gebieten zurückziehen. Am 19. September 1944 schloss es mit der Sowjetunion einen Separatfrieden, der den Fortsetzungskrieg beendete. Die Gebietsverluste des Winterkrieges wurden bestätigt, zudem musste das Gebiet Petsamo abgetreten werden. Der Separatfrieden verpflichtete Finnland, die deutschen Truppen aus dem Land zu vertreiben. Es schloss sich der finnisch-deutsche Lapplandkrieg an, in dessen Verlauf die sich zurückziehenden deutschen Truppen große Teile Lapplands völlig zerstörten.
Am 17. Juni 1944 wurde inmitten der Wirren des Zweiten Weltkriegs die demokratische Republik Islands ausgerufen.
Die norwegische Nationalhymne „Ja, vi elsker dette landet“ hat insgesamt 8 Strophen. Bei offiziellen Anlässen werden in der Regel nur die erste, die siebte und die achte Strophe gesungen. Die letzten beiden Zeilen jeder Strophe werden wiederholt.


*Deutsche Übersetzung:
Ja, wir lieben dieses Land,
wie es aufsteigt,
zerfurcht und wettergegerbt aus dem Wasser,
mit den tausend Heimen.
Lieben, lieben es und denken
An unseren Vater und Mutter
Und die Saganacht, die hinsenkt
Träume auf unsere Erde.

Norwegischer Mann in Haus und Hütte,
danke deinem großen Gott!
Das Land wollte er beschützen,
obwohl es finster aussah.
Alles, was die Väter erkämpft haben,
was die Mütter erweint,
hat der Herr still vollbracht
so dass wir unser Recht gewannen.

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es aufsteigt,
zerfurcht und wettergegerbt aus dem Wasser,
mit den tausend Heimen.
Und wie der Kampf unserer Väter erhob
es von Not zu Sieg,
auch wir, wenn es verlangt wird,
für dessen Frieden Lager schlagen.
(Quelle: Wikipedia)
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