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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 1.174
 
Wir leisteten Widerstand so gut wir konnten, aber wir konnten nur wenig tun. Was wir merkten, war, dass Dänemark auch langsam begann unzufrieden zu sein. Es schien, als wäre er immer mehr auf unserer Seite. Im Radio hörten wir, dass auch Schweden jetzt mit den Alliierten handelte und dass er nicht mehr alle Transporte Deutschlands zuließ. Langsam, aber sicher kam die Hoffnung zu uns zurück. Lukas zog durch seine Provokationen immer wieder den Zorn Deutschlands auf sich. Ich machte mir fast ständig Sorgen um ihn. Aber vielleicht half dieser ewige Widerstand ja. Von dem bisschen, was wir mitbekamen, wussten wir, dass Ludwig im Kampf gegen Ivan Probleme bekam. All das ließ uns hoffen.

„Aktiver Widerstand. Wir legen nicht einfach nur die Arbeit nieder, sondern verschwinden. Wir fliehen.“, sagte Mathias zu Lukas. Ich saß neben den beiden und hörte ihnen zu. Eigentlich musste ich noch eine Uniform von Ludwig nähen, aber das hier war interessanter.
„Nein. Er hat überall Soldaten aufgestellt. Wir würden nicht weit kommen. Und denk daran: Wenn sie uns kriegen, müssen wir mit den Konsequenzen leben. Oder gegebenenfalls sterben.“, meinte Lukas.
„Mit denen müssen wir auch leben, wenn wir hier einen Generalstreik machen.“, erwiderte Mathias. Scheinbar wollte er wirklich auf unsere Seite überlaufen.
„Die Konsequenzen sind dann aber nicht so schlimm. Ich denke, das Risiko können  wir eingehen. Selbst wenn du fliehen könntest, weil Deutschland dein Volk verschont – meines verschont er nicht.“
„Dann solltest du dich lieber deinem Schicksal fügen, als ihn immer wieder zu provozieren.“
„Das widerspricht meinen Überzeugungen und meiner Natur. Ich kann nicht tatenlos zusehen.“
„Kommt da der Krieger von damals durch?“, fragte Mathias leicht lächelnd.
„Vielleicht.“, antwortete Lukas und wich seinem Blick aus.
„Also eine Art Generalstreik?“, fragte ich. Lukas nickte.
„Wir rühren keinen Finger mehr für Deutschland.“, sagte Mathias und grinste siegessicher.
„Okay. Dann machen wir das so.“, meinte ich. In diesem Moment war die Entschlossenheit, die im Raum herrschte, fast greifbar.

„Was soll das?! Warum habt ihr eure Arbeit nicht gemacht?!“, schrie Deutschland, als er uns untätig in seinem Wohnzimmer sitzen sah. Keiner von uns regte sich.
„Antwortet mir, wenn ich mit euch rede!!!“, donnerte er. Ich merkte, wie mein Herz vor Aufregung und auch aus Angst klopfte. Lukas stand auf und sagte: „Wir arbeiten nicht mehr.“
Dafür bekam er einen heftigen Fausthieb. Er taumelte ein wenig zurück, blieb aber stehen und sah Ludwig unverfroren in die Augen.
„Wir wollen zurück in unsere Häuser.“, sagte ich und stand auch auf. Zuletzt stand auch Mathias auf und meinte: „Deutschland, verpiss‘ dich aus unserer Heimat.“
Das brachte wohl das Fass zum Überlaufen.
„RAUS! SOFORT!!!“, befahl Ludwig. Wir machten uns alle drei auf den Weg zur Tür. Als wir an ihm vorbeigingen, sagte er: „Leah, du bleibst hier.“
Ich dachte, mein Herz würde stehenbleiben, als er meinen Namen sagte. Ich blieb stehen, ohne ihn anzuschauen.
„Halt‘ sie da raus, Deutschland. Sie hat nichts mit der Sache zu tun.“, sagte Lukas plötzlich. Ludwig verzog vor Wut sein Gesicht. Dann packte er ihn an der Schulter und schleuderte ihn gegen die Wand.
„Ich hatte gesagt: Raus. Jetzt ist es zu spät für dein Mitleid.“, knurrte Deutschland und schloss die Tür. Ich hatte Angst. Ich hatte wirklich Angst. Ludwig kam näher auf mich zu, packte mein Kinn und zwang mich, ihn anzusehen. Innerlich schloss ich mit meinem Leben ab. Ohne es zu bemerken, schloss ich die Augen. Ludwig stieß mich von sich. Ich stolperte rückwärts, fiel und stützte mich mit der rechten Hand ab. Nur war da kein Fußboden war. Da war nur noch die glühende Asche im Kamin. Ich schrie leise auf, als ich direkt in die Asche fasste. Schnell zog ich meine Hand aus dem Kamin und versuchte, aufzustehen. Es gelang mir, trotz dass meine Beine vor Angst so stark zitterten. Ich vermied es, Deutschland direkt anzusehen, doch aus den Augenwinkeln sah ich, wie er eine Vase nach mir warf. Es war bereits zu spät, um ihr auszuweichen. Ich drehte schnell meinen Kopf weg und schloss die Augen, sodass mich die Vase an der Schulter traf. Als ich die tiefen, dünnen Schnitte auf meiner Haut sah, aus denen langsam Blut lief, sog ich scharf den Atem ein. Aber ich durfte nicht schreien. Das war das, was Ludwig erreichen wollte und diese Genugtuung würde ich ihm ganz bestimmt nicht gönnen. Ich sah, dass er deswegen immer wütender wurde. Als nächstes kam er auf mich zu und versetzte mir einen kräftigen Fausthieb. Ich stolperte durch den Raum. Ludwig folgte mir, packte mich bei den Haaren, öffnete die Tür und zerrte mich aus dem Raum. Bei  der Tür standen Lukas und Mathias. Ich sah, dass Lukas mir helfen wollte, aber ich schüttelte den Kopf. Mathias hielt ihn zurück. Ludwig zerrte mich an ihnen vorbei bis zur Treppe. Ich schloss die Augen und presste meine Lippen zusammen. Ich wusste ja, was als nächstes kommen würde. Mit Feliks  hatte er das auch schon mehrmals gemacht. Er stieß mich die Treppe herunter. Die Treppe herunterzufallen war ein seltsames Gefühl. Alles drehte sich und ich hatte keine Ahnung, wo oben und unten war. Ich hörte ein lautes Knacken, wahrscheinlich hatte ich mir schon wieder etwas gebrochen. Außerdem hörte ich einen lauten Aufschrei. Als ich merkte, dass ich nicht mehr fiel, öffnete ich benommen die Augen. Ich hoffte inständig, dass ich nicht diejenige gewesen war, die geschrien hatte. Ich war es nicht. Neben der Treppe stand Belgien, die sich die Hand auf den Mund presste. Sie hatte geschrien. Daneben standen Polen und die Niederlande. Ich schaute zurück zur Treppe. Deutschland kam auf mich zu und beugte sich über mich. Ich schluckte. Er kam mir eindeutig zu nahe.
„Jetzt kannst du dich nicht mehr wehren, kleine Leah…“, sagte er und grinste bedrohlich. Er würde doch nicht vor allen anderen…? Ich sah mich hilfesuchend im Korridor um. Polen schaute weg, Belgien hielt sich noch immer geschockt die Hand vor den Mund und Niederlande versuchte, sie zu beruhigen. Am Treppengeländer sah ich Mathias und Lukas stehen. Lukas' Gesicht sah so verzweifelt aus, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Ich merkte, wie Ludwig mir immer näher kam. Zu nahe. Schon fast aus einem Reflex heraus spuckte ich ihn an. Ich konnte mich sehr wohl noch wehren. Augenblicklich nahm er Abstand von mir. Dann packte er mich brutal am Arm und zerrte mich wieder hinter sich her. Er öffnete seine Haustür und schubste mich in den kalten Schnee.
„Bis morgen früh.“, knurrte er noch und sperrte dann die Tür zu.

1943 wurden immer weniger Transporte Deutschlands über schwedisches Gebiet zugelassen. In Dänemark machte sich Ende 1942/ Anfang 1943 immer mehr Unzufriedenheit unter der dänischen Bevölkerung breit. Der Widerstand und die Sabotageakte nahmen stark zu. Die deutschen Besatzer verlangten von der dänischen Regierung, die Todesstrafe wieder einzuführen. Dies lehnte die dänische Regierung jedoch ab und rief den Ausnahmezustand aus. Daraufhin wurde die Regierung abgesetzt.
1943 erreichten die Sabotageakte in Norwegen ihren Höhepunkt.
Im Rahmen des Unternehmens Sizilien wurde Longyearbyen auf Spitzbergen nahezu vollständig zerstört. Außerdem wurden einige Siedlungen abgebrannt. Die Mine 2 wurde in Brand gesteckt und brannte bis 1962.
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