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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 1.184
 
Es kam zum Krieg. Wir erklärten alle unsere Neutralität. Finnland kam ziemlich kurz nach Kriegsausbruch in Ivan’s Haus. Alle hatten sich auf seltsame Art und Weise verändert. Ludwig, Gilbert und Maria waren nicht mehr so nett und aufgeschlossen, wie noch damals, zur Konferenz.  Schweden unterstützte Finnland nur halbherzig, warum, wussten wir nicht. Ivan war irgendwie ziemlich bösartig geworden. Alle hatten sich verändert und zwar selten zum Guten. Eines Morgens saßen wir alle am Tisch. Nur Tino fehlte, denn er war ja im Haus der Sowjetunion. Obwohl ich nur zu Besuch war, fehlte sogar mir der allmorgendliche Duft von Tino’s Kaffee. Es war einfach nicht mehr dasselbe. Sogar Lukas und Mathias stritten sich nur noch lustlos. Wir saßen alle zusammen am Tisch, als die Tür aufging und Tino hereingestürzt kam. Er sah erschöpft aus und war ziemlich abgemagert. Wir verfielen in diesem Moment alle in eine Art Schockstarre. Berwald war der erste, der aufstand und auf Tino zulief.
„T’no. W’s machst d‘ hier?“, fragte er und umarmte Tino, der jetzt endgültig in Tränen ausbrach. Ich stand auch auf und ging auf die beiden zu.
„Tino! Tino, was ist passiert?“, fragte ich leise und war selbst kurz vor einem Tränenausbruch.
„I-ich bin we-weggelaufen. Ich habe es geschafft. Oh Gott, ich habe es geschafft!“, sagte er und weinte noch mehr.

Nachdem Tino nun einige Zeit bei uns war, ging ich wieder in meine Heimat zurück. Dort ging weiterhin alles seinen Gang – so wie immer. Bei mir merkte man nicht, dass da draußen ein Krieg wütete. Es war alles wie immer. Es wurde wieder Frühling und damit wärmer. Meine Bevölkerung wurde zufriedener, da es hier so ruhig und friedlich war. Ich hoffte, dass es auch so bleiben würde – das wir ab jetzt nicht mehr in den Krieg hineingezogen werden würden und das vor allem Lukas nicht angegriffen werden würde. Immerhin belieferte er Arthur von Narvik aus mit Eisenerz und Ludwig und Arthur waren Feinde. Mich ärgerte auch Schwedens Verhalten. Er handelte viel mit Deutschland und transportierte sogar Militärausrüstung für ihn. Mir gefiel die Sache einfach nicht. Mathias und Lukas schienen sich ziemlich sicher zu sein, dass sie angegriffen werden würden. Island machte sich Sorgen – aber nicht wirklich ernsthafte. Mich dagegen brachte es jedes Mal fast um, wenn ich Neuigkeiten vom Krieg erfuhr. Ich hatte einfach unheimliche Angst, dass uns etwas passieren würde.

Eines Morgens wachte ich mit einem unguten Gefühl auf. Es war eigentlich ein schöner  Tag. Die Sonne schien, es war einmal angenehm, nicht zu warm und nicht zu kalt, doch irgendetwas war seltsam. Ich holte mir meine Zeitung von draußen und warf sie auf den Küchentisch. Dann wusch ich mich und zog mein marineblaues Kleid, meine Kniestrümpfe und meine braunen Halbschuhe an. Immer noch mit einem unguten Gefühl im Magen band ich meine blonden Haare zusammen und steckte mir das goldene Kreuz in die Haare. Es war genau dasselbe, das auch Lukas hatte. Ich ging zurück in die Küche und kochte mir einen Tee. Während der Tee zog, machte ich mir noch ein bisschen Rührei, auch wenn ich seltsam wenig Appetit hatte. Während ich kochte, nahm ich die Zeitung in die Hand und überflog sie. Langsam verlor ich den Überblick darüber, was im restlichen Europa vor sich ging. Doch dann stach mir ein Artikel förmlich ins Auge. Ich überflog ihn schnell, dann las ich ihn noch ein zweites und drittes Mal, bevor ich wirklich glauben konnte, was dort stand. Dänemark war besetzt worden und hatte so gut wie keinen Widerstand geleistet. Noch am selben Tag hatte man Norwegen angegriffen. Ich warf die Zeitung in die Ecke und schnappte mir meinen Mantel. Ich musste hier raus.

„Was sollen wir denn jetzt machen? Norwegen wurde von Deutschland besetzt!“, sagte mein Chef, der verzweifelt auf und ab lief. Nachdem er die Nachricht bekommen hatte, hatte er mich gleich zu sich bestellt.
„Wenn ich Dänemark jemals lebend wiedersehen sollte, dann trete ich ihm so was von in den Arsch.“, murmelte ich wütend.
„Das kannst du gerne machen, aber erstmal müssen wir das hier lebend überstehen! Die Deutschen werden bei unseren paar Einwohnern leichtes Spiel haben, zumal wir kein Militär haben und Norwegen uns jetzt auch schlecht helfen kann.“
Ich dachte angestrengt nach, doch es fiel mir schwer, mich zu konzentrieren. Immerhin war Lukas jetzt bei Deutschland und ich war mir ziemlich sicher, dass es ihm dort nicht gerade gut ging.
„Lassen Sie mich telefonieren.“, bat ich meinen Chef schließlich. Er nickte. Ich ging zum Telefon und wählte Islands Nummer. Er hob sofort ab.
„Ja?“
„Egill, ich bin es, Leah.“
„Leah! Geht es dir gut?“
„Ja. Nein. Egal. Du hast doch sicher von Lukas gehört, oder?“
„Natürlich. Ich weiß echt nicht, was ich machen soll. Ich würde ihm so gerne helfen. Ich meine, er hat mir früher auch immer aus der Patsche geholfen, wenn ich Mist gebaut habe. Aber ich weiß einfach nicht, wie.“
„Da geht es dir genau wie mir. Hör zu, können wir von Berwald oder Tino Hilfe erwarten?“
„Ich befürchte nicht. Berwald steht irgendwie auf der Seite Deutschlands – es sieht zumindest so aus – und Tino sympathisiert auch mit ihnen. Immerhin hat er noch eine Rechnung mit Ivan zu begleichen.“
„Verdammt. Das war doch nicht vordergründig gegen Lukas gerichtet. Da steckt was anderes dahinter. Wem sollte dieser Angriff schaden? Weißt du etwas?“
„I-ich glaube, Arthur… Er hat mich schon gefragt, ob er bei mir Truppen stationieren darf, aber ich muss ja neutral bleiben…“, sagte Egill mit zittriger Stimme. Das durfte ja wohl nicht wahr sein! Er wollte immer noch seine bescheuerte Neutralität bewahren?
„Okay. Ist gut. Ich denk‘ mir was aus.“, sagte ich und legte auf.
„Und was jetzt?“, fragte mein Chef panisch.
„Rufen Sie die Regierung von Großbritannien an. Die sollen ihre Truppen auf Island stationieren, ob ihm das nun passt oder nicht. Und sagen Sie ihnen, sie sollen uns ein paar Schiffe schicken. Wir müssen evakuieren.“

Finnland wurde am 30. November 1939 von der Sowjetunion angegriffen. Das war der Auftakt für den sogenannten Winterkrieg. Am 13. März 1940 wurde der Krieg durch den Friedensvertrag von Moskau beendet. Finnland musste große Teile Kareliens, darunter auch Wyborg, die damals zweitgrößte Stadt des Landes, und andere Gebiete an die Sowjetunion abtreten.
Schweden erklärte seine Neutralität. Die schwedische Regierung kam der in Schweden weit verbreiteten Forderung nach direkter militärischer Unterstützung für Finnland nicht nach, unterstützte Finnland aber finanziell und mit militärischer Ausrüstung. Schweden genehmigte Urlaubertransporte zwischen dem besetzten Norwegen und Deutschland über schwedisches Gebiet, später wurden auch Kriegsausrüstung und Munition befördert. Es bestand ein umfangreiches Handelsabkommen zwischen Deutschland und Schweden.
Am 9. April 1940 wurden Dänemark und Norwegen im Rahmen des Unternehmens Weserübung von deutschen Truppen besetzt. Im Gegensatz zu anderen besetzten Ländern, blieben in Dänemark sowohl das Staatsoberhaupt, als auch die Regierung im Land. Mit einer Zusammenarbeits- und Verhandlungspolitik versuchte die dänische Regierung die Privilegien eines souveränen Staates zu erhalten.
Die Besetzung Norwegens war insofern von Bedeutung, da durch die Besetzung der Häfen Großbritannien von der Erzzufuhr aus Schweden abgeschnitten war. Norwegen leistete sechs Wochen lang militärischen Widerstand, war aber den Deutschen unterlegen.
1940 besetzten britische Truppen Island unter Verletzung seiner Neutralität.
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