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Svalbard

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Dänemark Finnland Island Norwegen Russland Schweden
12.12.2011
10.03.2012
37
38.717
 
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12.12.2011 688
 
Kälte. Wahnsinn, wie kalt es sein konnte. Aber ich werde hier liegen bleiben. Erstens, weil ich zu erschöpft bin, um noch weiterzugehen. Und zweitens, weil meine Füße schon taub sind von der Kälte. Ich bin so müde. So unheimlich müde. Ich werde jetzt hier liegenbleiben und sterben. Es interessiert ja keinen. Früher... Früher, da war ich noch nützlich. Damals gab es viele Wale vor meinen Küsten. Aber die Zeiten sind vorbei. Schon lange. Ich bin nutzlos geworden. Wen sollte es also interessieren, ob ich weiterlebe oder nicht?
Einsam war ich schon immer. Seit ich denken kann. Doch, halt... da gab es diesen Jungen. Er besuchte mich öfters. Doch irgendwann schien er wie vom Erdboden verschluckt. Ich war wieder völlig allein. So lange habe ich gewartet. Darauf, dass er wiederkommt. Nichts. Doch dann fand mich jemand anders. Er war ziemlich groß. Sein Name war Niederlande. Damals klammerte ich mich an jeden, der auch nur irgendwie Anstalten machte, mit mir befreundet zu sein. Ein Fehler. Die Niederlande nutzten mich nur aus. Zusammen mit England und Frankreich. Sie stritten sich zwar anfangs um mich, aber schon bald teilten sie mich untereinander auf. Jeder soll ein Stück von Spitzbergen bekommen. Das ging lange Zeit so. So lange, bis ich einfach zu erschöpft war. Als sie merkten, dass ich ihnen nicht mehr viel nützen würde, verschwanden sie nach und nach und ließen mich wieder alleine zurück. Doch dann kam Russland. Er besuchte mich von Zeit zu Zeit. Zwar nutzte er die Situation auch etwas aus, aber er blieb wenigstens auch während der langen Polarnächte bei mir. Aber auch seine Besuche wurden immer seltener. Es ist einfach so. Ich bin unbedeutend. Unwichtig. Welchen Grund hätte ich, weiterzuleben?
Ich emrke, wie ich langsam schwächer werde. Meine Beine sind schon taub vor Kälte. Es wird Zeit, dass ich mich von der Welt verabschiede. Bald werde ich auch nur noch ein Skelett sein. So wie die Skelette der verunglückten Seemänner, die an meine Küsten gespült wurden. Wenn ich vor meinem Tod doch wenigstens den Jungen von damals noch einmal sehen könnte...
Aber das bringt nichts. Er ist weg, hat mich allein gelassen, wie all die anderen...
Meine Augen fallen zu. Bald habe ich es geschafft. Ich befinde mich in einem Zustand zwischen Wachsein und ewigem Schlaf...
Doch was ist das? Da sind Schritte! Ich höre sie ganz deutlich. Schritte. Und Stimmen! Bedeute ich doch noch jemandem etwas? Ich will die Augen öffnen, aufstehen und ihnen entgegenlaufen, doch ich bin einfach zu schwach. Muss es so enden? Wie dumm bin ich eigentlich? Jetzt, wo sich wieder jemand für mich interessiert, sterbe ich... Oder bin ich vielleicht schon tot?
“Sie ist doch zu nichts mehr zu gebrauchen. Sie wird uns nur eine Last sein!”
“Aber wir können sie doch nicht einfach so erfrieren lassen!”
“Sie ist doch bestimmt längst tot.”
Eine warme Hand an meinem Handgelenk. Da fühlt jemand meinen Puls! Gleich werde ich wissen, ob es zu spät ist oder nicht.
“Ihr Puls ist schwach. Sie lebt noch.”
“Aber nicht mehr lange, wenn wir sie hier lassen. Ich kann mich nicht um sie kümmern, aber vielleicht einer von euch...?”
“Was will ich mit dem ausgehungerten Ding?!”
“Seid ruhig. Ich nehme sie mit.”
Diese Stimme! Ich kenne sie. Aber ich... ich kann nicht mehr. Ich verliere mein Bewusstsein...
Bitte, ich will nicht sterben. Nicht jetzt... Bitte...

Spitzbergen wird unter dem Namen “Svalbard” 1194 das erste Mal in norwegischen Schriften erwähnt. Als eigentlicher Entdecker gilt jedoch der Niederländer Willem Barents, der die Insel 1596 entdeckte. Barents und nach ihm andere fanden enorme Mengen an Walen vor den Küsten Spitzbergens. Es wurden zahlreiche Walfangexpeditionen unternommen. Die Küstenmeere Spitzbergens wurden vor allem durch England, Frankreich und die Niederlande ausgebeutet. Anfangs kam es zu Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Nationen, doch 1619 wurde entschieden, die Häfen zwischen den unterschiedlichen Nationen aufzuteilen. Die Walbestände wurden schnell dezimiert und die Inselgruppe verlor nach und nach an Bedeutung. Nur einige russische Felljäger blieben auf Spitzbergen, um Weißwale, Eisbären, Polarfüchse, Walrosse und Robben zu jagen, mit deren Fellen sie Handel betrieben. Ab 1858 jedoch fanden wieder fast ständig Expeditionen nach Spitzbergen aus rein naturwissenschaftlichem Grund statt.


Quelle: Wikipedia
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