Sophia Schwechat 2 - Mitschrift der Ereignisse in Freiburg

GeschichteAbenteuer, Horror / P16
02.12.2011
07.12.2011
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Sophia erwachte weder ausgeruht, noch gut gelaunt.
„Wir gehen nach Freiburg.“, teilte sie Jacob kurz angebunden mit.
„Was wollen wir in Freiburg?“
„Dort gibt es kaum Camarilla-Institutionen heißt es. Ich dachte das gefällt dir...“
„Sag das doch gleich!“
Zu ihrer großen Erleichterung entschloss sich der Brujah nun zu einem Fahrstil, der ihnen nicht die Polizei auf den Hals hetzen würde.
Sie erreichten, nicht zuletzt aufgrund unzähliger Baustellen binnen zwei Stunden Freiburg.
Das Städtchen war umgeben vom Schwarzwald und ein riesiges Dorf.
Sie fuhren den Zubringer entlang, den Schildern hinterher, die in Richtung Bahnhof führten, in der Annahme, dass sie dort ein Hotel finden würden.
Tatsächlich war dicht vor dem großen Eingang zur Bahnhofshalle ein Hotel, offensichtlich auf Durchreisende ausgelegt und man konnte in der Bahnhofsgarage parken.
Als sie vor dem Hoteleingang ankamen, standen dort zwei auffällige Gestalten.
Beide trugen Waffen bei sich, einer einen Zweihänder, der andere eine Armbrust. Die beiden schienen nicht die hellsten und redeten laut und wenig höflich mit dem Hotelpersonal.
Sophia war sich sicher, das Wort Vampir gehört zu haben und sie lotste Jacob so unauffällig, wie möglich durch die Tür.
Nachdem sie ihr weniges Gepäck in einem Zimmer abgeladen hatten, begaben sie sich zurück zum Empfang.
„Kann man hier in der Nähe ausgehen?“
„Das kommt darauf an, was sie suchen. Es gibt einige Clubs in Freiburg. Das Kagan hier direkt obendrüber ist recht schick, allerdings nur für Clubmitglieder, das Agar ist etwas weiter, wenn man zu Fuß geht und ansonsten sind noch das Crash und das Jazzhaus die große Straße hinunter. Wobei diese beiden etwas weniger elegant sind.“
Sophia beschloss, lieber mit dem Kagan vorlieb zu nehmen, sofern sie hinein kommen konnte.
Die Discothek bestand aus den beiden obersten Etagen des Bahnhofsturms und am Fuße waren zwei große Türsteher scheinbar nur damit beschäftigt, Leute nicht hineinzulassen.
„Nur für Clubmitglieder!“
„Und wie werde ich eines?“
„Wenn sie das fragen, ist es sowieso nichts für sie.“
Frustriert wandte sie sich um und sah die große Bahnhofsstraße hinunter in die Richtung, in der , laut der Dame das Crash lag.
Tatsächlich erreichten sie nach circa fünfhundert Metern einen niedrigen Bau, auf dessen Dach ein roter Stern und der gleichfarbige Schriftzug Crash leuchteten.
Sie traten ein, ohne dass einer der Türsteher sie beachtete hätte und gingen eine Treppe hinunter, von der aus es in einen verrauchten Barraum und auf eine nicht minder dämmrige Tanzfläche ging.
Im kleineren Raum war eine langgezogene Theke und einige Tische, sowie zwei Tischfußball-Tische.
Am vorderen spielten zwei junge Männer. Der eine mit einem sehr hohen, orangen Irokesen und zerrissenen Kleidern, der andere attraktiv, deutlich gepflegter, jedoch ähnlich gekleidet und  mit auffälligem Schmuck behängt.
Sophia gesellte sich zu den beiden und Jacob folgte ihr.
Sie beobachteten einige Momente das Spiel.
„Kann ich mitspielen?“, fragte Jacob.
„Klar. Zwei gegen zwei?“ Der eine Spieler sah zu Sophia.
„Sie spielt bei mir im Team.“, stellte Jacob klar.
Sophia zuckte mit den Achseln. Sie war sowieso eine miserable Spielerin.
Jacob hingegen sicher nicht. Der Ball war vielleicht einige Augenblicke auf dem Spielfeld, da hatte ihn der Brujah bereits ins gegnerische Tor befördert.
Und Jacob beschleunigte sein Spiel noch, bis Sophia sich Sorgen zu machen begann, dass seine Geschwindigkeit auffallen würde, doch ihre Kontrahenten glichen ihr Tempo nur an.
Sie sah sich in dem Raum um. Ihr Wert als Mitspielerin war sowieso nicht sonderlich hoch.
Zwar schienen einige der Anwesenden von dem Spiel am vorderen Tisch verwirrt und nicht in der Lage zu folgen, doch fast die Hälfte der Zuschauer schien bestens in der Lage die übermenschlichen Bewegungen zu erfassen.
Sie staunte. Wenn sie die Lage richtig erfasst, war dies das reinste Vampirnest.
Jacob gewann das Spiel und war bester Laune.
„Meine Fresse, Biene! Das war aber keine Glanzleistung!“, fuhr der elegantere Mann seinen auffälligen Freund an.
„Und? Ist halt nicht mein Tag!“
„Wollt ihr was trinken?“, fragte Sophia, nicht zuletzt, um ihren Verdacht zu bestätigen. Die beiden nickten und sie bestellte drei Wodka-Lemon.
„Hi! Ich bin Lex und das ist Biene.“, stellte der weniger auffällige sich und seinen Kumpel vor.
„Ich bin Sophia Schwechat und er ist Jacob Jester.“
„Seit ihr von hier? Ich hab euch noch nie gesehen...“, fragte Lex.
„Nein. Wir sind gerade aus Berlin hergekommen.“
„Also neu in der Stadt. Wollt ihr hierbleiben?“
„Vorerst schon. Für eine längere Weile wahrscheinlich; ja.“
Lex betrachtete die beiden einen Moment kritisch.
„Also um das jetzt klarzustellen: Wodka-Lemon ist eigentlich wirklich gar nicht mein Ding! Sowieso nichts von dem Kram den sie hier verkaufen!“
Sophia nickte. „Gleichfalls.“
Biene schien etwas nervös. „Wenn du neu hier bist, brauchst du sicher eine Bude? Ich hab so eine Galerie, die ich verkaufen will...“
„Eine Galerie?“
„Ja. Recht zentral. Nicht mal so weit von hier.“
„Klar. Interessiert wäre ich.“
„Gut! Ist nämlich so gar nicht mein Ding und jetzt ist mein Geschäftspartner, ein Torri tot und ich kann das Ding nicht brauchen!“
„Warum ist er gestorben?“
„Keine Ahnung. Was weiß ich?“
„Hat sich die Camarilla nicht darum gekümmert?“
„Ach, hier unten ist die Camarilla nicht sonderlich mächtig oder aktiv.“, mischte sich ein dritter Mann ein. Er war etwas älter als die anderen beiden. Vielleicht um die vierzig, mit einem kurzen Irokesenschnitt und ähnlich gekleidet wie Biene. „Kai mein Name.“, stellte er sich vor.
Jester war eindeutig erfreut. „Das ist gut! Niemandem die Stiefel lecken!“
„Gibt es hier unten gar keine Institutionen?“, fragte Sophia vorsichtig.
„Na, wir haben auch unsere Richtlinien. Die paar wenigen Camarilla-Typen hier hängen meistens im Kagan herum. So ein Snob-Laden am Bahnhof.“
„Ich hole die Papiere für die Galerie.“, mischte sich Biene ein.
„Klar. Ich sehe sie mir gerne an.“
Biene verschwand eilig zur Tür hinaus.
„Der kommt im Zweifelsfall nicht mehr heute zurück. Ziemlich verwirrt, der Gute.“, brummte Lex.
„Was ist mit der Galerie?“
„Er glaubt, sie sei Verflucht.“ Lex lachte und zuckte mit den Achseln.
„Ist sie das?“
„Quatsch!“
Sophia traute ihren Augen kaum, als sie vom Eingang her eine Bewegung sah und Sóley hereinkam.
Sie seufzte. Von den drei Anderen hätte sie Lee oder Vithus definitiv bevorzugt.
„Guten Abend, Sophia.“ Das Mädchen sah sich neugierig um und genoss die anzüglichen Blicke der Punks um sie herum.
„Gehört die zu euch?“, fragte Kai.
„So in etwa.“
„Hallo. Ich bin Sóley!“
„Wollt ihr was zu trinken?“, fragte Lex und hielt ihnen Flaschen hin.
Sie bedienten sich und Sophia beobachtete Jacob und Sóley.
Sie roch an dem Blut. Es war offensichtlich mit Alkohol versetzt.
„Lasst uns tanzen.“ Sóley schien bereits jetzt angeheitert.
„Magst du nichts?“, fragte Kai Sophia.
„Wenn ich mir sie so ansehe, suche ich mir lieber etwas frischeres...“
Sie folgte den anderen jedoch auf die Tanzfläche.
Hier schienen mehr Sterbliche unterwegs zu sein. Einige warfen den Vampiren misstrauische Blicke zu.
Sophia trat zu einem tanzenden jungen Mann.
Sie hatte sehr wohl Durst, auch wenn sie eben abgelehnt hatte.