Sophia Schwechat  1 - Mitschrift der Ereignisse in Berlin

GeschichteAbenteuer, Horror / P16
02.12.2011
02.12.2011
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Es war eine klare, warme Nacht, als die junge Frau vor die Haustür
trat. Sie war schön, vor allem anziehend und offenbar auf dem Weg
zu einem besonderen Anlass.
Ein schimmerndes, tannengrünes Kleid fiel weich über ihren
schmalen Körper bis zu ihren Knöcheln und ging fließend in ihr
langes schwarzes Haar über, welches ein blasses Gesicht einrahmte.
Ein Taxi wartete auf sie und sie stieg rasch ein. Sie hatte kein
Interesse daran sich zu verspäten und vor allem nicht dadurch
aufzufallen. In jeder anderen Situation wären genau dies ihre Ziele
gewesen und das Mädchen, sie hatte das Gesicht einer
Mittzwanzigerin, hätte nichts mehr genossen als den großen
Auftritt, wenn jeder andere längst angekommen war.
Doch die Gäste des heutigen Abends schreckten sie ab.
Weniger weil sie irgend eine akute Gefahr darstellten, sondern eher,
weil sie ihnen misstraute und jede dieser Personen normalerweise
gemieden hätte.
Das Taxi hielt vor den leuchtenden Türen des Adlon Hotels und ein
Portier öffnete ihr die Tür.
Die Eingangshalle war opulent, doch die junge Frau schien
unbeeindruckt. Es war nicht ihr erster Besuch hier.
Doch als sie die Pforte passierte, stockte sie dennoch einen
Moment.
Der Portier war ihr fremd und er war auffallend.
Irgendetwas an ihm war einnehmend und er war attraktiv, auf eine
Weise so, dass man sofort eine gewisse Sympathie für ihn
empfinden musste.
Irgendwo schlug eine Uhr zehnmal und sie wandte sich ab, um
ihren Weg fortzusetzen.
Sie hielt eine Karte in der Hand. In feiner Handschrift stand darauf
zu lesen: „Sophia Schwechat ist eingeladen zum Ball der
Musikfreunde“.
Eine Tafel des Hotels wies auf eben jene Versammlung hin und
führte zu einer geschnitzten Holztür, vor der zwei hünenhafte
Sicherheitsmänner Wache hielten.
Sie hielt den beiden die Karte hin und sie öffneten ihr respektvoll.
Sie nickte höflich und betrat einen kleinen, eleganten Saal.
Die Gesellschaft, die sich hier bereits eingefunden hatte war
vielfarbig.
An einer dezenten Bar etwas abseits reichte ein adrettes Mädchen
schwere Kelche voll rubinroter Flüssigkeit.
Tische standen gruppiert um einen Flügel.
Ein Herr in einem Anzug, vollkommen in Leopardenmuster fiel
wohl als erster auf, und auch ein sehr aparter junger Mann mit
Spitzbart und langem, roten Haar stach ins Auge.
Sophia ließ sich einen der Kelche reichen und genoss für einen
Augenblick den schweren, süßlichen Duft.
Sie sah sich kurz um und setzte sich dann in eine ruhige Ecke des
Raumes.
Während sie das bunte Treiben vor sich betrachtete, zündete sie sich
gemächlich eine Zigarette an.
Kurz nach ihr betrat ein sehr ungewöhnliches Paar den Raum. Den
Herren mit der opulenten Stola kannte sie flüchtig. Man könnte
wohl sagen, dass er die letzte Instanz war, was die Sicherheit dieser
Zusammenkunft anging.
Er war exzentrisch, aber auffallend elegant gekleidet und strahlte
eine uneingeschränkte Selbstsicherheit aus.
An seiner Seite ging ein Mädchen mit einem wahrhaft
engelsgleichen Gesicht. Blonde, schwere Locken fielen über ihre
blassen Schultern und sie war in die gleiche Stola gehüllt, wie ihre
Begleitung.
Wie um ihre offensichtliche Beziehung noch zu unterstreichen, legte
der Mann einen Arm um die Schultern des Mädchens und ein
kokettes Lächeln huschte über ihre geschwungenen, roten Lippen.
Sophia nahm einen Zug von ihrer Zigarette und runzelte die Brauen.
Das Kind dort drüben war nie älter als siebzehn Jahre geworden.
Ein junger Mann stand unvermittelt vor ihr.
„Etwas dagegen?“ Er deutete auf einen freien Stuhl und sie
schüttelte den Kopf.
Mit katzenhafter Eleganz ließ er sich nieder und hielt ihr seine Hand
hin.
„Vitus Leuth.“
Sie drückte seine Hand kurz. „Sophia Schwechat.“
„Sehr erfreut.“ Er lächelte. Sie antwortete nicht.
Der Abend kam ihr ungelegen.
Viel lieber wäre sie spazieren gegangen, hätte Papiere in ihrer
Galerie sortiert und die Clubs Berlins besucht.
Er zog die Brauen hoch, doch bevor er noch etwas sagen konnte,
ging die Tür erneut auf und die Frau die nun eintrat hätte man selbst
dann als die Herrin des Abends erkannt, wäre sie nicht sowieso
jedem Gast bekannt gewesen.
Ein leuchtend blaues, üppiges barockes Kleid schwang um ihre
Hüften und war über die Taille geschnürt und ihr helles Haar war
hochgesteckt.
Sie lächelte einnehmend.
An ihrer Seite kam eine kurvige Frau in strengem Hosenanzug
herein.
Die Gäste erhoben und verneigten sich und Herr Leuth verließ den
Tisch, um mit einigen anderen der Gastgeberin seine Aufwartung zu
machen.
Sophia wusste nicht viel über die Dame.
Ihr Name war De Nuage.
Sie war wohl fort gewesen und dies war eine Party zu ihrer
Rückkehr und sie gehörte zum selben Verbund wie Sophia.
Sophia hatte keine besondere Meinung zu den Clans oder
Blutlinien, wenn man so wollte. Immer nur eine vage Ahnung was
sie hätten bedeuten können und sie zollte dem ihren
dementsprechend nur ein bestimmtes Maß an Respekt.
Jedwede Form von Unterstützung, die sie hätte erfahren sollen oder
können, war ihr ebenso rasch wieder entzogen worden wie ihr
dieses neue Dasein aufgebürdet worden war.
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