Torchwood: Millennium Edition

GeschichteRomanze, Sci-Fi / P18 Slash
Ianto Jones Jack Harkness OC (Own Character)
01.12.2011
21.07.2019
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Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die



Summe: Jack und Alex führen ein langes Gespräch über Jacks und Iantos zukünftige Rollen bei Torchwood und Ianto erlebt eine Überraschung.



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You can holler, you can wail
You can swing, you can flail
You can fuck like a broken sail
But I'll never give you up
If I ever give you up my heart will surely fail

And after all God can keep my soul
England have my bones
But don't ever give me up
I could never get back up when the future starts so slow

No longing for the moonlight
No longing for the sun
No longer will I curse the bad I've done


The Kills – „Future starts slow”

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Kapitel 2.5: Morgenlicht


Jack öffnete die Augen als sich die dünne Matratze senkte und kalte Haut gegen seinen nackten Rücken presste. „Kannst du vielleicht nicht schlafen?“, fragte er sarkastisch.

Eine extrem überflüssige Frage. Seit mindestens einer Stunde hörte er dabei zu wie Ianto sich hin und her wälzte, auf das metallische Knacken der alten Bettfedern, und das Rascheln von Stoff. Nachdem seine ersten drei Angebote, zu Ianto ins Bett zu kommen, mit hartnäckigem Schweigen beantwortet worden waren, zog er eins der Bücher, die sein Partner mit in ihr Zimmer gebracht hatte, hervor und las. Es war wie Fernsehen ein großartiger Weg, mehr über diese Welt zu erfahren, in die es ihn verschlagen hatte. Das Wissen von seinem letzten Aufenthalt in 1941 war inzwischen leicht veraltet… Der jüngere Mann behauptete, dass es nicht das Licht seiner Taschenlampe war, das ihn vom Schlafen abhielt. Und das schien zu stimmen, denn auch nachdem er die Taschenlampe längst ausgeknipst hatte, wälzte sich Ianto weiterhin unruhig in seinem Bett umher.

Keine Antwort.

„Du hast da drüben einen Berg Decken, wie kannst du so kalt sein?“, beschwerte sich Jack lachend und schauerte übertrieben. Er griff nach hinten und bekam Iantos T-Shirt zu fassen. „Du bist kalt wie ein Eiswürfel.“

„Eisklotz“, korrigierte ihn Ianto automatisch. „Es heißt: kalt wie ein Eisklotz.“

Jack drehte sich auf die andere Seite - vorsichtig, damit keiner von ihnen aus dem Bett fiel - und sah ihn an. Es fiel genug Licht durch das Oberlicht an der Tür, dass er Iantos Gesichtszüge ausmachen konnte. „Ich hätte heute deine Hilfe gebrauchen können“, meinte er. „Alex hat mir eine große Kiste mit Trümmern gegeben, die eineinhalb… oder so… organische Computer sein könnten, etwa 33stes Jahrhundert. Eine Menge kleiner Teile zum Zusammensetzen. Du kannst das besser als ich.“

„Du meinst, du bist zu ungeduldig dazu?“, erwiderte der jüngere Mann.

„So kann man es auch sagen.“ Jack grinste. „Mit Caden zu arbeiten ist auf Dauer langweilig. Der Mann kennt wirklich kein anderes Thema als Computer. Wenn er könnte, würde er sogar mit ihnen Sex haben – aber das dauert noch eine Weile. Hey, habe ich dir schon einmal von den Sexrobotern auf Clain Delta erzählt? Meine nannte sich A.G.A.-T3 und ihre Spezialität war…“

„Ich vermisse Rose“, unterbrach ihn Ianto abrupt. „Und die Tardis. Sogar der Doctor fehlt mir. Nicht das ganze Gerenne und die Gefahr und das sie uns nicht schnell genug loswerden konnten, nachdem... das... mit uns passiert ist. Aber ich… ich denke immer wieder, es wäre besser, auf der Tardis zu sein, als hier. Wir hatten Spaß mit Rose, oder? Und der Doctor war auch nicht schlecht, wenn er nicht gerade...“ Er brach ab.

„Warum willst du zürück?“, fragte Jack und streckte die Hand aus, um mit der Spitze des Zeigefingers Kringel auf Iantos Schulter zu zeichnen. „Das hier ist deine Zeit, deine Welt. Dein Zuhause… Gut, die Umstände könnten besser sein. Wir werden nicht immer hier eingesperrt sein.“

„Ich weiß. Aber…“ Der jüngere Mann schwieg einen Moment. „Es fühlt sich nicht mehr so an. Ich passe nicht mehr hierher.“ Er sah Jack an. „Das klingt verrückt, ich weiß, aber es ist…“

„…so dass dich verändert hat, was passiert ist?“, beendete der andere Mann den Satz. „Natürlich. Es hat uns beide verändert.“ Er zog Ianto an sich, schlang beide Arme um seinen Nacken. „Hey, wir werden sie wiedersehen. Ich bin sicher. Die Tardis hatte einen Grund, uns genau hier und genau in dieser Zeit abzusetzen.“

„Und bis dahin können wir weiter feststellen, wie sich Tiere im Zoo fühlen. Oder Goldfische in einem Glas.“ Ianto atmete tief ein. Jacks Pheromone, oder was auch immer es war, dass ihn so gut riechen ließ, wirkten unglaublich beruhigend. Er lag endlich still, Jacks Schulter als Kissen nutzend und sog die Wärme, die der Körper des anderen Mannes abstrahlte, auf wie eine sonnenbadende Katze. Adam Hills Schlaftabletten hatten im Vergleich mit Jack so viel Wirkung wie Traubenzucker. Seine Arme und Beine waren bleischwer, aber auf eine gute Weise, er sollte Jack sagen, dass er… Seine Augen schlossen sich.

„Sieh es so, wenigstens ist es keine Einzelhaltung“, flüsterte Jack direkt in sein Ohr. „Soll ich dir jetzt von den Sexrobotern erzählen?“

Keine Reaktion.

Er lauschte einen Moment auf die Atemzüge des anderen Mannes. Schlief Ianto jetzt etwa? Irgendetwas lief hier gewaltig schief, wenn er seine Bettpartner zum Einschlafen brachte, ohne dass sie vorher irgendwas getan hatten! Jack grinste und presste einen Kuss auf Iantos Schläfe. Nichts war mit Ianto wie mit irgendjemandem sonst, mit dem er zuvor zusammen gewesen war, egal wie lange oder unter welchen Umständen. Zwischen ihm und seinem Ex-Time Agency Partner – zeitlich gesehen die längste Beziehung, die er vor Ianto hatte – hatte es jede Menge Sex und Gewalt gegeben, aber keine Nähe. Sie hätten es beide als Schwäche ausgelegt, jemand zu brauchen – am wenigsten den jeweils anderen.

„Schlaf gut“, sagte er leise und ließ sich von Iantos regelmäßigen Atemzügen ebenfalls in den Schlaf lullen.


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Alex Hopkins wurde unsanft geweckt. Eine Stimme flüsterte "Guten Morgen, Liebling" in sein Ohr. Nun, manche würden das sicherlich nicht als unsanft bezeichnen, aber das hing auch stark vom Weckenden ab.

Hopkins schreckte hoch und blinzelte. Er war mit den Kopf auf den Armen an seinem Schreibtisch eingeschlafen, und sein Nacken und Rücken ließen ihn unzweifelhaft wissen, welche schlechte Idee das gewesen war. Als sich sein Blick klärte, schnitt der Leiter von Torchwood Drei eine Grimasse. „Verdammt, dein Gesicht ist wirklich nicht, was ich morgens als erstes sehen will, Harkness“, knurrte er.

Jacks spöttisches Grinsen verschwand hinter einer übertrieben gekränkten Miene. „Das ist nicht, was ich sonst höre.“

„Ianto zählt nicht. Er leidet am Stockholm Syndrom.“

„Ist das eine ansteckende Krankheit?“ Jack fläzte sich auf den Besucherstuhl und platzierte seine Füße auf der Schreibtischkante.

Alex lehnte sich zurück und rieb sich die Schläfen, ohne auf Jacks Antwort einzugehen. „Was genau willst du eigentlich von mir? Um diese Uhrzeit“, fragte er müde, nachdem er in Richtung seiner Armbanduhr geblinzelt hatte.

War das diese Woche die dritte oder vierte Nacht, die er an seinem Schreibtisch verbracht hatte, anstatt in seine leere Wohnung zu gehen? Obwohl er gar nicht für die Nachtschicht eingeteilt war. Er wurde zu alt dafür. Aber er ertrug die Stille in seiner Wohnung nicht mehr. Zumindest nicht nüchtern. Im Hub fand er zumindest Gesellschaft in dem Teammitglied, das die Nachtschicht hatte – und der Weg zur Arbeit war kürzer, wenn ein Alarm ausgelöst wurde. Adam Hill verbrachte fast so viele Nächte im Hub wie er. Und es war besser, im Labor zu sitzen und dabei zuzusehen, wie der Arzt Tests durchführte, als in seinem Wohnzimmer in der Gesellschaft einer Flasche Glenfiddich und dem Fernseher. Seit Jack und Ianto hier waren, zog es ihn noch weniger in seine Wohnung zurück. Sie trieben ihn manchmal fast die Wände hoch, vor allem Jack, der wie ein Teenager ständig rebellierte und Grenzen auslotete. Aber, das musste er zugeben, die beiden waren unterhaltsamer als alles, was der Rift je ausgespuckt hatte.

„Eine Auskunft. Was müsste ich… theoretisch… tun, damit Ianto an meiner Stelle den Hub verlassen darf?“, fragte Jack gedehnt.

Der Teamleiter antwortete nicht sofort. Er musterte Jack als versuche er hinter seine wahren Absichten zu kommen. „Wieso?“, sagte er schließlich.

„Wieso nicht? Denkst du, Ianto würde die Gelegenheit nutzen, verschwinden und mich hier alleine lassen?“

Ein flüchtiges Lächeln glitt über Alex‘ Gesicht. „Nein, das glaube ich von ihm ganz bestimmt nicht.“

„Und bei mir bist du dir da nicht so sicher?“ Jack zog übertrieben erstaunt die Augenbrauen hoch.

Das erste Mal seit dem Aufwachen lächelte Hopkins. „Wenn eines sicher ist, dann das man sich bei dir über nichts sicher sein kann.“ Er schüttelte den Kopf, sein Gesicht wieder ernst. „Jack, ist dir klar, warum du nicht in diesem Moment in London in einem kleinen, fensterlosen Raum hinter einer verschlossenen Stahltür sitzt? Ohne Ianto? Wieso ich das Hauptquartier überzeugen konnte, euch hier zu lassen und ihr beide nützlicher außerhalb einer Zelle seid?“

Jack verschränkte die Arme im Nacken. „Du bist gut im Verhandeln?“

„Im Ernst, Jack.“

„Du bist wirklich sehr gut im Verhandeln?“

Alex musterte ihn. „Ich arbeite schon sehr lange für Torchwood. Manchmal denke ich, zu lange. Zwei Regimewechsel habe ich als normaler Fieldagent in London überstanden, dann hat Direktor Hartman mich hierher abgeschoben, als sie das Kommando übernahm. Sie hat mir den Umzug in die Provinz mit einer Beförderung zu versüßen versucht.“ Ein dünnes Lächeln zeigte sich, als in Jacks Miene Abscheu aufblitzte. „Ich sehe du erinnerst dich an sie. Sie ist ehrgeizig. Und ihr großes, persönliches Ziel ist es, den Doctor zu fangen. Nun, nebenbei ist sie auch an allem anderen interessiert, mit dem sich Geld machen lässt – Wissen, Technologie – natürlich im Namen der Krone und zur Verteidigung des Empire, ganz so wie es in der ursprünglichen Charta von 1789 steht. Bis vor ein paar Jahren war dieser Rift hier nichts weiter als eine Art Müllschlucker. Und wir saßen am falschen Ende. Angeblich ist diese Basis eine Art Anker. Die Stabilisatoren sollen verhindern, dass Cardiff, Wales oder die ganze Erde vom Rift verschluckt wird wie von einem schwarzen Loch. Niemand weiß, ob es tatsächlich so ist oder wie es funktioniert. Es ist nicht-irdische Technologie, die wir benutzen, ohne eine Ahnung zu haben, womit wir spielen. In den Archiven sind handgefertigte Zeichnungen, über einhundert Jahre alt, von Computerbänken, wie wir sie seit vielleicht zehn Jahren haben. Die Metalle, mit denen die Kryokammern gebaut sind, lassen sich auf das späte 19. Jahrhundert datieren – in Verbindung mit nichtidentifizierbaren Komponenten, mit denen die ausgeklügelten Messgeräte dieser Zeit nichts anfangen können. Niemand konnte das damals bauen. Niemand kann so etwas heute bauen. Der komplette Hub ist voll mit solchen Dingen. Viele davon sind im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten und ich arbeite seit einigen Jahren daran, dass es auch so bleibt. Weil ich denke, dass sie zu gefährlich sind, um damit zu spielen.“

„Wieso erzählst du mir das?“, fragte Jack.

„Weil ich deine Hilfe dazu brauche. Dein Wissen.“

„Ich bin kein Wissenschaftler. Um den Job bei der Time Agency zu bekommen, habe ich mir neue Papiere gekauft, um besser da zu stehen und die hatten nun wirklich einen niedrigen Standard, was Rekruten betraf. Ich bin nur ein Betrüger und ein Trickdieb – wenn auch ein besonders charmanter und gutaussehender. Was willst du von mir?“

„Du bist ein wenig mehr als das und dein Wissen ist unserem 3000 Jahre voraus.“ Alex beugte sich vor. „Du hast gestern einen Haufen Elektronikschrott als Bestandteile eines Bio-Computers erkannt. Einer lebenden Maschine. Etwas, von dem auf diesem Planeten eine Handvoll Wissenschaftler träumen, und das es bisher nur in Science Fiction-Romanen und Fernsehserien gibt.“

„Klingt als bietest du mir einen Job an“, stellte Jack nach einem Moment tonlos fest.

„Inoffiziell, ja. Wie gesagt, der Rift ist seit einigen Jahren so aktiv wie nie zuvor. Hier landen Dinge mit denen wir nicht umgehen können. Dinge, die jemandem wie Yvonne Hartman nicht in die Hände fallen dürfen. Dafür brauche ich deine Hilfe.“

Jack verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich soll also wirklich für Torchwood arbeiten?“

„Das machst du doch bereits“, erinnerte ihn Alex. „Oder als was bezeichnest du das, wenn du mit dem Team auf Missionen gehst?“

„Das mache ich nur, damit Ianto und ich nicht als Laborratten dienen, zumindest nicht die ganze Zeit. Ich würde das nicht ein Arbeitsverhältnis nennen. Zumal ich nicht dafür bezahlt werde.“

Hopkins schüttelte den Kopf. „Ich muss gewisse Zugeständnisse an Yvonne machen. Die Tests sind eines davon.“ Alex schwieg einen Moment. „In den letzten Monaten habe ich versucht, sie davon zu überzeugen, dass es mehr nutzt, wenn du freiwillig mit uns zusammen arbeitest. Und ich denke, ich habe sie fast so weit. Ich weiß, technisch würde sich für euch nicht viel ändern, aber es ist ein Anfang. Vielleicht kann ich mit der Zeit mehr Freiheiten heraus handeln.“

„Ich hatte schon miese Arbeitgeber, das hier toppt bestimmt alles.“ Jack setzte sich auf, stellte die Füße auf den Boden. „Aber wir reden immer nur von mir“, meinte er. „Ich bin hergekommen, um über Ianto zu sprechen.“

„Muss ich dir erzählen, was wir beide bereits wissen? Ianto ist weniger interessant als du, er ist nicht die erste Priorität. Klar, er hat die gleichen… besonderen Heilungs-Fähigkeiten… wie du, aber er ist fünfzehn Meilen von hier entfernt in Newport geboren – nicht dreitausend Jahre in der Zukunft, auf einem anderen Planeten.“

Jack stand auf. Er studierte eine Karte an der Wand. „Wenn ich so wichtig bin für Torchwood, sollte Ianto ebenfalls wichtig für Torchwood sein.“ Er wandte sich wieder Alex zu. „Wenn du meine Hilfe willst, dann sollte Ianto besser auch Priorität erhalten. Da wir gerade so ehrlich sind, muss ich dir sicher auch nicht erzählen, dass er der einzige Grund ist, warum ich noch keinen Weg gefunden habe, diesen gastlichen Ort mit seinen großartigen Partys zu verlassen.“

„Ich weiß.“ Alex suchte und fand unter einem Papierstapel eine Flasche mit einem Rest Wasser darin. Nicht gerade ein üppiges Frühstück, aber es musste vorerst reichen. „Ein untrainierter Zivilist bringt das Team in Gefahr.“

„Dann schick ihn nicht auf Weevil-Jagd. Das ist nicht, was ich meine. Abgesehen davon, dass ich denke, er mag die Viecher sogar irgendwie.“ Jack schnitt eine Grimasse. Sein Mitgefühl hielt sich in Grenzen, nachdem er zu oft Bekanntschaft mit ihren Klauen und Zähnen geschlossen hatte. „Kannst du ihn nicht selbst mit nach oben nehmen? Ohne das Team? Du bist der Boss hier. Er braucht einfach nur frische Luft und muss Tageslicht sehen, dann geht es ihm bestimmt besser. Es kann auch unser kleines Geheimnis sein.“

„Er hat darüber noch nie etwas zu mir gesagt.“ Alex rieb sich die Schläfen. „Oder zu Adam. Du solltest mit ihm sprechen, wenn du dir Sorgen um Iantos Gesundheit machst.“

„Wir sind schon seit Monaten hier und es fällt dir erst jetzt auf, dass sich Ianto nicht beklagt?“ Jack lehnte sich gegen die Glaswand, die das Büro vom Rest des Hubs trennte. „Es ist wichtig. Es geht ihm nicht gut und das gefällt mir nicht.“

„Adam sagt, die Medikamente helfen. Und Ianto leistet gute Arbeit als allgemeiner Support – und mit der Bibliothek. Ich denke, es macht ihm Spaß, wieder mit Büchern zu arbeiten.“ Hopkins seufzte und stieß sich vom Schreibtisch ab, um aufzustehen. „In Ordnung. Ich nehme Ianto für einen kleinen Ausflug mit nach oben. Unter einer Bedingung… zwei Bedingungen: Keine Prügelei mehr mit Franks. Du hältst dich während der nächsten zwei Monate vollkommen zurück, egal welche Beleidigungen er dir an den Kopf wirft. Und zweitens: das bleibt wirklich unter uns, kein Wort zu jemand.“

Jack grinste unverschämt. „Bekomme ich ansonsten wieder Zimmerarrest?“

„Ich kann nicht zulassen, dass du solche Unruhe ins Team bringst. Und dir sollte auch daran liegen, die Leute auf deine Seite zu ziehen, anstatt sie dir zu Gegnern zu machen. Sieh mich nicht so an, Jack. Denkst du, ich weiß nicht, was Franks zu dir gesagt hat um dieses Veilchen zu verdienen? Das ist mein Haus, ich muss wissen, was vor sich geht. Ich hätte es nur vorgezogen, es von dir oder Franks selbst zu hören. Neil und ich hatten bereits eine Unterhaltung über sein Benehmen und darüber, wie er euch behandelt.“

„Musste er eigentlich auch in seinem Zimmer bleiben oder gilt das nur für mich?“

Alex lächelte. „Es ist gut, ich habe verstanden, dass dir nicht gefällt, auf nur vier Wände beschränkt zu sein.“

Jack zuckte mit den Schultern. „Es stört mich weniger, wenn Ianto auch bleibt. Ich bin sehr gesellig, je mehr desto besser. Du bist das nächste Mal eingeladen.“

Hopkins schüttelte den Kopf. „Hat dir schon einmal jemand erklärt, dass Strafen keinen Spaß machen sollen?“

„Das kommt auf die Strafe an, ich denke es…“

Alex hob die Hand. „Okay. Wechseln wir nicht das Thema. Ich werde dir etwas anvertrauen. Neil hat im letzten Jahr seine halbe Familie bei einem Unfall verloren. Er trauert, er ist wütend. Und er weiß nicht, wohin mit dieser Wut. Du hast es ihm sehr leicht gemacht, ein Ventil zu finden.“

„Schön zu wissen, dass man helfen kann“, erwiderte Jack sarkastisch. Er ging zur Tür.

„Warte, Jack“, rief ihm Alex nach. „Habe ich dein Wort, dass du dich von Franks nicht mehr provozieren lässt?“

„Nur, wenn er auch damit anfängt, sich zurück zu halten“, antwortete Jack über die Schulter hinweg.

Hopkins ließ sich wieder in seinen Schreibtischsessel fallen. Er fragte sich, ob er nicht vielleicht gerade einen Fehlergemacht hatte…


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„Arbeit?“, murmelte Ianto und blinzelte ihn unter seinen Decken hervor wie eine müde Eule an.

Jack setzte sich auf die Bettkante und kickte die Schuhe von den Füßen, ohne darauf zu achten, wo sie landeten. Er streckte sich auf der Matratze aus - Ianto machte für ihn Platz - und drehte sich auf die Seite, um ihn anzusehen. Mit dem Unterschied, dass Jack angezogen und es hell im Zimmer war, genau wie in der Nacht zuvor. „Ich hatte nur eine kleine Unterhaltung mit Alex.“

Sofort wirkte Ianto wacher. „Was hast du angestellt?“, fragte er alarmiert. Sein Blick glitt suchend über die Arme und das Gesicht des anderen Mannes. „Du hast dich nicht wieder geprügelt, oder?“

„Immer diese haltlosen Verdächtigungen.“ Jack zog Ianto die Decke weg. „Ich bin absolut unschuldig.“

„Du kannst das mit ernsthafter Miene sagen und wunderst dich, dass die Leute denken, du lügst?“ Ianto stützte den Ellbogen auf und das Gesicht in die Handfläche. „Du hast irgendetwas vor. Das steht dir auf der Stirn geschrieben.“

Jack verdrehte die Augen in dem Versuch, sich selbst auf die Stirn zu sehen. „Echt?“

„Das ist eine Redensart, du Idiot.“ Ianto gab ihm einen Klaps auf den Oberarm. „Um was ging es in dieser Unterhaltung?“

„Alex hat mir einen Job angeboten, ich soll für Torchwood arbeiten.“

Ianto blinzelte, sichtlich überrascht. „Ist das nicht, was du die letzten Monate gemacht hast?“

„Genau das habe ich zu Alex auch gesagt“, erwiderte Jack grinsend. „Er will, dass ich ihm helfe, gefährliche Dinge zu identifizieren und vor seinen Bossen zu verstecken. Damit sie nicht in falsche Hände fallen. Er ist an meinem Kopf interessiert. Oder eigentlich nur an dem, was drin ist. Das ist neu.“

„Das etwas in deinem Kopf ist?“, fragte Ianto trocken. „Es ist sicher neu, aber du gewöhnst dich mit der Zeit daran.“ Er lachte, als Jack sich auf ihn rollte und ihn in die Matratze presste.

Jack stützte die Ellbogen rechts und links von Iantos Gesicht auf und sah auf ihn hinab. „Geht es dir jetzt besser als gestern Nacht?“

Das Lachen verschwand aus den Zügen des jüngeren Mannes. Ianto öffnete den Mund, wie um zu widersprechen, doch am Ende schwieg er.

„Alex hat Neuigkeiten für dich.“

Sofort tauchte erneut ein misstrauischer Ausdruck in Iantos Augen auf. „Und welche?“

„Frag ihn selbst.“ Jack tat so als wollte er aufstehen – und grinste als Ianto seine Oberarme packte. Er beugte sich vor und küsste ihn so lange, bis Ianto vergessen hatte, was er wissen wollte…


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Es klopfte, bevor die Tür geöffnet wurde. Das alleine verriet Hopkins schon, um wen es sich bei seinem Besucher handelte. Adam Hill war mit Franks in Splott, eine Polizeimeldung überprüfen. Shana kam heute erst nachmittags und Caden war im Hub, hatte sich aber direkt vor seine Monitore verzogen. Ansonsten kam niemand so früh. Jack würde nicht klopfen. Also konnte es nur Ianto sein.

Er sah auf und blickte den jungen Waliser an, der an der Tür wartete. „Guten Morgen, Ianto. Komm rein.“

„Bore da.“ Ianto kam näher, blieb hinter dem Besucherstuhl stehen, die Hände auf die Rückenlehne gestützt, als brauche er den Halt. „Jack meinte, du hättest Neuigkeiten für mich?“ Es war klar, dass er nichts Gutes erwartete.

„Es tut mir leid, dass ich dich für Jacks Verhalten verantwortlich gemacht habe“, sagte der Leiter von Torchwood Drei. Alex lächelte. „Er hat mir versprochen, sich besser zu benehmen und sich von Franks fern zu halten.“

„Jack hat das versprochen?“, wiederholte Ianto zweifelnd.

„Nicht wörtlich. Aber es war in den Subtiteln.“ Alex stand auf und öffnete den Spind in der Ecke des Raumes. Er nahm seine Lederjacke und eine zweite warme Jacke heraus. „Hier, die sollte dir passen.“

Ianto nahm zögernd die Jacke entgegen, machte aber keine Anstalten, sie anzuziehen. „Ich habe eine Jacke“, sagte er. Die unteren Level des Hubs waren ungeheizt. Ohne mehrere Schichten Kleidung konnte man dort nicht längere Zeit arbeiten.

„Hat Jack dir nichts gesagt?“ Alex trat zu ihm, den Kragen hochschlagend. „Wir beide machen jetzt einen Ausflug nach oben.“

„Nach oben“, wiederholte Ianto verständnislos, die Jacke überziehend.

„Ja. Ein Spaziergang.“ Alex hielt einladend die Tür auf und Ianto ging an ihm vorbei nach draußen, die Stirn immer noch gerunzelt.

„Ich verstehe nicht, was das soll“, fragte der junge Waliser, als er neben Alex in den Lift trat. „Bringst du mich weg, weil ich… etwas falsch gemacht habe?“

„Ich bringe dich nicht weg.“ Hopkins sah ihn an. „Jack war heute Morgen bei mir, weil er sich Sorgen um dich macht. Er denkt, du könntest eine kleine Abwechslung brauchen. Es tut mir leid, dass ich nicht mehr tun kann.“

Als die Lifttüren sich öffneten, standen sie vor einer roh gemauerten Wand, genauer gesagt vor einer Sperrholztür die sich darin befand. Es war keine Klinke zu sehen, aber Alex presste auf einen versteckt angebrachten Schalter neben dem Rahmen, denn die Tür glitt einfach zur Seite.

Durch die so entstandene Öffnung traten sie in einen Raum der mit trübem Tageslicht erfüllt war. Das lag daran, dass die Fensterscheiben bis fast ganz oben mit vergilbten Zeitungen verklebt waren. Fenster! Das bedeutete sie befanden sich nicht mehr unter der Erde. Ianto sah sich um. Hinter einer halbhohen Theke war ein Schreibtisch, hinter dem ein alter Bürostuhl stand. Ein Perlenvorhang hing vor einer Türöffnung, die offenbar in einen zweiten Raum führte. An der freien Wand zogen sich Metallregale entlang, die jedoch nichts enthielten als weitere Stapel vergilbter Zeitungen. Ein paar Poster, die meisten davon eselsohrig und halb von der Wand gelöst, kündigten Konzerte, Messen, Sportereignisse und andere Veranstaltungen an, waren aber bereits etliche Jahre alt. Es roch muffig und nach Staub. Spinnweben hingen von der Decke und von den blanken Glühbirnen.

„Wo sind wir?“, fragte Ianto neugierig. „Gehört das noch zu Torchwood?“

„Ja.“ Alex machte eine Geste, die den ganzen Raum einschloss. „Wir benutzen heute meistens den Eingang in der Garage, das ist praktischer. Aber das diente als Tarnung, um zu erklären, warum Leute hier ein und aus spazieren. Offiziell ist dies hier eine Zweigstelle der Cardiffer Tourismusbehörde. Ein Informationsbüro, an das sich Besucher des Millennium-Centers und Mermaid Quay wenden können. Es ist seit einigen Jahren geschlossen, weil mein Team zu klein ist, um hier jemand den ganzen Tag hin zu setzen und verirrte Touristen zu beraten. Außerdem gibt es auf der anderen Seite des Plas noch ein solches Büro, es war kein großer Verlust.“ Er tippte einen Code in einen Ziffernblock und öffnete die Tür. „Komm mit. Wir können einen Spaziergang entlang Mermaid Quay machen. Es ist nicht viel, um diese Jahreszeit ist morgens noch nichts los dort, aber ich finde das Wasser...“ Er unterbrach sich, musterte den jungen Waliser, der wie angewurzelt in der Mitte des Raumes stand. „Ianto? Alles okay?“

Ianto blinzelte einige Male und trat zu ihm, zögerte aber an der Türschwelle wieder. „Das letzte Mal als ich draußen war, hat mich ein Auto überfahren und getötet“, sagte er leise. „Es war alles ein Trick, um uns zu fangen.“

„Das ist kein Trick, Ianto. Ich verspreche es.“ Hopkins nahm den Arm des anderen Mannes und zog ihn mit sich ins Freie. Jack hatte Recht. Sie hatten Ianto übersehen. „Komm. Ich kaufe dir einen Kaffee in einem der Cafés, ein paar machen wirklich früh auf.“ Er ließ Iantos Arm los und sah zu, wie der junge Waliser tief Luft holte und das Gesicht in den noch blassen Himmel hob. Im matten Morgenlicht wirkte er kaum älter als ein Junge. Alex schob die Hände in die Jackentaschen, es war kühl aber nicht unangenehm so, und beschloss zu warten, bis Ianto so weit war.


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„Wir sollten das öfters machen“, meinte Alex, als er eine gute Stunde später die Tür aufhielt, damit Ianto vor ihm ins Büro treten konnte. „Natürlich nur, wenn Jack dann nicht eifersüchtig wird“, setzte er scherzend hinzu.

Ianto warf einen letzten bedauernden Blick in seinen leeren Kaffeebecher – bereits der Dritte – bevor er sich Hopkins zuwandte. „Jack sagt, er kennt Eifersucht nicht. Die hätte man in seiner Zeit abgeschafft. Er wäre so erzogen worden, oder was immer er damit meint.“ Er lächelte scheu. „Es hat mir gefallen draußen zu sein. Ich wusste nicht, wie sehr es mir gefehlt hat.“

„Ich weiß, dass nicht richtig ist, was mit euch beiden gemacht wird“, sagte Alex, die Tür hinter ihnen verriegelnd. Das Alarmsystem aktivierte sich automatisch. „Und ich hoffe, dass ich etwas daran ändern kann. Aber das wird noch eine Weile dauern.“

Der junge Waliser nickte und ging sichtlich widerwillig zu der hinter einer Wandtäfelung versteckten Tür, die zurück in den Hub führte.

„Ich habe eine Idee“, sagte Alex, als er neben Ianto in den Lift trat. „Was hältst du von einem neuen Projekt für dich? Du bist mit der Bibliothek doch fast fertig, warum nimmst du nicht als nächstes das Touristenbüro in Angriff? Vielleicht kann ich London davon überzeugen, dass wir es wieder öffnen sollten.“ Er hob die Hand. „Ich verspreche nichts, aber denkst du, es wäre ein Job für dich? Immerhin bist du Waliser, du sprichst sogar die Sprache ein wenig und was du über die Sehenswürdigkeiten wissen musst, kannst du dir anlesen. Deine Manieren sind perfekt und es ist kein so großer Unterschied dazu, in einer Buchhandlung zu arbeiten. Ich meine, du verstehst, du musst vorsichtig sein, was du zu jemand sagst und du kannst weiterhin das Gebäude nicht alleine verlassen, nicht ohne einen von uns, ohne den Alarm auszulösen.“ Er deutete auf eine Kamera in der Ecke. „Das Sicherheitssystem ist aktiv, auch wenn wir den Raum gerade nicht nutzen und jedes deiner Worte wird aufgezeichnet. Aber hier wäre es zumindest heller als in den Archiven.“

„Ich würde das sehr gerne machen.“ Ianto wirkte verwundert. „Aber, wieso? Warum bin ich plötzlich so wichtig?“

„Es geht nicht darum, wie wichtig jemand ist. Ich denke einfach, du bist der richtige Mann für den Job“, antwortete Hopkins ausweichend. Er wollte nicht, dass es so klang, als wäre Iantos einzige Daseinsberechtigung Jack Harkness an Torchwoods Leine zu halten.

„Okay.“ Ianto wirkte nicht völlig überzeugt.

„Komm in mein Büro wenn du mit deiner Arbeit fertig bist“, sagte Alex. „Und mach mir eine Liste, was du alles brauchst um den Raum vorzeigbar zu machen, ja? So lange nichts dabei ist, dass unser Budget sprengt, sollte es kein Problem sein.“ Apropos Budget. Er sollte nachsehen, ob sich nicht ein paar Pfund für eine neue Kaffeemaschine finden ließen. Davon hatten sie alle was. Und Ianto schien eine Menge von Kaffee zu verstehen, er hatte von seinem früheren Arbeitgeber erzählt, der ihm alles Mögliche darüber beigebracht hatte. Das weitaus größere Problem war, Yvonne den Plan zu verkaufen.

Als die Tür des Lifts aufglitt, kam Jack auf sie zu. Er zog Ianto mit sich fort, um ihm irgendetwas zu zeigen und Alex kehrte seufzend in sein Büro zurück, wo noch immer ein Berg Papierkram auf ihn wartete.


Ende (tbc)
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