Heldenhafte Farbspiele

von Ne-chan
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Duncan MacLeod Joseph "Joe" Dawson Methos
25.11.2011
25.11.2011
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Ich fluchte leise, als ich erst mein T-Shirt und dann mein Auto betrachtete. Dieser Mistkerl hatte doch tatsächlich meinen Thunderbird zerstört! Welcher Automechaniker konnte denn bitte ein Loch von einem verdammten Schwert in der Autotür reparieren? Und wer stellte dazu noch keine neugierigen Fragen? Knurrend gab ich der nächsten Straßenlaterne einen Tritt.

„Wirklich gut, Highlander! Ich sehe schon, du hast alles unter Kontrolle!“

Ein hämischer Applaus folgte und ich funkelte Methos wütend an. Natürlich hatte diese Lightshow meine Freunde nur schneller zu mir geführt.

„Du hast vielleicht das Privileg meiner adoptierten Familie anzugehören. Das heißt aber nicht, dass du dich über meine pubertären Ausbrüche lustig machen darfst.“

Ich öffnete die kaputte Autotür und ließ mich auf dem Fahrersitz nieder. Meine Beine baumelten aus dem Auto und ich starrte trübsinnig auf das Loch in der Tür. Methos kam leise lachend auf mich zu.

„Falsch, MacLeod. Genau das berechtigt mich dazu.“

Er ließ sich vor mir auf ein Knie sinken und wuschelte mir meine schwarzen Locken noch mehr durcheinander. Mein Blick verfinsterte sich noch mehr und mit dem Kopf schüttelnd befreite ich mich aus seinem Griff.

„Ich mag vielleicht so aussehen, aber ich bin kein Kind mehr.“

„Stimmt.“

Er drückte sanft seine Lippen auf meine, bevor seine Stirn an meine lehnte. Ich blinzelte verwirrt.

„Du bist ein furchtbar lästiger Teenager. Und du rennst in dein Verderben. Sie umzubringen wird dir nicht helfen.“

„Rumzusitzen und zu warten bis sie kommt wird mir auch nicht helfen! Sie will doch, dass ich zu Hause vor Angst und Panik die Wände hochgehe! Aber ich spiel nicht mehr mit!“

Methos nickte begeistert, dann griff er nach meinen Unterarmen und zog mich aus dem Auto. Theatralisch zog er seinen langen Mantel aus und legte ihn um meine Schultern. Ich spürte, wie sein Schwert den Stoff nach unten zog.

„Du siehst aus wie frisch aus den Kreuzzügen. Blut überall.“

Dann seufzte er.

„Finde sie, Methos! Ich bitte dich! Wenn ich noch weitere Tage nur herumsitze, werde ich wahnsinnig. Wenn ich es nicht schon bin. Das muss ein Ende nehmen. Ob gut oder schlecht ist mir egal. Hauptsache ein Ende! Ich bin nicht gut in der Opferrolle.“

Sein Blick wurde nachdenklich und ich begann schon zu hoffen, als Sirenen die Stille störten.

„Hast du dein Schwert?“

Ich nickte.

„Dann ab ins Auto! Ich fahre. Es hilft uns nichts, wenn wir auch noch von der Polizei angehalten werden.“

Ich verzog mein Gesicht. Sah ich wirklich so jung aus? Die Blutspuren würden auch keinen so guten Eindruck machen. Ich schlüpfte mit meinen Armen in die Ärmel von Methos Mantel und zog ihn vorne zu, dann kletterte ich über den Fahrersitz zum Beifahrersitz.

„Wohin fahren wir?“

„Erst mal zu Joe. Dann sehen wir weiter.“

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Joe begrüßte uns mit einer finsteren Miene und einem gereizten:

„Na endlich!“

Methos gab mir einen Stoß durch die Tür und der Beobachter verfrachtete mich ohne Umwege auf die Couch. Ich blieb artig sitzen und wartete auf die Schimpfe, die sicher folgen würde. Und ich musste nicht lange warten. Methos hatte gerade die Tür geschlossen, da begann Joe auch schon hin und her zu wandern und böse Blicke in meine Richtung zu schicken. Dann blieb er abrupt stehen und beugte sich über den Couchtisch, um mir die Augen zu starren.

„Wenn du so etwas noch einmal tust, dann schwöre ich dir, du bekommst Hausarrest! Und zwar sperre ich dich eine ganze Woche mit Methos UND Amanda in einen Raum! Mal sehen, ob du dann noch die Kraft oder den Willen hast, sowas bescheuertes noch einmal zu machen!“

Methos sah etwas beleidigt aus, aber ich war sprachlos! Das letzte Mal hatte mein Vater so mit mir gesprochen! Ich wollte was sagen, wollte auf meine 400 Jahre Lebenserfahrung aufmerksam machen, doch ich konnte nicht!

„Hast du mich verstanden?“

Joes Stimme war hart wie Stahl und ich nickte nur hastig. Zufrieden richtete sich der grauhaarige Mann wieder auf und lächelte zufrieden. Dann ließ er sich in seinen Sessel fallen und war wieder Joe Dawson, Beobachter und Freund.

„Wen hast du erwischt?“

Ich legte den Kopf auf die Seite und zupfte nervös am Gürtel von Methos Mantel.

„Calvin Stoker.“

Ein Stirnrunzeln. Darauf folgten ein Brummen und ein Aufsitzen. Und zum ersten Mal sah ich wirklich den Beobachter vor mir sitzen. Eine lebende Informationsquelle über Unsterbliche.

„Adam, sei so gut und hole mir den Laptop von nebenan.“

Methos warf mir nur einen amüsierten Blick zu und verschwand im Nebenzimmer, um kurz darauf mit einem verdammt modern aussehenden Laptop in der Hand wieder zu erscheinen. Frech grinsend verbeugte er sich vor Joe.

„Oh, großes Orakel! Bitte erfülle uns mit deiner Weisheit.“

Joe nahm ihm einfach nur den Laptop ab und ließ den Anmelderitus über sich ergehen. Bald hämmerte er angestrengt Befehle in die Tastatur.

„Calvin Stoker. Ca. 650 Jahre alt. Zuletzt wurde er in England gesichtet. Er war in Begleitung einer jung aussehenden Frau. Er spielte scheinbar ihren Beschützer. Sie zeigte Anzeichen esoterischer/magischer Interessen. Die Beschreibung von ihr passt auf Cassandra.“

„Erstaunlich! Heutige Orakel funktionieren wirklich besser, als die von damals.“

Joe warf Methos nur einen genervten Blick zu.

„Sieht so aus, als hättest du Cassandras Möchtegern-Liebhaber auf dem Gewissen. Das wird ihr nicht gefallen.“

Ich schnaubte abfällig und zog meine Beine auf die Couch.

„Als er mit dem Schwert auf mich losging, hat mir das auch nicht gefallen!“

„Und jetzt?“

Methos ließ sich neben mich auf die Couch sinken und ich konnte nicht anders, als meinen Kopf an seine Schulter zu lehnen. Joes hochgezogene Augenbraue ignorierte ich geflissentlich. Schließlich war der alte Mann mein Beschützer, Freund, Bruder und wenn ich die Zeichen richtig las, vielleicht auch bald mein Liebhaber. Ja, vielleicht war Methos ja doch mein Ritter in weißer Rüstung. Die Hand des älteren Unsterblichen lag auf einmal auf meinem Knie und wanderte schamlos meinen Oberschenkel hinauf. Ok, vielleicht hatte er keine weiße Rüstung. Eher ein dunkles grau, ein sehr dunkles grau. Ich legte meine Hand über seine und verhinderte noch gerade so, dass Joe einen kostenlosen Logenplatz für mein Sexleben erhielt.

Zu Joes erster Augenbraue war jetzt auch die Zweite geklettert und er erhob sich mühselig mit dem Laptop in der Hand aus seinem Sessel.

„Ich warne euch! Wenn ich aus meinem Gästezimmer nicht jugendfreie Geräusche höre, dann komme ich mit einem Eimer kaltem Wasser. Und wegen Cassandra! Ich denke mal, Stoker zu verlieren, wird sie zu einer übereilten Dummheit führen. Wir sollten uns also auf was gefasst machen.“

Methos grinsen wirkte dreckig und ich konnte nicht anders, als das dunkelgrau noch etwas dunkler werden zu lassen. Bald würde ich einen schwarzen Ritter haben. Schwarz wie die Nacht. Böser Methos! Ich befreite mich aus meiner unzüchtigen Situation und wanderte zur Garderobe. Ich hoffte inständig, dass sich das Blut nicht auf das Innenfutter des Mantels übertragen hatte und atmete erleichtert auf, als ich feststellte, dass er nichts abbekommen hatte. Ich hing den Mantel auf und steckte mein eigenes Schwert mit einer Grimasse in den Schirmständer. Nicht gerade ein ehrenhafter Platz für eine 200 Jahre alte Klinge.

„Ich glaube nicht, dass wir hier sitzen und warten sollten, Joe.“

Mein Kopf zuckte zu den beiden Männern herum. Hatte ich richtig gehört? Ich trat hinter Methos an die Couch heran.

„Ach? Auf einmal bist du der Meinung, wir sollten etwas Dummes tun?“

Joes Blick war düster. Nervös biss ich mir auf die Unterlippe. Gib jetzt nicht auf, Methos.

„Nein, ich meine, wir sollten nicht warten. Sie wird sicher nicht nur einen Handlanger haben. Sie wird nicht lange brauchen, die Aufgaben neu zu verteilen und ihren Plan anzupassen. Und wir sollten dasselbe tun.“

Joe schüttelte den Kopf.

„Du bist ein paar Stunden mit Mac alleine und schon hast du eine Gehirnwäsche verpasst bekommen. Obwohl... nein, dein Gehirn hat damit sicher wenig zu tun. Er hat dich an einer ganz anderen Stelle gepackt.“

Ich hielt gespannt die Luft an. Joe lehnte sich gerade gefährlich aus dem Fenster. Der alte Mann lehnte sich mit steinerner Miene zurück.

„Du musst uns ja nicht begleiten, Joe Dawson.“

„Oh ja, ich darf beobachten, wie ihr gegen die böse alte Hexe in die Schlacht zieht. Wirklich ganz toll.“

Und wann kommt die Stelle, wo ich den Drachen erlege? Angestrengt versuchte ich mein Lächeln zu unterdrücken.

„Du machst also mit?“

Joe zuckte nur müde mit den Schultern.

„Einer muss euch ja den Arsch retten, wenn die ganze Sache nach hinten los geht.“

Begeistert machte ich einen kleinen Luftsprung und umschlang Methos von hinten.

„Danke, danke, danke, danke...“

Der alte Mann lachte laut.

„Ok, ok. Hör auf! Dank lieber auch dem mürrischen Sterblichen da drüben!“

Gehorsam sprang ich auf und bevor Joe einen Laut des Widerstandes von sich geben konnte, hatte ich ihn schon in einer festen Umarmung gefangen.

„Danke, Joe!“

Joe stöhnte nur gequält auf, schlang dann aber seine Arme um mich. Leise hörte ich seine geflüsterten Worte.

„Lass mich das bloß nicht bereuen.“

Und ich dachte nur: Niemals, Joe! Niemals!

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„Wie sieht unser Plan aus?“

Joe hatte mir einen Pullover aus seiner Armeezeit zugeworfen und stumm auf mein zerfetztes T-Shirt gedeutet. Ich hatte meine Kleidung gewechselt und die Haare nach hinten gebunden. Mir war nie aufgefallen, wie lang ich sie damals getragen hatte, doch nun schienen sie mir wüst und unkontrollierbar. Eigenschaften, die Methos scheinbar zusagten. Kaum hatte ich mich wieder auf die Couch fallen lassen, verschwand seine Hand in meinem Nacken, bis er es geschafft hatte, eine Strähne wieder aus dem Gummiband zu befreien.

„Wir wissen, wo sie ist. Ich habe einige Wächter auf das Hafenviertel angesetzt und ein Gebiet wird wie es scheint besonders bewacht. Sie hat also noch einen Handlanger bei sich. Er wurde öfter gesehen. Ich habe meinen Leuten gesagt, sie sollen sich von der Halle fernhalten.“

Joe hatte wieder den Laptop auf dem Schoss und tippte nebenbei auf der Tastatur herum. Seine Augen blitzten ab und zu zu uns herüber und wie ein gestrenger Vater warf er Methos warnende Blicke zu. Ich fand es erstaunlich, was ein jüngeres Aussehen bei dem Sterblichen für Beschützer-Instinkte hervorrief. Leider spornte es den alten Mann nur noch mehr an. Es machte ihm unbändigen Spaß Joe zu provozieren, während er aber auch ernsthaft seine Chancen bei mir verbessern wollte. Ich schien wirklich die einmalige Gelegenheit erhalten zu haben, die in diesem Jahrhundert aktuellen Jugendprobleme aus erster Hand erleben zu dürfen. Unsicher, wie die richtige Reaktion in dieser Situation auszusehen hatte, beschloss ich, beide zu ignorieren und meine Konzentration auf Cassandra zu fokussieren.

„Wieso müssen wir so vorsichtig sein, wenn sie nur einen Mann hat? Mit dem sollten wir doch spielend fertig werden.“

Es war unangenehm, wenn man aus seiner eigenen Stimme die Naivität und den Trotz heraushörte.

„Man sieht immer nur einen Mann, Mac. Das heißt nicht, dass sie nur einen hat. Tatsächlich wäre das leichtsinnig von ihr. Sie wird noch einige Karten in der Hinterhand haben.“

Ich biss mir auf die Unterlippe, um nicht mit einer pampigen Bemerkung zu antworten und begann ungeduldig mit dem Fuß zu wippen. Joe hatte recht. Natürlich hatte er recht, aber es nervte mich ungemein. Ich schielte zu Methos und gab ihm einen kleinen Rippenstoß.

„Sag was.“

Amüsiert grinste er Joe an.

„Ich glaube, ich wurde gerade aufgefordert, seine Ehre zu verteidigen.“

Beide Männer lachten los, während ich noch sauertöpfischer in die Runde blickte.

„Schön, was machen wir also?“

Methos legte entspannt seine Beine auf den niedrigen Couchtisch (Joes Blick verfinsterte sich wieder) und rutschte noch etwas tiefer in die weichen Kissen.

„Wir machen erst einmal einen Background-Check über den Mann, der so pflichtbewusst die holde Dame bewacht. Über ihn erfahren wir hoffentlich mehr über die mögliche Kavallerie, die vielleicht noch im beziehungsweise um dem Gebäude postiert wurde. Und dann suchen wir die Schwachstelle.“

Empört setzte ich mich auch.

„Das dauert…“

„… etwas länger. Ja. Aber wir wissen, womit wir es zu tun haben.“

Meine Finger zupften nervös an dem Saum des viel zu großen Pullovers und mein Fuß erreichte eine neue Höchstgeschwindigkeit in seinem ewigen auf und ab. Observieren! Auskundschaften! Das dauerte Tage, wenn nicht sogar Wochen! Wochen! Ich glaubte nicht, noch Wochen in diesem Zustand durchhalten zu können. Mein Herzschlag beschleunigte sich schon bei dem bloßen Gedanken daran und vor meinem inneren Auge spielten sich furchtbare Szenarien ab.

„Das dauert zu lange!“

Ich wollte meinem inneren Drang nach Bewegung endlich nachgeben und im Zimmer umher tigern, doch Methos Arm hatte sich blitzschnell um eine Taille gelegt und zurück in die weichen Kissen gezogen, bevor ich auch nur einen Schritt machen konnte.

„Geduld ist eine Tugend, Highlander. Atme tief durch, denke darüber nach und sieh ein, dass es das einzig richtige ist.“

Meine Kehle schnürte sich zu. Verstanden sie denn nicht, wie furchtbar es gerade in diesem Zustand für mich war? Dass sie mich damit folterte? Eine grausame komplizierte Art der Folter! Verzweiflung und Angst kroch in mir hoch und Halt suchend rutschte ich näher an Methos, schloss alle panischen Gedanken für einen Moment in die hinterste Ecke meines Kopfes und konzentrierte mich nur auf den Mann neben mir. Nachdenken. Logisch und ruhig nachdenken. Es war in letzter Zeit nur in den Armen des alten Mannes möglich. Observieren, planen, zugreifen. Es war kein komplizierter Plan, aber die meisten guten Pläne waren einfache Pläne. Ich musste nicht lange überlegen, um die Vernunft zu erkennen. Blind loszurennen konnte nur in einem Desaster enden. Dennoch lebte die Angst noch in mir. Die Angst vor mir selbst, vor meinen Stimmungsschwankungen, vor meiner Unberechenbarkeit. Ich konnte niemanden versprechen, diesen Plan wirklich aussitzen zu können.

„Ich weiß nicht, ob ich das kann.“

Erschöpft legte ich meinen Kopf auf Methos Schulter, brachte meinen Körper in eine bequemere Position und schloss die Augen. Ich war müde, die Anstrengungen des Tages holten mich nun doch ein. Methos Hand vergrub sich wieder in meinen Haarschopf, befreite ihn endgültig von dem Haargummi.

„Wir passen auf, Duncan.“

Ich nickte. Dann zog mich der Schlaf endgültig in sein Reich.

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Ich schrak hoch und versuchte panisch mich zu orientieren. Die Matratze unter mir war weich, das Zimmer dunkel. Meine Schuhe standen ordentlich am Fuß des Bettes. Tief durchatmend strich ich mir die Haare aus dem Gesicht und dachte nach. Ich war auf der Couch eingeschlafen. Methos musste mich hierher getragen haben. ‚Hier‘ war sicherlich Joes Gästezimmer. Meine verkrampften Muskeln lockerten sich etwas und meine Gedanken flossen wieder etwas schneller durch meine Gehirnwindungen. Was hatte mich aufgeweckt? Ein Traum? Ich konnte mich an keinen erinnern.

Auf einmal durchbrach ein Geräusch die Stille und bevor ich überhaupt wusste, was ich da gehört hatte, reagierte mein Körper schon. Neben dem Bett kauernd teilte mir auch endlich mein Gehirn mit, was das für ein Geräusch gewesen war. Ein Schuss! Angespannt fixierten meine Augen die Schlafzimmertür, während meine Hände nach einer Waffe tasteten. Wo war mein Schwert? Erinnerungen an unser Gespräch tanzten kurz durch meinen Geist. Der Schirmständer neben der Garderobe. Dummkopf, Idiot, Trottel… Wie konnte ich nur so unvorsichtig sein? Meine stummen Beschimpfungen wurden durch das Drehen des Türknaufes unterbrochen und meine Finger schlossen sich um den nächstbesten Gegenstand. Kurz flackerten meine Augen darauf herab und ich stöhnte innerlich auf. Die Bibel! Wieso hatte Joe ausgerechnet eine gebundene Ausgabe der Bibel auf dem Nachttisch liegen?

Die Tür wurde aufgestoßen, eine dunkle Gestalt wurde von einem Lichtkranz umgeben. Ich konnte kein Gesicht erkennen, aber er war größer als Methos, hatte nichts von der schlanken, fitten Figur des älteren Unsterblichen. Stämmig und schwer waren die ersten Worte, die mir in den Sinn kamen, ließen keine Zweifel an der Tatsache, dass ich ihn nicht kannte. Als er zwei Schritte in den Raum trat, kam noch behäbig hinzu. Im schwachen Lichtschein konnte ich eine Waffe in seinen Händen glänzen sehen und besorgt dachte ich an Joe. Hoffentlich war der schon gefallene Schuss nicht auch ein tödlicher gewesen. Wie durch ein Wunder hatte mich der Eindringling immer noch nicht gesehen, dabei lag der Vorteil ganz eindeutig zusammen mit dem Licht auf seiner Seite. Er kam immer näher, stand nur noch drei Meter von mir entfernt. Mein Herz raste und ich hielt den Atem an, umklammerte immer noch die Bibel. Eine schwere gebundene Ausgabe der Bibel. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe, ließ kurzzeitig mein jüngeres nervöses Ich die Kontrolle übernehmen. Mr. Big inspizierte gerade meine Schuhe, die immer noch ordentlich am Fußende des Bettes standen. Eine bessere Chance würde ich nicht kriegen!

Lautlos schnellte ich aus meiner Hocke hoch und sprang auf ihn zu, die Bibel hoch erhoben, als würde ich ihn bekehren wollen. Dann sauste sie schon auf die Hand mit der Waffe nieder. Erschrocken stieß der Riese einen Schrei aus, ließ die Pistole fallen und fing meinen zweiten Schlag mit dem Buch der Bücher ab, riss es mir dabei aus den Händen und schleuderte es in eine Zimmerecke. Die kurze Zeit, die er damit beschäftigt war, nutzte ich, um ihm einen gezielten Schlag in die Seite zu versetzen. Der Riese ächzte kurz, holte selbst zu einem Schlag aus, den ich mühelos ausweichen konnte und taumelte von mir weg. Er musterte mich abfällig, zeigte mir deutlich, dass meine kleine Statur ihn wenig beeindruckte und zornig lächelte ich zurück. Diesen aufgeblasenen Mistkerl würde ich es auf jeden Fall nicht leicht machen.

Einen Moment herrschte Stille. Ich hörte meinen Herzschlag laut und stetig gegen meine Rippen schlagen. Tief durchatmend nahm ich eine bessere Verteidigungsposition ein und wartete. Mit einem Schrei warf sich mein Gegner auf mich, setzte alles auf seine überlegene Größe und Masse. Mit einem Tritt in den Magen zwang ich ihn wieder zurück, doch er erwischte meinen Arm, zerrte mich näher. Ich konnte gerade so den ersten Schlag abwehren, doch der zweite traf mich hart an der Schläfe und raubte mir für eine Sekunde die Orientierung. Eine Sekunde zu viel. Seine rechte Hand schloss sich um meine Kehle und drückte mich gegen die nächste Wand. Ich hörte irgendetwas splittern, heißer Schmerz brannte in meinem linken Bein. Joes Nachttischchen hatte wohl dran glauben müssen. Ich versuchte, seine Hand von meinem Hals zu ziehen, aber er schlug meinen Kopf hart gegen die Wand. Meine Sicht verschwamm, ein Röcheln kroch durch meine Kehle. Ich bekam keine Luft mehr, schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen. Er ließ meinen Kopf noch einmal gegen die Mauer hinter mir krachen, dann war ich plötzlich frei. Meine Beine gaben nach und ich sank zu Boden, mein Schädel dröhnte und ich schmeckte Blut. Geistig schrie ich meinen Körper an, sich zu bewegen! Aufzustehen, anzugreifen! Aber ich schaffte es nicht einmal, meinen Kopf zu heben. Als ich die Waffenmündung an meiner Stirn spürte, ging ein Schauer durch meine Glieder.

„Verdammtes Biest!“

Ich versuchte, irgendetwas zu sagen, doch meine Stimme versagte. Wahrscheinlich hätte es sowieso keinen Unterschied gemacht. Ich hörte nur noch das leise Klicken, als die Sicherung gelöst wurde. Der Schuss selbst ging in ewiger Dunkelheit unter.

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Der Mensch konnte sich an alles gewöhnen, außer an das Sterben. In den letzten Tagen bin ich so oft gestorben und doch war es jedes Mal aufs Neue ein schreckliches Gefühl. Und dabei war es noch nicht mal der Tot an sich, der mir so zu schaffen machte, sondern das ins Leben zurückkehren. Der erste Atemzug brannte sich die Kehle hinunter und ätzte sich durch jede Faser des Körpers, der erste Herzschlag erschütterte die ganze Welt und war so gewaltig, dass er Rippen zu brechen schien. Es schien mit den Jahren immer schlimmer zu werden und diesmal hatte es wohl einen neuen Höhepunkt erreicht. Mein Körper bäumte sich unter dem neuen Herzschlag auf und meine Nerven kribbelten und zuckten unter dem Blutfluss, der wieder eingesetzt hatte. Gequält stöhnte ich auf, als ich spürte, wie meine Schultern und Hände neue Schmerzwellen durch meinen Körper sandten und als meine Augen endlich wieder kooperierten, verstand ich auch warum. Meine Handgelenke waren in einem ungesunden Winkel verdreht und mit Handschellen an Gitterstäben über meinem Kopf befestigt. Meine Füße hatten kaum Kontakt mit dem Boden, der nur aus weichem Pulversand zu bestehen schien und die Käfigstangen um mich herum sagten mir, dass man hier wirklich auf Nummer sicher gehen wollte. Ansonsten war der Raum dunkel und vermittelte einen endlosen Eindruck. Ich sah die Decke nicht oder gar eine Wand. Ich schien in einem Käfig im Nichts angekettet worden zu sein, ein Gedanke, der mir nicht wirklich zusagte. Vorsichtig versuchte ich den Sand unter meinen Füßen anzuhäufen, um einen besseren Stand zu erhalten und tastete so gut ich konnte meine Fesseln ab, jedoch ohne großen Erfolg. Die Handschellen waren so eng, dass sie mir die Blutzufuhr abschnitten, der Sand so weich, dass meine Füße immer wieder darin einsanken. Um aus diesem Schlamassel zu entkommen, musste ich wohl einige Knochen brechen und Gelenke ausrenken, beides schmerzhaft und zeitaufwendig und ohne sicheren Stand schwer zu bewerkstelligen. Ich holte tief Luft, scharrte noch einmal so viel Sand zusammen, wie ich konnte, bevor ich meinen Daumen ausrenkte, doch kurz vor dem entscheidenden Ruck hielt mich eine samtig weiche Stimme davon ab.

„Ich würde keinen Muskel rühren, Duncan MacLeod. Es würde dir sowieso nichts nützen.“

Cassandra wanderte seelenruhig um meinen Käfig herum, lächelte mich sogar an und blieb dann lässig an den Käfig gelehnt stehen.

„Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, nicht wahr? Seit du diesem Monster das Leben geschenkt hast, denke ich.“

Das Lächeln wurde zuckersüß und mir stieg die Galle hoch. Wie konnte sie es wagen, sich auch noch über mich lustig zu machen? Hatte sie nicht schon genug Leid über mich gebracht?

„Was soll das? Was willst du von mir?“

Wieso lebte sie gerade an mir ihre perversen Rachegelüste aus? Sie zuckte nonchalant die Schultern.

„Es ist wirklich einfach, Duncan. Du warst schon immer mein liebstes Spielzeug, meine Zerstreuung. Alles, was man dir in den Weg wirft, überwindest du irgendwie. Es reizt mich, deine Grenzen zu erkunden. Leider musstest du dich gegen mich wenden. Strafe muss sein.“

Ich schüttelte ungläubig den Kopf, konnte nicht verstehen, wie ich diese Frau nur so falsch habe einschätzen können. Die unschuldige Maid war eine manipulative kleine Hexe.

„Lass mich frei und wir klären das ein für Allemal!“

Und hier brach sie in schallendes Gelächter aus, das laut in der leeren Halle widerhallte und mir endgültig klar machte, dass diese Frau nicht mehr bei Sinnen war. Es versetzte mir eine Gänsehaut.

„Aber Duncan! Wieso sollte ich so etwas Dummes tun?“

Sie keuchte und Lachtränen rannen ihre Wangen runter. Noch nie habe ich jemanden so realitätslos gesehen, so verloren in seiner eigene Welt. Cassandra stand ohne Verstand vor mir, eine mit Wut und Hass gefüllte Puppe der Frau, die ich mal kannte.

„Ich brauche dich schließlich noch. Gerade dich brauche ich noch! Denn nur für dich würde er herkommen, nur für dich!“

Meine Kehle schnürte sich zusammen, als diese Worte ihren Weg durch meine Gehörgänge fraßen.

„Mein Gott, was redest du da?“

Amüsiert warf sie ihr langes Haar über die Schulter, ließ ihre Finger sinnlich über die kalten Eisenstangen des Käfigs tanzen und warf mir so einen intensiven Blick zu, dass ich das Bedürfnis hatte, zurückzuweichen. Nein! Nein, nein, nein, nein…

„Doch, mein liebes Kind. Ganz richtig. Du musstest nur für einen Grund so leiden. Nur für diesen einen Grund. Es sind seine kleinen Schwächen, weiß du? Bittersüße Schwächen. Wenn er Menschen findet, die sein Interesse wecken, tut er seltsame Dinge. Er mag seine kleinen Experimente so sehr, dass er viel riskiert, um sie zu schützen. Du interessierst ihn sehr. Aber es fehlte eine Komponente, der er nie widerstehen kann. Hilflosigkeit. Da ist er so wie du, mein kleiner Liebling. Er versteckt es nur besser. Und du versteckst deine zerbrechliche Seele hinter zu dicken Mauern, als das er jemals alleine darauf gestoßen wäre. Also musste ich nachhelfen. Und bald wird er hier auftauchen, mit gezücktem Schwert und lodernden Augen und wird sich von mir töten lassen.“

Sie kicherte ungehalten. Doch ich schnaubte nur verächtlich. Cassandra war keine hervorragende Schwertkämpferin. Tatsächlich lag in diesem Plan jeder Vorteil bei Methos! Doch sie schien vollkommen von ihrem Vorhaben überzeugt.

„Er wird sterben, Duncan. Sein Leben für deinen Seelenfrieden. Und ist das nicht romantisch?“

Ich verlor die Geduld! Diese Hexe machte sich über mich lustig, suhlte sich vor mir in ihrem Wissen und warf mir nur Bröckchen hin. Wütend trat ich Sand in ihre Richtung, beschimpfte sie unflätig und zog ungehalten an meinen Fesseln, natürlich ohne Erfolg. Ihr Lachen erstarb und ein kalter analytischer Blick nahm dieses mit Esoterik erfüllte Gesicht ein. So unpassend und fremd, wie die ganze Person. Sie presste ihre Stirn an die Stäbe, um mich besser betrachten zu können und jede Wut in mir wurde durch Entsetzen ersetzt, als ihre farblosen Augen über meinen veränderten Körper huschten und alles in sich aufnahmen, wie ein Schwamm der Wasser in sich aufsaugte.

„Weißt du, ich habe lange überlegt, welche Epoche ich aus deinem Leben wieder auferstehen lasse. Welchen Körper ich wieder zum Vorschein treten lassen sollte. Ich habe dich noch lange beobachtet, nachdem wir uns das erste Mal getroffen hatten. Ja, ich sah dich aufwachsen, sah dich brennen unter deines Vaters Wut, unter Krieg, unter Hass. Diese Zeit hat so einen großen Effekt auf uns. Dabei ist alles so albern und banal. Ich wollte diese kleine Episode in deinem Leben zur Hölle werden lassen.“

Ruckartig stieß sie sich vom Käfig fort, drehte mir den Rücken zu und marschierte in die Dunkelheit davon. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, Schweißtropfen liefen mir eisig den Rücken und das Gesicht hinunter und ein leichtes Zittern hatte mich ergriffen. Ich hatte einem Monster in die Seele geblickt. Einem Jahrtausende altem Monster. War sie schon immer so gewesen? Hatte sie Methos dazu gemacht oder kam sie schon so verzerrt zu ihm? Ich biss mir nervös auf die Lippen. Methos... was würde sie mit ihm anstellen, wenn sie ihn endlich in ihre Fänge bekäme? Wie sehr würde der alte Mann für seine Taten bezahlen müssen? Ich schluchzte auf. Verzweiflung hatte mich ergriffen, schnürte mir die Kehle zu und ätzte sich bis in meinen Magen.

„Komm nicht hierher. Bitte, komm nicht hierher!“

Oh, Herr im Himmel, schicke ihn auf andere Wege! Führe ihn in Sicherheit! Ich betete und bettelte, aber eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Schließlich hatte mir Gott noch nie einen Wunsch erfüllt.

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Es mussten Stunden vergangen sein. Stunden, in denen ich verzweifelt versucht hatte, mich zu befreien, jedoch ohne Erfolg. Die Handschellen hatten sich als größeres Hindernis herausgestellt, als vorher angenommen und selbst verrenkte Finger konnten mich nicht aus ihnen befreien. Meine Arme waren taub geworden und ohne den Schmerz kam eine neue, wenn auch ungewöhnliche Qual hinzu. Langeweile. Meine ungestüme Natur war an so viel Unbeweglichkeit nicht gewöhnt und mein Geist stagnierte unter so viel nichts tun. Ich hatte mir am Anfang die Zeit mit Gedichten, Abzähl-, Kinder- und Merkreimen und sogar Eselsbrücken vertrieben. Ich rezitierte teilweise Shakespeare und gab mich hinreißenden Monologen hin, aber irgendwann war mein Gedächtnis erschöpft und müde. Also malte ich mit den Füßen Bilder in den Sand, bis er so zerwühlt war, dass man nichts mehr erkennen konnte. Verzweifelt griff ich zur letzten Taktik, die ich kannte. Ich summte Melodien, begann sogar lauthals einige Lieder zu singen, obwohl meine Stimme wohl nie dazu konzipiert wurde. Das fanden scheinbar auch meine Kidnapper, die sich in der dunklen Halle versteckt hielten. Einer von ihnen schüttete mir einen Eimer kalten Wassers ins Gesicht, funkelte mich im dämmrigen Licht, das meinen Käfig umgab, hasserfüllt an und hob drohend einen zweiten Eimer, doch ich schüttelte schnell den Kopf. Es war eiskalt in der Halle und das Wasser ließ mich noch lange unkontrolliert zittern. Egal, ich hatte mein Repertoire sowieso erschöpft. Mein Magen meldete sich, knurrte laut und für jedermann hörbar, doch das erbrachte keine Reaktion von den lautlosen Schatten um mich herum. Ich hatte bis jetzt drei zählen können, wusste aber nicht, was ich mit dem Wissen anfangen sollte. Ich verfiel in Lethargie, die mein ganzes Denken gefangen hielt.

So reagierte ich kaum, als ich eine Tür hörte, die schwer in ein Schloss fiel. Erst das Klicken eines Lichtschalters und die damit verbundene Helligkeit rissen mich aus meiner düsteren Gedankenwelt. Angestrengt blinzelnd versuchte ich mich zu orientieren. Schritte! Ich hörte Schritte und zwar hinter mir! Angestrengt versuchte ich meinen Kopf zu drehen ohne mir meinen Hals zu verrenken. Die Halle war kleiner als gedacht, nur die Decke schien endlos hoch zu sein. Meine drei Bewacher waren verschwunden und kurz fragte ich mich, ob sie überhaupt real gewesen waren oder nur eine müde Einbildung meines Gehirns. Dann wurde jeder Gedanke aus meinem Kopf vertrieben, als ich endlich denjenigen erkannte, der sich meinem Käfig näherte.

„Methos.“

Ich konnte nicht anders, als den Namen wie eine Offenbarung leise zu flüstern. Als würde ich dieser Welt ein Geheimnis verraten, das Frieden und Wohlstand brachte. Er war wirklich gekommen! Für mich! Mein Herz machte einen Hüpfer und mir wurde ein wenig wärmer. Er lächelte mich kurz an, bevor er sich an der Käfigtür zu schaffen machte, seine Hände ruhig und geübt. Ich platzte fast vor Freude. Niemals hätte ich gedacht, dass er so viel riskieren würde, nur um mir zu helfen! Cassandra würde... auf einmal fiel alles wieder an seinen Platz, meine Freude verwandelte sich in Entsetzen. Sie hatte auf ihn gewartet! Das hier war alles...

„Das ist eine Falle! Du musst gehen, sofort!“

Doch Methos rührte sich nicht von der Stelle, hantierte immer noch mit dem Schloss herum.

„Das weiß ich doch, MacLeod.“

„Was?“

Überrascht starrte ich ihn an, als wären ihm plötzlich zwei Köpfe gewachsen. Er wusste es? Und er war trotzdem hier?

„Wieso... wieso bist du...?“

Ich bekam die Worte nicht aus meinem Mund. Schon gar nicht, als er seine so wandlungsfähigen Augen auf mich richtete, so ernst und offen, wie ich sie noch nie gesehen hatte.

„Sie hat dich am Leben gelassen, Duncan. Wieso hätte sie das tun sollen? Wieso hätte sie das alles hier inszenieren sollen, wenn sie nicht wüsste, dass ich dich nicht zurücklassen würde. Niemals zurücklassen könnte. Ich kenne dich erst fünf Jahre, Duncan, aber in diesen Jahren habe ich mehr gelebt als in den 5000 davor. Und du glaubst, ich würde das aufgeben?“

Ich schluckte, erkannte in den Worten die tiefere Bedeutung. Wie konnte ich nur so blind sein? Wo Cassandras Augen das Monster entlarvt hatten, enthüllten Methos Augen eine empfindsame Seele, die mehr Leid gesehen hatte, als gesund für sie war.

„Sie ist...“

Methos Kopf ruckte herum, seine Hand griff nach seinem Schwert. Panisch ließ auch ich meine Augen durch die Halle huschen, bis sie auf der Hexe zur Ruhe kamen.

„... hier.“,

beendete sie für mich meinen Satz. Sie schlenderte gelassen auf uns zu, das Schwert locker in ihrer Hand baumelnd. Methos wich langsam vom Käfig zurück, sein Schwert fest in seinen Händen, wachsam und vorsichtig.

„Es ist schön, dass du freiwillig zum Sterben gekommen bist.“

Ihre drei Handlanger tauchten plötzlich hinter ihr auf, schnitten Methos endgültig von mir ab und postierten sich mit Schwertern bewaffnet um mich herum, wie eine feindliche Leibgarde.

„Wieso sollte ich kampflos sterben?“

Triumphierend lachte sie und streckte ihren freien Arm in meine Richtung.

„Weil sonst dein Duncan MacLeod für immer leiden müssen wird. Er wird für immer wehrlos gegenüber seinen eigenen Gefühlen sein und niemals einen anderen Unsterblichen mehr spüren können. Für immer wird er von einem Extrem ins nächste wanken, bis er eine unberechenbare Zeitbombe sein wird. Irgendwann wird jemand ihn töten müssen, weil er eine Gefahr für sich und die Gesellschaft geworden ist. Er wird dahin vegetieren, wie ein Tier im Käfig. Willst du das, Methos?“

Angst packte mich, raubte mir meine Stimme. Ich hatte kaum die letzten Tage überstanden! Ein ganzes unsterbliches Leben? Eilig schüttelte ich meinen Kopf, um wieder klar denken zu können.

„Was könnte mein Tot dagegen tun?“

Frag so etwas nicht, Methos! Es ist unwichtig! Unwichtig! Ihre Stimme wurde dunkler, rauer. Begierig beugte sie sich nach vorne, als ob der ältere Unsterbliche ihr schon sein Leben angeboten hätte.

„Alles! Der Fluch wird erst gelöst, wenn derjenige stirbt, der für ihn die Schuld trägt. Und das bist du, du Bastard. Nur wegen dir liegt dieser Fluch auf ihm. Weil du eine Bestie sein musstest! Nur wegen dir!“

Hilflos schüttelte ich den Kopf. Irrsinn! Wahnsinn!

Geh nicht darauf ein!

Zähne bleckend hob sie ihr Schwert und mit zwei schnellen Schritten stand sie vor ihm und ließ es auf Methos niedersausen. Nur knapp parierte der alte Mann den Schlag, stolperte zurück. Ich fluchte leise und begann von neuem an meinen Fesseln zu zerren. Ich musste mich befreien, irgendwie! Verzweiflung machte sich in mir breit. Wieder parierte Methos einen Hieb, setzte aber zu keinem Gegenangriff an. Er wirkte zögerlich! Der nächste Schlag sauste nur knapp an ihm vorbei und ich konnte nicht mehr an mich halten.

„Was tust du da, du Idiot? Kämpfe endlich!“

Er warf mir nur einen flüchtigen Blick zu, immer noch unentschlossen und ich spürte Tränen in meine Augen schießen. Was glaubte er, was er da tat? Wie konnte er auch nur annehmen, dass ich ohne ihn besser wegkommen würde? Lieber wurde ich verrückt mit Methos an meiner Seite, als wieder normal aber ohne ihn zu sein!

„Ich will nicht... ich will nicht ohne ihn sein.“

Ich flüsterte, kämpfte mit meiner Kontrolle. Methos schrie auf, sie hatte ihn an der Schulter erwischt.

„NEIN! Methos!“

Der alte Mann zog sich eilig aus ihrer Reichweite zurück, ließ die Wunde so gut es ging heilen, bevor er wieder sein Schwert mit beiden Händen packte.

Greif endlich an! Sie ist kein wirklicher Gegner! Greif an!

Doch Methos parierte wieder nur Schlag auf Schlag, tänzelte um sie herum. Diese verdammten Handschellen wollten nicht nachgeben, gaben mir keine Chance, mein wild pochendes Herz zu beruhigen. Tränen tropften unter mir in den Sand und innerlich verfluchte ich mich für meine Schwäche, meine überzogenen Gefühlsausbrüche. Aber lieber für immer über jede Kleinigkeit zerbrechen, lieber vor emotionaler Qual zergehen, als diesem Weibsstück Methos Leben vor die Füße zu werfen.

Eine schwere Erschütterung brachte mein Gefängnis zum Beben und die Gitterstäbe zum Vibrieren, so dass ich es sogar in meinen Handgelenken spürte. Erschrocken wand ich mich wieder dem Kampf zu, der nun in noch schrecklicheren Bahnen zu laufen schien. Methos lehnte schwer mit dem Rücken an meinem Käfig, Blut lief ihm den Arm hinunter. Cassandra stand über ihn wie eine Königin. Ihr Blick war vor Verzücken verzerrt. Erstickt von den Tränen würgte ich meine Worte heraus.

„Nicht… sterben. Bitte nicht… sterben.“

Ob er mich überhaupt hören konnte? Seine Schultern waren so angespannt, als stände er unter Strom und meine Hoffnung sank noch tiefer in die dunklen Abgründe meiner Selbst als er keine Anstalten machte, sich dem nächsten Angriff von ihr zu entziehen. Mein Atem stockte und einen Moment blitzte eine Welt ohne diesen Mann vor meinem inneren Auge auf, doch da duckte er sich in der letzten Sekunde zur Seite. Aufatmend senkte ich kurz den Blick, wollte einen Moment unwirklichen Frieden genießen, bevor Krieg wieder die Oberhand gewann, doch überrascht hielt ich inne. Dort lag etwas im Sand! Angestrengt versuchte ich es mit meinem Fuß zu erreichen, schaffte es, den Gegenstand etwas näher zu ziehen. Mein Magen machte einen Sprung. Der Dietrich! Methos Dietrich, mit dem er versucht hatte, die Käfigtür zu öffnen! Vorsichtig warf ich einen kurzen Blick auf meine Bewacher, doch die waren von dem Spektakel so abgelenkt, dass sie es wohl nicht mal bemerkt hätten, wenn ich wieder angefangen hätte zu singen. Wieder streckte ich meinen Fuß aus, zum ersten Mal an diesem Tag froh, dass ich keine Schuhe trug und zog den Dietrich noch näher, bis ich ihn mit den Zehen zu greifen bekam.

Methos duckte sich noch immer, parierte mehr, als dass er angriff, doch ich versuchte mir einzureden, dass der alte Mann einen Plan hatte. Einen Plan, den natürlich nur er verstehen konnte, aber dieser Dietrich gehörte ganz sicher mit dazu und ich musste nur dem Offensichtlichen folgen und alles würde gut werden. Zum hundertsten Mal klaubte ich den weichen Sand unter mir zusammen, bildete einen kleinen Hügel auf dem ich verzweifelt einen festen Stand suchte und richtete mich auf den Zehenspitzen auf. Gleichzeitig erweckte ich meine tauben Finger wieder zum Leben, versuchte, die Gitterstäbe über mir zu packen und tatsächlich! Mit einem angestrengten Keuchen zog ich mich an den Armen in die Höhe. Feuer brannte in meinen Adern, als meine Arme nach Stunden der Tortur auf einmal solche Leistungen zu vollbringen hatten. Entschlossen biss ich mir auf die Unterlippe, schmeckte sehr bald Blut, doch es war mir egal. Ich durfte meine Bewacher nicht auf mich aufmerksam machen, durfte jetzt nicht patzen. Unter Schmerzen hievte ich meine Beine nach oben, bis ich mit einer Hand den Dietrich zwischen meinen Zehen erreichen konnte, dann stocherte ich blind nach dem Schloss. Was sonst nur Sekunden dauerte, weitete sich bald auf Minuten aus und meine Ohren nahmen überdeutlich die harten Schläge der Schwerter wahr, die manchmal schnell hintereinander, dann wieder langsam und sporadisch erklangen. Und dann übertönte ein Klicken für eine Sekunde die harten Schläge von Metall auf Metall und meine Finger der rechten Hand rutschten kraftlos von den Gitterstäben. Diesmal konnte ich mir einen Aufschrei nicht unterdrücken und der Dietrich rutschte mir aus der immer noch tauben und gefesselten Hand. Fluchend suchte ich den Boden unter mir ab.

„Hey, was machst du da?“

Überrascht hob ich den Kopf und erstarrte, als ich den Kerl mit dem Wassereimer wiedererkannte, der sich gerade an der Käfigtür zu schaffen machte, ein Säbel fest umklammert. Panisch schüttelte ich meinen freien Arm, tat alles, damit das Blut schneller wieder in seine Bahnen zurückfand, doch da knarrten schon die Scharniere der Tür und ich hielt inne.

„Wie hast du das gemacht, du kleine Ratte?“

Ich blinzelte kurz zu Methos, nahm aber nur noch verschwommene Gestalten wahr, die sich durch die Halle bewegten, bevor ich mich wieder auf mein Gegenüber konzentrierte. Ein orientalischer Säbel wurde an meine Kehle gepresst, wütende Augen bohrten sich in meine eigenen. Meine Kehle schnürte sich zusammen, als ich seine andere Hand in meinen Haaren spürte. Sie packten so fest zu, dass er sicher welche herausriss.

„Wie?“

Ich schluckte, spürte die Klinge über meinen Adamsapfel kratzen und biss mir nervös auf die Lippe. Ruckartig zog er meinen Kopf noch weiter zurück.

Wie?“,

zischte er mich an und ich senkte meinen Blick zu Boden, direkt auf den kleinen schwarzen Dietrich zu meinen Füßen. Sein Blick folgte meinem, er grinste abfällig. Mit einem warnenden Blick in meine Richtung bückte er sich langsam, die Klinge immer noch sicher an meinen Hals. Zittrig flatterten meine Augenlider zu, nur eine Sekunde, bevor ich abrupt mein Knie hob und gleichzeitig nach der Klinge griff, die gefährlich zuckte, bevor sie ihm aus der Hand rutschte. Ich hatte eine Punktelandung gemacht und ihn am Kinn erwischt. Er taumelte stöhnend zurück, laut fluchend und Blut spuckend. Ich schwang wild mit dem Schwert, sorgte damit, dass mir dieser Mistkerl nicht mehr näher kommen konnte. Doch was machte ich jetzt?

„JOHN!“

Der Mann, der mich in Joes Gästezimmer niedergeschossen hatte, erschien in der Tür. Hinter ihm stand auch der letzte meiner Wachmannschaft. Krampfartig packte ich den Säbel fester.

„Ich hab dir gesagt, der Kleine ist eine miese Plage.“

John zog sein Schwert, ein großes grobschlächtiges Ding, und ließ es schwer auf mich niedersausen. Nur mit Mühe konnte ich den Schlag abwehren, doch schon der zweite riss mir fast die Klinge aus der Hand. Mein Arm war noch nicht ganz in seiner alten Form und neuer Schmerz entbrannte in ihm. Als der Kolos für einen dritten Schlag ansetzte, stieß plötzlich sein bis jetzt stiller Kumpane ihn zur Seite.

„Schluss damit. Ich weiß was Besseres.“

Bevor ich überhaupt reagieren konnte, hallte ein Schuss durch die Halle, ließ auch den Schwertkampf der zwei älteren Unsterblichen verstummen. Die Kugel bohrte sich in meine Schulter, riss mich nach hinten, der Säbel fiel aus meinen schlaffen Fingern. Auf einmal füllte John mein Blickfeld aus.

„Ich habe genug von diesen Spielchen. Jetzt kommt der letzte Streich.“

Und er schwang sein Schwert weit zurück, sein Ziel nicht mehr mein Körper per se, sondern mein Kopf. Angst strömte durch mich, ließ mich meine Augen zusammenkneifen und mein Gesicht abwenden, als ob es mich schützen könnte vor dem was unzweifelhaft kommen würde. Niemals hätte ich gedacht, dass ich so sterben würde. Gefesselt, gefoltert, von einem Mann dessen Name ich nicht einmal kannte.

„Duncan!“

An meinem Ohr spürte ich einen Luftzug, Metall krachte auf Metall, Methos Stimme hallte in meinem innersten wieder und als nach einigen Sekunden nichts weiter passierte, öffnete ich zögerlich die Augen. Johns vor Entsetzten aufgerissene Augen starrten mich an, ein schmerzhaftes Röcheln entkam seiner Kehle, dann sackte er langsam zu Boden. Nun übernahmen goldbraune Augen meine Welt. Methos. Mein Methos. Und auf einmal schüttelten Schluchzer meinen Körper, raubten mir den Atem, raubten mir die Fähigkeit, ein vernünftiges Wort hervorzubringen. Verzweifelt streckte ich ihm meinen Arm entgegen, die Schmerzen vergessen, alles vergessen. Er zog mich in eine feste Umarmung, der Knauf seines Schwertes drückte mich im Rücken. Egal. In diesem Moment wollte ich ihn nie wieder loslassen, klammerte mich an ihn, wie ein Kind, schlang meine Beine um ihn. Ich spürte seine Fingerspitzen auf meiner Kopfhaut, seine Lippen auf meiner Stirn. Seine Stimme vibrierte durch mich, doch ich verstand die Worte nicht, vergrub mein Gesicht nur noch tiefer in seinem staubigen und löchrigen Pullover. Ich roch Blut, Schweiß und einen Hauch Aftershave. Nie wieder wollte ich loslassen, nie wieder!

Für einen Moment stand die Welt still und Gefahr verlor Substanz und Form. Methos schwere Atemzüge übernahmen meine Wahrnehmung, ließen mich kurz innehalten. Tod… Ich konnte es kaum begreifen, kaum fassen. Wie sehr musste man sich verändern, wie sehr musste man seine Ansichten und seinen Charakter verbiegen, um ein vollkommen anderer Mensch zu werden? Mein Herzschlag beruhigte sich ein wenig, der Sturm in meinem Kopf wurde stiller. Ich hob meinen Kopf von Methos Schulter und starrte direkt in Cassandras kalte Augen. Sie stand wie aus Stein gemeißelt in der kleinen Tür, zu ihren Füßen ihre drei Handlanger. Angewidert wandte ich mich ab, zog noch einmal Wärme und Kraft von Methos Armen um mich herum.

„Mir ist egal, was mit mir passiert.“

Noch immer tropften mir die Tränen über die Wangen, ließen mein Flüstern erstickt und kraftlos klingen. Doch ich spürte, wie sich der Griff um mich festigte. Sanft zwang er mich ihm in die Augen zu sehen.

„Sag das nicht. Es ist eine Lüge.“

Hilflos schniefte ich leise, biss mir wieder auf die sowieso schon blutige kaputtgebissene Lippe. Es war nicht fair! Nichts war hier fair!

„Es tut mir leid. Ich… ich will nicht… Ich will nicht ohne dich… Bitte…“

Ich atmete einmal tief durch. Meine Augen wanderten wieder zu Cassandra, die grausam lächelte.

„Ich will dich nicht verlieren. Nicht an sie. An niemanden… Ich weiß, ich bin unerträglich… so wie ich jetzt bin, aber… ich mach keinen Ärger. Ich verkriech mich einfach an einem sicheren Ort und niemand muss auf mich aufpassen oder sich sorgen… Du kannst genauso weiterleben wie bisher. Es ist okay…“

Methos seufzte nur, dann befreite er mich mit einem gezielten Schwerthieb von meiner letzten Fessel. Schmerzhaft fiel mein Arm hinunter, nutzlos und schlaff. Meine Hand verkrampfte sich in Methos Pullover und ich stöhnte auf. Beruhigend strich er mir über den Rücken, wartete, bis ich wieder klar denken konnte, bevor er mir den Säbel von einem meiner Angreifer in die Hand drückte. Ungeschickt hielt ich ihn in einer Hand. Das Schwert war schwer und klobig. Mit Säbeln kam ich nicht so gut zurecht. Unsicher blickte ich zu Methos auf und konnte mich auf einmal nicht mehr zurückhalten. Eine kindliche Phase hatte mich ergriffen.

„Es ist alles ihre Schuld. Sie und ihr Wahnsinn. Ihre Schuld…“

Und plötzlich wurde Methos Gesicht nachdenklich.

„Glaubst du das wirklich?“

Wenn ich mir bei einer Sache sicher war, dann diese. Ich nickte energisch und wurde mit einem strahlenden Lächeln belohnt. Dann wurde ich in eine kräftige Umarmung gezogen, Methos Lippen attackierten meine. Erschrocken keuchte ich auf, gab ihm damit Gelegenheit plündernd über mich herzufallen. Und alles was ich unter so einem Angriff tun konnte, war nachzugeben. Ihm alles zu geben, was er wollte, denn wer wusste schon, was in diesem Gehirn gerade sich zu einem neuen Plan verbunden hatte? Hoffentlich beinhaltete dieser Plan ihrer beider Sicherheit.

„Genug jetzt!... Ich sagte genug!... DAS REICHT!“

Aus meinem Augenwinkel sah ich, wie Cassandra ihr Schwert hob. Eilig stieß ich Methos von mir, sprang selbst in die andere Richtung und prallte hart gegen die Gitterstäbe. Ihre Klinge fuhr eine tiefe Furche in den feinen Sand.

„Oh, das gefällt dir nicht, was? Das sich dein Plan plötzlich gegen dich wendet! Und das nur, weil du dumm warst! Duncan zu deinem Feind zu machen war das dümmste überhaupt!“

Methos verspottete sie. Aber auf eine Art, die ich nicht verstand! Verwirrt rappelte ich mich wieder auf, Cassandras wütende Gestalt immer im Blick und versuchte, der Tür etwas näher zu kommen. Doch auf einmal sprang sie mit gezückter Klinge auf mich zu! Verzweifelt packte ich den schweren Säbel fest mit beiden Händen und fing ihren unkontrollierten Schlag knapp vor meinem Brustkorb ab. Sie schrie vor Wut, holte noch einmal aus. Doch Methos packte sie am Arm, zerrte sie zu sich herum.

„Oh nein! Ich bin dein Gegner, du falsche Schlange!“

Keuchend schüttelte ich meinen noch schmerzenden Arm, wich dabei wieder von der Käfigöffnung zurück und damit auch von Cassandra. Und das war auch gut so, denn mit einem wilden Schwinger ließ sie ihr Schwert diesmal auf Methos niedersausen. Sie verfehlte mich in dem engen Raum nur knapp, streifte aber die Gitterstäbe, verlor deswegen ihr Gleichgewicht und einen großen Teil ihrer Kraft, so dass die Klinge eher harmlos Methos Schwert traf und an der Schneide hinab rutschte. Methos Fuß schnellte vor, traf sie in der Kniekehle. Sie schrie auf, warf sich auf die Seite, rollte von ihm weg und stürzte fast über einen ihrer Handlanger am Boden. Mit einem Satz folgte er ihr, schlug mit einem geschickten Dreh des Handgelenks ihr das Schwert aus der Hand und hatte plötzlich sein Schwert an ihre Kehle gedrückt. Angst blitzte kurz in ihren Augen auf, dann verdrängte Überzeugung jedes andere Gefühl aus ihrem Gesicht.

„Du wirst ihn nicht…“

Doch der alte Mann ließ sie nicht ausreden, schlug ohne zu zögern zu. Löschte das ewige Leben, das er ihr gegeben hatte, nun für immer aus. Schlaff fiel der leblose Körper zu Boden, einer Puppe gleich, die ihrer Fäden beraubt wurde und Methos drehte sich mit ernstem Gesicht zu mir um, starrte mich an, eine Mischung aus Trauer, Angst und Sorge in seiner Miene. Mein Herz raste. War es die richtige Entscheidung gewesen? War ich jetzt wirklich für immer… so?

Ein Blitz zuckte auf Methos hinab, fraß sich wütend in das Metall des Käfigs und schickte seine Energie auch durch meinen Körper. Erschrocken keuchte ich auf, wollte einen Schritt in die Käfigmitte gehen, doch wie ein Magnet zog mich Cassandras Seele an das Gitter zurück. Ich schrie, hörte das Echo aus Methos Kehle widerhallen. Verschwommene Bilder tauchten vor meinen Augen auf. Wüste, ein alter Mann, Methos, das Gesicht mit blauer Kriegsbemalung, Kronos… Meine Beine gaben unter mir nach, der Säbel glitt aus meiner kraftlosen Hand. Der Sturm um uns ließ nach, hinterließ eine unheimliche Stille, die nur durch das schwere Atmen von Methos und mir unterbrochen wurde. Noch immer tanzten fremde Erinnerungen durch meinen Kopf. Stöhnend vergrub ich meine Hände in meinen schwarzen Haarschopf, kniff meine Augen zusammen.

„Duncan, sieh mich an.“

Kalte Hände schlossen sich um meine Handgelenke, zogen bestimmt meine Hände aus meinen Locken, nur um sich selbst in ihnen zu vergraben.

„Komm schon. Sieh mich an.“

Ich blinzelte, richtete meinen Blick auf Methos Gesicht. Er hatte sich wirklich nicht verändert. Genauso hatte ihn Cassandra zum ersten Mal gesehen. Das schmale Gesicht, die etwas größere Nase, diese unergründlichen Augen… Nur die Haare hatten der Mode Platz machen müssen. Meine Finger zitterten, als ich sie an seinem Unterkiefer entlang führte und mir wurde bewusst, wie seltsam abwesend ich mich fühlte. Wie taub plötzlich alles in mir war. Ich holte Atem, öffnete meinen Mund, wollte Fragen, ob es Methos auch so erging, konnte jedoch meine Stimme nicht finden. Stattdessen lehnte ich mich ihm entgegen, schlang meine Arme um seinen Hals, drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor ich mich an ihn drängte und mit einer seltsamen Ruhe seinem Herzschlag lauschte.

„Okay… Ich bring dich besser nach Hause.“

Er zog mich hoch und als er merkte, dass ich keine Anstalten machte, mich von ihm zu lösen, hob er mich mit einem Seufzen auf seine Arme. Sein Schwert drückte mir ans Bein. Der kalte Stahl hätte eigentlich ein Schock auf meiner überhitzten Haut sein müssen, doch ich spürte es kaum, fühlte fast gar nichts außer Methos Herzschlag, der sich durch meinen Gehörgang zu fressen schien und das heben und senken des Brustkorbs unter mir. Leben…

Mühselig stieg mein Retter über die leblosen Körper von Cassandras Handlangern hinweg, bückte sich vorsichtig durch die kleine Tür. Wie lange lagen sie da schon? Wie lange würde sie da noch liegen? Ich verlor langsam den Faden, verlor klare Gedanken in den leeren Raum um uns und müde schloss ich die Augen.

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Das Gefühl, dass ein anderer Unsterblicher in meiner Nähe war, weckte mich, ließ mich blind nach meinem Schwert tasten, während ich mich aus dem Bett rollte. Kein Schwert, auch kein Parkett unter meinen Füßen, obwohl mein ganzes Loft damit ausgelegt war. Nicht meine Wohnung, schoss es mir durch den Kopf. Also auch nicht mein Bett, schickte mein Hirn den zweiten Gedanken hinterher. Ein Déjà-vu… Vorsichtig lugte ich über die Matratze hinweg, suchte die vermeintliche Gefahr, nur um in Methos amüsiertes Gesicht zu blicken.

„Gute Reaktion. Sehr elegant. Aber dein Gesichtsausdruck verrät einfach zu viel.“

Ich entspannte mich ein wenig, kletterte wieder auf das Bett zurück und ließ meinen Blick weiter durch das Zimmer schweifen. Es fehlte ein wenig Farbe, etwas Wärme…

„Wo sind wir hier?“

Methos setzte sich neben mich.

„Bei mir zu Hause. Joe und ich dachten, es wäre erst einmal sicherer, da die drei Clowns der Lady verschwunden sind. Joe behält das Loft unter Beobachtung und wenn nach ein paar Tagen nichts passiert, kannst du wieder einziehen. Bis dahin bist du wohl mit mir hier gestrandet.“

Oh… Ich war noch nie in Methos neuer Wohnung gewesen, hatte aber schon bei unserer ersten Begegnung seinen ausgefallenen Stil bemerkt. Neugierde flüsterte mir leise ins Ohr, wollte auch die anderen Zimmer sehen, doch erst mussten andere Dinge geklärt werden.

„Wie geht es Joe? Ich hörte Schüsse, bevor dieser Kerl ins Zimmer kam.“

Beruhigend lächelte Methos, deutete auf seine rechte Schulter.

„Traf mich genau hier. Joe ist nichts passiert.“

Erleichtert nickte ich, bevor ich mich dem zweiten Punkt in meinen Gedanken zuwandte.

„Was passiert jetzt mit mir?“

Schließlich war ich nun ein hormonelles Wrack und untauglich für die Gesellschaft! Ich könnte auf meine kleine Insel verschwinden. Sie lag abgeschieden und auf heiligem Boden.

„Ich würde einen plötzlichen Wachstumsschub erwarten und eine große Ladung inneren Frieden.“

„Was?“

Er blinzelte mich kurz verwirrt an, dann erhellte Verstehen seine Augen.

„Oh, Duncan! Ist dir denn nicht was aufgefallen?“

Sachte brachte ich meine Gedanken zum stehen und überdachte meine ersten Minuten Bewusstsein.

„Als du aufgewacht bist. Was hat dich da geweckt?“

Genervt verdrehte ich meine Augen. Wenn er es wusste, sollte er mir das sagen und keine Spielchen mit mir spielen. Aber gut, tat ich ihm eben den Gefallen. Was hatte mich geweckt?

„Du. Du hast mich geweckt.“

Methos Augenbrauen wanderten erwartungsvoll nach oben und auf einmal machte es Klick.

„Ich habe dich gespürt! Ich habe…!“

Aufgeregt sprang ich wieder vom Bett auf und blickte mich suchend um.

„Sehe ich anders aus? Ist irgendwas anders?“

Methos schüttelte lachend den Kopf.

„Nein. Nein, tut mir leid. Aber das wird wohl noch ein wenig dauern.“

„Aber wie ist das überhaupt möglich? Sie sagte doch, der Fluch würde sich erst lösen, wenn derjenige stirbt, der an ihm die Schuld trägt!“

Methos Lächeln wurde weicher, wehmütiger.

„Und das ist auch geschehen, nicht wahr?“

Als er meinen verständnislosen Blick sah, seufzte er auf.

„Magie ist nicht so festgeschrieben, wie du vielleicht denkst. Wer die Schuld trägt, kommt immer auf den Betrachter an. Und du hast selbst festgelegt, dass für dich sie die Schuld trug. Du warst der betroffene Teil des Fluchs, also war deine Überzeugung maßgebend. Für dich war sie schuldig, also war sie es auch.“

Ungläubig schüttelte ich meinen Kopf. War es wirklich so einfach? Konnte man mit nur einem Gedanken den Ausgang eines Fluchs verändern? Kein Wunder, dass es nie Beweise oder Zeugen von Magie gab, wenn sie so unbeständig war. Methos Miene verriet mir, dass auch er mit dieser Erklärung keinen Frieden schließen konnte, obwohl er schon 5000 Jahre Zeit dazu gehabt hatte.

„Es wird alles etwas länger dauern, aber der Fluch wird verschwinden und du wirst wieder du selbst sein. Und jetzt denke ich, du könntest ein schönes Bad gebrauchen. Und danach was zu Essen. Zum Bad geht es da lang.“

Sanft schob er mich durch die Badezimmertür, legte mir noch einige Sachen von sich zum Anziehen zurecht und verschwand dann wahrscheinlich Richtung Küche. Mein erster Blick wanderte zum Spiegel. Noch immer starrte ein wild aussehender Jugendlicher zurück, doch ich erkannte den Unterschied in den Augen. Mich hetzte nicht mehr meine eigene Unruhe. Meine Emotionen zerrten nicht mehr an mir. Bedächtig ließ ich mir ein Bad ein, schmunzelte über Methos Badezusatz-Möglichkeiten, entschied mich für die neutralste Variation, die ich finden konnte und sank bald in das heiße Wasser. Frieden… Wohliger Frieden.

Ich ließ mir Zeit, genoss das lang vermisste Gefühl von Ausgeglichenheit und ließ meine Gedanken treiben. Sie schienen alle nur ein Ziel zu haben und ich konnte mein Lächeln nicht unterdrücken. Methos, mein strahlender Ritter. Nun, vielleicht nicht immer strahlend, aber… ganz schwarz auch nicht. Grau war einfach zu simpel und langweilig. Mir fiel auf einmal die blaue Gesichtsbemalung wieder ein, die in Cassandras Erinnerungen so präsent gewesen war. Strahlendes blau…

Ich stieg aus der Wanne, trocknete mich ab und griff zu meinen neuen geliehenen Kleidern. Wieder zu groß, aber ich zuckte nur mit den Schultern. Ich würde wieder wachsen und ich hatte Zeit. Barfuß machte ich mich auf die Suche nach Essen, folgte dem Geruch von gebratenem Fleisch und würziger Soße und wurde gleich mit einem gefüllten Teller begrüßt.

„Ausgehungert?“

Ich grinste nur. Meine letzte Mahlzeit war vor… zwei Tagen? Eine Ewigkeit! Und wieder bestätigte sich nur, was ich mir insgeheim immer gedacht hatte! Methos hatte die Jahre über seine Kochkünste vor mir versteckt! Wenn es schicklich gewesen wäre, hätte ich noch die Soße vom Teller geleckt, doch so musste ich wohl damit leben, dass ich zwar Manieren zeigte, aber frustriert dem Teller hinterher sehen musste, als Methos den Tisch abräumte. Nun gut, ich würde es überleben. Außerdem, wo ich jetzt meine zwei großen Grundbedürfnisse gestillt hatte – Sauberkeit und Essen -, war ich jetzt auf andere Dinge aus. Methos setzte sich mir gegenüber und lächelnd stützte ich meinen Kopf auf meine Hand und betrachtete ihn mir etwas genauer. Ich hatte mir dafür nie wirklich Zeit genommen, hatte immer andere Sorgen oder wichtige Pläne, die ausgeführt werden mussten. Nun, ich hatte die Jahre über was verpasst! Mir war nie diese Zeitlosigkeit an ihm aufgefallen. Ich konnte ihn mir gut am Hofe König Ludwigs vorstellen, aber genauso gut auf der nächsten Disco-Tanzfläche. Er hatte etwas Europäisches an sich, doch er würde nicht unter einem Haufen Amerikaner hervorstechen. Die Augen waren das einzige Merkmal, das in jeder Epoche aufgefallen sein musste. Grün-braune Augen, die je nach Lichteinfall einmal mehr braun oder mehr grün erschienen. Und 5000 Jahre Übung diesen Umstand ausnutzen zu können. Hier im lichtdurchfluteten Wohnbereich wirkten sie fast farblos, als würden sich die Farben gegeneinander aufheben. Das dunkle kurze Haar wirkte eher zweckmäßig, war nicht besonders auffällig gestylt, aber es passte zum Gesamtbild so gut, dass er ohne jeden Zweifel von seinen Mitmenschen als gutaussehend eingestuft wurde.

Für mich war gutaussehend nicht das richtige Adjektiv. Wenn man es einmal geschafft hatte, diesen Mann zu einem richtigen Lächeln hinzureißen, war attraktiv das Mindeste. Ich hatte ihn sogar schon von Herzen Lachen sehen und mit einem leichten Sprung im Herzen war er für mich einfach Methos. Es gab kein geeignetes Wort, um ihn in so einfache Schubladen wie gutes Aussehen, schlechtes Aussehen zu stecken. Methos stand über solche engstirnigen Kategorien.

„Was starrst du mich so grübelnd an, Highlander? Muss ich mir Sorgen machen?“

Sorgen? Nein, sicher nicht. Diesmal nicht. Ich stand auf, umrundete den Tisch und ließ mich ungefragt in seinen Schoß nieder. Seine Arme schlangen sich augenblicklich um meine Taille. Ich nahm mir, wonach ich schon die ganzen Tage gehungert hatte, forderte den Kuss ein, der schon viel zu lange überfällig war. Meine Hände zupften seinen lockeren Pullover nach oben, fanden ihren Weg über nackte Haut. Keuchend löste er den Kuss.

„Ist das hier eine bizarre Form der Belohnung?“

Ich lachte, während ich atemlos seinen Unterkiefer mit meinen Lippen attackierte.

„Vielleicht. Für das gute Essen.“

„Tss, da lass ich mich fast von einer verrückten Hexe umbringen um dich zu retten, aber die Belohnung kriege ich für die Tätigkeit am Herd. Dabei dachte ich, dass Helden etwas mehr Anerkennung bekommen.“

Widerwillig löste ich mich kurz von dem anderen Mann, um ihm ernsthaft in die Augen zu blicken.

„Keine Anerkennung, kein Ruhm, keine Dankbarkeit. Wenn man Glück hat, ist man noch einigermaßen heil und hat ein wenig Ruhe bevor das nächste Unheil heraufzieht.“

Dann grinste ich ihn doch wieder an.

„Zugegeben, Ruhe will ich dir gerade nicht gönnen.“

Mit einem Ruck zog er mich wieder näher an sich heran, flüsterte mir leise ins Ohr:

„Ruhe ist überbewertet.“

Sanft schob er mich von seinem Schoss, nur um mich mit Bestimmtheit in Richtung Schlafzimmer zu bugsieren. Ich ließ mich aufs Bett fallen, zog ihn zu mir herunter, verlangte einen Kuss, denn ja, ich war einfach süchtig danach, ich gab es zu. So süchtig, wie er scheinbar nach meinen Haaren war. Er webte seine Finger durch meine Locken, hungrig auf mehr. Ungeduldig befreite ich ihn aus seinem Pullover, ließ ihn achtlos auf den Fußboden fallen, bevor ich mich an seinem Hosenknopf zu schaffen machte. Methos keuchte, murmelte etwas, was ich nicht verstand, zerrte nun auch ungeduldig an meiner Kleidung bis mein Pullover neben seinem auf dem Boden landete. Seine Lippen wanderten meinen Hals hinunter und stöhnend reckte ich mich ihm entgegen, wollte mehr, wollte alles.

Meine unruhigen Finger hatten auch endlich den Reißverschluss der Jeans überwunden, schoben das störende Stück Stoff bis zu den Kniekehlen, fanden ihren Weg die Oberschenkel hinauf und unter den dünnen Stoff der Boxershorts. Stöhnend löste er seine Lippen von meiner Haut, richtete seinen Oberkörper auf, so dass er über mir kniete und zerrte mir die zu weite Hose von den Hüften, kümmerte sich nicht im geringsten um Knöpfe, Reißverschlüsse oder Unterwäsche. Hungrig starrte er auf mich hinab, die Augen ein stürmisches Grün und mein Puls raste unter seinen Händen, ließ das Blut in meinen Ohren rauschen. Ich befreite ihn nun endgültig von allen Kleidungsstücken, wollte Gleichstand bevor das Spiel wirklich begann.

Gierige Hände nahmen mich in Besitz, verwöhnten, bereiteten vor, verlangten… und ich gab so gut ich konnte, fühlte so viel wie mein Verstand fassen konnte. Hilflos klammerte ich mich an ihn, als sein Körper rhythmisch gegen meinen rieb, seine Lippen meine suchten, verloren, wieder fanden. Und als nach einer Ewigkeit die süße Erlösung kam, das ewige Hoch, der kleine Tot… Und war es vielleicht ein Stück Ewigkeit, das wir verloren? Ein Stück Unendlichkeit tauschten gegen süße Stunden? Und war dieser Tausch nicht mehr als nur gerechtfertigt, unser gutes Recht für einen Augenblick in dieser Zeit mit allen anderen zu leben! Zu Leben im Hier und Jetzt!

Müde kuschelte ich mich an ihn, lauschte dem so alten Herzschlag, der schon vor mir diese Welt mit seiner Melodie erfüllte und – ja, ich war mir sicher – es auch noch lange nach mir tun würde. Vielleicht schaffte ich es ja, einen neuen Takt in die Melodie einzubauen.

„Und schon wieder grüblerisch. Scheinbar lass ich nach.“

Lächelnd rückte ich noch etwas näher an ihn heran, legte meinen Kopf nun auf seine Schulter.

„Warum sieht es hier so unwohnlich aus? So unpersönlich?“

Methos seufzte, ließ seine Hand wieder in mein Haar wandern – und was war das nur für ein Fetisch, den er da entwickelte? – und schwieg. Ich ließ ihn. Es war sowieso nicht das, worüber ich nachgedacht hatte, war mir nur so in den Kopf gesprungen, als ich wieder auf die leeren öden Wände blicken musste.

„Es liegt wohl daran, dass ich hier kaum wohne. Wenn ich in der Stadt bin, lande ich meist bei dir, manchmal sogar bei Joe. Hier bin ich kaum.“

„Umständlich.“,

murmelte ich. Strich mit dem Finger sachte über sein Kinn. 5000 Jahre…

„Wie meinst du das?“

Ich zuckte die Schultern, so gut ich das in meiner Position konnte.

„Wozu eine Wohnung, wenn man sowieso nicht darin wohnt. Ich sagte schon immer, du könntest bei mir einziehen.“

Wieder folgte Schweigen und wieder ließ ich ihn, wusste, dass er sich schwer binden konnte. Besonders an einen Unsterblichen… besonders an mich.

„Du hältst es mit mir 24 Stunden am Tag aus? Ernsthaft?“

„Das solltest du dich lieber selbst fragen. Ich weiß, dass es selten ruhig bei mir ist. Aber ich hoffe, dass sich das irgendwann legt. Und natürlich habe ich einige Bedingungen.“

„Bedingungen, natürlich.“

Ich nickte.

„Ich habe einen gewissen Ordnungssinn. Tut mir leid, aber er verlangt einen gewissen Grad an Sauberkeit.“

Methos lachte leise auf, bedeutete mir, weiterzumachen.

„Nun, du wirst dich nicht mehr vorm Kochen drücken können.“

Er nickte ergeben, aber mit einem spitzbübischen Lächeln, das mich misstrauisch werden ließ.

„Ernsthaft, Methos!“

„Schon gut, schon gut. Aber ich muss dazu anmerken, dass du bis jetzt der einzige bist, der meine Kochkünste mag.“

Ein wenig beruhigter entspannte ich mich wieder in seinen Armen.

„Glaub ich dir nicht. Aber egal! Wichtiger ist auch der nächste Punkt.“

Ich richtete mich halb auf, küsste ihn leidenschaftlich und schnurrte froh, als er uns herum rollte, so dass ich unter ihm lag. Atemlos lösten wir uns voneinander.

„Ich glaube, diese Bedingung kann ich ohne Probleme erfüllen. Und die anderen… nun, mit richtigen Anreizen bin ich vielleicht bereit, daran zu arbeiten.“

Lachend zog ich ihn wieder zu mir herunter. Besiegelte dieses halbe Versprechen mit einem Kuss. Ich war also nicht mehr alleine. Nicht mehr so verloren in dieser Welt. Und zärtlich ließ ich ihn hören, was mir nie einer sagen wollte oder konnte:

„Danke, dass du mich gerettet hast, Methos.“

Er lächelte.

Ende

Mein kleiner Extra-Kommentar:

Es ist vollbracht! Meine längste Story wurde geboren! Nichts kann mich mehr aufhalten... Außer plötzliche Schreibblockaden, musische Aussetzer, null Interesse von meiner Leserschaft... Oh mein Gott! Tut mir das nicht an! Bitte schreibt Kommentare!

Panikattacke!

Ok, es geht schon wieder. Alles ist gut! Brauch nur einen Keks...

Eure Ne-chan
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