Diverse Weihnachtsgeschichten

GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
18.11.2011
08.07.2012
29
85153
1
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Autor: Seya und Imani

Genre: Fantasy
Bewertung: ohne Altersbeschränkung

Inhalt: In einer Welt ähnlich der unseren: Der Weihnachtskobold Rudolf bekommt den Auftrag Killian seinen Herzenswunsch zu erfüllen, was sich als schwieriger erweist als erwartet. Dennoch, Rudolf tut alles, was in seiner Macht steht und er hat mehr Macht, als er bisher geglaubt hatte.

Begonnen: 11.09.2004
Beendet: 09.02.2005

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Der Weihnachtskobold

Es war kalt! Es war kalt genug, um diesen bekannten Ausspruch wagen zu können: Es war klirrendkalt! Wie im Märchen. Mit von Zuckerschnee eingestäubten Häusern und Bäumen und den meterhohen Schneewehen, die sich am Straßenrand auftürmten.
So jedenfalls konnte man sich das durchaus vorstellen, wenn man an ein Märchen dachte und dabei das Wort "klirrendkalt" las. Killian jedenfalls dachte an so etwas. Das Problem war nur, dass die Realität nicht zu dem meteorologischen Vorhersagen der letzten Tage passen wollte. Es war zwar klirrendkalt, aber vom Schnee war keine Spur zu sehen. Schmutziggrau sahen die hohen Häuser und klammen Straßen aus. Kein Grün milderte die Spuren der Armut, die sich in dem Wohnviertel von einer Fassade zur anderen widerspiegelte.
Killian legte den Kopf in den Nacken und schob in einer automatischen Geste seinen dunkelgrünen Schal zurecht, damit nicht zuviel Haut dem zwickenden Wind ausgesetzt war. Seine Baseballmütze verrutschte ein wenig. Warum hatte er auch nur seine Haare so kurz geschnitten? Die braune Mähne auf seinem Kopf hätte ihn wenigstes ein bisschen wärmen können.

"Felix!", rief er volltönend zum Fenster hinauf. "Mach endlich die verdammte Tür auf und komm in die Hufe, ich frier mir hier den Arsch ab!" Er klingelte schon geschlagene 30 Sekunden und das war eindeutig zu lang. Aber so, wie es aussah, würde er noch ein wenig länger ausharren müssen. Ein Oberkörper beugte sich gefährlich weit aus dem Fenster. Dunkles Gesicht und krause Haare waren gut zu erkennen. Killians Freund Felix versuchte sich in akrobatischen Verrenkungen.

"Augenblick noch", rief ihm sein Kumpel hinunter und schloss wieder das Fenster. Killian stöhnte dramatisch. "Mach hin! Es ist rattenkalt!", schrie er zurück und schlug sich die Arme um den Oberkörper.

Endlich summte der Türöffner. Mit einem Satz war Killian an der Tür, öffnete sie und hechtete ins nicht wirklich wärmere Treppenhaus. Er nahm drei Stufen mit einmal und kam, kaum außer Atem, im fünften Stock an. Die Tür war nur angelehnt, so dass er ungefragt eintrat.

"Was brauchst du so lange?", maulte er auch gleich. Felix lugte mit nacktem Oberkörper aus dem Bad und grinste frech.

"Hey, ich will Ginga heute treffen. Da werde ich mich wohl mal besser in Schale werfen dürfen. Nur, wer was hermacht, kommt zum Schuss. Das weißt du doch besser als ich, oder?"
Killian verleierte die Augen. Dann zog er sich die Jacke aus, denn er war ins Schwitzen gekommen. Felix musste die Heizung auf die höchste Stufe gestellt haben. Dass sie noch nicht rot glühte, war wohl einem wunderbaren Umstand zu verdanken. Auf jeden Fall fingen nun Killians Ohren an zu kribbeln und auch in seine Hände kehrte schmerzhaft das Leben zurück. Er biss die Zähne zusammen.
Es half nichts, er musste das durchstehen und warten, bis es aufhörte. Handschuhe waren nur hinderlich und dann bestand auch noch immer die Gefahr, dass man sie verlor.

"Meine Mutter hat mir eine Thermoskanne Tee hingestellt", rief Felix aus dem Bad, wo es bedenklich rumorte. Ein Fluch folgte und ein leiser Knall. Endlich kam Killians Freund heraus und zeigte ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter.
"Die verdammten Rohre", fluchte er. "Irgendwann knallen sie wirklich noch mal durch. Und dann will ich nicht im Keller sein."
"Amen", murmelte Killian und sah sich in der winzigen Küchenzeile um, die in den nicht sehr viel größeren Wohnbereich ragte. Da stand wirklich eine Thermoskanne und es war aufgeräumt.
"Ah, der Tee ist frisch", konnte Killian es sich nicht verkneifen, seinen Kumpel aufzuziehen.

"Der große Gourmet. Ausgerechnet du", gab Felix zurück und zog sich ein sauberes Sweatshirt über. Dann hüpfte er, während er gleichzeitig eine Socke über die nackten Füße zog, zu ihm. Killian goss ihnen beiden vom Tee ein und schob seinem Kumpel eine Tasse rüber. Es tat gut, die brennenden Hände an die große Tasse zu halten.

"Wo wollen wir hin?", fragte Killian und nahm mit spitzen Lippen einen winzigen Schluck. Der Tee tat gut. Er wärmte, drang in jede Faser seines Körpers und erhitzte ihn. Killian seufzte zufrieden. Felix hatte sich in einen der zerknautschten grünbraunen Sessel fallen lassen und sah sinnierend auf den stillen Spiegel in seiner Tasse.

"Ich dachte, wir schauen im 'Gates' vorbei und treffen uns dort mit Bryan und den anderen. Gegen neun bin ich mit Ginga verabredet. Sie will tanzen und ich mache ihr die Freude. Und dann, dachte ich, nehme ich sie wohl hierher und wir amüsieren uns!"
Killian grinste nur zur Antwort. Er verbarg, dass er ein wenig enttäuscht war. Felix' Pläne bedeuteten, dass er ihn kaum sehen würde. Wieder ein Abend allein. Und das schon seit drei Wochen. Ginga war lieb und nett, aber es wurde Zeit, dass sie ihn endlich ranließ.
Doch die Frau zierte sich wie eine alte Jungfer und Felix lief ihr brav hinterher. Aber aus bitterer Erfahrung heraus schwieg Killian dazu. Er hatte keine Lust, ihre Freundschaft wegen einer Frau zu riskieren, die im nächsten Monat sowieso wieder vergessen war. Killian wurde rüde aus seinem Selbstmitleid gerissen, als Felix über das niedrige Sofa hechtete, um ihn daran zu hindern, den letzten Tee in seine Tasse zu gießen.

"Hey, das ist meiner", meldete sein Freund prompt Besitzansprüche an. Killian verzog das Gesicht und brachte die Thermoskanne in Sicherheit.
"Meine!", bestimmte er nur knapp, was ihm einen Protestschrei von Felix einbrachte. Aber als das nicht fruchtete, entwickelte sich eine kleine Jagd nach dem Objekt der Begierde. Dabei wurde das Interesse an dem Tee für Killian immer geringer. Dafür auf den Sieg umso mehr. Doch seine Chancen darauf endeten abrupt, als es an der Tür klingelte. Felix hechtete zum Türöffner und lachte Killian aus.
"Verloren!", meinte Felix hämisch und trank den Tee bis zur Neige. Killian brummte etwas, dass sich anhörte, wie unfaire Mittel oder so ähnlich. Aber das war vergessen, als ihre Freunde durch die Wohnungstür polterten und gleich wissen wollten, wo es denn hinginge.

Da Killian immer noch ein wenig sauer über seine Niederlage war, übernahm Felix das Reden und gab bekannt, dass sie ins ’Gates’ einkehren wollten. Einstimmig wurde dieser Vorschlag angenommen und wenig später stürmten die zwei und ihre drei Freunde die vielen Treppen hinunter.

Erneut sah sich Killian mit dem unangenehmen Wetter konfrontiert. Er schlug einen schnellen Schritt ein, um bald an einem wärmeren Ort zu sein. Während er sich von den wortreichen Ausführungen seines Wegbegleiters, einen kleineren blonden Jungen mit hohem Mitteilungsbedürfnis, der auf den Namen Connor hörte, berieseln ließ, wurde Felix mit Fragen über Ginga und seine Pläne für den heutigen Abend mit ihr überschüttet.
Gemeinsam entschied man, dass Felix heute endlich die "Belohnung" für seine Geduld verdient hatte.

Es war gegen 19 Uhr, als sie das ’Gates’ erreichten. Beim ’Gates’ handelte es sich um ihre Stammkneipe, in der sich immer zahlreiche Jugendliche des Stadtteils versammelten, um ihr Geld für Getränke zu opfern, zu tanzen, zu quatschen und an einigen Spielautomaten ihr Glück zu versuchen. Früher gehörten zu den Gästen auch jüngere ab 14 Jahren, aber nach und nach hatte sich der Altersdurchschnitt auf 16 bis 20jährige eingepegelt.
Einen guten Teil dieses höheren Anspruchs hatten sie dem neuen Besitzer zu verdanken. Pete wurde er genannt und schmiss den Laden nun seit gut zwei Jahren.
Dumpfe Bässe begrüßten sie, als sie durch die Tür traten. Killian klopfte Felix und Connor auf die Schulter und rief, dass er für die Getränke sorgen wollte. Zustimmendes Nicken, dann kämpfte sich Killian zum Tresen vor.

Pete, ein junger Mann von 25 Jahren, empfing Killian mit einem Gruß, als dieser das Gewohnte für sich und seine Freunde orderte. Zu Anfang verlangten sie immer nach einem einfachen Glas Bier. Und mit dreien davon ging er dann zu dem Tisch, wo sich seine Freunde schon hingesetzt hatten. Er musste zweimal gehen, da das Tragen von fünf Gläsern seine Fähigkeiten überstieg. Begierig wurde ihm das Bier abgenommen und fast synchron gönnten sich alle ein paar Schlucke, als er wieder da war.
Während ein Teil von ihnen sich wieder in ein Gespräch vertiefte, sah sich Killian um. Heute war Freitag, dementsprechend war die Kneipe schon mit vielen Leuten gefüllt. Ein paar von ihnen kannte er auch. Immer wieder nickte er dem einen oder anderen zu, bekam einen Schlag auf die Schulter und ein gegröltes "Hallo". Trotzdem fühlte er sich heute irgendwie unwohl. Fast wie ein Alien auf einem fremden Planeten, witzelte er in Gedanken.

"Ich hol noch 'ne Runde, ehe Ginga kommt", rief Felix. "Wer will was?" Eilig wurden ihm die Bestellungen zugerufen. Hier und da grinste einige. "Der muss einen ausgeben, wenn er zum Stich kommt!", meinte jemand. Killian versuchte herauszufinden, wer das war, wurde dann aber abgelenkt. Connor hatte wieder das unerbittliche Bedürfnis, sich mitzuteilen.

Es war ja nicht so, dass dieser allzu viel Unsinn von sich gab, aber trotzdem fehlte ihm heute die Geduld dafür. Mehr oder weniger genervt lauschte er den Worten seines Freundes. Eine kurze Pause bekam er, als die neuen Getränke ihren Weg zum Tisch fanden. Ziemlich schnell jedoch begann Connor erneut seinen Redeschwall und Killian überlegte langsam, ob der wohl etwas eingenommen hatte.
Irgendwie war der Abend heute aber auch merkwürdig. Die gewohnte Freude daran, mit seinen Freunden zusammen zu sein, stellte sich einfach nicht richtig ein. Wirklich seltsam. Er hatte so eine Ahnung, dass heute irgendetwas noch passieren würde. Nach Murphys Gesetz war das einfach so. Aber diese anwachsende Spannung wollte sich offenbar nicht zum jetzigen Zeitpunkt mit einem erlösenden Knall entspannen.
Killian hörte Connor nur noch mit halbem Ohr zu. Als er sich dann doch endlich dazu entschließen konnte, diesem Treiben ein Ende zu setzen, erntete er von seinem Freund nur einen unverständlichen Blick.

"Was hat er?", hörte er Connor hinter seinem Rücken fragen. Er bekam nur Gelächter zu hören und als Antwort, dass Killian wohl seine Tage hätte. Killian verzog ungesehen das Gesicht. Keiner von seinen Freunden hatte scheinbar geschwollene Ohren, weil er sich um dritten Mal anhören musste, wie man einen Mustang tunte. Er würde sich nie einen Mustang leisten können. Von daher war ihm das Thema so was von egal und einfach nur nervend.

Um wenigstens eine Weile seinen heute "sehr freundlichen" Freunden zu entkommen, beschloss er denjenigen noch ein Bier mitzubringen, die ihr Glas schon geleert hatten. Vorher nahm er von seinem eigenen noch ein paar Schlucke und begab sich dann zur Bar. Pete bedachte ihn mit einem mitleidigen Lächeln. Während er das Bier zapfte, fragte er:
"Irgendwie scheinst du heute nicht ganz auf der Höhe zu sein. Sorry, wenn ich frage. Ich versuche nur einem Klischee meines Berufs genüge zu tun." Er grinste und reichte ihm dann die zwei verlangten Gläser mit Bier.
"Quatsch, alles in Ordnung", wehrte Killian ab. Kopfschüttelnd lief er zu seinen Freunden zurück. Pete tat fast so, als wenn er einen total deprimierten Eindruck machen würde. Aber depressiv wurde Killian nur, wenn er an seinen Kontostand dachte. Er stellte die Gläser ab und machte sich bereit seinen Freund zu verabschieden, da Ginga soeben aufgetaucht war.

Felix vergaß seine Freunde jedoch schneller, als die Bye sagen konnte und knutschte seine Freundin ab. So stellte sich ein Fall von akutem Neid ein, der mit Johlen übertönt wurde. Killian enthielt sich der Stimme und trank nur von seinem Bier.
Felix grinste wie ein Clown und wirkte tatsächlich bis über beide Ohren verliebt. Aber ein wenig Besitzerstolz war auch zu sehen. Ginga war eine Augenweide. Schlank, mit langen Beinen und blonden Haaren. Wie ein Model und sie bewegte sich sogar so geziert. Felix verabschiedete sich und verschwand dann mit dem feuchten Traum manches Mannes. Zumindest derer, die sie bemerkt hatten.

"Mann, was der für ein Glück hat", ließ Bryan vermerken und ersäufte seinen Kummer im Bier. Killian verzog das Gesicht.

"Hört mal Leute", ließ er vernehmen. "Ich bin nicht so gut drauf. Ich gehe dann mal schon."

Sofort erklang fast wie im Chor ein enttäuschtes und verständnisloses "Warum das denn?"

"Du bist heute schon die ganze Zeit so komisch drauf", überlegte Dennis.

"Hast du dich etwa in Ginga verknallt?", wagte Connor zu fragen und erntete dafür einen Blick, der ihn zusammenzucken ließ.

"Sag mal, spinnst du? Trink nicht so viel Bier, wenn du dann so einen Mist von dir gibst!", schrie er seinen Freund an. Er trank schnell sein Bier aus und kramte dann ein paar Münzen aus seiner Tasche, die er nicht gerade sanft auf den Tisch warf. Kopfschüttelnd und noch immer wütend zog er sich seine Jacke an und stapfte dann in Richtung Ausgang.

Er, verliebt in Ginga? Was für eine blödsinnige Idee!

Aber wenn er ehrlich war, schwang schon Neid mit, wenn er an sie und Felix dachte. Seine letzte Freundin hatte sich leider als Katastrophe herausgestellt. Sie war ein schönes Exemplar des weiblichen Geschlechts, leider jedoch unheimlich eifersüchtig und sie ging ihm paradoxerweise schon nach den ersten zwei Wochen fremd. Man muss nicht erwähnen, dass er danach erst einmal eine Pause einlegen wollte.

Als er die Tür öffnete und er sich kurze Zeit später erneut in der grausamen Kälte wieder fand, gingen seine Gedanken jedoch ganz andere Wege. Innerlich fluchte er wieder über das Wetter.
Fröstelnd schob er seine Hände in seine Jackentaschen und machte sich auf den Nachhauseweg.

Er nahm die U-Bahn. Die Linie 5 fuhr ihn fast bis fast vor die Haustür. Diese Nachbarschaft hatte sowohl seine Vor- als auch Nachteile. Aber er bevorzugte die Vorteile. Von seinem Zuhause aus war er schnell an jedem Punkt der Stadt, ohne dass er mehrmals umsteigen musste.
Seine Heimatstation war an einem der Knotenpunkte des U-Bahn-Netzes. Der Nachteil war, dass sich an diesen Knotenpunkte immer ein Haufen Penner herumtrieb. Aber mit einer grimmigen Miene und den Händen in den Hosentaschen kam man meist unbehelligt an ihnen vorbei. Bis auf den Gestank musste man dann nichts weiter ertragen.
Killian ließ sich in die speckigen Sitze der Bahn fallen und hing seinen Gedanken nach. Er war irgendwie fix und fertig, obwohl der Abend früher geendet hatte, als sonst üblich. Meist war er mit seinen Freunden bis zum frühen Morgen unterwegs. Jetzt war es kaum zehn Uhr am Abend.

Aber es hatte keinen Sinn darüber weiter nachzugrübeln. An manchen Tagen lief eben alles schief und der nächste Morgen war dafür dann um einigen Deut besser. Nur weil er mit seinen 18 Jahren einmal zeitiger als sonst üblich nach Hause kam, bestand noch lange kein Grund, dass er sich nach einem Platz im Altersheim umsehen musste. Trotz seines erschöpften Zustandes würde er sicherlich nicht gleich das Bett aufsuchen, sondern sich noch irgendwie beschäftigen. Irgendetwas würde sich gewiss finden lassen. Musik, Fernsehen oder ein paar Spiele auf der Playstation.

Den Rest der 15 Minuten Fahrzeit verbrachte Kilian damit, hinauszustarren, nur um zum tausendsten Mal festzustellen, dass es ihn langweilte. Er warf noch ein paar Blicke zu den anderen Fahrgästen, aber die schienen sich genauso zu langweilen oder aber sie hatten jemanden dabei, mit dem sie sich unterhielten.
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