Diverse Weihnachtsgeschichten

GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
18.11.2011
08.07.2012
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Ach, du liebe Weihnachtszeit!  2004
Ein Tagebuch-Auszug



22.11.2004

Liebes Tagebuch!

Es ist wieder soweit. Du erinnerst Dich? Wie ich sehe ja, denn Deine Seiten haben schon das letzte Weihnachtsfest festgehalten. Ich werde dich auf dem Laufenden halten. Ich schätze, es wird wieder anstrengend. Aber jetzt zu den aktuellen Ereignissen und wir sind gleich im Thema:

Gestern bin ich durch die Stadt gelaufen. Ich wollte nichts Großartiges kaufen. Ein paar Kleinigkeiten halt, die man so braucht. Mir ist nicht entgangen, dass die Geschäfte schon seit Wochen, wenn nicht sogar Monaten vollkommen auf Weihnachten eingestellt sind. Nur unsereins kommt damit wieder mal nicht klar. Vielleicht liegt es an den noch zu herbstlichen und sommerlichen Temperaturen. Sigi meint, es könnte auch daran liegen, dass jedes Jahr Weihnachten ein Woche eher ist, als im Jahr zuvor. Ich bin ehrlich versucht, ihm Recht zu geben. Aber ich werde mich hüten. Ich bin also in das nächste Geschäft, nachdem ich mich durch die Masse von Menschen gequält hatte. Passenderweise eine Zoohandlung. Schnucki sollte schließlich etwas zum 1. Advent bekommen, denn sein Einjähriges in unserer Wohnung stand ja bald bevor. Sigi meinte, dass ich ihm nichts geben sollte. Der Karpfen sei sowieso schon fett genug. Ich kann Sigi ehrlich nicht verstehen. Schnucki ist so wie er ist absolut in Ordnung. Genauso wie Sigi selbst. Mein liebster Sigi fand den Vergleich gar nicht nett.

... Oh, jetzt ist mir entfallen, was ich schreiben wollte. Vielleicht fällt es mir ja noch ein.

Nachtrag:

Mir ist es wieder eingefallen. Also, die Zoohandlung war der Hammer. Tiere über Tiere und was für eine Auswahl an Futter. Sogar ein besonderes Karpfenfutter hatten sie da. Und es soll den Karpfen schmecken. Ich habe es gekauft und ein Heidengeld dafür ausgegeben. Sigi hat mich für verrückt erklärt. Aber ich finde, dass auch ein Karpfen gut essen sollte. Ich habe dabei sehr nett mit dem Verkäufer geflirtet. Ich glaube, er war angetan. Aber davon werde ich Sigi nichts erzählen.



1. Advent – 28.11.2004

Sigi hat heute die 1. Kerze angezündet. Herrlich. Ich hatte gestern frische Tannenzweige besorgt. Und jetzt duftet es nach Harz, Kerzenwachs, dem Zimttee in meiner Tasse und den Lebkuchen auf dem Tisch. Sigi erzählte in unerträglicher Detailverliebtheit, wie letztes Jahr der Kranz abgebrannt ist. Er hätte das nicht erzählen sollen. Wirklich nicht. Ich habe ihm gedroht, dass er dieses Jahr nichts zu Weihnachten bekäme. Sigi hat einen Schmollmund gezogen. Er sieht damit wirklich niedlich aus. Ich hätte ihn küssen mögen. Aber das mag er absolut nicht. Er meint dann immer, ich würde ihn nicht ernst nehmen. Weiß gar nicht, wie er darauf kommt. Sigi hat es sich übrigens nicht nehmen lassen, dass Karpfenfutter eigenhändig Schnucki zu geben und jetzt planschen sie in der Wanne herum. Wahrscheinlich muss ich nachher alles aufwischen. Wie immer, wenn mein Mann zum Kind mutiert und Schnucki aus vollem Karpfenherzen mitmacht.

Ich höre Sigi gerade rufen. Sollte mal nachschauen, was passiert ist.

1. Nachtrag:

Sigi hat den Planschwettbewerb verloren. Von Kopf bis Fuß hatte er die halbe Wanne in den Klamotten, während Schnucki irgendwie boshaft zu ihm raufschaute. Ich habe mich auf die Zunge gebissen, um nicht zu lachen. Sigi muss es aber doch gemerkt haben. Denn er hat mich böse angeschaut.

2. Nachtrag:

Sigi liegt jetzt im Bett und meint noch immer schmollend, dass er jetzt krank wird, weil ich ihm nicht schnell genug das Handtuch gereicht und ihm neue Sachen besorgt hätte. So was fehlte mir noch... Ich habe ihn daraufhin Schatzibärli genannt. Aber das war dann doch der falsche Kosename.



2. Advent – 05.12.2004

Man merkt: Jetzt kriegt es auch jeder mit, dass bald Weihnachten ist. Letztes Wochenende war es voll in der Stadt. Gestern war es eine Katastrophe. Hatte ich schon mal erwähnt, dass Sigi, mein Herzgeliebter, alles auf den letzten Drücker kauft? Er hat sich gebessert. Jetzt sind wir erst beim 2. Advent und er denkt schon an die Geschenke. Nur, diese zu bekommen, erinnerte eher ein an die Schlacht von Karthago, weniger an einen Einkaufsbummel. Wir sind von einem Geschäft ins andere. Diesem Freund ein Handy, dem Neffen das neueste Spiel für seine komische Spielestation. Der Nichte eine Puppe von Mattel, aber bitte nur diese und die hat den Namen ... Ich hatte vergessen, Sigi zu sagen, dass ich für sie schon diese und keine andere Puppe hatte. Das fiel mir leider erst ein, als wir schon zu Hause waren. Schätze, dass ich sie an die andere Nichte loswerden muss, denn im nächsten Jahr sind diese Spielzeuge ja wieder völlig out. Auf jeden Fall, Sigi stürmt von einem Geschäft ins nächste, kämpft sich zur erhabensten und vollkommen überforderten Person in der ganze Umgebung – der Verkäuferin – durch und versucht zu erfragen, wo er jenes oder dieses bekommt. Wenn er die Auskunft hat, kämpft er sich wieder zurück, bekam Ellenbogen, Füße und Köpfe in alle möglichen Teile seines Adoniskörpers, während ich unsere Einkäufe gegen zudringliche Hände verteidige, die mich zuvorkommend davon befreien wollen.
„Ist das das neue xyz?“, fragt eine schmeichelnde Stimme und ich halte reflexartig alles fest, was ich festhalten kann. „Nein, ist es nicht!“, antworte ich und mir wird natürlich nicht geglaubt.

Was soll man aber dazu sagen? Allesamt verzweifelte Eltern. Und dabei geht es uns noch gut! Wir haben, aus bekanntem Grund, nur die Kinder unserer Geschwister zu versorgen. Doch wie auch immer: Jetzt geht es mir sehr viel besser. Ich habe meine Füße in ein Lavendelbad gesteckt, damit sie endlich wieder normal anfühlen. Sigi meinte, dass das Lavendelbad stinkt. Mir ist es egal. Es wirkt. Und mit der Tasse Zimttee geht es mir sehr viel besser.

Ich muss morgen wieder welchen kaufen.

1. Nachtrag

Unsere Nachbarn sind gekommen. Sie haben selbstgemachten Glühwein mitgebracht.

2. Nachtrag

Sigi zersägt gerade einen Wald. Die Nachbarn sind gegangen und haben mir meinen Sigi in einem derangierten Zustand zurückgelassen. Der Glühwein war jedoch fantastisch. Jetzt sitze ich hier und kann nicht schlafen. Ich werde noch einen netten Film ankucken. Zu Weihnachten kommen ja immer diese herzergreifenden, uralten Schinken, die man vor allen Dingen jetzt so gern sieht. Ich könnte diese Männer jedes mal anschmachten, wenn sie die Angebetete in ihre starken Arme ziehen und ihnen nette Sachen ins Ohr flüstern. Ich könnte, wenn es nicht lächerlich wäre, eifersüchtig werden. Mein Sigi meint dazu immer, ich hätte sie nicht mehr alle und warum ich mir so einen Kram überhaupt anschaue. Aber da er ja nicht hier ist, kann ich mich diesem Vergnügen ohne Kommentare aus dem Hintergrund hingeben.



3. Advent – 12.12.2004

Ich habe mich heute ausgiebig mit Schnucki unterhalten und schreibe jetzt ins Tagebuch. Sigi ist nicht zu Hause. Er musste unbedingt noch einmal weg. Wir haben uns gestritten. Jetzt sitze ich hier und bin depressiv. Schnucki versteht mich.
Er macht immer kleine Blubberbläschen.

Wenn ihm übrigens etwas nicht passt, dann schwimmt er schnell von einem zum anderen Ende der Badewanne. Danach muss ich meist wischen. Heute jedoch schaut er mich einfach nur an.




Montag – 13.12.2004

Sigi kam gestern Nacht nach Hause. Er spricht kein Wort mit mir. Ich weiß gar nicht, was ich getan habe. Irgendwie ist das blöd. Ich will eine schöne Weihnachtszeit und nicht hier in Frust ertrinken. Sigi sagt gerade, dass er noch mal weggeht.
Ich gehe zu Schnucki. Der hört mir zu.



Sonnabend – 18.12.2004

Sigi war die ganze Woche immer wieder weg. Er hat nichts, aber auch gar nichts gesagt. Immer wieder brummt er vor sich hin. Ich gehe jetzt wieder zu Schnucki.



4. Advent – 19.12.2004

Sigi redet wieder mit mir!
Er hat mich heute gefragt, was es zu Essen gibt! Und wann!

1. Nachtrag:
Mir fehlen die Worte.

2. Nachtrag:
Ah, dieser Kuss war der beste in meinem ganzen bisherigen Leben... Und...

3. Nachtrag:
Das muss ich jetzt unbedingt schreiben. Wir haben uns versöhnt. Obwohl, ein Streit hatten wir gar nicht. Aber von vorn: Sigi ist eingefallen, dass er immer noch kein Weihnachtsgeschenk für mich hat und das lag allein am Geschäft. Er hatte für mich einen Ring bestellt. Und jetzt kam und kam der nicht. Er hatte ihn schon vor zwei Monaten anfertigen lassen. Ich wiederhole: Anfertigen! Und er hatte immer wieder nachgefragt, wann denn das Stück endlich fertig sei. Jetzt hatte er im Trubel der Weihnachtseinkäufe mich und den Ring vergessen und daran erinnerte er sich wieder. Da war er auf einmal schlecht gelaunt und ich bekam seine Laune ab. So etwas blödes.
Er ist die ganze Woche immer wieder zu dem Geschäft. Er hat mir erzählt, dass er dort Terz gemacht hat, weil die den Ring immer noch nicht fertig hatten. Sie hatten ihm erzählt, dass der Stein noch nicht geliefert worden seien. Weil er fürchtete, zu Weihnachten kein Geschenk für mich zu haben, ist er außerdem immer wieder durch die Stadt, um etwas als Ersatz zu kaufen. Aber er war irgendwie dabei nicht sehr erfolgreich. Vorhin hatte er einen Anruf bekommen von dem Juweliergeschäft, dass er den Ring Montag abholen könnte. Sie hatten das ganze Wochenende gearbeitet, damit alles noch rechtzeitig fertig wird.
Sigi war darüber so froh, dass er es gebeichtet hat und dann haben wir uns versöhnt.

Ich liebe Weihnachten!




Montag – 20.12.2004

Ich bin seit Sonntag aufgeregt. Und jetzt muss ich immer noch knapp eine Woche warten. Das ertrage ich nicht. Sigi hat scherzhaft gemeint, dass er, um sich von meiner Aufregung zu erlösen, mir das Geschenk vorher gibt. Aber dann hat er es mir wieder verweigert. Wie soll ich nur so leben? Sigi macht mich ganz kribblig mit seiner konsequenten Haltung. Ob ich ihn mit meinem Geschenk bestechen sollte? Ich hatte das schon einmal versucht. Er hat sich damals geweigert. Ich liebe diesen Mann, aber manchmal könnte ich ihn. Wie kann man nur den Menschen, den man liebt, so quälen?

Also bleibt mir nur eines:
Warten auf den Weihnachtsmann. Noch 5 Tage!




Dienstag – 21.12.2004

Warten auf den Weihnachtsmann. Noch 4 Tage!
Ich habe das Gulasch anbrennen lassen. Jetzt muss ich neues kaufen. Ich habe aber vorher alle Schränke durchwühlt, um nach dem Ring zu suchen.



Mittwoch – 22.12.2004

Warten auf den Weihnachtsmann. Noch 3 Tage!
Ich habe vier Liter Zimttee getrunken. Ich bin so nervös, dass mich Sigi rausgeschmissen hat. Ich soll ihn in Ruhe lassen.



Donnerstag – 23.12.2004

Warten auf den Weihnachtsmann. Noch 2 Tage! Ich sterbe!




Heiligabend – 24.12.2004

Endlich ist Weihnachten. Blöd ist nur, ich muss bis zur Dämmerung warten. Dann werden alle Lichter angezündet und dann... Meine Hände zittern so. Und das nur wegen eines Ringes. Ach, das ist es nicht nur allein. Sigi hat mir schon lange nicht mehr ein solch teures Geschenk gemacht. Und dann der ganze Stress und die Aufregung. Oh, ich liebe diesen Mann! Das Fest der Liebe ist herrlich. Ich frage mich nur schon die ganze Zeit, ob er mein Geschenk auch mag. Es ist etwas ganz besonderes. Und er hat es sich schon so lange gewünscht. Ich will ihn ins „Leagio“ einladen. Es ist eines der besten Restaurants der Stadt und man bekommt auf Monate hinaus keinen Tisch. Ich habe einen Tisch! Ich bin so aufgeregt...
Sigi stellte gerade den Weihnachtsbaum auf. Dieses Jahr durfte ich ihn aussuchen. Es ist eine Edeltanne und der Duft ist großartig. Ich werde Sigi jetzt dabei helfen, den Baum zu schmücken. Dann können wir zu Mittag essen. Fisch gibt es nicht. Schnucki wäre sonst beleidigt. Ich habe Kartoffelpuffer gemacht. Dazu gibt es selbstgemachtes Apfelmus und Zimt.

1. Nachtrag:
Ich habe es tatsächlich geschafft, mich zusammenzureißen. Was für ein Weihnachtsfest. Gleich ist Bescherung. Ich habe noch einen großen Pralinenkasten gekauft. Ganz schnell, ganz heimlich. Der Gutschein wirkt damit einiges besser.

2. Nachtrag:
Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden. Sigi und ich habe wunderbar Kaffee und Butterstollen gegessen. Musik spielte vom CD-Player und der Baum funkelte in allen Farben. Das Licht der Kerzen versprühte eine geheimnisvolle Atmosphäre. Als wir satt waren, ist Sigi kurz aufgestanden und hat ein kleines in Einwickelpapier verpacktes Kästchen hervorgezaubert. Ich war hin und weg. Sigis Augen funkelte so wunderbar. Ich habe mich glatt noch mal in ihn verliebt. Dabei ist das kaum möglich, liebe ich ihn doch immer. Er hat mir das Kästchen gegeben und ich hatte ganz zittrige Hände. Der Ring ist einfach wundervoll. Sigi war ganz stumm und mir ging es nicht anders. Ich weiß nicht, wie lange wir uns geküsst haben. Aber es dauerte eine ganze Weile, bis wir bemerkten, dass zwei Stunden vergangen waren. Ich habe Sigi dann ganz schnell mein Geschenk gegeben. Da hat er doch glatt die Sprache wiedergefunden und gejauchzt. Ich schätze, dass war das Geschenk, was er wollte. Auf jeden Fall war der Kuss ein sehr viel stürmischer. Ich bin trotzdem hin und weg. Ah, ich liebe diese Mann.



Ich wünsche allen ein schönes Fest! Und viel Freude

... bis zum nächsten Jahr
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