Diverse Weihnachtsgeschichten

GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
18.11.2011
08.07.2012
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"Frohe Weihnachten", hörte Killian eine vertraute Stimme ganz nahe bei ihm. Es war so schön warm. Die Nacht war die beste seit einer langen Zeit und er hatte eigentlich gar keine Lust, aufzuwachen.
"Frohe Weihnachten", nuschelte er daher und ließ sich willig wieder in sein Traumreich zurücktreiben. Rudolf unterbrach ihn dabei nicht, weil er der Meinung war, dass Killian ein wenig schlafen konnte. Verliebt lächelnd betrachtete er ihn weiter, wie er es schon eine ganze Zeit lang getan hatte. Er grinste über sein Verhalten und blickte dann erschrocken in Killians Gesicht, der nicht - wie angenommen - schon wieder schlief.
"Warum grinst du so?", fragte Killian fast schon misstrauisch.
"Ähm, nur einfach so", stotterte Rudolf. War das peinlich! "Wolltest du nicht weiterschlafen?", versuchte er abzulenken.
"Richtig, wollte ich. Aber da kam so eine komische Elfe vorbei und meinte, dass ich mit einem Kobold im Bett liegen würde und ob mich das nicht interessieren würde. Also wollte ich mal schauen und dann habe ich mich erinnert."
"Eisblümchen!", knurrte Rudolf. Diese freche Elfe musste sich immer einmischen. Aber nun gut, er beschwerte sich nicht, dass er jetzt die Aufmerksamkeit von Killian hatte. "Hast du gut geschlafen?", fragte er daher, nicht wissend, was er sagen sollte. Was er gern tun würde, wusste er schon. Die Frage war nur, ob Killian es ähnlich ging.
Dieser streckte sich und sah äußerst zufrieden aus.
"Ja, war herrlich. Und es war so warm wie nie in diesem Bett", gestand Killian und lächelte schief.
Rudolf schmunzelte und gähnend streckte er sich ebenso.
"Ich habe auch wunderbar geschlafen. Das sollten wir wiederholen." Vergnügt zwinkerte er Killian zu.
Da klopfte es plötzlich an der Tür.
"Guten Morgen! Es gibt Frühstück. Kommt ihr?", fragte Killians Mutter.
Erst ein wenig erschrocken blickte Killian fragend zu Rudolf. Der nickte nur.
"Ja, wir sind gleich da", antwortete Killian und hörte, wie seine Mutter wieder ging. Es war nicht das erste Mal, dass er jemanden auf seinem Zimmer hatte. Aber diese Situation war doch noch ein wenig neu. Dabei war nicht einmal etwas passiert.
Forschend sah er Rudolf an. Dann grinste er.
"Du kannst gut küssen", meinte er mit herausforderndem Unterton.
Rudolf nahm das als Kompliment und sagte das auch so. "Trotzdem können wir ja noch ein wenig üben um besser zu werden, oder wie siehst du das?"
"Klar, aber nur einer. Nicht dass das ausartet!" Killian lachte frech und küsste Rudolf. Der erwiderte und bedauerte es sehr, dass sie sich irgendwann wieder voneinander lösten.
"Okay, dann machen wir uns mal fertig. Ich hab nämlich einen riesigen Hunger", erklärte Rudolf und rieb sich seinen Bauch, von dem schon ein leises Knurren zu vernehmen war.
"Gut, dann lass uns essen. Und frohe Weihnachten, Weihnachtskobold", wünschte Killian.
"Ich wünsche dir auch frohe Weihnachten", sagte Rudolf mit einem Lächeln, das er zurzeit einfach nicht loswurde.
Aber er wollte das ja auch gar nicht. Es fühlte sich einfach zu schön an.

Nicht viel später saßen sie an dem Tisch in der Küche.
Killians Mutter hatte ein leckeres Frühstück gezaubert, was sie mit Genuss verspeisten. Trotz der neuen Situation war die Atmosphäre ziemlich offen und freundlich.
Killians Mutter hatte schon eifrig Fragen gestellt, die mit den schweren Antworten hatte sie zum Glück bis jetzt ausgelassen. Killian wusste nicht, wie er erklären sollte, welchen Beruf Rudolf nachging. Schließlich hatte er lange Zeit selbst nicht daran geglaubt. Aber vielleicht würde das auch nie eine Frage werden.
"Und wie habt ihr euch kennen gelernt", fragte Killians Mutter gerade.
"Im Kino", erklärte Rudolf und lachte. "Killian hat sich gerade so einen Film angeschaut, den er schon auswendig kannte."
"Na und. Es ist ja nicht verboten einen Film mehrmals zu sehen, oder?", murrte Killian. Seine Mutter und Rudolf lachten, beschäftigten sich aber ganz aufmerksam mit dem Essen, als sie dessen Blick auf ihre Reaktion sahen.
"Da kennen wir uns erst so kurz und schon verschwörst du dich mit meiner Mutter", beschwerte sich Killian.
"Mein aaarmer Sohn", meinte seine Mutter gespielt mitleidig und wuschelte ihm durch seine Haare.
Zu gern hätte Rudolf das auch getan, aber im Beisein der Mutter traute er sich das nicht. Außerdem gewöhnte sich Killian erst noch an solche Vertraulichkeiten. Er hatte das Bedürfnis, dass sie sich gegenseitig nahe waren. Aber seine Vorstellungen von einem Menschen, der sein Herz besaß, spielte immer noch eine große Rolle.
Rudolf konnte sich jedoch nicht des Gefühls erwehren, dass Killian ihn schon anders anschaute und die Momente der Überwindung weniger wurden.
"Können wir jetzt zur Bescherung übergehen", fragte Killian gerade, als Rudolf von seinen Überlegungen zurückkehrte.
Killians Mutter gab ihrem Sohn eine Kopfnuss. "Für dich bedeutet Weihnachten wohl nur Geschenke."
"Stimmt ja gar nicht", behauptete Killian und tauschte dabei einen undeutbaren Blick mit Rudolf. Hatte das Weihnachtsfest ihnen doch einige Überraschungen beschert.
"Ich will nur verhindern, dass wir es vergessen und später ist ja schon das Treffen mit Felix und den anderen dran."
"Vergessen?", fragte sie lachend. "Du doch nicht. Also, dein Geschenk ist hier. Eine Kleinigkeit, aber vielleicht kannst du sie jetzt sogar ganz gut gebrauchen."
Killian sah sie erstaunt an, nahm das dünne Kuvert und öffnete ihn. Darin waren Gutscheine: Einer von McDonald’s und zwei von seinem Lieblingskino.
"Danke Mum", murmelte Killian, umarmte sie und gab ihr einen dicken Kuss. Seine Mutter lächelte zufrieden und fuhr mal wieder durch seine Haare.
"Okay, dann hol ich mal deins", gab Killian bekannt und lief schnell in sein Zimmer. Es dauerte nicht lange, bis er mit einem kleinen Päckchen zurückkam. Wortlos legte er es auf den Tisch und beobachtete gemeinsam mit Rudolf, wie seine Mutter es von dem schönen Geschenkpapier befreite. Das Geschenk hatte er erst vor ein paar Tagen gekauft. Er wusste lange nicht, was er hatte schenken wollen.
Da er fürs Geschenkeinpacken selbst kein Talent besaß, hatte er es die Dame im Geschäft machen lassen. Seine Mutter bedankte sich nach einem erfreuten Aufschrei mit einem dicken Kuss bei ihm. Sie hatte eine teueraussehende Schachtel mit sehr guter Schokolade ausgepackt.
Killian wusste, wie verrückt sie nach dieser Sorte war und wie oft sie aufgrund des Preises darauf verzichtete. Mutter und Sohn schauten sich an und waren eindeutig in der fröhlichen Stimmung, das zum Weihnachtsfest gehören sollte.
Rudolf hielt sich zurück. Der Moment gehörte den beiden. Aber dann holte er etwas unter dem Tisch hervor.
"Ist nur eine Kleinigkeit", meinte er. "Aber ich dachte, Sie wünschen sich das schon lange." Killians Mutter sah ihn erstaunt an. Es war ein kleiner Stein. Er war rot und glatt. Sie lächelte und in ihre Augen stahl sich ein Glanz, den Killian bei ihr noch nie gesehen hatte. "Woher...?" Sie verstummte und drückte ihn an ihre Brust. "Danke. So einen Stein habe ich als Kind gefunden und dann verloren. Ich habe erst gestern wieder an ihn gedacht. Woher auch immer du das weißt, danke!"
"Gern geschehen", antwortete Rudolf und ließ offen, woher er es wusste.
Killian warf ihm einen dankbaren Blick zu und machte keinen allzu überraschten Eindruck.
Langsam gewöhnte er sich an die Eigenheiten, die der Beruf eines Weihnachtskoboldes so mit sich brachte. Er trank etwas und sah dann zur Uhr.
Bald mussten sie los. Felix würde endlich Rudolf kennen lernen. Ob sie sich verstanden?
Der Gedanke machte ihn nervös. Es war ja auch alles ganz anders als sonst, denn Rudolf war nicht nur irgendeine Freundin.
Er gab seiner Mutter noch einen Kuss zum Abschied.
"Wir müssen los, Mum. Felix wartet. Seine Mutter will ja kommen und dir noch ihren Tee mitbringen."
"Stimmt ja!", rief sie. "Aber woher weißt du das? Ich dachte, deine Gedanken waren ganz woanders." Sie lächelte. "Macht euch los. Aber sei bitte heute Abend wieder zu Hause. Es wäre schön."
Killian nickte und machte sich dann mit Rudolf ausgehfertig. Nicht viel später traten sie auf die Straße hinaus. Dort erwartete sie ein kalter Wind, der ihnen ins Gesicht blies. Der ersehnte Schnee ließ immer noch auf sich warten.
Eilig liefen sie in Richtung U-Bahn. Für Killian war es merkwürdig so mit Rudolf an der Seite zu gehen. Ob man ihnen ansah, wie sie zueinander standen? In Gedanken versunken stieg er in die U-Bahn ein. Sie hatten Glück und erwischten ein fast leeres Abteil.
"Nein, tun sie nicht", wisperte Rudolf. "Sie sehen nur uns. Nichts und gar nichts anderes. Aber Kobolde sehen es und Elfen. Wie zum Beispiel die Kleine da drüben!" Er deutete auf Eisblümchen. Erschrocken schaute Killian erst zu Rudolf und dann zu der Elfe. Konnte Rudolf etwa Gedanken lesen oder waren seine Gedanken so offensichtlich?
"Das ist die Elfe aus meinem Traum", flüsterte er.
"Ja, das ist sie. Ihr Name ist Eisblümchen." Rudolf hatte keine Ahnung, weshalb sie hier war. Allmählich wurde es auffällig, dass sie andauernd seinen Weg streifte. Er winkte ihr zu, dass sie zu ihnen kommen sollte.
"Was machst du hier?", fragte er sie.
Sein Ton schien ihr nicht höflich genug zu sein, denn sie antwortete ärgerlich: "Du brauchst gar nicht erst auf die Idee kommen, ich wäre wegen dir und deinem Freund hier. Das ist nur Zufall. Ich hatte etwas zu erledigen und bin nun auf den Weg zur Filiale. Mit der U-Bahn geht es schneller."
Rudolf konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, denn ihre Worte ließen nur eine Schlussfolgerung zu. Die Elfen waren manchmal genauso neugierig wie die Menschen. Manchmal aber vielleicht auch neugieriger.
"Dann wollen wir dich nicht weiter aufhalten."
Eisblümchen stemmte ihre Händchen in die Hüften.
"Hey, willst du mich etwa loswerden? Ich kann überall sein, wo ich will. Damit du es weißt!" Kopfschüttelnd schenkte Rudolf Killian ein Grinsen, der es erwiderte. Diese Elfe konnte wirklich anstrengend, aber auch unterhaltsam sein.
"Tut mir Leid, ich dachte, du hättest zu tun. Natürlich kannst du überall sein, wo du sein willst." Neugierig auf ihre Antwort blickte sie der Kobold an, während Killian überlegte, wie lange sie noch aufgehalten werden würden. Die nächste Haltestelle mussten sie nämlich raus.
"Wir müssen gehen!", erinnerte er.
Rudolf schaute hinaus. "Ja, stimmt. Wir müssen. Ich wünsche dir noch viel Spaß. Ist ja jetzt Ferienzeit."
"Ja, danke dir auch", brachte die Elfe überrumpelt heraus. Eigentlich hatte sie vorgehabt länger mit den beiden zu sprechen. "Hoffentlich denken sie wirklich nicht, dass ich neugierig bin", murmelte sie, als sie Rudolf und Kilian nachsah, während diese die Bahn verließen. Enttäuscht über ihren so nutzlosen Aufenthalt hier in der Stadt, verschwand sie mit einem leisen Puff und einem winzigen Schauer aus Eiskristallen.
Killian und Rudolf erreichten ohne weitere Unterbrechung Felix’ Haus.
Unterwegs hatten sie sich noch ein wenig über Eisblümchen amüsiert und Killian hatte nach den Kobolden und Elfen gefragt, die er am Nordpol kennen gelernt hatte. Als sie endlich die Treppen hinaufstiegen, kam seine Nervosität wieder. Er war unheimlich gespannt auf die Reaktion seines besten Freundes.
Die Tür stand schon offen, so, wie es meist der Fall war, wenn er kam und geklingelt hatte. Es roch weihnachtlich nach Zimttee. Offensichtlich hatte Felix\' Mutter wieder bei ihrem Filius ihre Aufwartung gemacht und ihn mit Teesorten der eher weihnachtlichen Sorten versorgt. Aber darüber lag auch der Geruch von Lebkuchen und Schokoladenkuchen. Felix huschte über den Flur und schob einen Sessel aus seinem Schlafzimmer in das kombiniertes Wohn- und Esszimmer mit Küche.
"Kommt rein, bin noch nicht ganz fertig", rief er.
Rudolf und Killian folgten gern der Aufforderung und sahen sich neugierig um. Es lag eine wunderbare weihnachtliche Atmosphäre in der Luft, die Rudolf nicht erwartet hätte. Und dabei war immer noch nicht für Weihnachten geschmückt. Felix stellte die Kanne mit dem Weihnachts-Tee auf den Tisch und warf noch einen prüfenden Blick durch das Zimmer. Er nickte und wandte sich dann an seine Gäste. Fröhlich umarmte er seinen Freund und wünschte: "Frohe Weihnachten, Killian!"
Dann musterte er Rudolf genau. Ja, es musste Rudolf sein, diese Erkenntnis stand ihm ins Gesicht geschrieben. Die Beschreibung passte, die ihm Killian gegeben hatte. Abwechselnd sah er zwischen Rudolf und Killian hin und her. Sofort fiel ihm die Verwandlung auf: Seinem besten Freund schien es besser zu gehen und er lächelte erleichtert. Eigentlich hatte er es nicht geglaubt, aber die E-Mail schien ihren Zweck erfüllt zu haben. Anders konnte er sich die plötzliche Wendung nicht erklären.
"Dir wünsche ich dir natürlich auch frohe Weihnachten, Rudolf, nicht wahr?", begrüßte er den Kobold.
Rudolf lächelte breit.
"Ich bin echt", versicherte er. "Und dir auch frohe Weihnachten."
Felix lächelte schief. "Es ist nicht leicht." Er deutete zum Tisch. "Setzen wir uns."
Es herrschte stille Einigkeit, als sie sich gemeinsam über die Lebkuchen hermachte. Sie waren selbstgemacht.
Killian machte sich jedoch Gedanken darüber, was er sagen sollte. Er freute sich zwar, dass Felix und Rudolf auf den ersten Blick wohl ganz gut miteinander zurechtkamen; aber was würde folgen? Rudolf spürte seine Seelennot und machte den Anfang.
"Ich danke dir für deine Mail, Felix. Ohne sie wäre ich sicherlich nicht zu Killian zurückgekehrt."
Killian blieb ein Krümel im Hals stecken und er hustete. Reflexartig klopfte Rudolf ihm auf den Rücken, schob ihm die Tasse Tee näher und erinnerte daran, dass etwas Feuchtigkeit in der gestressten Kehle durchaus gut tun konnte.
"Was für eine Mail?", keuchte Killian, als er wieder etwas sagen konnte. Rudolf sah zu Felix, der ihm deutete, dass der Kobold die Beantwortung der Frage übernehmen konnte.
"Felix hat an den Weihnachtsmann eine Mail geschickt mit der Bitte dich wieder glücklich sehen zu können. Er hat sich große Sorgen um dich gemacht."
Felix nahm sich schnell einen Lebkuchen, aß ihn mit großer Aufmerksamkeit, als wenn ihn das vor Killians Reaktion bewahren würde. Er fühlte sich peinlich berührt, dass Killian nun von allem wusste. Er fürchtete offenbar, dass sein Freund sauer auf ihn sein könnte, weil er sich in dessen Angelegenheiten gemischt hatte. Killian sah ihn aber erst einmal nur ziemlich entgeistert an.
"Ich dachte, du glaubst nicht an den Weihnachtsmann oder an Kobolde!", erklärte er seine Verwirrung. Doch dann begriff er die Tragweite. "Du bist wohl diese komische Putte mit Flügeln und Pfeil und Bogen." Er lachte über das Bild und über Felix pikiertes Gesicht.
Dieser fand das überhaupt nicht lustig und teilte das auch mit einem entrüsteten Schnauben auch mit. Rudolf jedoch musste über diese Vorstellung ebenfalls lachen.
"Das ist nicht witzig", meinte Felix, dann fragte er jedoch unsicher: "Du bist nicht böse?"
"Vielleicht wäre ich es gewesen", meinte Killian nach einer Weile. "Aber endlich habe ich keine Angst mehr und endlich fühle ich mich..., nun sagen wir, richtig."
Felix atmete erleichtert auf. "Das klingt schön. Ob ich das auch mal erlebe?", überlegte er.
Rudolf lächelte geheimnisvoll.
Es klingelte an der Tür. Killians und Felix\' Freunde kamen endlich. Felix begrüßte sie und meinte, dass sie, weil sie zu spät kämen, keine Lebkuchen mehr bekommen würden.
Das gab ein riesiges Geschrei.
Die Backwaren seiner Mutter waren einfach zu beliebt, als dass Felix aufgrund dieser Drohung ungeschoren davonkam. Es dauerte nicht lange, und Felix verlegte sich aufs Betteln, während seine Freunde schadenfroh weitermachten, bis sie sich endlich gnädig gaben. Felix zauberte als Auslöse eine große Portion Lebkuchen hervor. Seine Mutter wusste um ihr Talent und sorgte immer für eine ausreichende Menge an Gebäck, um ihren Sohn vor größerem Schaden zu bewahren und wenn es Freunde waren, die schmollend am Tisch saßen.
Voller Freude und mit großem Genuss stürzten sich die jungen Männer darauf und erst nach einer Weile erkundigte sich Bryan, wer denn eigentlich dieser irischaussehende Typ in ihrer Mitte war. Sofort kehrte allgemeines Schweigen ein. Unsicher blickte Killian zu dem Kobold und seinen besten Freund und dann zu den anderen.
"Das ist Rudolf", stellte er ihn vor. Zu mehr konnte er sich erst einmal nicht überwinden. Diese Antwort galt scheinbar als ausreichend, erzeugte nur da und dort für ein Grinsen. Der Grund dafür war allein der Name.
Es wurden Grüße ausgetauscht und schon begann wieder ein angeregtes Gespräch, während alle weiter speisten.
Man kam natürlich wieder auf Rudolf zu sprechen. Der gab zwar nicht preis, dass er ein Kobold war, aber dass er in der Weihnachts-Branche arbeitete, sagte er schon. Es war schließlich richtig und es hörte sich harmlos genug an. Rudolf nahm zwischendurch immer wieder kurz Killians Hand. Er wusste, dass das riskant war, aber Killian gewöhnte sich nach dem ersten, kaum merkbaren Erschrecken daran.
Aber das blieb leider nicht unbemerkt von seinen Freunden. Ehe jedoch Bryan losbrüllen konnte, zog ihn Felix geistesgegenwärtig in die Küche.
"Mach hier keine Szene", zischte er ihm zu, während er ihm irgendetwas zu essen in die Hand drückte. "Sie sind ein Paar. Aber Killian lacht endlich mal wieder. Also mach keine Schwierigkeiten."
Bryan stockte, bevor er ein Wort sagte. Er schaute zu Rudolf und Killian, wandte sich wieder an Felix. "Ein Paar? Das heißt, er ist schwul? Aber wie geht das?"
Felix nickte. "Einigen wir uns auf bi. Also wehe, du sagst oder tust was Falsches. Dann werde ich ungemütlich."
Abwehrend hielt Bryan seine Hände hoch und sah die Schüssel an. "Ist ja gut. Aber verstehen tu ich es trotzdem nicht." Er festigte den Griff um die Schüssel und kehrte dann wieder ins Wohnzimmer zurück. Felix folgte ihm gleich darauf.
Gemeinschaftlich machten sich alle über den Inhalt her und aßen dann die köstlichen Hackfleischbällchen. Dabei wurde Felix immer wieder geknufft, weil dieser sich mal wieder so von seiner Mutter hatte versorgen lassen.
"Hey, ihr mögt es ja auch. Also lasst mich in Ruhe!", begehrte er lachend auf. Bryan konnte seine Augen trotz aller guten Vorsätze nicht von Rudolf und Killian lassen. Es war Killian, der ihn in einem dieser Augenblicke direkt ansah. Sowohl Bryan als auch Killian wurden rot.
"Hey, was mit euch?", war es jetzt Connor, dem das nicht entging. Es wurde wieder etwas stiller. Fragend schauten alle zwischen Connor und Killian und Bryan hin und her.
"Was ist denn euer Problem?"
Felix hätte sich an die Stirn klatschen können. Dabei hatte er Bryan extra noch gewarnt. Hoffentlich ging das jetzt gut. Killian rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Hilfesuchend blickte er Rudolf, der ihm ein ermutigendes Lächeln schenkte. Er wusste, er hatte zwei Möglichkeiten: Entweder er würde sich vor seinen Freunden outen oder er würde jegliche Probleme abstreiten. So wie er die Reaktion von Bryan einschätzte, blieben ja nur noch zwei seiner Freunde, die nichts von seiner Beziehung zu Rudolf wussten. Reflexartig griff er nach der Hand von Rudolf. Innerlich betete er, dass seine Freunde sich nicht von ihm abwandten.
"Rudolf und ich sind zusammen." Ängstlich beobachtete er die Reaktion seiner Freunde. Während Felix, Bryan und Rudolf die Luft anhielten, sahen Connor und Dennis ihn sprachlos an. Endlich unterbrach Letzterer die Stille und fragte ungläubig: "Du bist schwul?" Killian zögerte einen Moment, aber dann nickte er und murmelte, dass er lieber die Bezeichnung "bi" bevorzugen würde.
"Du bist schwul!", wiederholte Dennis unbeirrt. Connor klebte mit seinem Blick auf Rudolfs und Killians verbundene Hände, während Dennis in die Runde schaute.
"Bin ich der einzige, der das nicht wusste?", fragte er.
Bryan hob die Schultern. "Ich weiß es erst seit vorhin. Aber Felix sagte, dass ich nichts sagen soll."
Dennis und Connor hatten den Mund offen stehen. Felix ließ pfeifend die Luft entweichen. Es war Rudolf, der das Wort ergriff:
"Wir haben uns ineinander verliebt und es ist für uns beide ganz neu. Es tut mir nicht Leid, dass es passiert ist. Im Gegenteil: Ich freue mich darüber."
Felix nickte dazu und fügte hinzu: "Und ich freue mich für die beiden. Glaubt mir, ich hatte selbst Probleme das zu glauben und zu akzeptieren. Aber Killian ist glücklich, also spricht nichts dagegen, oder?" Fragend schaute er in die Runde. Es dauerte wieder eine gewisse Zeit, in der Killian erneut das Herz bis zum Hals schlug.
Diesmal war es Bryan, der ihn erlöste. "Es wird wohl noch etwas dauern, bis wir uns daran gewöhnt haben, aber du das ändert nichts daran, dass du unser Freund bist. Damit spreche ich doch für euch, oder?" Connor und Dennis wurden lange angestarrt und gaben schließlich ihre Einwilligung. Felix beendete die angespannte Situation, indem er zum Aufbrechen aufforderte. Sie wollten schließlich noch in ihre Lieblingskneipe. "Und du kommst mit, Rudolf", bestimmte er. "Wenn du das Mittel bist, dass Killian aus seiner Depression herausholt, dann sollte man dich immer griffbereit halten."
"Ich bin doch kein Medikament!", brummte Rudolf.
Connor, Dennis und Bryan lachten und schlugen sich auf die Schenkel.
"Zweimal täglich zum Einnehmen", gluckste Bryan.
Killian wurde rot und stürzte sich mit einem Schrei auf ihn.
"Das sagst du nicht ungestraft", brüllte er. Bryan bekam einen Lachanfall und hatte ehrlich Mühe, sich gegen Killian zur Wehr zu setzen. Aber der hörte von allein auf und sah ihn schräg von der Seite aus an.
Rudolf hob nur eine Schulter und grinste unverhüllt. Killian beschloss das zu ignorieren und wappnete sich stattdessen gegen die winterliche Kälte.
"Ich bin hier nur von Idioten umgeben!", beschwerte er sich aber trotzdem noch.
Als Antwort erhielt er nur ein gemeinschaftliches Grinsen. Kopfschüttelnd ging er voran, die anderen folgten ihm kurz darauf. Im Freien angelangt erwartete sie ein Anblick, den niemand von ihnen für möglich gehalten hatte: Die Straßen und Autos bedeckte eine feine, weiße Schicht, die Sekunde für Sekunde dicker wurde. Immer mehr Schnee fiel vom Himmel herab und Killian musste lachen.
Er war am Nordpol gewesen, hatte den Weihnachtsmann getroffen und hatte einen Weihnachtskobold als Freund, da fehlte wirklich nur noch der Schnee. Fröhlich liefen sie los, störten sich kaum an der Kälte, nur die noch zu geringe Schneeansammlung verhinderte den Versuch einer Schneeballschlacht. Killian verharrte noch einen Augenblick, ehe er seinen Freunden in die U-Bahn-Station folgte.
"Es ist wie in einer Weihnachtsgeschichte", stellte er für sich fest. Rudolf lächelte ihn an und meinte: "Vielleicht ist es das ja. Unsere persönliche Weihnachtsgeschichte." Killian fand, dass das schön klang und nickte.

Laute Stimmen und Geräusche schallten ihnen entgegen, als sie die Kneipe betraten. Das ‘Gates’ war voll mit jungen Leuten und zu ihrem Glück gab es dennoch einen freien Tisch für sie. Nachdem sie ihre Jacken abgelegt hatten, erklärte sich Connor dazu bereit, die Getränke zu ordern. Rudolf ließ die Atmosphäre auf sich wirken. Er war zwar schon einmal hier gewesen, aber nicht als Gast.
"Klasse hier", fasste er seine Eindrücke zusammen. Der Besitzer des ‘Gates’ hatte sogar ein wenig weihnachtlich geschmückt. Und immer wieder sangen ein paar Leute Weihnachtsmusik nach, die ab und an eingespielt wurde.
"Ich mag es auch hier. Es ist nicht umsonst unsere Lieblingskneipe", meinte Killian und freute sich, dass sie einer Meinung waren.
Connor kehrte mit Bier zurück und verteilte es. Während sie an den Gläsern nippten und auch den anwesenden Damen eine nähere Betrachtung schenkten, unterhielten sie sich. Killian beteiligte sich bei der Betrachtung der weiblichen Gesellschaft besonders eifrig, um Rudolf ein wenig zu ärgern.
"Pass ja auf Rudolf", neckte Felix. "Nicht, dass dir Killian noch weggeschnappt wird."
"Oh, das werde ich schon zu verhindern wissen."
Alle lachten und wie es schien, auf Killians Kosten. Aber der rächte sich mit einem Knuff in Rudolfs Seite.
"Du wirst wohl heute nicht in meinem Bett schlafen", wisperte er.
Rudolf grinste. "Oh, doch, das werde ich!", erklärte er bestimmt.
Ein leiser Schrei aus weiblicher Kehle ließ sie von ihren Neckereien aufsehen. Etwas verunglückt saß die Bedienung auf Felix\' Schoß und hielt ein Tablett fest. So, wie es aussah, war sie von einem der Gäste angerempelt worden.
"Oh, Entschuldigung", stammelte sie an Felix gewandt. "Es tut mir so wahnsinnig Leid." Felix machte erst einen verwirrten Eindruck, dann aber erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht. Kein Wunder, war die junge Frau auf seinem Schoß doch ein ausgesprochen schönes Geschöpf.
"Sie brauchen sich doch nicht zu entschuldigen“, widersprach er und machte eine wegwerfende Geste.
Killian nahm ihr das Tablett aus der Hand, das schon gefährlich schwankte. So konnte sie ohne Problem aufstehen, was Felix jedoch - wenn er ehrlich war - nur widerwillig geschehen ließ.
"Vielen Dank“, flüsterte sie verlegen und ihre Wangen wurden rot.
"Keine Ursache“, kam es automatisch ebenso leise und verlegen von Felix zurück. Ziemlich auffällig sah er hinterher, als sie den nächsten Tisch ansteuerte und setzte sich dann wieder hin. Er blickte in amüsierte Gesichter.
Rudolf kniff die Augen zusammen. Er sah die feinen Schlieren. Nur kurz. Dann waren sie wieder verschwunden. Diese Frau war für Felix bestimmt. Suchend schaute er sich um und entdeckte Gehlen unweit auf einem Barhocker. Rudolf verstand und nickte Gehlen zu. Der hob seine Hand zum Victory-Zeichen.
"Vielleicht kann sie noch Hilfe gebrauchen", meinte Rudolf leichthin und sah dann Felix an. "Kann nicht schlecht sein, wenn du zu ihr gehst. Sie kann sich wehgetan haben."
"Ich glaube, du hast Recht“, antwortete Felix langsam und erhob sich. Er atmete tief durch und wandte sich ein letztes Mal an seine Freunde: "Wünscht mir viel Glück!" Killian und seine Freunde sahen ihm neugierig nach, wie er zur Bar ging. Die junge Frau wollte gerade erneut Getränke verteilen, als Felix zur ihr trat und sie ansprach. Hören konnten die Fünf natürlich nichts, aber der Ausdruck auf den Gesichtern der beiden versprach Gutes.
"Und wieder ein Single weniger“, brachte es Connor auf den Punkt und trank einen großen Schluck von seinem Bier. Grinsend nickte der Rest der Runde und tat es ihm nach.
"Und noch jemand, der einen Freund gefunden hat", meinte Rudolf und lächelte Killian an.
Dieser verstand mit einer Sekunde Verspätung. "Du meinst...", stotterte er. Rudolf lächelte nur und stahl ihm einen Kuss. "Ja, ich meine!", flüsterte er.

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