Diverse Weihnachtsgeschichten

GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
18.11.2011
08.07.2012
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Wochenende, schoss es Jonas durch den Kopf, als er aus seinem traumlosen Schlaf erwachte. Endlich Wochenende. Keine Vorlesung in den stickigen Lesungsräumen, keine Dozenten, noch nicht einmal Hausaufgaben. Es war herrlich warm hier und die Sonne lugte durch die Scheibe, ließ damit zusätzlich noch auf Tauwetter hoffen.

Jonas hielt die Augen geschlossen und genoss die Stille.

Neben sich hörte er Steffen, der sich gerade aus seinem Bettzeug schälte.
Sollte er!
Er wollte sich nicht mehr bewegen, als es unbedingt notwendig war. Ein bisschen Dösen. Diese Gedanke löste in ihm ein angenehm wohliges Gefühl aus. Der Andere würde es mit Sicherheit verstehen, wenn Jonas sich noch nicht für den Tag gewappnet ansah und deshalb den Schlafenden vorschützte.

Steffen dehnte und streckte sich, ächzte dabei ausgiebig und brachte seine zusammengestauchte Wirbelsäule wieder in Form.
Dann sah er sich seinen Gast an, der wie hingossen halbzugedeckt und absolut entspannt in der Sonne dalag.
Was für ein Anblick!
Steffen leckte sich über die Lippen. Wie konnte man am frühen Morgen nur so hinreißend aussehen. Absolut verboten gut! Ah, wie lange hatte er schon keinen Freund mehr gehabt. Zulange, stellte er nach kurzem Überlegen fest.
Hier lag vor seinen Füßen die pure Versuchung und er durfte sie noch nicht einmal anfassen. Nicht in seinem Zustand! Steffen warf seiner Morgenlatte einen vernichtenden Blick zu, die sich davon nicht beeindrucken ließ. Im Gegenteil. Die freudige Erregung war zu einem nicht geringen Teil Jonas´ Verschulden.

Nur einen, nur einen einzigen...
Oh, wie gern würde er...

Steffen ließ sich zurückfallen und stieß mit dem Kopf an die Wand. Schnell biss er die Zähne aufeinander. Jetzt schlug er sich auch noch den Schädel ein, weil er gerade sexuell frustriert war.

Na toll!

Mit schmerzverzogener Miene rieb er sich das kleine Horn, das sich gerade bildete.
Und alles wegen ihm, warf er Jonas stumm vor, der noch immer regungslos dalag.

Der eine Arm schmiegte sich jetzt an den Kopf, sanft gestreichelt von dunkelbraunen Strähnen.

Machte der Typ das mit Absicht? Oh...

Steffens Erregung wurde zur Qual. Eine kalte Dusche war jetzt unerlässlich, sonst würde er den Rest des Tages so herumlaufen. Äußerst wach erhob er sich. Ehe er seinem Körper Einhalt gebieten konnte, hatte er sich neben den Kleineren gekniet. Steffens Hände zitterten, als er ihn berühren wollte.
Du bist so ein Idiot..., schalte er sich. Aber was sollte schon passieren? Nur einen einzigen. Er würde es nicht bemerken. Das war seine Hoffnung und gleichzeitig seine Qual.

Langsam beugte er sich über Jonas, hoffte, dass dieser nicht die Augen öffnete, oder wenn, dann aber rechtzeitig genug. Doch nichts geschah. Unaufhaltsam näherte er sich seinem Ziel.

Sekunden später explodierte es in Steffens Kopf. Sein Herz überschlug sich.

Oh Gott, warum musste der Kerl so gut schmecken? Erschrocken schlug sich Steffen auf den Mund. Weg hier, nur weg hier, trieb er sich hoch. Von schlechtem Gewissen geplagt und von seinen eigenen Trieben verraten, stürzte er sich ins Bad unter die Dusche.

Jonas schlug die Augen auf, als er das Rascheln und das darauf folgende Poltern hörte. Fassungslos starrte er die Decke an, während seine Finger über die Lippen fuhren.

Was war das? Was sollte das eben?

Der braunhaarige Mann stützte sich auf seine Arme. War der Typ schwul?
Jonas Gedanken stoppten.
Es war nicht gerade so, dass er keine Schwulen kannte, aber ihm wurden zum ersten Mal Avancen von männlicher Seite gemacht. Na, das eben war schon einiges darüber hinaus. Steffen hatte ihm nicht den Hof gemacht und versucht, ihn zu verführen. Er hatte sich gleich genommen, was er wollte. Jonas verzog den Mund und rieb mit dem Handrücken darüber.
Der Kerl hatte ihn geküsst. Das war ja widerwärtig.

Wenn sein Nachbar auf Freiersfüßen wandelte, war es vielleicht besser, wenn er Abstand hielt. Jonas war sauer. Der ganze Morgen war hinüber und nur weil dieser Bastard sich nicht zurückhalten konnte.
Der konnte ja schwul sein, soviel wie er wollte. Aber begrabschen lassen wollte er sich nun auch nicht.

Aufgebracht räumte er seine Sachen zusammen, schnappte sich alles, was in seinen Armen Platz fand und wuchtete es zur Tür hinaus. Einen schnellen Blick in die Runde, dann nahm er seinen Schlüssel und zog wieder bei sich ein.

Es war, wie zu erwarten, fürchterlich kalt. Aber so war es ihm eindeutig lieber. Wer weiß, was sein Nachbar tat, wenn er weiter bei ihm bleiben würde.

Steffen hörte das Zuschlagen der Haustür und rutschte die Fliesenwand der Duschkabine hinunter. Lautstark verfluchte er seine Hormone, seinen Schwanz und alles, was Grund dafür war, dass Jonas die Flucht angetreten hatte.
Als er sich wieder beruhigte, bemerkte er, wie er seine Finger über die Lippen fuhren und seine Zunge ein wenig von dem unglaublichen Geschmack einfangen wollte. Meine Güte, fuhr er sich an, was war daran schon besonderes. Er hatte nicht zum ersten Mal jemanden geküsst. Es war einfach gut, jemanden zu küssen.

Aber...

Aber hier war es irgendwie anders. Es war gut, so wie bei den anderen auch. Jedoch hatte er dabei noch nie die Kontrolle über sich verloren. Er war eindeutig zu lange ohne einen Freund gewesen. Wann hatte er das letzte Mal mit jemanden geschlafen? 5 Monate oder 6 waren es bestimmt, wenn nicht sogar mehr. Anscheinend brachte es keine wirkliche Erleichterung, wenn er sich selbst half. Den Beweis hatte er ja eben angetreten.

"Idiot, Idiot...", stieß er immer wieder hervor, während er seinen Kopf in diesem Rhythmus gegen die Wand schlug.

Er benötigte noch eine ganze Zeit, ehe er sich der Welt außerhalb der Nasszelle stellen konnte, schaltete aber das Wasser ab, welches ihn verspätet beruhigt hatte.

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