Embrace this Winter

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
18.11.2011
18.11.2011
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Eine einfache Gleichung besagte: ließ man es in New York kräftig schneien, dann entwickelten sich die Avengers schlagmals zu einem übergroßen Kindergarten. Allerdings einem Kindergarten, der eine mehr als ernsthafte Bedrohung sowohl für sich selbst als auch für seine Umgebung darstellte. Insbesondere Clint legte mit Schneebällen eine ähnliche Präzision an den Tag wie sonst mit Pfeil und Bogen... und eine Durchschlagskraft, die Steve zu der felsenfesten Überzeugung brachte, dass dieser Mann in der Lage sein musste, Stahltüren mit Papierkugeln zu pulverisieren.
Es lag ein ganz sachtes Lächeln auf den Lippen des Blonden, während er das Treiben seiner Teamkollegen beobachtete - sicher hinter einer Fensterfront und ausgerüstet mit einer schätzungsweise einen halben Meter dicken Schicht aus Decken (tatsächlich waren es nur zwei, die er allerdings irgendwie so umgewickelt hatte, dass sie den Effekt von vier hatten). So wunderbar praktisch und licht das hier alles auch sein mochte, die Räume waren schlicht und ergreifend so groß, dass es sich als eine fast unmögliche Aufgabe - oder zumindest die schwerste, die ihm bisher untergekommen war - erwies, hier vernünftig heizen zu wollen.
Wahrscheinlich war es noch nicht einmal so kalt, wie es ihm vorkam. Allein der Anblick von Schnee und Eis reichte schon aus, damit er sich im nächsten Bett vergraben und erst wieder herauskommen wollte, wenn der Frühling anfing. Siebzig Jahre hatten nun einmal ihre Spuren hinterlassen. Er war sich nicht einmal sicher, ob er jemals wieder in der Lage sein, sich länger als unbedingt notwendig bei derartigem Wetter draußen aufzuhalten.
„Ah. Hier bist du.“ Beinah wäre er zusammengezuckt - beinah - als er plötzlich Tonys Stimme hinter sich vernahm. Stattdessen warf er einen Blick über die Schulter nach hinten. Die Haare des anderen waren ein einziges Durcheinander voll Eiskristalle, die bereits zu schmelzen begangen und ihre eigene Sprache darüber sprachen, welch nicht vorhandenes Talent im Ausweichen er heute an den Tag gelegt hatte. „Du siehst aus, als wolltest du dem Weihnachtsmann Konkurrenz machen. Hast du vor, dein halbes Gewicht auszuschwitzen oder was wird das?“
„Mir ist kalt.“ Eine einfache Tatsache, ehe er wieder nach draußen sah. Thor schien sich vorgenommen zu haben, Asgard aus Schnee nachzubauen... allerdings mit nicht sehr viel Erfolg, da die anderen die tragenden Elemente für ziemlich gute Zielobjekte zu halten schienen.
„Das seh ich auch.“ Steve musste sich nicht umsehen, um zu wissen, dass der Dunkelhaarige jetzt fast direkt hinter ihm war. Es störte ihn auch nicht; im Gegenteil. „Tut es weh?“
„Hm? Was?“
„Eingefroren zu sein. Tut es weh?“ Beim Reden legte Tony ihm die Arme um und das Kinn auf die Schulter, woraufhin sein eigenes Lächeln noch ein klein wenig breiter wurde. Es war selten, sehr selten sogar, dass er so anhänglich wurde, noch dazu ohne gewisse Hintergedanken (und dafür fehlte dieser spezielle Unterton und das leicht schiefe Grinsen, jedenfalls noch), daher lehnte er sich selbst ein wenig zurück. Und vielleicht auch, um dessen Wärme ein Stück weit aufzusaugen. Vielleicht.
Dennoch ließ er sich Zeit mit dem Antworten. „Nein. Eigentlich ist es gar nichts... man merkt nichts davon. Aber es macht mir Angst.“ Ein nervöses Auflachen. „Ganz schön dumm, als ob ich gleich in Starre fallen würde, sobald ich mich zwei Minuten bei Temperaturen unter Gefrierpunkt aufhalte.“
„Ist es nicht.“ Es könnte Einbildung sein, dass sein Griff ein bisschen fester geworden war. „Jeder hat vor irgendwas Angst.“
„Und was ist das bei dir, dass eine hysterische junge Dame vor der Tür steht, um dir mitzuteilen, dass du Vater bist?“
Nach der plötzlichen Starre - und dessen Schweigen - zu urteilen, war das keine sehr gute Erwiderung gewesen. „T-Tony? Das war nicht so gemeint. Ich meine, ich weiß, dass du...“
„Schon gut.“ Aber es klang nicht nach schon gut und deswegen setzte er auch dazu an, noch etwas zu sagen. Kam allerdings nicht wirklich dazu, weil entsprechender sich jetzt von ihm löste und ihn stattdessen an den Schultern herumdrehte, sodass er gezwungen war, ihn anzusehen. Es gefiel ihm nicht - dieser unterschwellige Ausdruck, der wieder im Blick des anderen war, fast schon verzweifelt und mit dieser Spur Selbsthass und Unverständnis, die die meisten nie bemerkten und die er versucht hatte auszulöschen. Das war wirklich keine gute Bemerkung gewesen. Schließlich war es nicht so, als könnte er ihm vorwerfen, in den letzten Wochen jemandem anderes überhaupt mehr Aufmerksamkeit geschenkt zu haben als nötig, mit Ausnahme von sich selbst - geschweige denn das. Aber es war nur einen Moment lang sichbar; auch wenn Steve sich nie sicher war, ob es wirklich weg war oder nur sehr gut versteckt.
„Es ist okay, ja? Guck mich nicht an wie ein getretenes Hündchen. Setz dich lieber da hin.“ Er deutete Richtung Sofa, und die Unsicherheit war da und das tat ihm leid. Wirklich. „Dir ist kalt, also besorg ich dir noch ein paar Decken. Warte.“
„Nh-hn.“ Ganz so, wie ein kleines Kind verneinen würde, fehlte nur noch das hektische Kopfschütteln dabei. Und vielleicht war es auch eine ein wenig kindlich-trotzige Anwandlung, aufgrund derer Steve jetzt seinerseits die Schultern des Jüngeren Schrägstrich Älteren – je nach Definition – ergriff und ihn ein paar Schritte zurückzustolpern zwang, um ihn dann auf eben besagte Couch zu drücken und selbst – fast triumphierend – hinterher kletterte und sich mitsamt Decken ankuschelte (und zwar sehr bewusst so, dass Tony keine Möglichkeit zur Flucht blieb, wo käme man denn sonst hin). „Warm genug!“
Und ja, da war der Anflug eines Lächelns.

Als Clint zwei Stunden später, tropfnass und durchgefroren, das Zimmer betrat, waren beide schon lange eingeschlafen, sodass er lieber wieder schnell den Rückzug antrat.
Jedenfalls, nachdem er es mit dem Handy fotografiert hatte, man konnte ja nie wissen, ob so was nicht mal nützliches Druckmittel wurde.
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