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Franchesca - Eine Ewigkeit für die Musik

von Dibbie
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Alec Athenodora Caius Demetri Felix Jane
15.11.2011
03.03.2013
41
68.333
11
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Dieses Kapitel
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15.11.2011 1.004
 
2. Ein Angebot


Die Menschen strömten begeistert von der Vorstellung und sich dabei laut unterhaltend aus dem Theater. Nur ein maskierter und von einem schwarzen Umhang verhüllter Mann saß noch immer reglos in der letzten Reihe. Masken waren zu dieser Zeit in Venedig durchaus nicht unüblich, sondern gerade in Mode, so dass niemand Anstoß daran nahm.

Caius schien für Außenstehende völlig geistesabwesend, doch tatsächlich überschlugen sich seine Gedanken. Dieses Mädchen war einmalig. Die meisten Zuschauer gingen von einem besonderen Theatertrick aus, doch Caius war klar, dass das junge Ding eine besondere Gabe besaß. Dass sie schon jetzt zum Vorschein kam, konnte nur bedeuten, dass die Gabe, sollte Franchesca eines Tages eine von ihnen werden, nur noch unbeschreiblicher werden konnte.

Er wollte nichts lieber, als das Mädchen mit sich nach Volterra zu nehmen. Was wäre dies für eine Genugtuung, würde er und nicht Aro das größte Talent seit Jahrhunderten zu den Volturi bringen.  – Aber sie war ein Mensch. Es war nicht gänzlich ungefährlich sie in die Festung zu bringen und man konnte nie wissen, wie ein so schwaches Geschöpf reagieren würde, wenn ihr die Gefahr bewusst wurde.

Auf der anderen Seite wäre dieser Zeitpunkt ihrer Ankunft perfekt.
In wenigen Tagen sollte ein großes Fest in Volterra stattfinden. Natürlich ein Maskenball, denn es war üblich menschliche Musiker zu diesem Fest einzuladen. Er könnte die junge Musikerin ebenfalls in die Festung einladen und dort auftreten lassen. Was wäre das für eine Überraschung für Aro und Marcus.  –  Und auch für Franchesca, denn Caius musste davon ausgehen, dass die beiden sie nicht wieder gehen lassen würden.

Er kannte Aro mittlerweile gut genug um zu wissen, dass er sie verwandeln wollen würde, wie er selbst ja auch. Jedoch war es jetzt noch zu früh dafür. Sie war noch fast ein Kind und Aro war auch nach all den Jahren noch immer sehr böse darüber, dass Jane und Alec keine Gelegenheit dazu gehabt hatten, erwachsen zu werden. Würde Caius sie jetzt mit nach Volterra nehmen, so würde es für sie nur zwei Möglichkeiten geben. Entweder Franchesca würde akzeptieren zunächst als Mensch bei den Volturi zu leben und in einigen Jahren verwandelt zu werden, oder aber sie würde sterben. Obgleich dies in ihrem Fall eine besonders große Verschwendung wäre, würde man sich dennoch an die Regeln halten. Ausnahmen gab es nicht und würde es auch künftig nie geben.

Caius beschloss, das Mädchen aufzusuchen und sie zunächst unverfänglich nach Volterra einzuladen. Sollte sie das Angebot ausschlagen, konnte er sie zu einem anderen Zeitpunkt immer noch – ob nun mit oder ohne Gewalt – mit sich nehmen.


Wenig später klopfte Caius leise an der Tür, hinter der er Franchescas Herz schlagen hörte. Er ignorierte dieses süße Geräusch, denn er war alles andere als durstig. Diese naiven Venezianer ließen sich nur all zu leicht von ihm hinters Licht führen. Er sah sich gern in der Rolle des verführerischen Todesengels und er wusste, dass seine Opfer es ihm, bis zum Moment ihres letzten Herzschlages, gleichtaten.

„Herein!“ erklang nun Franchescas klare Stimme aus dem Inneren. Sie saß mit dem Rücken zum Eingang ihrer Kammer vor einem kleinen Spiegel und hatte begonnen ihre Haare aus dem strengen Zopf zu lösen. Als sie hörte, dass die Tür sich geöffnet hatte, sonst aber keine Geräusche des Eintretens oder gar Begrüßungsworte zu vernehmen waren, wandte sie ihren Kopf irritiert zur Tür.

Dort sah sie einen maskierten Mann stehen, der zudem einen dunklen Mantel um sich geschlungen hatte. Dennoch sah sie, dass er ein Lächeln auf den Lippen trug. Sie stand auf, knickste vor ihm und begann zu sprechen. „Hoher Herr. Ihr habt euch sicher in der Tür geirrt, Meister Giovanni befindet sich im Nebenraum.“ „Nein, liebe Franchesca. Ich wollte allein zu dir.“ Sie sah in verwundert an, erwiderte dann aber schüchtern lächelnd: „Ihr wart bei der Vorstellung und wollt nun hören, welcher Trick dahinter steckt, nicht wahr?“ „Ja und nein. Ich vermute, dass etwas anderes hinter deinem... Talent... steckt. Es war wirklich sehr beeindruckend und ich habe mich gefragt, ob du bewusst darüber entscheiden kannst, was dein Publikum bei deinem Gesang zu sehen bekommt.“ „Was denkt Ihr, hoher Herr?“ „Ich denke, du kannst es. Was es umso beeindruckender macht.“

Franchesca lachte leise auf, schwieg dann aber. Ihr war mit einem Mal bewusst geworden, dass sie hier mit einem Fremden sprach, der in ihre Kammer eingedrungen war. Sie war allein mit ihm. Was wollte er? Bei diesem Gedanken versteifte sie sich und ihr Lächeln verschwand. Caius beobachtete diese Veränderung genau und setzte zu einer Erklärung an.

„Keine Sorge, meine Liebe. Ich bin nicht hier, um dir Ärger zu bereiten. Es war ein wundervoller Auftritt, der meine beiden Brüder sicherlich ebenfalls begeistern würde. Du würdest mir eine große Ehre erweisen, wenn du mich auf unsere Festung in Volterra begleiten würdest.“ Bei diesen Worten entfernte sich Franchesca ein Stück von ihm. Er konnte deutliche Zweifel in ihrem Gesicht lesen und so sprach er eilig weiter. „In nur wenigen Tagen findet dort ein großes Fest statt. Viele unserer Verwandten und Freunde werden da sein. Es wäre einfach wundervoll, wenn du dort dein Können unter Beweis stellen würdest. – Natürlich kannst du mit einer fürstlichen Entlohnung rechnen!“

Langsam schwand ihre Angst, sie lächelte ihn wieder an. Doch ihre Antwort war nicht die von Caius erhoffte. „Vielen Dank für Euer höfliches Angebot. Es wäre MIR eine Ehre, in Eurem Hause aufzutreten. Aber ich kann hier nicht fort...“ Eine leichte Traurigkeit schien sie zu erfassen, als sie hinzufügte: „Meister Giovanni würde niemals seine Zustimmung dafür geben. Er lässt mich nicht von seiner Seite.“ „Das klingt nicht so, als ob du gerne hier bist.“ Sie lächelte gequält. „Doch. Ich bin... sehr gerne hier. – Ihr solltet jetzt besser gehen. Giovanni wird bald zu mir kommen. Und er schätzt es nicht, wenn ich Besuch habe.“ Caius nickte langsam, verbeugte sich leicht und ließ sie wieder allein.

Ihm war klar, dass etwas nicht stimmte. Franchesca verhielt sich seltsam. Er beschloss in der Nähe zu bleiben und es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen. Vielleicht würde sie ihn ja doch freiwillig begleiten.
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