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Assassin

von Glimmer
MitmachgeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Aramis Athos D'Artagnan Kardinal Richelieu OC (Own Character) Porthos
02.11.2011
04.07.2012
10
18.964
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02.11.2011 2.893
 
+Kapitel 7- Botschaft+



Der strahlende Sonnenschein, der den prächtigen Garten des Louvre in eine wahre Märchenlandschaft zu verwandeln schien, ließ den Kardinal misstrauisch seinen Gang in den Tag beginnen. Sein untrügliches Gespür für kommende Ereignisse ließ ihn ahnen, dass etwas geschehen war. Etwas, das ihn möglicherweise nicht erfreuen würde. Etwas, das nur allzu bald in seine Gedanken dringen würde, wie ungefährliches Gift. Ungefährlich für Körper und Seele, doch lästig…
Richelieu zog sich in sein Studierzimmer zurück und betrachtete sinnend das Schachbrett auf seinem Schreibtisch. Immer noch standen die Figuren unbeweglich, am selben Platz, wie vor Tagen. Immer noch stand die schwarze Dame dem Läufer gegenüber, der sich zwischen sie und den weißen König gestellt hatte. Unbeweglich stand sie da, starr, drohend…
Die Macht war es, die dies alles lenkte. Seine Macht. Die Macht der heiligen Kirche, die ihm von Gott gegeben ward. Und er wusste, mit nur einem Zucken seines kleinen Fingers konnte er weit mehr bewegen, als nur Schachfiguren. Was war die Welt schon anderes, als ein Schachbrett? Was waren die Menschen schon anderes, als seine Figuren? Lächerliche Figuren, hochmütige, dumme, engstirnige, aufmüpfige Figuren…
Ein berechnendes Lächeln schlich sich auf seine Züge, ein Lächeln, das die Augen seiner Eminenz niemals zu erreichen schien. Er war kein Unmensch, nein, bei weitem nicht. Er war ein Mensch, der am längeren Hebel saß. Ein Mensch, der zu nutzen wusste, was ihm Zeit und Geschick gegeben hatten. Ein Mensch, der nur seine Hand auszustrecken brauchte, nach der Dame auf seinem Schachbrett, genau … jetzt –

„Eure Eminenz!“

Ungehalten ließ Kardinal Richelieu die Hand sinken und wandte seinen scharfen Blick der Tür zu.
  „Ich nehme an, was ihr mir mitzuteilen habt ist wichtig, ansonsten sehe ich keinen Grund, warum ihr ohne anzuklopfen dieses Zimmer betreten habt?“, sagte er kalt, die schwarze Dame immer noch am Rande seiner Gedanken festhaltend. „Ist der Bote zurückgekehrt?“

Der Gardist schluckte und blickte nervös um sich. Richelieu meinte beinahe zu spüren, wie dem Mann das Unbehagen die Kehle emporkroch. Und sein Gefühl hatte ihn wie immer nicht getrogen.
  „Ja, eure Eminenz, aber er…also, wie soll ich es sagen…er ist nicht so ganz…also sein Pferd kam gerade eben auf den Hof gelaufen und der Bote, also, er ist nicht so ganz…äh…nun ja, lebendig, um es so auszudrücken.“

Richelieu hob die Augenbrauen.
  „Ich entnehme eurem Gestammel, dass mein Bote tot ist?“
Der Gardist nickte und Richelieu wusste, dass die Furcht in seinem Blick nicht allein durch dessen Anwesenheit in Gegenwart seiner selbst hervorgerufen wurde.
  „Darf ich auch den Grund erfahren?“, meinte er langsam, ein wenig ungeduldig.
  „Eure Eminenz?“
Richelieu seufzte.
  „Wärt ihr wohl so gnädig, Monsieur, mir mitzuteilen aus welchem Grund mein Bote tot ist, oder muss ich mich noch deutlicher ausdrücken?“
Der Gardist zuckte zusammen, ob des kalten Tonfalls des Kardinals und wurde noch blasser, als er es ohnehin schon war.
Welche Feiglinge unterstanden seinem Regiment eigentlich? Richelieu brauchte eindeutig Ersatz für Rochefort, besseren, erfolgreicheren Ersatz…

 „Am besten, ihr bildet euch selbst ein Urteil, eure Eminenz!“, wandte der Gardist mit einem Schlucken ein und trat rasch zu Seite, um ihm die Tür aufzuhalten.
Richelieu seufzte. Musste er hier wirklich alles alleine machen?


***


Die Nüstern des Pferdes waren warm, als Camille sanft mit der Hand darüberstrich. Sie lächelte, als der Rappe ein ungeduldiges Schnauben von sich gab.
  „Du bekommst ja gleich Futter, Geduld!“, meinte sie lachend und schob sein Zaumzeug zurück. „Weißt du was? Arlequin wäre doch ein passender Name für dich, was meinst du?“ Abermals ließ der Hengst ein Schnauben hören und scharrte ungeduldig mit dem Huf in der Erde. Camille grinste wieder und wollte sich umwenden um ihm ein wenig Heu auszustreuen, als sie wie ertappt erstarrte.
Lorine stand mit verschränkten Armen knapp hinter ihr und hob die dunklen Augenbrauen. Camille hatte gar nicht gemerkt, dass sie aus dem Haus gekommen war, doch andererseits gelang es wohl nur Lorine, sich so an einen Menschen heranzupirschen…
  „Arlequin?“, meinte sie skeptisch und Camille trat verlegen von einem Fuß auf den anderen.
  „Jaaa.“, meinte sie, doch sie wusste nur zu genau, worauf ihre Verbündete anspielte. Auch wenn es oft nicht den Anschein hatte, als würde Camille den Ernst einer Situation erkennen, so täuschte dies doch. Tief in ihren Augen konnte man erkennen, dass sie sehr wohl wusste, was sie tat, was andere taten…und warum sie es taten. „Ich gebe ihnen eben gerne Namen, daran ist nichts Schlimmes.“
  „Namen binden einem die Seele an den Leib. Du weißt, was das letzte Mal passiert ist.“
Camilles Gesicht verfinsterte sich, als sie an Chataues grausamen Tod zurückdachte. Sie hatte es nicht mehr verhindern können und sie hatte dieses Pferd gern gehabt…zu gern. Dennoch, wenn dieser Rappe Willens war, sie zu tragen, dann sollte ihm als Ausgleich auch ein Name gehören…
 
  „Du hängst dein Herz zu sehr an solche…Dinge. Das ist nicht gut. Zumindest nicht bei dem was wir tun. Das Risiko eines Verlustes ist immer wahrscheinlich.“ Mit einigen wenigen Schritten ging Lorine zur Tränke hinüber und ließ sich mit verschränkten Armen  an deren Rand nieder. Das einfache braune Gewand aus der letzten Herberge trug sie nach wie vor. Sie hatte es so als am praktischsten empfunden. Ihr schwarzer Zopf jedoch hatte sich wieder aus der Hochsteckfrisur gelöst und fiel ihr über die Schulter.
  „Ist meine Entscheidung, oder?“, meinte Camille mit einem sanften Lächeln und Lorine zuckte nur stoisch mit den Schultern. Ja, Camille hatte selbst zu entscheiden, ob sie sie ihr Inneres vor der Arbeit verschloss, die sie nun einmal zu verrichten hatten. Es würde sie nicht zerstören, wenn sie es nicht zuließ. Zumindest würde das, was sie taten nicht noch mehr Schaden in ihnen anrichten, als schon vorhanden war…

Louise trat aus dem Haus. Sie trug bereits eines von Madame Attiffés Prunkkleidern und schien sich blendend darin zu fühlen, zumindest ließ darauf ihr begeisterter Gesichtsausdruck schließen.
  „Oh, ich liebe diese Teile der Missionen!“, meinte sie unverblümt und drehte sich einmal für die anderen beiden im Kreis. Das purpurfarbene Kunstwerk, das sich unten weit bauschte und oben betonte, was sie zu bieten hatte, verlieh Louise ein ganz eigenes Flair. Eleganz und Faszination.
  „Es steht dir ausgezeichnet!“, meinte Camille und streichelte beiläufig den Hals ihres Pferdes.
  „Ich weiß!“, meinte Louise und betrachtete den nagelneuen Ring an ihrem kleinen Finger. „Ist Gold zu protzig?“, fragte sie, doch Lorine wusste, dass sie die Antwort eigentlich nicht hören wollte.
  „Ist Adaliz inzwischen zurückgekehrt?“, wandte sie deswegen ein und sah Louise fragend an.
  „- Hm? Ach so, nein, ich habe sie noch nicht gesehen. Ich dachte sie wäre auch hier draußen?“
  „Aber sie ist doch schon vor Stunden aufgebrochen, um sich ein wenig in Paris umzusehen!“, warf Camille ein und konnte den besorgten Tonfall nicht ganz aus ihrer Stimme verbannen. „Glaubt ihr, ihr ist etwas zuge – “
  „Och, vielleicht hat sie nur ein wenig Gesellschaft gefunden, wenn ihr wisst, was ich meine.“, sagte Louise und wackelte mit den Augenbrauen, doch Lorines Miene verfinsterte sich nur.
  „Das wäre höchstens von dir zu erwarten, Louise, dass du die Gilde deshalb warten lässt.“
  „Pardon? Was soll das denn jetzt heißen?“, gab die Angesprochene ein wenig gereizt zurück, doch Lorine blieb unbeeindruckt.
  „Das soll genau das heißen, was ich eben gesagt habe. Ich schlage vor, wir warten noch zwei Stunden und wenn sie dann nicht wieder zurück ist – “

Die Schwarzhaarige drehte sich um und ging bestimmten Schrittes in das Wohnhaus zurück. Sie hatten heute Morgen das gesamte untere Stockwerk gemietet, da es wie geschaffen für ihre Bedürfnisse schien. Mitten in Paris, doch so versteckt zwischen den Gassen, dass man weder mit viel Lärm noch mit viel Aufmerksamkeit rechnen musste und der kleine Hinterhof, auf dem sie ihre Pferde abstellen konnten war ebenfalls hilfreich. Der Hausbesitzer, ein alter Herr, der offenbar nur mehr recht verschwommen sah, war schnell zu überzeugen gewesen und hielt sie für vier ein wenig naive Schwestern auf der Durchreise. Ihre falschen Namen hatte er, wie es schien, bereits wieder vergessen, als er ihnen die Schlüssel überreicht hatte.

Über Lorine braute sich trotz dem strahlenden Sonnenschein eine Gewitterwolke zusammen. Adaliz steckte in Schwierigkeiten, das spürte sie nur allzu deutlich, doch sie hütete sich, überstürzt zu handeln.  Denn die Taktikerin der Gruppe ließ sich niemals von ihren Gefühlen leiten, sondern handelte immer nach ihrem glasklaren Verstand. Sie wog erst die Fakten ab, bevor sie den anderen ihren Notfallplan unterbreiten würde. Die Anführerin, nein, das wollte Lorine nie sein, dieser Posten gehörte Adaliz und Adaliz war es auch, die die Gruppe zusammenhielt, sie immer schon zusammengehalten hatte, wie niemand anderes. Vor drei Stunden war sie aufgebrochen, doch sie hätte inzwischen längst zurückgekehrt sein sollen. Und das passte überhaupt nicht zu ihr. Adaliz war geradezu perfektionistisch, wenn es um ihre Aufträge ging, sie hielt sich strikt an den Plan und verlangte bedingungslose Disziplin von der Gruppe, wie auch von sich selbst. Hatte sie etwas in Erfahrung gebracht, was sie zwang, noch länger zu verweilen wo sie gerade war? War sie auf diese Musketiere getroffen, die ihnen vor wenigen Tagen das Schiff versenkt hatten? Oder hielt sie etwas gänzlich anderes auf, etwas, womit sie nicht gerechnet hatten?

Das leise Gespräch zwischen Camille und Louise verstummte, als Lorine die Tür hinter sich schloss und zu der Truhe neben dem Tisch hinüberging. Als sie das Dienstbotenkleid ablegte und ihre nackten, mageren  Schultern zum Vorschein kamen, sah man deutlich die Tätowierungen zwischen ihren Schulterblättern. Drei schwarze Dolche. Logik. Stärke. Schnelligkeit. Die drei Bestandteile eines Kampfes, die Lorine am meisten schätzte.

Sie legte ein silbergraues Prunkkleid an und ihre sichelförmigen Doppelschwerter verschwanden unter der weiten Überborte ihres Rockes. Der Rubindolch verschwand ebenfalls darunter und ihre spitzen Haarnadeln steckten ihren Zopf am Hinterkopf fest. Der neue Degen würde bis auf weiteres in der Truhe bleiben.
Logik. Stärke. Schnelligkeit. Sollte Adaliz vor Sonnenuntergang nicht zu ihnen zurückgekehrt sein, würden sie sich auf die Suche machen. Sie würden suchen und sie würden finden. Egal wie schlimm es um ihre Anführerin auch stehen sollte…


***


  „Pascal, fang!“, rief der junge Mann und warf den Ball aus Leder hoch in die Luft. Immer höher stieg das Spielzeug, höher, bis es schließlich in der Luft langsamer wurde, kippte, wie in Zeitlupe und schoss dann wie ein Stein in die Tiefe. Der kleinere Junge lief mit angestrengter Miene auf den vermuteten Aufprallort zu, streckte die Arme aus und – fing. Er lachte und sein schmutzig blondes Haar fiel ihm dabei in die Stirn.

Die Frau, die versteckt hinter einer Weide stand und die beiden schon eine Weile beobachtete, lächelte stolz. Pascal war gewachsen, war lebhafter geworden, eifriger in seinen Bewegungen. Er musste nun etwa sieben Jahre alt sein – Sieben Jahre und zwei Monate, auf den Tag genau…

Wehmut erfüllte ihre Brust und hinderte sie daran, diesen friedlichen Ort am äußersten Rand von Paris schon wieder zu verlassen – nein, sie musste gehen, die Gilde wartete auf ihre Rückkehr, sie war bereits eine Stunde weggewesen. Sie durfte sie nicht warten lassen. Noch einmal ließ sie den Blick ihrer grün-grauen Augen über den Jungen schweifen, versuchte so viel es ging in ihrem Gedächtnis zu behalten, jeden Schlag seiner Wimpern, jedes Lachen, das sein Gesicht erhellte und jeden freudigen Schrei, wenn er den Ball erneut gefangen hatte und die Sonne auf seinen bloßen Armen tanzte. Pascal …

Angestrengt schloss Adaliz die Augen und blieb noch für einige Sekunden hinter der Weide stehen, sie musste gehen, sie musste, doch es schmerzte, nicht zu wissen, wann sie zurückkehren konnte, nicht zu wissen, wie groß er das nächste Mal sein würde…

Mit einem dumpfen Geräusch landete der Ball neben dem Stamm der alten Weide. Der blonde Junge sah lachend herüber und blinzelte ein wenig verwundert. Hatte er nicht eben einen Schatten gesehen? Vorsichtig blickte er sich um. Nein, es musste wohl der Wind gewesen sein, der die Zweige der Weide dazu gebracht hatte, seinen Augen einen Streich zu spielen. Pascal lief hinüber und hob den Ball auf, noch einmal sah er sich um und unerklärlicherweise trug er das Gefühl im Herzen, nicht allein zu sein. Nähe und Geborgenheit durchströmten ihn wie warmes Wasser und ließen ihn lächeln, ohne zu wissen, warum…


Als Adaliz durch die Straßen von Paris wanderte und bemerkte, dass ihre Gedanken noch immer nicht klar waren, sondern verharrten an der sonnigen Wiese, hinter der Weide, zwang sie sich mehr auf ihre Umgebung zu achten. Ablenkung, sie brauchte etwas, das sie ablenkte, um sie nicht weiter ablenken zu lassen, von etwas, dass ihre Urteilskraft und ihre Aufmerksamkeit verschleiern konnte. Sie ließ es zu, dass die lauten Stimmen der Menschen ringsumher in ihr Bewusstsein drangen, ließ zu, dass ihre Augen das bunte Getümmel erfassten und sowohl die Freude, als auch das grenzenlose Elend und den Schmutz der Gassen registrierten. Adaliz wusste, dass man aus Beobachtung so viel aus Menschen lernen konnte, die man gar nicht kannte, so viel, dass es gefährlich war, gefährlicher, als manch einer annehmen könnte.
Und dann spürte sie es, spürte, dass sie jemand verfolgte, schon eine ganze Weile, vielleicht länger, als sie ahnte. Adaliz zog heimlich einen Dolch aus ihrem Ärmel, verbarg ihn noch darin, doch sie war bereit, zuzuschlagen, bereit herauszufinden, was der Verfolger von ihr wollte…

Die kleine Kirche, die den Besuchern des kleine Platzes stets offen stand, sollte der passende Ort sein, um ihn zu stellen, ohne schneller oder langsamer zu werden, ging Adaliz darauf zu und tauchte ein in das fahle Dämmerlicht im Inneren, das die Welt da draußen nur umso deutlicher von dieser Stätte trennte, weil draußen heller Sonnenschein herrschte. Kerzen flackerten in den dunklen Nischen, beinahe wie Irrlichter und der Geruch von Weihrauch stieg Adaliz sofort in die Nase. Bemessenen Schrittes trat sie an einen der Gebetsstühle und stellte sich dahinter, den Blick wie zur Andacht zum Kreuz gehoben. Der Dolch in ihrem Ärmel wurde zu einer Verlängerung ihrer Hand, nur eine Bewegung und ihr Verfolger wäre ihr ausgeliefert. Genau…Jetzt –

  „Ihr seid vorsichtig. Das ist gut.“

Adaliz drehte langsam den Kopf und erblickte eine Frau mit roten Locken, das Gesicht kühl und unlesbar, die Augen wachsam und berechnend. Sie trug das Gewand einer wohlhabenden Comtesse. Adaliz´ Augen glitten weiter nach unten und erkannten, dass sie beide sich wohl in einer Patt-Situation befanden. Adaliz´ Dolch war auf den Bauch der Frau gerichtet, genau wie deren Miniaturpistole an Adaliz Rücken gehalten wurde. Beide Waffen verborgen vor den Blicken der nichtsahnenden Gläubigen, die sich in andächtiger Stille ebenfalls im Raum befanden und keine Ahnung hatten, dass zwei Schlangen unter ihnen weilten, die sich umkreisten, sich bedrohten und doch nicht angriffen, weil sie wussten, dass keine von beiden gewinnen konnte...
 
  „Ihr müsst Milady sein.“, sagte Adaliz, ohne jeglichen Spott in der Stimme. Berechnende Kühle war alles, was man ihrem Tonfall entnehmen konnte. Milady lächelte und Adaliz wartete auf das, was die Fremde sagen würde. Denn dafür und nur dafür hatte sie sie aufgespürt…


***


Das Pferd, dass einer seiner Männer am Zügel festhielt, hatte Schaum vorm Mund und blickte unruhigen Auges umher, seine Flanken hoben sich noch immer hektisch. Es musste eine weite Strecke gelaufen sein und das sehr schnell. Das Sonnenlicht, das immer noch nicht durch Wolken verdrängt worden war, tauchte die Szene in beinahe grelles Licht und der Kardinal hielt sich eine Hand vor die Augen, als er näher trat um zu sehen, was seine Gardisten dermaßen beunruhigte.
Mit aufgerissenen Augen starrte ihm der Bote entgegen, leer war sein Blick, doch voller Entsetzen. Der Kardinal hob die Augenbrauen und musterte die Leiche, die offenbar geschickt am Sattel festgebunden worden war. Doch, was war das? Wenn man genau hinsah, erkannte man, dass der Mann keinesfalls so tot war, wie es den Anschein hatte...
Stirnrunzelnd trat Richelieu näher. Ja, tasächlich, der Brustkorb hob und senkte sich kaum merklich, doch sein Blick war starr und es schien, als wäre er trotz allem völlig bewegungslos, wie in tiefer Bewusstlosigkeit...
Aber etwas anderes war viel interessanter, an dem toten Mann, der doch nicht tot schien...

Langsam streckte Richelieu die Hand aus und nahm das eingerollte Stück Pergament herunter, das an die Brust des Boten geheftet worden war und das seine Männer nicht gewagt hatten anzufassen. Mit einem Wink und relativ gelassen gab der Kardinal die Anweisung, ihn wegzubringen. Die Bediensteten würden sich um ihn kümmern. Was auch immer wohl mit ihm lossein mochte...

Mit gebauschter Robe schritt er in sein Studierzimmer zurück und schloss die Tür dreimal ab. Mit ruhiger Hand, doch interessiertem Blick öffnete Richelieu das Pergament und seine stechenden Augen huschten über die Botschaft. Der Bote war mit Kunde zurückgekehrt, er hatte seinen Auftrag erfüllt, auch wenn er dafür bezahlt hatte.
Der Blick des roten Herzogs verfinsterte sich und er legte das Pergament auf seinen Tisch. Wut wallte in ihm hoch, Wut und Ungeduld, als er die Nachricht ein weiteres Mal durch seine Gedanken schickte.
 
Wir sind kein Kettenhund, dessen Kette man beliebig verstellen kann. Drei Tage sollt ihr warten, dann werden zu euch kommen, nach deren Diensten es euch verlangt.


Ein Siegel prangte unter der geschwungenen Schrift. Vier schwarze Lilien in einem Viereck angeordnet, von einem Degen durchbohrt.

Die Schachfiguren auf seinem Schreibtisch erzitterten plötzlich ob einer Erschütterung und fielen schwankend um, rollten über die Tischplatte und über den Boden davon, wo sie verstreut und durcheinander schließlich zum Stillstand kamen. Ein Schemen hatte für einen Moment seine Fenster verdunkelt, der Rumpf eines gewaltigen Schiffes…
Sein Plan sollte nun also Gestalt annehmen, auch wenn es länger dauern sollte, als er gedacht hatte.
Die drei Musketieren, nunmehr vier an der Zahl, waren an den königlichen Hof zurückgekehrt…
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