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Assassin

von Glimmer
MitmachgeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos D'Artagnan Kardinal Richelieu OC (Own Character) Porthos
02.11.2011
04.07.2012
10
18.964
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02.11.2011 1.435
 
+Kapitel 6 - Auf nach Paris!+




  „Ihr seid Richelieus Bote!“, rief Camille ungläubig aus, als sie das rote Kreuz auf der schwarzen Kleidung des Mannes sah.
  „Hjmhhh!“, röchelte der Bote und Camille wedelte ungeduldig mit der Hand, wobei ihre Locken an den Schläfen wippten. „Lass ihn los, Lorine, du erwürgst ihn ja!“
Augenblicklich ließ Lorines eiserner Griff an seinem Kragen ein wenig nach und der Mann sog hektisch die Luft ein, wie ein erschrockener Sperling.
  „Wie um alles in der Welt habt ihr uns aufgestöbert?!“, fragte Camille und ihre moosgrünen Augen bohrten sich wie die Klingen eines Messerwerfers in ihr Gegenüber. Der große, kräftige Mann schien auf einmal gar nicht mehr so groß und kräftig zu wirken. Möglicherweise lag das an dem Rubindolch, dessen flache Seite sich ihm an die Schläfe drückte.

Es war bei Gott kein Wunder, dass Camille ein wenig entgeistert war(und auch Lorine, die das in ihrer schweigsamen Art jedoch nicht so offen zeigte), denn die Schwarze Gilde war nicht irgendjemand, oder irgendetwas. Die Schwarze Gilde war kein einfacher Straßenkurier, den man nach Belieben herbeizitieren, oder gar finden konnte. Denn gefunden hatte sie dieser Bote des Kardinals und dass der Kardinal die Schwarze Gilde herbeizuzitieren gedachte, war folglich die Bilanz, die man daraus ziehen konnte. Normalerweise wurden sie nur gefunden, wenn sie gefunden werden wollten und die Spielregeln wurden allein von ihnen festgelegt. Es war beinahe unmöglich ihre Spur zu erhaschen – einer jedoch hatte es anscheinend geschafft.

  „Der Kardinal hat seine Mittel und Wege.“, murmelte der Mann in seinen Bart und drückte Camille unwirsch ein versiegeltes Schreiben in die Hand. Sofort verstärkte sich der Druck an seiner Schläfe. Er zuckte ungehalten, doch Lorines grimmiger Blick überzeugte ihn wohl, keine Mätzchen zu machen. Camille sah schnell nach links und rechts, um zu prüfen, ob sie immer noch allein in der Gasse waren, dann verschwand das Schreiben in ihrem Ausschnitt.
  „Wie ist dein Name?“, fragte sie dann den Boten und ein zuckersüßes Lächeln umspielte ihre Lippen. Lorine, die diesen Blick kannte, verzog wissend die Mundwinkel.
  „Jaques.“, antwortete er zögerlich, man sah ihm jedoch an, dass er es sofort bereute. Diese beiden augenscheinlich verrückten Weiber machten ihm ehrlich gesagt Angst und dass hätte er als Mann und Kämpfer natürlich nie zugegeben. Doch er hatte genug über diese seltsamen Meuchelmörderinnen gehört, um nichts zu riskieren. Camille lächelte breiter.
  „Jaques, ihr habt soeben das Privileg hervorgerufen, eine ganz besondere Ehre zu erhalten.“
  „Ach wirklich?“, fragte er äußerst misstrauisch, wenn nicht gar ziemlich beunruhigt und sein Blick huschte nervös an beide Enden der Gasse.
  „Oh ja.“, grinste Camille und legte ihm langsam eine kleine Hand auf die Schulter…

***

Die Herberge „Zum roten Tuch“ war keine dieser Hafenspelunken, in denen jeder Trunkenbold nach Belieben mit dem Mobiliar herumwerfen konnte. Nein, dieses Gasthaus, das diesen Namen als eines von wenigen auch tatsächlich zu verdienen schien, war von anderem Kaliber. Es war kein Luxus, bei weitem nicht, doch die Gaststube war groß, das Holz der Tische und der Theke war poliert und Samtvorhänge und Kerzenleuchter gehörten zum Ambiente, sowie auch der saubere Fußboden – übrigens eine Seltenheit zu diesen Zeiten.
Nicht wenige Städter besuchten zur Mittagsstunde diese Einrichtung, doch unter all dem Stimmengewirr, Gelächter und fröhlichem Schmausen war auch ein Pol der Ruhe zu finden. An einem Tisch in der Ecke saß eine einzelne Person.
Es war eine Frau, in das einfachere Gewand einer Zofe gehüllt, das schmutzig, blonde Haar zu einem hohen Zopf gebunden und die dünne Gestalt aufrechtsitzend und in Gedanken versunken. Sie mochte etwa Ende zwanzig sein(nicht mehr ganz so jung für die damalige Zeit), attraktiv, ganz gewiss. Dennoch ging etwas seltsam Gefährliches von dieser Frau aus – etwas, dass die anderen Menschen im Raum auf Distanz hielt.

Adaliz wartete. Noch war kein Zeichen der Beunruhigung an die Oberfläche gedrungen, doch nervöse Gedanken nagten an ihrem Inneren. Es war schon nach zwölf Uhr. War den anderen etwas geschehen?
Sie zweifelte keineswegs an der Professionalität der Gruppe, sie alle wussten sich zu helfen und waren mehr als fähig, dennoch hatte sie, als Anführerin immer wieder Bedenken. Schließlich konnten selbst die Vier nicht alles vorhersehen.
  „Schimmel, Fuchs, Rappe, Brauner.“, drang da eine leise Stimme, wie ein Kinderreim an ihr Ohr und Adaliz´ Mundwinkel wanderten in die Höhe. Perfekt, ihre Fortbewegungsmittel waren also gesichert.
  „Nimm Platz, Louise.“, erwiderte sie samten und hinter ihr war ein Luftzug zu vernehmen, als diese auch schon ihr gegenüber Platz nahm.
  „Camille und Lorine haben unerwarteten Besuch bekommen.“, teilte die Braunhaarige ihr mit und Adaliz richtete sich unwillkürlich auf.
  „Keine Sorge.“, grinste die andere. „Die beiden haben sich dem Problem auf die … übliche Weise entledigt.“ Adaliz nickte und ließ ihren Blick in der Stube schweifen, während sie weiterredete.
  „Vortrefflich. Ich nehme an, sie hatten Erfolg, was die restliche Ausrüstung anbelangt?“
Louise wollte gerade den Mund öffnen, da kam ihr jemand anderer zuvor.
 
  „Durchaus. Es ist alles bereit.“
Camille hüpfte regelrecht neben ihre Mitstreiterin auf die hölzerne Bank und wirkte wie das absurde Gegenteil der kühlen Anführerin. Lorine glitt schweigend neben Louise an den Tisch und schaffte es sogar, ihre Zofenverkleidung nicht rascheln zu lassen.  
  „Wir haben die Pferde im Hinterhof gesehen. Wie hast du das nur wieder  geschafft? Gleich vier auf einmal zu bekommen?“, wandte sich Camille in freudiger Aussicht auf ein Reittier an Louise und diese zwinkerte ihr zu.
  „Ach, Überzeugungskraft.“
 
 „Die Nachricht?“, verlangte Adaliz ruhig, doch sehr bestimmt und Camille schob ihr den Umschlag Richelieus zu. Adaliz schmale Augen huschten über die Zeilen und der Lärm im Wirtshaus schien völlig in den Hintergrund gerückt. Als sie schließlich geendet hatte und der Brief in ihrem Dekolleté verschwand, herrschte gespannte Stille. Dann –
Adaliz beugte sich zu ihnen vor, der Blick verschwörerisch, in den Augen ein Aufbruchsbereites Glitzern.
  „Wir sollten nun am besten – “

Doch Adaliz kam nicht mehr dazu, ihnen mitzuteilen, was sie denn nun am besten sollten. Denn in diesem Augenblick stürmte eine volle Kompanie der Stadtwache herein, an ihrer Spitze ein ziemlich ramponierter Hauptmann Djibril, der wutentbrannt und mit gezücktem Degen im Raum stand und offenbar jemand oder etwas suchte.
Die gesamte Herberge war erstarrt und die Vier hatten sich langsam erhoben.
  „Überzeugungskraft, so?“ Lorine hob spöttisch eine Augenbraue und warf Louise einen Blick zu. Die bekam aber gerade von Adaliz einen Degen zugeschoben, ebenso Camille. All dies geschah im Bruchteil einer Sekunde, doch mehr verging auch gar nicht, als Djibril sie auch schon bemerkte.
  „ERGREIFT SIE!“, brüllte er zornig und die Soldaten stürmten los, wie eine Herde Wildschweine, unter die ein Wolf gefahren war.
Augenblicklich hob Lorine den Tisch an und trat ihn um. Erschrocken flohen die übrigen Leute und stolperten dabei über Bänke und Stühle, Gläser gingen zu Bruch und Speisen verteilten sich großzügig über den sonst so makellosen Fußboden. Gleichzeitig schossen Camilles und Louises Degen in die Luft und Lorine wirbelte über den Tisch hinweg, wie ein Hurrikan. Für eine Sekunde schien es beinahe so, als würde sie schweben in ihren sich bauschenden Röcken, dann stieß sie dem ersten Soldaten den Degen tief in die Brust und warf ihn gegen zwei weitere seiner Artgenossen. Auch Camille bewegte sich so schnell, als wüsste sie genau, wohin ihr Gegner zielte, bevor er es wusste, doch bevor Louise oder Lorine einen weiteren Toten auf der Strecke lassen konnten, drängte Adaliz die beiden zur Hintertür, während sie mit einem weiteren Angreifer focht, der aber binnen wenigen Momenten zu Boden ging.
  „Dies ist heute nicht unsere Aufgabe.“, zischte Adaliz und Lorine, Louise und Camille verschwanden durch die Tür.
 
  „ERGREIFT SIE!“, brüllte der Hauptmann erneut und wollte in seiner Wut auf Adaliz zustürzen. Doch wie gesagt, der makellose Fußboden war nun nicht mehr ganz so makellos. Just in diesem Moment rutschte er auf einer der Speiseteller aus und schlitterte unter einen Tisch, der noch stehen geblieben war.
Adaliz verschwand mit einem verachtenden Blick ebenfalls durch die Tür und der Hauptmann stöhnte frustriert auf, als er seine im Raum torkelnden Männer sah, die sich alle irgendein schmerzendes Körperteil zu halten schienen.

***

  „Was war das denn?“, rief Camille Louise lachend zu, während sie auf ihren Pferden über die Felder vor der Stadt jagten. Lorines schwarzes Haar hatte sich aus der eleganten Frisur gelöst und peitschte in wilden Wellen um ihr Gesicht, im vollen Galopp lag sie nur wenig hinter Adaliz zurück, deren blasse Wangen ein wenig gerötet waren. Nur das Trommeln der Hufe und das Rauschen, das der Wind in ihren Ohren verursachte konnte sie hier belauschen.
  „Was jetzt?“, rief Louise voller Tatendrang nach vorne und Adaliz Mundwinkel hoben sich leicht. Sie waren hier, sie waren unschlagbar, sie hatten einen neuen Auftrag.
  „Auf nach Paris!“, flüsterte sie und das gleißende Sonnenlicht ließ die vier Frauen am Horizont verschwimmen.
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