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Assassin

von Glimmer
MitmachgeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos D'Artagnan Kardinal Richelieu OC (Own Character) Porthos
02.11.2011
04.07.2012
10
18.964
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02.11.2011 2.257
 
+Kapitel 9 - Versteckspiel+



Mit einem Knall flog die Tür auf und forschen Schrittes und mit wehender Robe betrat der Kardinal den leeren Raum. Seine grauen Augen wirkten mehr denn je wie blitzende Dolche und einzig und allein seine überragende Selbstbeherrschung hinderte ihn daran, etwas zu Bruch zu schlagen.
Diese verdammten Hugenotten! Er hatte dieses Rattennest von einer feindlichen Festung vor wenigen Wochen dem Erdboden gleich gemacht, hatte sie alle brennen lassen, diese blasphemistischen Bastarde und was musste er nun hören? Erneut erhoben sie sich aus dem Staub, formierten sich gegen ihn, diese Hunde und das gerade jetzt, wo sein Plan, Frankreich, sowie das britische Empire in einen Krieg zu verwickeln, gelingen sollte! Vor Zorn bebend, ließ Richelieu sich hinter seinem imposanten Arbeitstisch nieder und mahnte sich selbst zur Ruhe. Nein, noch hatte er alle Fäden in der Hand, noch war er der mächtigste Mann in ganz Frankreich und nichts und niemand, schon gar kein kümmerliches Grüppchen Ungläubiger würde es zuwege bringen, ihn zu stürzen! Noch behielt er alles im Blick, noch würde alles gelingen. Mit der Diamantaffäre vor einigen Monaten hatte er den Funken gesät, die Musketiere hatten ihm vortrefflich dabei geholfen – auch wenn sie es nicht wussten. Und nun war Buckinghams Zorn geweckt. England hatte gigantische neue Waffen – doch die hatte er auch. England hatte ein hervorragendes Kriegsministerium – doch ein solches besaß er ebenfalls. Richelieu hatte eine gewaltige Armee hinter sich, die das englische Heer bei weitem übertraf! Buckingham hatte ein ausgezeichnetes Netz an Spionen aufzuweisen – doch dieses zu infiltrieren, dafür hatte Richelieu gesorgt und es würde nur mehr wenige Stunden dauern, dann würden die wichtigsten Figuren in diesem Machtspiel auf seiner eigenen Seite stehen!
Oh ja, er hatte diesen Krieg genauestens geplant und die schwarze Gilde war der letzte Trumpf, den er benötigte um sein letztes Hindernis zu beseitigen!
Die Musketiere würden beseitigt sein, noch ehe dieses Monat vergangen war, dessen war Richelieu sich gewiss und dieser Gedanke brachte ihn tatsächlich dazu, die Hugenottenplage vorerst zur Seite zu schieben.

Das erwartete Klopfen beschwichtigte ihn schließlich vollends. Der neue Oberbefehlshaber seiner Garde trat pflichtbewusst ein und schlug nach einer standesgemäßen Begrüßung die Hacken zusammen. Der Kardinal gestattete sich ein kurzes verstecktes Lächeln. Dieser Mann würde sich zur gegebenen Zeit als die vielleicht nützlichste Waffe von allen erweisen und niemand würde Richelieus geplanten Feldzug der absoluten Macht noch verhindern können …

Seine Eminenz konnte natürlich nicht ahnen, dass noch zwei weitere Personen im Raum waren, die beide wussten, dass sie dem Tod geweiht waren, würde man sie erwischen, wie sie hier eine weitere Intrige belauschten. Nämlich nur einen halben Meter entfernt von den Rockschößen des neuen Oberbefehlshabers, hinter den zugezogenen Samtvorhängen, wo sie sich unter Müh und Not in eine geradezu  winzige Fensternische gequetscht hatten. Ihr könnt euch vorstellen, wie eng es dort war, vor allem, weil Louises Prunkkleid einen enormen Durchmesser hatte. Mucksmäuschenstill standen die beiden aneinandergepresst in ihrem Versteck und hielten den Atem an, als der Kardinal zu sprechen begann.

  „Leitet den Befehl weiter, die Truppen im Osten vorerst zurückzuziehen. Ich rechne zu jeder Zeit mit der ersten britischen Offensive, um die Hugenotten…kümmern wir uns zu gegebener Zeit. Der Herzog von Buckingham unterschätzt die Stärke unserer Armee und ich möchte sicherstellen, dass dafür gesorgt wird, dass dies auch so bleibt. Der einzige Grund, warum noch kein Angriff stattgefunden hat, ist, dass die Briten erst erkunden müssen, wo ihre Vorteile auf unserem Gebiet liegen…“

Louises geschulter Blick fiel währenddessen auf den Hemdausschnitt ihres „Begleiters“, eine Nasenspitze entfernt von ihrem Gesicht und sie, die in einer äußerst unbequemen Position verharren musste, runzelte die Stirn. Ein fein geschnitzter Rosenkranz mit einer Kerbe auf dem kleinen Kreuz lugte daraus hervor. Ihr erster Gedanke war, dass er ein Spitzel war, den man ihr untergeschoben hatte – sie war aufgeflogen. Der zweite war: Der war doch nicht etwa religiös? Wenn doch, war es doch ziemlich seltsam, dass er sich so auf sie eingelassen hatte. Andererseits…welcher Kirchgänger, der vorgab im Einklang mit Gott zu leben, tat dies auch wirklich? Völliger Nonsens! Doch bevor Louise, die feststellte, dass ihr mysteriöser „Mitverschwörer“ unheimlich anziehend roch, weiter darüber nachgrübeln konnte, erregten die nächsten Worte des Kardinals ihre sofortige Aufmerksamkeit und ihre Augen weiteten sich überrascht.


***


  „Würde es euch gefallen zu tanzen?“, fragte Porthos auf seine übliche von sich selbst überzeugte Art, doch die schöne, dunkelhaarige Dame würdigte ihn keines Blickes, sowie sie auch die fröhliche Musik und die anderen Menschen im Saal zu ignorieren schien.
  „Nein.“, gab sie emotionslos zur Antwort, ohne dabei die Augen von der Tanzfläche zu wenden.
Porthos war verdutzt. Welche Frau konnte IHM schon wiederstehen? Welche Frau schlug so ein Angebot schon aus, noch dazu auf einem Ball? Frauen wollten immer zum Tanzen aufgefordert werden, da gab es keine Ausnahmen. Doch so schnell gab er sich als edler Recke dann doch nicht geschlagen, er war schließlich nicht umsonst königlicher Musketier…
  „Aus eurer Antwort kann ich zweierlei Dinge schließen, verehrte Dame.“, gab er zum Besten und schien sich ein wenig zu plustern. Sie schien zu zögern, ob sie sich überhaupt dazu herablassen sollte, zu antworten.
  „Ich nehme an, ihr werdet mir sogleich mitteilen um welche Dinge es sich dabei handelt?“
Er überging ihren leicht genervten Unterton und zwirbelte wie zur Bestätigung seinen Schnurrbart.
  „Entweder, ihr seid auf diesem Ball, um offenkundige Verehrer eurer schmeichlerischen Schönheit zurückzuweisen, oder es handelt sich bei eurer Person um eine englische Spionin, die auf Informationssuche ist.“

Wäre Porthos nicht mit Lachen über seinen Witz beschäftigt gewesen, hätte er sicherlich den kurzen mörderischen Ausdruck in ihren steinernen Augen bemerkt, doch dieser wich sofort wieder der vorigen Eiseskälte, als er sich beruhigt hatte.

  „Weder noch.“, sagte sie kalt und Porthos schien erfreut, dass sie endlich mit ihm sprach. „ Ich bin lediglich hier, um eine Freundin vor etwaigen Dummheiten zu bewahren.“ Dabei wanderte ihr Blick wieder zurück zur Tanzfläche. Porthos folgte diesem und grinste dann.
  „Das wäre durchaus angebracht, falls ihr das Mädchen im blauen Kleid meint. Dem armen D´Artagnan ist nicht unlängst das Herz gebrochen worden, von einer Zofe ihrer Hoheit. Constitia oder Contrere oder so ähnlich. Üble Geschichte, aber einer wie er steckt das weg!“
  „Interessant.“, sagte die dunkelhaarige Frau, ohne eine Spur von Interesse, doch Porthos gab noch nicht auf und fing an, in prahlerischer und hin und wieder leicht übertriebener Euphorie von seinen Heldentaten für das Königreich zu berichten und obwohl Lorine sich nicht für ihn interessierte, speicherte sie jedes einzelne Wort in ihrem Gedächtnis ab, merkte sich jede seiner Beschreibungen über Land und Leute…


***


  „Schon bald werden die vier Musketiere nicht mehr in der Lage sein, Unruhe am Hof zu stiften oder die Moral der Truppen zu schwächen…“

Der Mann neben Louise schien mit einem Mal beunruhigt zu sein, sie spürte, wie seine Muskeln sich verspannten, doch auch sie selbst konnte sich einer gewissen Aufregung nicht erwehren.
  „Ich nehme an, eure Eminenz haben schon alles arrangiert, um dies in die Tat umzusetzen?“ Die Stimme des Oberbefehlshabers war gefährlich leise, kaum mehr als ein Flüstern, doch Aramis und Louise verstanden jedes Wort so deutlich, als würde er ihnen ins Ohr schreien. Ihnen war mehr als bewusst, dass sie sich im selben Raum mit den wohl gefährlichsten Männern Frankreichs aufhielten und ihnen war auch mehr als bewusst, dass eine Entdeckung sie Kopf und Kragen kosten würde.
  „In der Tat.“, antwortete der Kardinal und man konnte den Triumph in seiner Stimme deutlich heraushören. "In weniger als zwei Tagen unterstehen mir die … Mittel um diese Plagen ein für alle Mal aus dem Weg zu schaffen!“

War das etwa der neue Auftrag, von dem Adaliz gesprochen hatte? Wenn ja, erhielt Louise gerade streng geheime innenpolitische Informationen, um die die anderen sie beneiden würden! Wie aufregend! Unwillkürlich beugte sie sich ein wenig vor und ihre Bekanntschaft hielt sie blitzartig zurück. Beinahe hätte sie nach Luft geschnappt, zu spät bemerkte Louise, dass ihr Kleid verboten laut geraschelt hatte. Stille herrschte plötzlich auf der anderen Seite des Vorhangs und in diesem Augenblick betete sie innerlich, ihr Begleiter mit dem Rosenkranz möge beten, nicht entdeckt zu werden.
Sekundenlang herrschte Stille, doch Louise leistete sich keinen Fehler mehr und auch der Mann an ihrer Seite schien genau zu wissen, dass jetzt alles auf Messers Schneide stand. Sie mussten hier weg und zwar schnell!
Innerlich jubelte Louise, als der Kardinal wieder zu sprechen begann, doch sie hütete sich, noch einmal unvorsichtig zu sein.
  „Es muss verhindert werden, dass die Musketiere, von denen ich eben sprach, die nächsten zwei Tage abkommandiert werden. Sie haben Paris nicht zu verlassen! Ich erwarte nicht, dass man sie wie einfache Soldaten ins Feld schickt, bei Gott, dafür sind sie dem König leider zu schade. Aber fädelt es so ein, dass der König noch wartet! Er soll nicht handeln, bevor ich nicht mit ihm gesprochen habe!“


***


Aramis war wie erstarrt über das gehörte und zugleich erarbeitete er mit kühlem Kopf schon einen Plan, um hier zu verschwinden und seine Begleiterin in Sicherheit zu bringen. Es war nicht ungewöhnlich, dass der Kardinal versuchte ihn und die anderen umzubringen, schließlich ersann er jede zweite Woche ein neues Komplott gegen sie, doch auch die Musketiere hatten dazugelernt und hatten seine Anschläge bis dato und nicht ohne offenkundigem Spott verhindert. Doch dieses Mal war es anders, das spürte er. Richelieu war von seiner üblichen Taktik abgewichen und dann war da noch dieser neue Befehlshaber, dessen bedrückende Gegenwart nichts Gutes erahnen ließ. Dieser Mann würde nicht so leicht zu reizen sein wie damals Rochefort…

Ganz langsam und bemüht, nicht noch mehr von ihrem betörenden Duft einzuatmen, streckte er die Hand aus. Seine Finger ertasteten nach einigen Sekunden geräuschlos den eisernen Griff des Fensters und die Frau hielt den Atem an und warf ihm einen schnellen Blick zu. Er legte den Finger an seine Lippen und sie nickte. Zum Glück raschelten die Federn an ihrer Maske nicht.
Gut, Ruhe bewahren, er kannte solche ausweglos erscheinenden Situationen. Wenn er sich nicht täuschte, würde in wenigen Sekunden ein gewaltiges Feuerwerk über dem Louvre beginnen. Ein Geschenk des Königs an seine Königin. Das laute Krachen der Feuerwerkskörper würde das Geräusch übertönen, das das Kleid der Frau machen würde, wenn er ihr aus dem Fenster half. Nächster Schritt: Sie befanden sich in mindestens zehn  Metern Höhe, sie durften unter keinen Umständen fallen. Der Mauervorsprung würde hoffentlich ihrer beider Gewicht tragen, vorausgesetzt die Dame hatte keine Höhenangst. Einige Meter links von ihnen würde ein Balkon sein, breit genug um dadurch in das dahinterliegende Zimmer zu gelangen. Noch ein wenig Versteckspiel und sie wären unbeschadet aus der ganzen Geschichte heraus…

„…ich gebe euch die Verstärkung, die Ihr braucht, aber seid euch gewiss, dass – “, sagte Richelieu gerade, dann begann schlagartig das Krachen, als bräche die Hölle über sie herein und Aramis zögerte keine Sekunde. Mit einem Ruck hatte er das Fenster aufgerissen und wollte die Dame an den Hüften herausheben, in Gedanken schon beim nächsten Schritt. Doch leider hatte sein Plan einen Haken, mit dem er partout nicht gerechnet hatte: Die Dame hatte andere Pläne.

Plötzlich fühlte er seinen Arm, mit dem er ihr helfen wollte, auf den Rücken gedreht, spürte einen kurzen Tritt an seinem Bein, das kurz zuvor noch auf den Mauervorsprung vor dem Fenster gestanden hatte, und schon im nächsten Augenblick und bevor er sich irgendwo festhalten konnte, stürzte er hinaus in die Tiefe.


***


Eine Sekunde später riss der Kardinal den Vorhang beiseite und starrte auf das offene Fenster. Er wusste, er hatte sich trotz des Lärms nicht getäuscht. Er hatte etwas gehört! Jemand war hier im Zimmer gewesen. Jemand, der sein Vorhaben belauscht hatte. Jemand der dem Tod geweiht war! Wie die eines Raubtieres, versuchten seine Augen, die hell erleuchtete Nacht zu durchdringen, bevor er das Fenster so heftig zuschlug, dass oben eine kleine Glasscheibe herausfiel. Wenn er jemals herausfand, wer das gewesen war - !

Louise, die all ihre Kräfte aufbot, um nicht gesehen zu werden, sah er nicht und dem Himmel und allen Heiligen sei Dank, spürte er auch ihren Atem nicht. Keinen Meter über ihm presste die junge Frau ihre Arme und Beine mit enormer Anstrengung gegen die beiden gegenüberliegenden Wände der Mauernische und flehte zum Himmel, dass er bald verschwinden möge, bevor sie ihm noch auf den Kopf fiel. Wie sie dort so schnell hinaufgelangt war, ist eine andere Geschichte. Sie war ein wenig aus der Übung, was Turnübungen, wie diese betraf und er brauchte nur den Blick zu heben und -


***


Athos hatte gerade beschlossen, das Feiern seinen Freunden zu überlassen und diesen unleidlichen Festlichkeiten zu entfliehen. Mit festen Schritten und immer noch voll finsterer Gedanken verließ er den Louvre und hatte kein Auge für die Schönheit des Feuerwerks, das bunte Kreise und sprühende Funken in den schwarzen Himmel malte und so manche Gesichter zum Strahlen brachte.

Plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung ertönte da ein lautes Platschen neben ihm und eine wahre Wasserfontäne stieg aus der Seine empor. Athos blieb stehen und wandte den Blick. Was, zur Hölle -?

Triefend vor Nässe tauchte Aramis dunkler Haarschopf aus den stinkenden Fluten auf und er wirkte nicht einmal überrascht Athos zu sehen. Der musterte seinen Freund kopfschüttelnd. Dessen neuste Eroberung bekam ihm offenbar nicht sonderlich. Eine Mischung aus Zorn und Verblüffung stand Aramis ins Gesicht geschrieben, als könne er nicht fassen, was gerade geschehen war.
 
„Lief wohl nicht so gut...Priester.“, konnte Athos sich einen sarkastischen Kommentar nicht verkneifen und Aramis spuckte angeekelt einen erheblichen Strahl Flusswasser aus. Er schien das nicht besonders witzig zu finden.
Doch Athos überließ es ihm, sein nächtliches Bad zu beenden und tauchte ohne ein weiteres Wort ein in die dunklen Gassen von Paris.
Zu schade, dass er damit Adaliz Ankunft nicht mehr mitbekam…
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