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Ekishō

GeschichteAbenteuer, Thriller / P16
Cherit Dante Vale DeFoe Der Professor Lok Lambert Sophie Casterwill
02.11.2011
17.05.2012
5
4.443
 
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02.11.2011 775
 
Der Nebel umspielte meine langen Hosenbeine, während ich durch die dunkle, kühle und klare Nacht rannte. Viel hatte ich nicht dabei, lediglich ein Handy und ein paar Klamotten, alls in eine Tasche zum Umhängen gestopft, als würde ich Hals über Kopf verreisen. Ja, ich bin von Zuhause ausgerissen, hatte nicht mehr den Nerv. Egal. Ich lief und lief. Wie lange preschte ich schon durch die dunklen Gassen Venedig's? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, eine gefühlte Stunde, vielleicht länger. Angst hatte ich keine. Ich kannte ganz Venedig wie meine eigene Westentasche, kannte mich in jeder Gasse und jedem Kanal aus. Wie sollte es auch anders sein, wenn ich nun schon von Geburt an sechzehn Jahre hier verbrachte?
Ehrlich gesagt, wollte ich mich aber nicht daran erinnern. Ich hasste mein Leben seit ich denken kann. Immer war es die kleine Schwester, die sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zog, sich mir gegenüber wie ein kleines Biest verhielt und mir gekonnt all die Gunst meiner Eltern ausspielte. Und mein Vater natürlich, welcher in Feigheit eine andere Frau fand und ich - oh Gott, warum tust du mir das an? - bei ihm einziehen musste - mit meiner kleinen, geliebten Schwester. War es nicht abzusehen, dass das irgendwann das Gefängnis meiner Gefühle, dass ich schon zu frühen Zeiten errichtete, um mein Umfeld zu schützen, irgendwann aufbrechen würde und ich lieber davon laufen würde, als wem anders, verbal oder physisch, zu schaden?
So rannte ich also die Gassen entlang, entfernte mich immer weiter von »Zuhause« und kam wenig später stark keuchend und nassgeschwitzt an einem etwas breiteren Kanal an. Alles schlief - nur ich nicht.
Plötzlich sah ich aus dem Augenwinkel einen Schatten, einen sehr schnellen Schatten, wie ich fand. Doch noch bevor ich mein Sichtfeld ganz auf dieses besondere Etwas richten konnte, wurde ich durch einen harten Stoß zu Boden geworfen und verlor den gesamten Tascheninhalt, den ich in der offenen Umhängetasche aufbewahrte, auf dem dünnen Pfad zwischen Kanal und Hauswand. Blinzelnd sah ich auf und erblickte nichts. Keine Menschenseele befand sich in meiner Nähe, nicht einmal eine Ratte. Vielleicht war ich gestolpert? Somit richtete ich mich ächzend wieder auf und als ich mir den Staub von den Kleidern klopfte, sah ich - erneut aus dem Augenwinkel - einen grellen Lichtblitz, wenig später bröckelte an der mir gegenüberliegenden Hauswand, welche somit am andern Ufer des Kanal's platziert war, ein wenig des Steines ab und fiel mit einem lauten Platschen in das pechschwarze Wasser, einzig und allein durch die Spiegelung des Vollmondes sichtbar.
Zu Tode erschrocken riss ich meinen Kopf in die Richtung, aus der ich vermutete, dass dort der Lichtblitz hergekommen sei, und erblickte einen Mann in einem beigen Mantel - mehr sah ich durch das spärliche Mondlicht leider nicht. Doch eines wusste ich  - dieser Mann machte mir offensichtlich mehr als Angst. Und mit diesem Gedanken war ich auch schon dabei, sämtliche Sachen grob beisammen zu suchen, sie erneut in die Tasche zu stopfen und im Umdrehen los zu spurten.
Kam dieser seltsame Lichtblitz wirklich von diesem unheimlichen Mann? Oder irrte ich mich in diesem Punkt und es war nur ein umherstreifender Betrunkener? Doch wenn Ersteres wirklich stimmte, was wollte er dann von mir? Oder wollte er nur vorbei und war hinter wem anders her? Wenn ja, hinter wem? Doch viel wichtiger war: Wie zum Teufel hat er es geschafft, einen Blitz aus Licht abzufeuern, der ganze Hauswände sprengte?!
Meine Gedanken wurden durch einen weiteren Knall, ähnlich dem der ersten Hauswand, unterbrochen, doch weder traute ich mich anzuhalten, noch überhaupt auch nur meinen Kopf in dessen Richtung zu drehen. Folgte mir dieser schreckliche Typ? Oder war ich einfach nur psychisch komplett für die Tonne und bildete mir das alles ein? Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht, denn ein weiterer Knall erschütterte den Boden und zudem noch mein empfindliches Gehör, weshalb ich mir im Rennen die Ohren zuhalten musste, um keine befürchtete Taubheit zu erleiden.
Dann geschah es. Ich stolperte über einen herausstippenden Pflasterstein und viel der Länge nach auf die Nase. Wenig später spürte ich auch schon den warmen Atem auf meinem Nacken, der offensichtlich von diesem Mann ausging, doch er packte kein Messer aus, um mich abzustechen, oder mich gar zu vergewaltigen, nein. Er gab mir allen Ernstes seine Hand, um mir aufzuhelfen, was ich, perplex wie ich war, natürlich zuließ.
Nun stand ich diesem Fremden gegenüber, Auge um Auge, und starrte ihn bloß ängstlich an. Mein Atem ging schneller als bei einem 100m-Sprint und mein Herz setzte gefühlte zehn Schläge aus.
»Karu, du solltest mit mir kommen. Alles Weitere erkläre ich dir, wenn wir in Sicherheit sind! «, sprach er mit rauer Stimme und schaute sich suchend um.
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