Schwarz mit Zucker

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
31.10.2011
24.02.2012
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Die ganze Fahrt nach Hause über war er mit seinen Gedanken bei Woody.
Es verwirrte und beschämte ihn gleichermaßen, dass ein paar Stunden mit einem praktisch Fremden genügten um ihn derartig aus dem Konzept zu bringen.
Als er im Fahrstuhl stand, ertappte er sich dabei, wie er gedankenverloren vor sich hin schmunzelte und ließ es sein.
Der blinkende Anrufbeantworter begrüßte ihn. Während Buzz sich Jacke und Schuhe abstreifte, hörte er die Nachrichten ab. Der Rückruf den seine Mutter mit klagender Stimme verlangte, war dabei noch das Erfreulichste.
Buzz seufzte. Das Wochenende konnte nicht schnell genug vorrüber gehen.

Am Morgen wachte Buzz noch vor dem Wecker auf. Gut gelaunt stieg er aus dem Bett und marschierte ins Bad, wo er erst einmal ausgiebig duschte. Dann rasierte er sich sorgfältig, vielleicht eine Spur sorgfältiger als gewöhnlich und kämte sich das Haar zurück.
Beim Frühstück dachte er darüber nach wie Woodys Wochenende wohl verlaufen war. Ob er Hobbys hatte, denen er nachgegangen war, während Buzz sich praktisch bis zum Sonntag Abend hatte schleppen müssen?
Er nahm sich vor ihn danach zu fragen.
Eine halbe Stunde später betrat der Blonde das Büro um festzustellen, dass Woody bereits am Rechner saß und seine Emails prüfte.
Innerlich atmete Buzz auf. Allein der Anblick des Brünetten hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn.
"Guten Morgen.", sagte er freundlich
Woody drehte seinen Kopf herum und lächelte, als er seinen Kollegen anblickte.
"Guten Morgen.", erwiderte er.
"Wie war dein Wochenende?", erkundigte sich Buzz, während er seine Lederjacke auszog und über die Lehne seines Drehstuhls hing. Heute fühlte er sich sicherer als am Freitag zuvor und wenngleich er es sich nicht eingestand, wollte er sein wiedergewonnenes Selbstvertrauen verstärkt einsetzen.
"Gut, gut. Ich habe es mir mit Wein und ein paar guten Büchern auf der Couch gemütlich gemacht.", berichtete Woody.
Buzz gefiel die offene Art des anderen. Er nickte.
"Ein Genießer also." Es war mehr eine Frage als eine Feststellung.
Woody schmunzelte.
"Absolut.", gab er zu.
Buzz gab das Grinsen zurück und erlaubte sich ein verschmitztes Zwinkern.
"Dann haben wir was gemeinsam."
Woody erstarrte für einen Augenblick; dann hatte er sich wieder gefangen und ließ ein elektrisierendes Lachen hören.
Täuschte sich Buzz, oder erkannte er ein freches Glitzern in den schokoladenbraunen Augen? Was auch immer es war, es animierte den Blonden nachzuhaken.
"Lass mich mitlachen.", bat er interessiert.
Woody wehrte grinsend ab und wandte sich wieder seinen Emails zu.
Dieser kleine Rückzug stimmte Buzz nur noch angriffslustiger.
Er baute sich aufmerksamskeitheischend hinter Woodys Monitor auf und verkündete mit Samt in der Stimme: " Ich hole uns einen Kaffee." Er gab Woody gar nicht erst die Gelegenheit zu protestieren und ging so rasch es ein gelungener Auftritt zuließ raus, wo er eine Siegergeste mit beiden Händen vollführte, sobald er außer Sichtweite war; die irritierten Blicke eines Kollegen ignorierte er geflissentlich.
Selbstverständlich hatte er sich gemerkt wie Woody seinen Kaffee bisher getrunken hatte: schwarz mit Zucker. Buzz fand, dass ihm das Getränk durchaus gerecht wurde.
Er zog zwei Becher aus dem Automaten, balancierte sie vorsichtig Richtung Büro und dachte bei sich, dass an ihm ein Kellner verloren gegangen war.
Zwei Schritte durch die breite Glastür später bekam sein Triumphgefühl einen jähen Stich und er verlangsamte sein Tempo unbewusst.
Die überaus hübsche und allseits beliebte Blondine aus der Chefetage saß in bester Schulmädchenmanier auf der Ecke von Woodys Schreibtisch und lachte geziert über irgendetwas was er gesagt hatte.
Buzz´ Blick glitt unwillkürlich über den hoch geschlitzten Rock der jungen Frau und hasste sie abgrundtief. Zugegeben, ihre langen Beine waren schön, aber in diesem Moment konnte Buzz nicht anders als den Drang nieder zu kämpfen, ihr diese Beine mit heißem Kaffee zu verbrühen.
Der Blonde bemühte sich um eine arglose Miene und trat näher.
Neben ihr stand eine Tasse (die Buzz als die ihre erkannte) Kaffee auf dem Schreibtisch.
Natürlich schwarz.
Buzz biss die Zähne zusammen das es schmerzte.
Als er die beiden Plastikbecher möglichst unauffällig hinter seiner Tastatur versteckte, schien das blonde Gift ihn endlich zu bemerken. Sie glitt von der Kante und warf dabei ihre kunstvoll gedrehten Locken in den Nacken.
"Dann halte ich Sie mal nicht weiter von der Arbeit ab.", sagte sie zu Woody, sah dabei aber Buzz an.
Dieser fand, dass sie sich ihre gönnerhafte Art in ihren gepuderten Hintern schieben konnte.
"Ach was, abhalten.", sagte Woody freundlich.
"Sie sind zu nachsichtig mit mir, Mr. Pride.", lachte sie übertrieben und tätschelte ihm die Schulter. Einen letzten, nicht gerade netten Blick an Buzz austeilend zog sie hüftwackelnd und mit wippender Frisur den Rückzug an, eine Wolke aus Parfumgeruch hinterlassend.
Buzz stellte fest, dass von seiner Motivation nicht mehr viel übrig war und bot Woody den Kaffee gar nicht erst an.
Sekunden der Stille vergingen, nur durchbrochen vom wütenden Klicken der Tastatur.
Dann hörte Buzz das Schaben von Rollen auf dem Teppichboden und ehe er es sich versah, tauchte Woody in seiner ganzen Größe neben ihm auf.
"Ist der für mich?", fragte er.
Buzz sah zu ihm auf; irgendetwas schien den Brünetten zu amüsieren, denn er lächelte. Der Blonde brauchte einen Augenblick um zu begreifen, dass Woody den dampfenden Becher meinte.
"Hm.", machte er verstimmt.
Woody bedachte ihn mit einer fragend hochgezogenen Braue.
"Sieht so aus, als wäre mir jemand zuvor gekommen.", murrte Buzz schließlich ungnädig und ruckte mit dem Kopf Richtung Schreibtisch, wo noch immer die einsame Tasse stand. Mit einer dämlich grinsenden Katze drauf.
Weil der Blonde es vorzog zu schmollen, konnte er Woodys Lächeln nicht sehen. Deshalb erschrank er auch einigermaßen, als sich der größere Mann über seine Schulter hinweg vorbeugte und murmelte:
"Ich trinke ihn zwar schwarz, aber nicht ohne Zucker."
In der unerwarteten Nähe des aneren vergaß Buzz fast zu atmen; als er es dann doch tat, konnte er wieder dieses Aftershave riechen. Irgendwie würzig, mit einer frischen Note.
"Weiß ich doch.", gab er genauso leise zurück und wandte dabei seinen Kopf ein wenig, um noch mehr von diesem guten Geruch zu erhaschen.
Woody lachte ihm ins Ohr.
"Ja, du weißt das. Sie aber nicht." Damit griff er sich den Becher. Sein sanft gewelltes Haar streifte Buzz´ Wange und das war mehr als dieser ertragen konnte. Voller Angst sein Körper könnte zum Verräter werden, versteifte er sich und ließ die Woge aus Glückseligkeit über sich hinweg schwappen.
Dann zog sich Woody zurück und nahm einen Schluck. Buzz wusste nicht ob er froh oder enttäuscht darüber sein sollte. Natürlich hatte der hoch gewachsene Kollege nichts Besseres zu tun als ein genussvolles Geräusch von sich zu geben.
Buzz befeuchtete seine Lippen mit der Zungenspitze. Gott, was gäbe er jetzt darum ein Becher Kaffee zu sein...
"Sie hat mich gefragt ob ich Lust hätte mit ihr auszugehen. Sie würde mir die Gegend zeigen.", ließ sich Woody dann nebenbei vernehmen.
Buzz´ Stimmung sank wieder um ein paar Grad. Warum erzählte er ihm das auch noch?
"Allerdings habe ich gesagt, dass ich schon eine Verabredung hätte.", fuhr Woody fort.
Buzz spitzte die Ohren, erwiderte aber nichts.
"Also, hast du heute Abend schon etwas vor?"
Das traf Buzz vollkommen unerwartet. Deshalb gab er auch erst einmal ein idiotisch krächzendes "hm?" von sich, ehe er die Frage richtig verstand.
Woody musterte ihn abwartend, offensichtlich auf eine Antwort wartend.
Buzz fühlte sich plötzlich wieder wie sechzehn, als der gut aussehende Kerl eine Klasse über ihm ihn während einer Pause atemlos nach einem Date gefragt hatte; Buzz, der zwar einen halben Kopf kleiner aber für sein Alter stattlich gebaut war, hatte voller Angst etwas Falsches zu sagen die Flucht ergriffen.
Bis auf die fünfzehn Jahre die er nun älter war, hatte sich nicht viel geändert, wie er belustigt feststellte.
Dann realisierte er Woodys unsicher werdende Miene und beeilte sich etwas zu sagen. Etwas möglichst Witziges oder zumindest Wortgewandtes.
"Aber sicher!", platzte er enthusiastisch heraus.
Woody wirkte nur noch irritierter.
"Ahm, ich meine... ich hab nichts vor, nein. Aber wenn ich dich irgendwohin begleiten darf, würde ich das sehr gerne tun. Also..." Buzz merkte selbst wie unbeholfen er klang und brach hüstelnd ab. Zu seiner Erleichterung erschien ein Schmunzeln auf Woodys Gesicht.
"Dann haben wir eine Verabredung?", fragte er, wie um sicher zu gehen.
Buzz, der seinem Mund nicht mehr traute, nickte heftig.
Woodys Lächeln wurde breiter.
"Eine gute Gelegenheit das Nachtleben besser kennen zu lernen.", fand er.
Buzz stimmte ihm zu.

Der Feierabend konnte nicht schnell genug kommen. Buzz stolzierte den ganzen Tag über mit einer Miene herum, als wären Weihnachten und Ostern auf einen Tag gefallen.
Zweimal wurde er von ein paar Kollegen auf seine auffallend gute Laune angesprochen und jedes Mal schüttelte der Blonde nur feixend den Kopf. Das fehlte ihm noch, dass die falsche Person von seinem Date Wind kriegen würde... Buzz war kein Freund von Heimlichkeiten, aber er war vorsichtig; sollte sich die Sache heute Abend als großer Irrtum entpuppen, war es klüger sie nicht vorschnell zu erwähnen, fand er. Auch wenn ein kleiner, unvernünftiger Teil in ihm auf ein glühendes Geständnis hoffte. Buzz ertränkte diesen Teil halbwegs erfolgreich in Kaffee, während er eine Mail tippte.
Als sich der Arbeitstag seinem Ende näherte, wurde Buzz zunehmend nervöser. Er fragte sich, ob das weiße Hemd das er trug die richtige Wahl gewesen war; in der Regel bevorzugte er zu wichtigen Verabredungen bordeux oder blau. Deshalb verschwand er rasch auf der Toilette, um sich noch ein wenig frisch zu machen.
Vor dem Spiegel haderte er kurz mit der Krawatte, die er erst fester zog, dann lockerte und schließlich ganz abstreifte. Man sagte ihm manchmal, dass er eine nett anzusehende Brust hätte, weshalb er die oberen beiden Knöpfe öffnete. Recht viel mehr konnte er in der kurzen Zeit nicht machen. Einen letzten kritischen Blick noch, dann riss er sich von seinem Spiegelbild los und eilte ins Büro zurück, wo Woody ihn schon erwartete.
Buzz entging nicht, dass der Blick des Brünetten kurz an dem V bloßer Haut hängen blieb und gratulierte sich selbst in Gedanken zu seinem Einfall.
"Wie ich sehe, willst du mir die Show stehlen.", scherzte Woody in gespielter Entrüstung.
Buzz griff nach seiner Jacke.
"Als ob ich das könnte.", schmeichelte er.
Daraufhin legte Woody den Kopf schief und sah ihn an, als wollte er sagen "ich bitte dich...".
Buzz jedenfalls gefiel die Richtung in die es ging.
Sie verließen das Gebäude und stiegen in Buzz´ Wagen; der Blonde ließ es sich nicht nehmen Woody die Tür aufzuhalten, was dieser verhältnismäßig gelassen hinnahm.
"Wo soll´s denn hin gehen?", erkundigte sich Buzz, als er die Heizung angestellt hatte.
"Wohin du möchtest.", entgegnete Woody. Als er Buzz ansah, wirkten seine Augen im Halbdunkeln fast schwarz. "Zeig mir, wo du für gewöhnlich hingehst."
Buzz überflog gedanklich die überschaubare Anzahl an Bars und Clubs, die er gelegentlich aufsuchte. Die meisten davon waren unspektakulär, eine Bar nahezu ungeeignet, es sei denn, er wollte einen schlechten Eindruck bei seiner Begleitung hinterlassen. Dann fiel ihm seine Rettung ein: ein kleines, versteckt liegendes Bistro, ein echter Geheimtipp. Das Essen dort war herausragend und die Leute dort ausgesprochen nett. Außerdem lag es ein Stück weit von Woodys Apartment weg; somit hatte er eine Ausrede ihn anschließend nach Hause zu fahren.
"In Ordnung. Dann lass dich mal überraschen.", sagte er und fuhr los.
Ab und zu konnte Buzz Woodys Blick auf sich ruhen spüren; anfangs machte es ihn nervös, aber bald genoss er die Aufmerksamkeit und machte sich einen Spaß daraus manchmal zu ihm rüber zu sehen, woraufhin Woody seinen Blick rasch abwandte, als fühlte er sich ertappt. Beiden verkniffen sich ein Grinsen.
Buzz hatte gute Lust den jungen Mann gar nicht erst aussteigen zu lassen, sondern noch auf dem Parkplatz vor dem Bistro besinnungslos zu küssen, von anderen Aktivitäten ganz zu schweigen. Seine gute Erziehung gepaart mit der Tatsache, dass er ein Gentleman war, hielten ihn von derlei überstürzten Aktionen ab.
Als sie angekommen waren, hielt Buzz seinem Kollegen erneut die Wagentür auf, was dieser mit einem gespielten Augenrollen quittierte.
"Irgendetwas sagt mir, dass du der etwas aufdringlichen Dame von heute Morgen diese Gefälligkeit nicht erwiesen hättest.", sagte er mit leisem Tadel in der Stimme, während sie zum Eingang gingen.
Buzz grinste verschmitzt.
"Ich bin wählerisch was meine Gesellschaft betrifft.", entgegnete er.
Woody tat überrascht.
"Ach? Dann bin ich in deinen Augen würdig genug?"
Dieses Mal war Buzz zu langsam; Woody war als Erster an der Tür und hielt sie auf.
"Das wird sich noch heraus stellen.", meinte Buzz.
Woody, der mit erneuten Schmeicheleien gerechnet (sie insgeheim erhofft hatte, denn wirklich, wem hätten sie nicht behagt?) hatte, guckte etwas verduzt drein, bevor er sich fing und gespielt beleidigt an Buzz vorbei lief.
Der Blonde lachte und bemühte sich aufzuholen. Beinahe rennend kamen sie an einem eher abseits liegenden Tisch zum Stehen, ungeachtet des älteren Mannes, der mit seiner kleinen Enkelin am Tresen saß und die beiden kauend musterte.
Fast zeitgleich als sie sich setzten, kam die Bedienung, eine rothaarige Frau mittleren Alters, die Buzz überschwenglich begrüßte und ihnen die Speisekarte überreichte.
"Wen hast du uns denn heute schönes mitgebracht?", fragte sie mit Blick auf Woody, der etwas schüchtern zurück lächelte.
"Einen neuen Kollegen.", gab Buzz Auskunft und tat sein Bestes, Woody aus der Schußlinie von neugierigen Fragen zu bringen.
"Gibt es heute wieder deinen wunderbaren Blaubeerkuchen?", fragte er rasch.
Die Bedienung nickt.
"Für dich doch immer, Schätzchen."
Kurze Zeit später hatten sie bestellt und warteten auf ihr Essen.
Die Kellnerin (Sophie, wie Woody vom Anstecker auf ihrer himmelblauen Bluse ab ablesen konnte) warf ihnen von hinter den Tresen aus ein Zwinkern zu.
Buzz versteckte sich hinter der Grünpflanze, die neben ihm stand.
"Gute Wahl, Schätzchen.", unterbrach Woody die Stille.
Buzz holte mit den Salzstreuer aus und Woody lachte, hob abwehrend beide Hände.
"Sie kennt mich eben schon eine ganze Weile.", verteidigte sich der Blonde. "Ich mag sie."
Sein Gegenüber schmunzelte und legte den Kopf auf seine ineinander verschränkten Finger.
"Du scheinst ein gutes Gespür für Menschen zu haben.", überlegte er.
Buzz fühlte sich angespornt etwas Nettes zu sagen.
"Zumindest in einem Fall bin ich mir sicher." Er wusste, dass er ins Schwarze getroffen hatte, als sich Woody daraufhin auf die Unterlippe biss und den Blickkontakt abbrach.
Dann kam Sophie mit dem Essen, was Woody gute Gelegenheit gab sich von Buzz´ Charme zu erholen und sich zu stärken. Für was auch immer da noch kommen mochte.
Buzz hatte nicht zuviel versprochen. Das Essen war vorzüglich und für eine Weile waren beide damit beschäftigt zu kauen. Als der ärgste Hunger gestillt war, kamen sie wieder ins Gespräch.
"Wohnst du schon lange hier?", fragte Buzz zwischen zwei Gabeln voll Steak.
Woody schüttelte den Kopf.
"Ehrlich gesagt bin ich mitten im Umzug. Alles steht voll mit Kisten und ich bin nicht gerade der Schnellste was das Ausräumen angeht.", gestand er.
Buzz nickte verständnisvoll.
"Habe ich schon erwähnt, dass ich gut im Möbelaufbauen bin? Sogar ohne Plan."
Woody lachte herzlich. Er deutete mit seiner Gabel auf Buzz.
"Hinter diesen unschuldig blauen Augen sitzt der Teufel...", meinte er nicht ohne Sympathie.
"Und hinter deinen ein tiefes Wasser.", konterte Buzz.
"Gib´s zu... du würdest als erstes das Bett aufbauen.", stichelte Woody.
Buzz tat entsetzt.
"Wo denkst du hin? Zuerst natürlich die Küche. Ich hatte schon immer etwas für große Arbeitsflächen übrig..." Der Blonde grinste diabolisch und Woody warf eine Fritte nach ihm.
Zu Buzz´ Glück war Sophie gerade in der Nähe.
"Sophie, er wirft mit Essen nach mir!", jammerte er.
Die Bedienung trat heran und zerwuschelte Buzz ungerührt die Haare.
"Armer kleiner Junge.", fand sie und zwinkerte Woody zu, der seine helle Freude daran hatte, wie panisch Buzz auf die Zerstörung seiner Frisur reagierte.
"Na danke, das macht es mir nicht gerade leichter vertrauenswürdig zu wirken!", schimpfte der Blonde und versuchte sein Haar zu retten.
Sophie ließ ein ganz und gar nicht damenhaftes Lachen ertönen.
"Na, ob dir das gelingt...", zweifelte sie gutmütig. Dann tätschelte sie seine Schulter. "Ich weiß doch, dass du ein guter Kerl bist.", tröstete sie.
Buzz grinste zu ihr auf.
"Gib deiner Begleitung doch ein Stück Kuchen aus, hm? Ich hab euch zwei Stück aufgehoben.", schlug sie dann vor.
Woody öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber Buzz kam ihm zuvor.
"Er ist sowieso eingeladen, Kuchen hin oder her. Aber gerne, Sophie."
Sie lobte seine Entscheidung und machte sich auf den Kuchen zu holen.
"Du bist doch nicht allergisch auf Blaubeeren, oder?", vergewisserte sich Buzz dann plötzlich.
Woody verneinte mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck, den Buzz sogleich zu deuten wusste.
Genauso musste er selbst drein gesehen haben, als er das erste Mal zum Essen eingeladen worden war; hinterher hatte er das Gefühl gehabt dem Mädchen was schuldig zu sein und hatte sich zum Fummeln auf der Rückbank ihres Autos (sie war zwei Jahre älter als er gewesen) überreden lassen. Das Ergebnis dieser kurzen, unbeholfenen Intimität war ernüchternd gewesen; das Mädchen war wütend über den Riss in ihrem Oberteil gewesen, während Buzz klar geworden war, dass er für das andere Geschlecht nichts übrig hatte.
Buzz wollte nicht, dass Woody sich ähnlich schlecht fühlte und wählte seine Worte sorgfältig.
"Weder der Kuchen noch alles andere ist verpflichtend.", sagte er in gemäßigter Lautstärke. "Denk also bitte nicht, du müsstest dich in irgendeiner Art und Weise revanchieren."
An den sich entspannenden Gesichtszügen des anderen erkannte er, dass er das Richtige gesagt hatte.
Woody mache eine etwas hilflose Geste mit der Hand.
"Ich war mir nicht sicher wie ich das hier betiteln sollte...", gestand er dann und vermied Blickkontakt. Offenbar war er nicht so selbstsicher wie er es vorgab zu sein.
Buzz wollte ihn dafür umarmen.
"Wir nennen es einfach einen netten, zwanglosen Abend mit Kuchen.", schlug der Blonde unbekümmert vor.
Als Woody aufsah, wirkte er viel ruhiger.
"In Ordnung. Damit kann ich leben.", meinte er.
Dann kam Sophie mit dem Blaubeerkuchen.