Christin und Kerstin

GeschichteRomanze, Familie / P12
24.10.2011
22.01.2012
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'Oh nein, bitte nicht schon wieder! Was macht sie denn jetzt wieder?!' Genau das waren meine Gedanken, als ich meine Schwester Kerstin mit einem fremden Jungen sah. Sie fällt jedes Mal aufs neue auf die blöde Masche von den Jungs aus der Disco rein. 'Aber gut sieht der Junge schon aus. Na wenigstens verliert sie ihren guten Geschmack nicht.'  Kerstin hatte dauernd einen anderen Freund, ich bin da eher schüchtern, zum Glück. Ich hatte bis jetzt in meinem Leben nicht mehr als drei Freunde.
"KERSTIN! Komm mal bitte kurz."  "Was'n los, Chrissi?" Während sie das fragte kam sie auf mich zugelaufen.
Die blau-grauen Augen und der dunkle Teint ihrer Haut passen perfekt zu ihren hüftlangen blonden Haaren. Welche in sanften Wellen über ihren Rücken wallen. Sobald wir an Fremden vorbei gehen, glaube ich zu meinen, dass meine Schwester Kerstin mehr Blicke auf sich zieht, als ich. Ich meine, wir sehen zwar genau gleich aus, aber ihre Art, wie sie läuft und ihre Ausstrahlung ist viel selbstsicherer als meine.
"Kannst du mir bitte wieder was besorgen? Jetzt gleich! Ich kann nich mehr!" "Ja, hast du auch Kohle?" "N bisschn nur. Kannst du nich was auftreiben?" "Ach Chrissi...Na okay. Geh nach Hause. Und lass die Tür offen, ja? Ich beeil mich." Also ging ich gleich zurück nach Hause, aber nicht ohne meiner Schwester einen nachdenklichen Blick hinterher zuwerfen. 'Hoffentlich beeilt sie sich.'
Als sie dann endlich kam war ich schon ein richtiges Nervenbündel. "Besser?" "Mhm, auf jeden Fall ... Jaja, ich weiß." "Ja, dann geh doch endlich mal!" "Du weißt genauso, wie ich, dass ich das nich kann!" "Chrissi, du musst aber. So kann das nich weiter gehen. Ich kann nich mehr! Du machst dich nur noch mehr kaputt. Ich kann nich dauernd auf dich aufpassen!"
Und dann passierte etwas, was sie schon lange nicht mehr getan hat: Meine Schwester nahm mich in den Arm.
Wir schreckten auseinander, als die Wohnungstür ging. Ein kurzer Blick zu Kerstin genügte und wir dachten genau das gleiche: 'Nein, bleib du, wo der Pfeffer wächst. Verschwinde du olle Tussi!' Und dann kam sie auch schon. Unsere Mutter. Stockbesoffen, wie immer und sie hatte wie immer einen fremden Mann im Schlepptau, weder Kerstin noch ich kannten die Männer, die sie immer mitbrachte. Hauptsache, unsere Mutter  hatte den Spaß für eine Nacht, danach sahen wir den Mann nie wieder. Unsere Mutter  interessierte sich nie für uns. Uns war es egal, wo sich unsere Mutter  herumtrieb, wenn sie nicht zuhause war, und wie es ihr dabei ging. Sie dachte auch nie daran, wie es meiner Schwester und mir ging, wenn sie sowas machte. Wir wollen sie gar nicht mehr sehen und sind froh, wenn sie nicht da ist.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, stellte ich fest, dass das Bett neben mir leer war. Kerstin war weg. 'Komisch. Normalerweise pennt die doch immer länger als ich.'  Nach einer kurzen Suche in der Wohnung griff ich mir mein Handy und versuchte sie so zu erreichen. Doch sie ging nicht ran. 'Wieso geht sie nich ran? Sie geht doch sonst immer ran.' Also machte ich mich auf die Suche nach ihr. Ich suchte die ganze Stadt nach ihr ab. Gegen Mittag rief sie mich dann endlich an. Sie war in der Schule! Dort hab ich natürlich nicht gesucht. Ich bin früher auch mal in die Schule gegangen, aber irgendwie hab ich das dort nicht auf die Reihe bekomm. Ich kann bis heute noch nicht lesen. Kerstin musste extra für mich eine Art Geheimschrift machen. Damit wir nicht immer telefonieren müssen. Aber bis ich das immer raus hab, was sie von mir will, ist eine ganze Weile vergangen. Kerstin erklärte mir, warum sie wieder in die Schule ging. Sie wollte etwas aus ihrem Leben machen. und für mich Sorgen. Geld verdienen und sowas.



Fortsetzung folgt ;)
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