Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Allgemein / Tjark

Tjark

von Dewi
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
22.10.2011
26.04.2013
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Dieses Kapitel
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„Weil du … Scheiße, du kapierst gar nichts, oder?“
Seine Hände krallen sich kurz unter dem Kragen in mein Shirt, die Knöchel seiner Faust drücken sich schmerzhaft gegen mein Schlüsselbein, als er mich zurück drängt. Er ist in etwa so groß wie ich, und doch lasse ich es geschehen, stolpere zwei Schritte nach hinten, bis mich die rauen Backsteine mit einem Ruck stoppen. Die Wut, die er ausstrahlt, kommt als Wärme auf meiner Haut an. Seine graublauen Augen fixieren mich, die Lider leicht verengt. Der Mund formt eine harte Linie.

Ich bin kein Hänfling, und doch macht mich seine Dominanz gerade an. Sie sollte es nicht. Er sollte es nicht. Wir sind Freunde. Nicht die besten Freunde, und doch kennen wir uns seit Teenagerzeiten. Ich wollte nie etwas von ihm. Nie. Bis zu diesem Moment. Tjark ist ein stiller Mann. Er war schon als Junge ruhig, es war schwer, ihm ein offenes Lachen zu entlocken. Eher hat er die Stirn gerunzelt. Er spricht nicht viel. Obwohl ich ihn so lange kenne, weiß ich wenig von ihm. Ich weiß um die großen Ereignisse in seinem Leben, aber ich habe keine Ahnung, was der Tod seines Vaters vor ein paar Jahren mit ihm angerichtet hat; ob er sich frei fühlt, seitdem er seine Beziehung zu Jana beendet hat – oder einsam. Als ich ihm ins wutverzerrte Gesicht blicke, wird mir klar, dass ich den Mann vor mir nicht kenne. Ich hab ihn noch nie so erlebt. Er scheint zu vibrieren vor Aggressivität und etwas anderem, von dem ich mir nicht sicher bin, ob ich es mir einbilde.

Ich mag Männer. Männer, keine zart besaiteten und verhuschten Halbwüchsigen mit großen Kulleraugen und langen Wimpern. Männer mit harten Körpern, die zufassen können und sich nicht unterkriegen lassen. Bei denen ich nicht weiß, woran ich bin, die sich nicht einfach geschlagen geben. Männer, mit denen Sex auch ein Kampf sein kann. Ja, ich kämpfe gern. Mit anderen, gegen mich selbst. Ich lasse mich nicht schnell beeindrucken. Aber Tjark … in diesem Moment ist er … Ich schlucke, versuche, meine rasenden Gedanken zu bremsen und mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Ich kann Tjarks Atem fühlen, warm streift er mich. Zusammen mit seinem Geruch. Ein letzter Rest von Aftershave, frischer Schweiß, etwas Alkohol; seine Klamotten riechen nach dem Rauch der Kneipe, in der wir mit den anderen Jungs gefeiert haben. Bis vor ein paar Minuten, als Tjark und ich hier raus gingen, ein Wort das andere ergab und ein dummer Spruch von mir dazu führte, dass er nun wutschnaubend vor mir steht. Er atmet schnell, seine Nasenflügel sind leicht gebläht.

Anstatt mein Denken zu konzentrieren, schalte ich es für einige kurze Augenblicke ganz ab. Anders kann ich mir nicht erklären, was ich tue. Ich hebe die Hand, umschließe Tjarks Faust, die den Stoff meines Shirts zu zerreißen droht. Es ist keine abwehrende Geste, ich versuche nicht, seine Finger von meinem Shirt zu lösen. Seine Hand ist kalt. Kalt und hart wie der Ausdruck in seinen Augen. Ich umschließe seine Faust, drücke sie noch fester an mich. Erstaunen flackert in seinem Blick auf, dann Abwehr. Abwehr, die mich anmacht. Er löst seine Hände von mir, zieht sie abrupt unter meinen Fingern weg. Ich gebe ihm keine Chance und mir keine Zeit zum Denken. Lege meine Hand in seinen Nacken, ziehe uns zueinander, mich von der Wand weg, ihn ein Stück zu mir. Sein Geruch umhüllt mich, seine Lippen sind kühl, als ich sie berühre. Kurz, für einen Wimpernschlag nur habe ich das Gefühl, Tjark käme mir entgegen. Spüre den leichten Gegendruck. Keusch. Und doch berauschend.

Dann ist der Moment vorbei. Tjark reißt sich von mir los. Steht vor mir, die Augen aufgerissen. Nie ist er mir jünger erschienen als in diesem Moment. Dann überrollt ihn die Wut. Sie ist schnell. So schnell, dass ich nicht rechtzeitig reagiere, als seine Faust mein Kinn trifft. Ich habe den Schlag nicht einmal kommen sehen, begreife erst einige Herzschläge nachdem es meinen Kopf herum reißt und der Schmerz sticht, was geschehen ist. Scheiße, tut das weh! Ich fasse mir ans Kinn, schmecke Blut. Richte mich auf. Verspätet rollt eine Welle Adrenalin durch mich hindurch, kribbelt in meinem Körper und meinem Magen. Es ist lange her, dass ich eine verpasst bekommen habe. Ich sehe Tjark ins Gesicht, noch immer ist Wut die vorherrschende Emotion, vielleicht gesellt sich auch Entsetzen dazu. Arschloch.

Wir sehen uns an, schweigend. Komm schon. Na komm, prügel' dich mit mir! Wichser. Aber Tjark wäre wohl nicht Tjark, wenn er sich nicht bald wieder im Griff hätte. Ich habe nie gesehen, dass er sich geschlagen hätte. Dabei muss er sich bestimmt nicht vor anderen Kerlen fürchten. Da ist sie wieder. Die Maske aus Beherrschtheit. Doch sie sitzt schief, ich kann seine Aufgewühltheit darunter schimmern sehen, als er einen Schritt zurück weicht und sich dann von mir abwendet. Wortlos.
„Feigling.“
Ich spucke das Wort aus, lasse einen Klumpen blutigen Speichels folgen, der hörbar auf dem dreckigen Asphalt aufschlägt.
Ich hätte nicht damit gerechnet, dass nur dieses eine Wort ausreicht. Ich hätte schwören können, dass Tjark seinen Weg fort setzt. Zurück geht zu den Jungs. Schweigend und unbewegt. Wie immer. Doch ich habe mich getäuscht. Er wirbelt zu mir herum, den Mund verzogen, fast so, als wolle er die Zähne blecken.

Ich habe bis Anfang zwanzig Rugby gespielt, und das, was Tjark im nächsten Moment tut, erinnert mich stark an alte Zeiten. Der Aufprall an der Backsteinwand ist hart, als sein Körper gegen meinen kracht und mich nach hinten taumeln lässt. Es wäre wohl passend, wenn ich sagte, er käme über mich, denn es fühlt sich so an, als würde ich am Boden liegen und er läge mit seinem gesamten Gewicht auf mir. Doch es ist nicht so. Er presst mich an die kalte Wand, nutzt seinen ganzen Körper dafür. Seine Rippen hart an den meinen, seine Hüftknochen drücken unangenehm. Seine Hände umschließen meine Schultern, seine Finger graben sich in den Stoff meines Shirts. Sein Gesicht ist mir nah. So nah, dass es mir schwer fällt, ihn zu fokussieren. Er macht mir Angst und im gleichen Moment macht er mich unglaublich an damit. Vielleicht artet das gleich in die übelste Prügelei meines Lebens aus, doch es ist mir egal. Ich will ihn. Ich wehre mich auf meine Art. Nutze den Halt der Wand in meinem Rücken, drücke mich unter Mühen von ihr ab und sorge dafür, dass Tjark versteht. Presse mich gegen ihn; es macht mich noch härter, den Widerstand seines Körpers zu spüren.

Der Schmerz kommt unvermittelt. Mein Hinterkopf macht Bekanntschaft mit den Backsteinen. Mein Herz gerät aus dem Takt. Denn Tjark küsst mich. Ungeduldig und grob. Seine Zähne stoßen gegen meine Unterlippe. Der Geschmack von Eisen in unserem Kuss. Ich greife in sein Kreuz, seine Haare, zerre ihn zu mir. Dichter, dichter, mehr. Komm schon, mehr! Er ist überall. Wütend und hungrig. Vollkommen still, nur unser Atem und das leise Geräusch des Kusses, das gar nicht zu der darin liegenden Gier passt. Er küsst mit seinem ganzen Köper. Bewegt sich, spannt sich an, entspannt sich, reibt mit seinem Oberschenkel an meinem Schritt, drückt sich dagegen. Lässt mich spüren, dass ihn dieser Kuss anmacht. Es ist mir scheißegal, dass er Tjark ist. Mein Kumpel. Dass ich ihn nie auf diese Art wahr genommen habe. Dass ich nicht mal wusste, dass er auch auf Kerle steht. Ich will ihn, will mehr als diesen Kuss. Ich schiebe meine Hand zwischen uns, streiche über seinen Schritt. Ein erstes Geräusch von ihm, kaum mehr als ein lauteres Einatmen.

Er löst sich von mir, sieht mir ins Gesicht. Sein Blick ist unstet, doch die Wut ist verschwunden. Als er nach meiner Hand greift, sie aus seinem Schritt pflückt und mich mit sich zieht, weiß ich, welches Gefühl die Wut ersetzt hat. Es ist Entschlossenheit. Ich zögere, halte ihn auf. Das hier ist Tjark, verdammt. Das … ich kann das nicht machen. Er blickt zu mir zurück. Ganz leicht hebt sich seine rechte Braue. Mir ist nie aufgefallen, dass er das kann.
„Komm.“
Er wartet meine Erwiderung nicht ab, geht einfach weiter. Und ich, ich gehe mit ihm. Wer zur Hölle ist der Kerl neben mir? Der Kerl, der mich nicht ansieht, während wir die Straße runter marschieren, weg von der Kneipe, weg von den Jungs und meiner dünnen Lederjacke, die noch über meinem Stuhl hängt. Der Kerl, dessen Lippen fest aufeinander gepresst sind, der meine Hand so fest hält, das es unangenehm ist. Ich bin aufgeregt, will wissen, ob er das wirklich bringt. Nur ein kleiner Teil von mir, der flüstert argwöhnisch. Erst, als er abrupt stehen bleibt, fällt mir auf, wo wir uns befinden: vor meiner Haustür, nur einige Straßenecken von der Kneipe entfernt. Er ist nicht nur entschlossen, sondern auch verdammt zielstrebig. Erstaunt sehe ich ihn an, schüttle den Kopf.
„Du willst das wirklich durchziehen.“
Er nickt. Ernst. Kein Lächeln, nicht einmal ein Grinsen, das aus Unsicherheit geboren wird. Tjark lässt meine Hand los, schiebt sich schräg hinter mich. Seine Stimme ist leise, ganz dicht an meinem Ohr.
„Schließ auf.“
Die beiden Worte rinnen meine Wirbelsäule hinab. Mit fahrigen Bewegungen leiste ich seiner Aufforderung Folge.

*

Müde streiche ich mit meinen Händen durch mein Gesicht. Sie fühlen sich angenehm kalt an. Mein Schädel brummt, doch das kommt nicht vom Alkohol, dafür habe ich gestern zu wenig getrunken. Leider. Gott, ich bin so tot. Hätte ich mich nicht bis zur Besinnungslosigkeit betrinken können? Dann würde ich mich heute nicht mehr erinnern, sondern mich einfach nur wundern, woher die Schwere und die Schmerzen kommen, die sich in meinem Körper eingenistet haben. Ich werde Muskelkater bekommen. Durch den beschlagenen Spiegel im Bad, der einer langen heißen Dusche geschuldet war, habe ich sie zunächst nicht bemerkt. Erst, als ich das Bad schon verlassen wollte, fiel mir ein roter Striemen an meiner Schulter auf. Er hat gute Gesellschaft von dem ein oder anderen blauen Fleck und einer halbkreisförmigen Rötung, die stark nach einem Biss aussieht. Doch auch ohne die Spuren auf meiner Haut wüsste ich es. Meine Muskeln sprechen. Laut und nachdrücklich. Ich fühle mich schwer, will zurück ins Bett. Ein Bett, das nicht nur Zeuge, sondern auch Opfer war. Shit, es hätte mich nicht gewundert, wenn es heute morgen an einer anderen Stelle des Raumes gestanden hätte.

Dabei braucht es all die Zeugen nicht. Ich erinnere mich. Ich erinnere mich an jedes beschissene Detail. An seine Hände. Seine Haut. Seinen Körper, hart und unnachgiebig. Mit Knochen, an denen man sich die Haut aufreißen kann, mit so viel Kraft, dass er einen zu bannen vermag. Mit erschreckender Sanftheit, manchmal. Sanftheit wie Atem holen. Denn es war nicht sanft. Nein. Es war hungrig und gierig und grob. Es war verdammt noch mal gut. Beschissen gut. Und das lag nicht an mir. Es lag an Tjark. Ich habe selten einen konzentrierteren Mann gesehen. Zielgerichtet. Eine Leidenschaft, die an Wut grenzte. Er hat mich nicht entkommen lassen. Sich auch nicht.

„Jan? Hey, Erde an Jan.“
Felix reißt mich aus meinen Gedanken. Etwas verpeilt sehe ich zu ihm hoch, er hält mir eine Tasse Kaffee entgegen. Ich sitze auf dem Sofa in seiner Wohnung, es ist halb drei, unsere übliche Zeit für den Sonntagsbrunch – eine Gepflogenheit, die wir noch aus unseren WG-Zeiten bewahrt haben. Der kleine Couchtisch ist vollgestopft mit Geschirr und Essen. Ich bin gerade sehr froh, dass wir uns diese Woche bei Felix treffen. Schweigend nehme ich ihm den Kaffee ab, wärme meine Hände daran.
„Ich hab dir übrigens deine Jacke aus dem Tack mitgebracht.“
Meine Hände schließen sich fester um den Becher. Ich versuche mich an einem unverbindlichen Lächeln.
„Danke.“
Felix mustert mich genau. Er kennt mich zu gut. Dreckskerl.
„Wieso bist du gestern einfach so abgehauen? Und was war mit Tjark? Seid ihr zusammen weg?“
Mein Lächeln erstirbt. Betreten schaue ich in meinen Kaffee. Schwarz. Oh, verflucht. Warum muss ich in bestimmten Momenten einfach immer mit dem Schwanz denken? Dabei sind die Regeln doch klar, oder? Fick niemals mit deinen Freunden. Und fick erst recht nicht mit deinen heterosexuellen Freunden. Scheiße. Ich bin so geliefert.

Ich zwinge mich, den Blick zu heben. Ich bin verdammt noch mal keine Memme. Und auch kein offenes Buch. Ich zucke mit den Schultern.
„Musste raus. Hatte keinen Bock mehr auf Kneipe.“
Felix sieht mich an, legt den Kopf leicht schief. Ich kann sehen, wie es in ihm arbeitet. Er mustert mich, studiert mein Gesicht, meine ganze Erscheinung. Dann schleicht ein Grinsen auf sein Gesicht.
„Das hast du nicht getan.“
Das Grinsen wird breiter, wird zu einem kurzen Lachen. „Alter, das hast du nicht gemacht.“ Felix schüttelt den Kopf, sichtlich erheitert. „Du hast mit Tjark geschlafen.“
Manchmal hasse ich Felix. Aufrichtig und abgrundtief. Doch Felix bemerkt die tödlichen Blicke nicht, mit denen ich ihn gerade hinrichte.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch erlebe.“
Ich blinzele irritiert.
„Wovon sprichst du?“
„Dass er dich rumkriegt.“ Felix nippt an seinem Kaffee.
„Was?!“

Ich glaube, ich hab mich verhört. Er – mich? Wer von uns beiden ist denn schwul? Wobei, von hetero kann man bei Tjark nach letzter Nacht wohl nicht wirklich sprechen. Er wusste ziemlich genau, was er wollte und war alles andere als zurückhaltend. Zum Glück, denn ich steh echt nicht darauf, zitternde Heten zu bekehren. Aber trotzdem, ich glaube nicht, dass er schon sonderlich viel Erfahrung mit anderen Männern hat. Vielleicht auch gar keine. Es gab Momente, in denen er zögerte. Wenn sein ernster Blick kurz zu flackern schien. Nur um dann von einer erneuten Welle fast zorniger Lust fort gewischt zu werden. Eine leichte Gänsehaut überzieht meine Unterarme, als ich daran zurück denke.

„Tu nicht so, immerhin ignorierst du ihn schon dein halbes Leben.“
Ich glotze Felix an und muss dabei so erstaunt aussehen, dass sein Lächeln langsam schwindet.
„Sag mir nicht, dass du das nicht bemerkt hast.“
„Was zur Hölle soll ich bemerkt haben?“
„Dass Tjark auf dich steht?“
„Schwachsinn! – Ich meine, ja, wir … Shit! Ja, wir haben es getrieben, und ich schätze, für ne Hete hat es ihm ganz gut gefallen. Zufrieden? Das heiß aber sicher nicht, dass er wirklich was von mir will. – Zum Glück nicht.“
Angriffslustig sehe ich Felix an. Der hingegen schnaubt nur. Er ist einen halben Kopf kleiner als ich, das hat aber noch nie dafür gesorgt, dass er sich von mir hat einschüchtern lassen. Ich kann ziemlich ungemütlich werden, aber Felix mache ich keine Angst. Niemals. Vielleicht ist er deswegen mein bester Freund.
„Ich fass es nicht. Du hast Antennen für jeden, aber auch jeden Kerl, bei dem auch nur die Möglichkeit besteht, dass er interessiert an einer Nummer sein könnte – und du schnallst nicht, dass Tjark schon mit siebzehn in dich verschossen war?“

Ich halte mich an der Kaffeetasse fest. Starre Felix an – und sehe ihn nicht. Statt dessen sehe ich Tjarks Augen. Graublau. Selbst dann noch kalt, wenn sein Körper sich vor Lust krümmt. Es war keine Lust zwischen uns, die fast wütend wirkte. Es war Wut, die sich als Lust verkleidet hatte. Tjarks Wut. Warum konnte er mich nicht verprügeln? Nein, statt dessen haben wir es getan. Mehr als einmal. Haben nicht voneinander abgelassen. Verdammt, es war so gut. Wir waren lebendig. Pures Leben unter meiner Haut, Tjark unter mir, über mir. Um mich herum. In mir. Tjark mit diesem unterschwelligen Summen in sich, fast konnte ich es auf seiner Haut spüren. Es hat mich nervös gemacht, mich zuweilen geängstigt. Vor allem aber hat es mich angestachelt. Ich wollte mehr von ihm, immer mehr, wollte, dass er seine Beherrschung verliert und das Summen frei lässt.

Erst im Morgengrauen bin ich weggedämmert, vollkommen fertig. Und bin wohl nicht wenig später aufgeschreckt. Tjark stand in meinem Schlafzimmer, hatte mir den Rücken zugedreht. Zog sein Shirt über den Kopf, seine Jeans hatte er schon an. Ich zögerte. Ich hätte ihn gehen lassen können. Hätte vortäuschen können, es nicht bemerkt zu haben. Um uns die Peinlichkeit eines ratlosen Abschieds zu ersparen. Ich habe keine Ahnung, warum ich ihn ansprach. Bei jedem verdammten One-Night-Stand wäre ich froh über so viel Einsicht gewesen und hätte mich wortlos in die Kissen gekuschelt, den Kerl vergessen, bevor die Wohnungstür zuschlägt.
„Hey, du musst nicht sofort abhauen.“ Meine Stimme klang rau. Wir hatten nicht viel gesprochen dabei. Eigentlich so gut wie gar nicht. Wozu auch.
Tjark wandte nur den Kopf, so dass ich ihn im Profil sehen konnte. „Schon okay. Ich wache ganz gerne in meinem eigenen Bett auf.“
Ich nickte – eine Regung, die er wohl noch aus dem Augenwinkel wahrnehmen konnte.
„Also dann ...“
Dieser dämliche Ausspruch ließ ihn auf seinem Weg zur Tür stocken. Er zögerte kurz, dann drehte er sich herum. Und das erste Mal in dieser Nacht lächelte Tjark. Ganz kurz nur. Dann drehte er sich um und verschwand aus meiner Wohnung.








***

Hey, dieser kleine OS hat mich gekitzelt und wollte raus. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß.

Dewi